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		<title>Der Watschenmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Mar 2022 21:00:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Oscars! Wo Filmliebhaber sich vereinen – und fernschauen.“ Wanda Sykes brachte es gleich zu Beginn der 94. Oscar-Nacht auf den Punkt. Es spiegelt ganz gut das Dilemma der Oscars wider, wie verzweifelt sie versuchen, die Menschen wieder ins Kino zu bekommen, während sie wollen, dass sich alle vor ihren Fernsehern versammeln (um letztlich dabei zuzusehen, wie die meisten Preise nach der Papierform vergeben werden und um einen Paukenschlagmoment zu erleben, der sich als Schlag ins Gesicht verdienter Preisträger:innen erweist [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Oscars! Wo Filmliebhaber sich vereinen – und fernschauen.“ Wanda Sykes brachte es gleich zu Beginn der 94. Oscar-Nacht auf den Punkt. Es spiegelt ganz gut das Dilemma der Oscars wider, wie verzweifelt sie versuchen, die Menschen wieder ins Kino zu bekommen, während sie wollen, dass sich alle vor ihren Fernsehern versammeln (um letztlich dabei zuzusehen, wie die meisten Preise nach der Papierform vergeben werden und um einen Paukenschlagmoment zu erleben, der sich als Schlag ins Gesicht verdienter Preisträger:innen erweist – davon später).</p>
<p>Vor einigen Jahren stritt Hollywood darüber, ob Filme auf Streaming-Plattformen überhaupt als „Filme“ gelten. Jetzt hat Siân Heders kuscheliges Indie-Drama CODA, das von Apple TV+ vertrieben wird, den Oscar für den Besten Film gewonnen. Nach mehr als dreißig Jahren der Indie-Filmbewegung in Amerika ist CODA auch der erste Sundance-Hit, der dies je geschafft hat – und das mit einer hauptsächlich gehörlosen Besetzung. Zum großen Teil ist das wohl Netflix zu verdanken. Der Streamer, der einst von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences auf Abstand gehalten wurde – und den Steven Spielberg einst daran zu hindern versuchte, mehr Nominierungen für den Besten Film zu erhalten, indem er direkt zum Board of Governors der Academy ging – hat die Weichen für den Streamer von Apple gestellt.</p>
<p>War vor drei Jahren Hollywood noch in einen Kampf um die Zukunft des Kinos verwickelt – darüber, was genau einen Film ausmacht – und die Oscars ein metaphorischer Boxring, so sind sie jetzt buchstäblich zu einem Boxring geworden. In einem echten WTF-Moment, der alle Zuschauer:innen verblüffte, stürmte Will Smith auf die Bühne und verpasste Chris Rock eine Ohrfeige, nachdem der Komiker einen Witz über die kurz geschorenen Haare seiner Frau Jada Pinkett Smith gemacht hatte (sie leidet an Alopezie, eine Erkrankung, die zu Haarausfall führt). Smith schrie Rock danach noch von seinem Sitz aus an. In den USA fror die Fernsehsendung ein und verstummte. Im Ernst, ich habe das noch nicht ausreichend verarbeitet. Sollte diese hässliche Szene nicht echt gewesen sein, dann ist Will Smith ein besserer Schauspieler, als ich es für möglich gehalten habe.</p>
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<p>Nur nur wenige Augenblicke später ging Smith auf die Bühne und nahm seinen programmierten Oscar als Bester Hauptdarsteller in <em>King Richard</em> entgegen. Zu sagen, es war <em>awkward</em>, wäre eine gewaltige Untertreibung. „Richard Williams war ein erbitterter Verteidiger seiner Familie“, sagte er über seine Rolle und begann zu schluchzen. „In dieser Zeit meines Lebens, in diesem Moment, bin ich überwältigt von dem, was Gott mich auffordert, in dieser Welt zu tun und zu sein.“ Seine missionarische, überlange, selbstverliebte „vessel of love“-Rede darüber, dass er ein „Gefäß der Liebe“ sein möchte, fühlte sich echt an. Aber ich frage mich auch, ob Will Smith seine Rollen als Muhammad Ali und exzentrischer Vater der Williams-Schwestern wohl ein wenig zu ernst nahm. Seine Entschuldigung galt übrigens nur seiner Wiedereinladung, nicht aber seinem Prügelopfer (Chris Rock hat ja ziemlich souverän reagiert und auf eine Anzeige verzichtet). Er bekam Standing Ovations, aber kaum jemand konnte sich das ansehen, ohne sich fremd zu schämen.</p>
<p>Update 29. März: Mittlerweile <a href="https://www.cnn.com/2022/03/28/entertainment/will-smith-apology/index.html" target="_blank" rel="noopener">hat Smith sich entschuldigt</a>.</p>
<p>Begonnen hatte die Gala eher harmlos. Nach zwei Jahren der Pandemie schwebten wieder maskenlose Promis über den Red Carpet ins Dolby Theater. Nach mehreren Jahren ohne einen einzigen Moderator begannen die Oscars mit drei von ihnen. „In diesem Jahr hat die Academy drei Frauen als Gastgeberinnen eingestellt“, sagte Amy Schumer und flachste frech: „Weil es billiger ist als einen Mann einzustellen.“ Die Komikerin und ihre Kolleginnen Regina Hall und Wanda Sykes machten politische Witze über Floridas „Don’t say gay“-Gesetz und Covid-Witze, für die es wohl noch zu früh war. Es gab offenbar genug Zeit für Werbungen (vor allem für Disney, dem der Sender ABC gehört), und, ähem, zwei Lieder aus dem Disney-Animationsfilm <em>Encanto</em>, aber nicht für die acht Kategorien, die aus der Live-Show gestrichen worden waren und in hektischen Zuspielern dazwischen geschnitten wurden.</p>
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<p>Die schönste Rede des Abends kam in Gebärdensprache von Troy Kotsur, der als erster gehörloser Mann den Oscar als Bester Nebendarsteller in CODA gewann, und das höchst verdient. Es war ein wirklich wunderschöner Moment mit einer sehr persönlichen, herzerwärmenden Rede – gefolgt allerdings von einem klobigen Übergang zu Chris Evans, der uns seinen neuen Film vorstellte, in dem er Buzz Lightyear aus <em>Toy Story</em> seine Stimme leiht.</p>
<p>Es kommt schlimmer. Eine Schweigeminute und ein paar Power-Point-Folien für die Ukraine wurden gesäumt von einer Wodka-Werbung. Um die Geschmacklosigkeit zu toppen, war die „In Memoriam“-Montage mit einer überschwänglichen, tanzenden Gospel-Performance untermalt, die von den Toten komplett ablenkte. Der Tribut an die verstorbenen Künstler:innen wäre allerdings ohnedies untergegangen, weil alle noch fassungslos vom Smith-Ausraster waren. Zwei Fan-Preise für Zack Snyders <em>Justice League </em>und <em>Army of the Dead</em> hatten null Mehrwert. Ach so, und „Aquaman“ Jason Momoa rülpste auf der Bühne.</p>
<p>Will Smith hat es überdeckt, aber es gab weitere Preise. Remember? Dieses Ding für herausragende Leistungen. Jane Campion hat die Beste Regie für <em>The Power of the Dog</em> gewonnen (zwar nur ein Preis bei zwölf Nominierungen, aber ein wichtiger). Kenneth Branagh gewann den Preis für Best Original Screenplay für <em>Belfast</em> (strittig) und <em>Drive My Car</em> gewann den Preis für Best International Film – (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/stueck-fuer-stueck/">absolut unstrittig</a>). <em>Dune</em> nahm wenig überraschend sechs Oscars in hauptsächlich technischen Kategorien mit nach Hause. Jessica Chastain wurde zur besten Schauspielerin gekürt (wir lieben sie), Questlove gewann für seine Doku <em>Summer of Soul</em>, ein bemerkenswerter Akt der Kulturarchäologie.</p>
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<p>Das Problem mit solchen Smith-Ego-Momenten ist, dass sie ablenken von den Dingen, die tatsächlich wichtig sind, nämlich die Filme und deren Schöpfer:innen. Ein Moment, der zumindest meines Erachtens fast noch schlimmer war als die Live-Attacke gegen Rock: Man feiert <em>The Godfather</em> doch nicht mit einem Rapper (P Diddy), der die lebenden Legenden Francis Ford Coppola, Al Pacino und Robert DeNiro vorstellt! Dann waren da noch ein Snowboarder, ein Skater und ein Surfer, die „60 Years of James Bond“ präsentierten. Warum? Weil Bond-Filme Extremsport sind?</p>
<p>Ganz generell schienen an diesem Abend die Presenter irgendwie aus dem Hut gezaubert worden zu sein. Die ganze Show und ihre Anbiederungsversuche an ein jüngeres Publikum hatten letztlich die Anmutung eines faulen Tricks. Dabei sollten die Academy Awards nicht die Wächter des gepflegten Marketing-Kasperltheaters sein, sondern die Wächter der hohen Filmkunst. Wieder ein Jahr verspielt.</p>
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		<title>Critics Choice Awards</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Mar 2022 18:00:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die 27. Critics Choice Awards feierten vergangenen Sonntag das „Beste“ aus Film und Fernsehen mit einer Show, die tatsächlich live in Hollywood stattfand, ordentlich übertragen wurde und pünktlich endete (so mögen wir das). Skandale und politische Reden inklusive. Der Kommentar des Abends kam von Michael Keaton, der den Preis als Bester Darsteller der Miniserie Dopesick entgegen nahm. Er liebe diese Jahreszeit, sagte der Schauspieler, weil er die „falsche Demut“ förmlich riechen kann, die während der Preisverleihungssaison allgegenwärtig ist (er hat [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die 27. Critics Choice Awards feierten vergangenen Sonntag das „Beste“ aus Film und Fernsehen mit einer Show, die tatsächlich live in Hollywood stattfand, ordentlich übertragen wurde und pünktlich endete (so mögen wir das). Skandale und politische Reden inklusive.</p>
<p>Der Kommentar des Abends kam von Michael Keaton, der den Preis als Bester Darsteller der Miniserie <em>Dopesick</em> entgegen nahm. Er liebe diese Jahreszeit, sagte der Schauspieler, weil er die „falsche Demut“ förmlich riechen kann, die während der Preisverleihungssaison allgegenwärtig ist (er hat nicht Unrecht). Er bedankte sich auch bei „seinem Schauspielkollegen Präsident Selenskyj“ – „kämpfe weiter!“. Was früher nur Eingeweihte wussten, mittlerweile aber allgemein bekannt ist: Bevor Wolodymyr Selenskyj ukrainischer Präsident wurde, machte er als Hofnarr in der TV-Serie <em>Diener des Volkes</em> Furore (die übrigens derzeit auf Arte.tv zu sehen ist und hinter deren Ausstrahlungsrechten <a href="https://www.derstandard.at/story/2000134030268/selenskyj-serie-diener-des-volkes-wird-weltweiter-verkaufsschlager" target="_blank" rel="noopener">die halbe Welt her ist</a>). In der Serie spielt Selenskyj einen Geschichtslehrer, der zum Präsidenten aufsteigt.</p>
<p>Der Versuch der Critics Choice Association, die die Awards vergibt (und der auch diese Autorin angehört), ihre Show ins Beverly Hilton zu verlegen, war ein klarer Versuch, die Globes im Jahr 2022 zumindest symbolisch zu ersetzen. Die Taktik ging nicht auf, aber weil die Globes in diesem Jahr ziemlich ungeliebt über die Bühne gingen, haben die Critics Choice ein leicht erhöhtes Profil. Die Show ist kein Ranking-Hit, aber der Organisation wird im Allgemeinen mehr Glaubwürdigkeit eingeräumt und sie gilt als einer der besten Barometer für die Vorhersage der Oscars.</p>
<p><em>The Power of the Dog</em>, das Drama über (toxische) Männlichkeit und amerikanische Mythenbildung, hat die höchste Auszeichnung bekommen und damit seinen Favoritenstatus als Oscar-Anwärter zementiert. Jane Campion stand am Sonntag zweimal auf dem Podium und erhielt sowohl die Preise für die Beste Regie als auch für den Besten Film. „Ich habe immer noch eine Posttraumatische Belastungsstörung von Kritikern, die bis in die frühen Jahre meiner Karriere zurückreichen – autsch, einige sehr tiefe Wunden“, witzelte die 67-jährige Campion. „Ich bin jetzt wie die Großmutter in der Frauenbewegung im Film!“</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/G9FhvBwM6P0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/G9FhvBwM6P0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Es begann ziemlich harmlos. Dann wurde ihre Rede kontrovers, und das nur ein paar Tage nachdem sie <a href="https://variety.com/2022/film/news/jane-campion-says-sam-elliott-is-being-a-b-i-t-c-h-with-slam-against-the-power-of-the-dog-1235203098/" target="_blank" rel="noopener">wegen ihrer Reaktion</a> auf Sam Elliotts Kritik (er nannte ihr Drama „a piece of shit“) an ihrem Film bereits viral geworden war. Sie applaudierte anderen Frauen im Raum, darunter Venus und Serena Williams. „Venus und Serena, ihr seid solche Wunder“, sagte sie, „allerdings müsst ihr nicht so wie ich gegen die Jungs spielen.“</p>
<p>Es war ein schlechter Scherz, der schnell einen Shitstorm auslöste für die Andeutung, dass ihre Probleme als weiße Frau in Hollywood größer seien als die der schwarzen Sportlerinnen. Campion erhielt lauten Jubel im Ballsaal, aber lautere Kritik im Internet, wo sie als „<a href="https://twitter.com/gpfarris/status/1503231186927243269" target="_blank" rel="noopener">arrogant und ignorant</a>“ und „<a href="https://twitter.com/TvKhaleesi/status/1503219513680093186?ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank" rel="noopener">rassistisch</a>“ und „kleinlich“ bezeichnet wurde. Ihre Dankesrede hebe „die Probleme mit dem <a href="https://www.salon.com/2022/03/14/jane-campion-williams-feminism-apology/" target="_blank" rel="noopener">kniffligen weißen Feminismus</a> hervor.“ Campion hat sich <a href="https://deadline.com/2022/03/jane-campion-apologizes-serena-venus-williams-controversial-critics-choice-award-comment-1234978197/" target="_blank" rel="noopener">öffentlich bei den Tennisspielerinnen entschuldigt</a>, aber es zeigt wieder mal, auf welches Minenfeld sich heute begibt, wer öffentlich einen undurchdachten Witz äußert – sogar als Feministin (dabei hatte Campion wohl nur gemeint, dass im Sport im Gegensatz zum Filmbusiness wenigstens klare Regeln gelten).</p>
<p>Auch für die Oscars ist Jane Campion nominiert und tritt erneut gegen Steven Spielberg (<em>West Side Story</em>) an. Als sie zuletzt 1994 gegen ihn antreten musste, war sie mit <em>The Piano</em> im Rennen, aber Spielberg gewann für <em>Schindler’s List</em>. Es sieht heuer vielversprechend für die Neuseeländerin aus.</p>
<p>Was ist noch passiert? Will Smith erhielt den Preis als Bester Hauptdarsteller in <em>King Richard</em> und bedankte sich taktisch klüger als Campion bei der Tennisfamilie: „Ihr alle definiert den American Dream.“ Jessica Chastain gewann für <em>The Eyes of Tammy Faye</em>. Sie ist jetzt die glasklare Favoritin auf einen Oscar. Und Halle Berry nahm den #SeeHer Award entgegen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/9gz1g1PhKtU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/9gz1g1PhKtU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Als bester fremdsprachiger Film wurde verdientermaßen Ryūsuke Hamaguchis <em>Drive My Car</em> ausgezeichnet – wir vom filmfilter würden nicht anders urteilen. Das HBO-Drama <em>Succession</em>, das sich zu einer der berühmtesten Serien im Fernsehen entwickelt hat, wurde zur besten Dramaserie gekürt, während <em>Squid Game</em>, das erfolgreiche dystopische Drama von Netflix aus Südkorea, den Preis für die beste fremdsprachige Serie gewann (und <em>Squid Game</em>-Hauptdarsteller Lee Jung-jae schlug zwei <em>Succession</em>-Stars im Rennen um den Dramaserien-Schauspielpreis).</p>
<p>Wie bei den Independent Spirit Awards in der Vorwoche gab es auch bei den Critics Choice zahlreiche Moderator:innen, die über den Krieg in der Ukraine sprachen und ihre eigenen persönlichen Ansichten vor einem weitgehend gleichgesinnten, empfänglichen Publikum zum Ausdruck brachten. Billy Crystal erzählte davon, wie er als Kind in seinem Haushalt seine ersten Lacher von Verwandten bekam, die aus Russland, Odessa und Kiew geflohen waren, „um nach Amerika zu kommen, wo sie frei von Tyrannei leben konnten“. Wir können davon ausgehen, dass es am 27. März mehr davon geben wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Oscar-Filme im Check</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2022 17:30:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Filmexpert:innen beschweren sich oft darüber, dass die Dinge in der „fünften“ Jahreszeit, der Oscar-Saison, langweilig oder vorhersehbar seien. Das sind sie heuer definitiv nicht. Bei den 94. Academy Awards ist zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Maximalzahl von zehn Filmen für den Hauptpreis nominiert, und es scheint ein offenes Rennen zu sein – auch wenn es einen Favoriten gibt. Hier sind die zehn Filme, die am 27. März den Oscar für den Besten Film gewinnen könnten. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Filmexpert:innen beschweren sich oft darüber, dass die Dinge in der „fünften“ Jahreszeit, der Oscar-Saison, langweilig oder vorhersehbar seien. Das sind sie heuer definitiv nicht. Bei den 94. Academy Awards ist zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Maximalzahl von zehn Filmen für den Hauptpreis nominiert, und es scheint ein offenes Rennen zu sein – auch wenn es einen Favoriten gibt. Hier sind die zehn Filme, die am 27. März den Oscar für den Besten Film gewinnen könnten.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol>
<li><strong> The Power of the Dog </strong></li>
</ol>
<p>Manche sehen <em>The Power of the Dog</em> vielleicht als abgedroschenes Drama über einen Kerl, der die neue Frau seines Bruders nicht mag und deshalb rotzig wird. Aber die haben nicht aufgepasst. Der Western von Jane Campion hat Schichten und wieder <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/szenen-zweier-ehen/">Schichten auf Schichten</a>, und je genauer man hinsieht und je mehr man darüber nachdenkt, desto besser wird er. Jeder Teil des Schauspielquartetts spiegelt einen anderen Aspekt des verdorbenen Versprechens des amerikanischen Westens wider. Campions Drama hat bereits den Golden Globe in der Satteltasche, gilt als Favorit und hat in der Oscar-Nacht die Chance, zwölf Goldbuben zu gewinnen. Es wäre der erste Gewinn in dieser Sparte für Netflix; doch schon jetzt ist die neuseeländische Filmemacherin – im Jahr 1994 für <em>The Piano</em> nominiert – die erste Frau in der Geschichte, die zum zweiten Mal für einen Regie-Oscar in Rede steht.</p>
<p>(Auf Netflix)</p>
<p><em> <iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/LRDPo0CHrko" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/LRDPo0CHrko" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="2">
<li><strong> Belfast</strong></li>
</ol>
<p>Während Hollywood nunmehr bereit zu sein scheint, Netflix als einen würdigen Gewinner in der Königskategorie in seine Reihen aufzunehmen, gibt es einen anderen Film, dessen Wohlfühlfaktor man nicht unterschätzen sollte. Der in Belfast geborene Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh nähert sich in seinem schwarz-weißen Drama <em>Belfast</em> seiner eigenen Kindheit <a href="https://www.nytimes.com/2021/11/11/movies/belfast-review.html" target="_blank" rel="noopener">aus einer rosaroten Linse</a> mit einigen der beruhigendsten Melodien der Belfaster Legende Van Morrison. Als monochrome Memoiren hat der sechsfach nominierte Film viele Vergleiche mit Alfonso Cuaróns <em>Roma</em> nach sich gezogen, doch zwischen den Seelen dieser Filme liegen Welten. Für einige Leute ist die Rührseligkeit, die sich durch <em>Belfast</em> zieht, vielleicht zu viel, aber es feiert den lebensbejahenden menschlichen Geist, den die Academy so liebt.</p>
<p>(Im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Ja3PPOnJQ2k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Ja3PPOnJQ2k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="3">
<li><strong> CODA </strong></li>
</ol>
<p>Apropos Wohlfühlen. Dieser Indie-Film der amerikanischen Regisseurin Siân Heder ist unverschämt klebrig. Es ist der Stoff, aus dem Oscar-Träume gemacht sind. Der Titel des Films <em>CODA</em> ist ein Akronym für „Children of Deaf Adults“, also Kinder gehörloser Erwachsener. Hier bezieht er sich auf eine Jugendliche, gespielt von Emilia Jones, die als einzige in ihrer Familie hören kann und ausgerechnet Sängerin werden will. Ihr Vater wird von Troy Kotsur gespielt, der in der Sparte Bester Nebendarsteller nominiert ist (und hoffentlich gewinnt). <em>CODA</em> hat die beiden wichtigsten Oscar-Gebote verpasst, die ein Film normalerweise benötigt, um den Produktions-Hauptpreis zu gewinnen: Nominierungen für Beste Regie und/oder Bester Schnitt. Aber das <a href="https://variety.com/2021/film/reviews/coda-review-emilia-jones-troy-kotsur-marlee-matlin-1234894424/" target="_blank" rel="noopener">Herz erwärmende Drama</a>, insgesamt für drei Oscars nominiert, schrieb Geschichte bei den Screen Actors Guild Awards als erste Besetzung von hauptsächlich gehörlosen Schauspielern, die den Preis mit nach Hause nahmen. Es könnte gewinnen.</p>
<p>(Flat auf Apple TV+)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="4">
<li><strong> West Side Story</strong></li>
</ol>
<p>Viele hatten ihre Zweifel, als sie hörten, dass Steven Spielberg bei einer neuen Version von <em>West Side Story</em> Regie führen würde. Das Original aus dem Jahr 1961, unter der Regie von Robert Wise und Jerome Robbins, adaptiert aus dem Broadway-Musical von 1957, gilt als perfekt. Die New Yorker Romeo-und-Julia-Geschichte war nicht nur ein Kassenerfolg, sondern gewann auch zehn Oscars. Das Remake kann das mit „nur“ sieben Nominierungen nicht toppen. Außerdem gewinnen Musicals selten den Hauptpreis &#8211; zuletzt <em>Chicago</em> im Jahr 2003. Aber egal, ob er gewinnt oder nicht: Spielberg hat mit seinem Musical-Debüt <a href="https://www.theguardian.com/film/2021/dec/02/west-side-story-review-steven-spielberg" target="_blank" rel="noopener">eines der lebendigsten Werke</a> des jüngeren Hollywood-Kinos geschaffen.</p>
<p>(Auf Disney+)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/A5GJLwWiYSg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/A5GJLwWiYSg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="5">
<li><strong> King Richard</strong></li>
</ol>
<p>Reinaldo Marcus Greens Sportsaga <em>King Richard</em> ist ein Film mit einer unbeschreiblichen Geschichte: „Es ist, als würde man jemanden bitten zu glauben, dass die nächsten zwei Mozarts unter deinem Dach leben“, sagt ein ungläubiger Trainer im Film. Richard, der eifrige Vater von Venus und Serena Williams, hatte die Tenniskarriere seiner Töchter beschlossen, noch bevor sie überhaupt geboren waren. An Stellen fühlt sich der Film wie die <a href="https://abcnews.go.com/GMA/Culture/king-richard-review-smith-performance-life/story?id=81191600" target="_blank" rel="noopener">unbedingte Will-Smith-Oscar-Fabrik</a> an. Der Schauspieler war zwei Mal nah dran mit <em>Ali</em> und <em>The Pursuit of Happiness</em>. Obwohl es einige Kontroversen darüber gab, einen Mann in den Mittelpunkt der Erfolgsgeschichte zweier Frauen zu rücken, hat Smith gute Chancen, nun den Oscar als Bester Darsteller mit nach Hause zu nehmen. Der Hauptpreis für den fünffach nominierten Film scheint dagegen außer Reichweite.</p>
<p>(Im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="6">
<li><strong> Dune</strong></li>
</ol>
<p>Vielleicht nicht der beste Film, den man auf dieser Liste findet, geschweige denn der beste Film von Denis Villeneuve, aber mit Abstand der einzige, der als Blockbuster-Kinohit gezählt werden kann. Es wäre vermessen zu sagen, dass der kanadische Regisseur versucht, mit seinen Science-Fiction-Filmen Preise zu gewinnen, aber seine kunstvollen Spektakel haben eine bessere Chance als die meisten anderen. <em>Dune</em> erhielt nach <em>The Power of the Dog</em> die meisten Nominierungen, nämlich zehn. Erstaunlicherweise wurde Villeneuve jedoch in der Kategorie „Beste Regie“ übergangen (übrigens genauso wie Maggie Gyllenhaal mit <em>The Lost Daughter</em>). <em>Dune</em> ist schillernd, frustrierend und <a href="https://www.vox.com/22629441/dune-review-villeneuve-lynch-jodorowsky-herbert" target="_blank" rel="noopener">eine beeindruckende filmische Leistung</a>. Einige Regisseure sind vor Villeneuve an der Verfilmung des Romans von Frank Herbert gescheitert.</p>
<p>(Flat auf Sky, u.a.)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/8g18jFHCLXk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/8g18jFHCLXk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="7">
<li><strong> Drive My Car</strong></li>
</ol>
<p>Der japanische Regisseur Ryûsuke Hamaguchi hat eine Kurzgeschichte von Haruki Murakami aus dem Jahr 2014 adaptiert und erweitert, aber nichts daran wirkt aufgesetzt oder in die Länge gezogen. In fünf Minuten von <em>Drive My Car</em> passiert mehr als in manchen Filmen insgesamt. Es ist ein Drama über Liebe und Verlust und die Art und Weise, wie Kunst einige der Enttäuschungen des Lebens heilen kann – und einige auch nicht. Die kritische Wertschätzung für den Film ist – <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/stueck-fuer-stueck/">aus filmfilter-Sicht zurecht</a> – euphorisch. Die vier Kategorien, in denen <em>Drive My Car</em> nominiert ist, sind übrigens die gleichen, die Bong Joon-hos <em>Parasite</em> vor zwei Jahren gewonnen hat: Film, Regie, adaptiertes Drehbuch und Internationaler Film. Wenn er gewinnt, wäre er der zweite internationale Film, der nach <em>Parasite</em> den Oscar in der Haupt-Kategorie holt.</p>
<p>(Vereinzelt noch im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/6BPKPb_RTwI" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/6BPKPb_RTwI" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="8">
<li><strong> Licorice Pizza</strong></li>
</ol>
<p>Paul Thomas Andersons Oscar-Contender spielt Anfang der 1970er Jahre im Geburtsort des Filmemachers, im kalifornischen San Fernando Valley – es ist ein sonnenverwöhnter Film, der das treibende Gefühl des Verliebens wirklich schön einfängt. Anderson und sein Ko-Kameramann Michael Bauman haben den dreifach nominierten Film auf 35 mm gedreht, was heute in Hollywood selten ist; mit Objektiven, die einst von der Legende Gordon Willis verwendet wurden, der die <em>Godfather</em>-Trilogie und einige von Woody Allens besten Werken gedreht hat. Aus filmfilter-Sicht ist <em>Licorice Pizza</em> <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/kindergeburtstag/">ein Traum von einem Film</a>. Eines von mehreren Highlights: Bradley Cooper als perverser Produzent, Promi-Friseur, Barbra Streisand-Freund und Wasserbett-Käufer Jon Peters.</p>
<p>(Im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/ofnXPwUPENo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/ofnXPwUPENo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="9">
<li><strong> Don’t Look Up</strong></li>
</ol>
<p>Der vierfach nominierte Film von Oscar-Gewinner Adam McKay (<em>The Big Short</em>) ist vielleicht der lustigste des vergangenen Jahres. Aber zugleich der deprimierendste. <em>Don</em><em>’t Look Up</em> ist eine bissige Satire, in deren Fadenkreuz eindeutig Politiker und jene Teile der Gesellschaft da draußen stehen, denen die Klimakrise gleichgültig ist. Das Ergebnis ist eine <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/ueberdrehmomente/">dissonante Komödie</a>, die die Mischung aus Erschöpfung und Wut, die wir in den vergangenen Jahren mit uns herumgeschleppt haben, sehr gut einfängt. Man sollte für die Credits auf dem Sofa sitzen bleiben. Nicht, dass die Gewinnchancen von <em>Don</em><em>’t Look Up</em> besonders hoch wären, aber in seiner Entlarvung der Welt, in der wir leben, polarisiert er stärker als die anderen auf dieser Liste.</p>
<p>(Auf Netflix)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/b8ioeP0hHiQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/b8ioeP0hHiQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="10">
<li><strong> Nightmare Alley</strong></li>
</ol>
<p>Der jüngste von Guillermo del Toros Filmen ist vielleicht der erste, in dem das Übernatürliche völlig fehlt. Hier sind Magie und Geister das Produkt menschlicher Tricks (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/zauber-und-zinnober/">entspringen mithin der menschlichen Natur</a>). Aber es ist schwer, sich eine Noir-Geschichte vorzustellen, die besser zu del Toro passen würde, diesem Märchenerzähler, der Männer mehr fürchtet als Monster. <em>Nightmare Alley</em> verbindet Horror, amerikanische Desillusionierung und die beseelte Dunkelheit, die Bradley Cooper in seinen kristallblauen Augen zu wecken vermag. Der große Preis ist wohl nicht drin (der mexikanische Regisseur durfte 2018 gleich zwei Oscars für <em>The Shape of Water</em> mitnehmen), aber er ist in vier Kategorien nominiert. <em>Nightmare Alley</em> ist der Underdog in diesem Jahr – aber was für einer.</p>
<p>(Im Kino und auf Disney+)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Q81Yf46Oj3s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Q81Yf46Oj3s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
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		<title>Viele Kämpfer und ein König</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/viele-kaempfer-und-ein-koenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 22:15:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und zwei Beispiele freiheitsliebenden Filmschaffens. Ein Überblick von Alexandra Seitz und Roman Scheiber. Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film Belfast ein allseits (z.B. von der NYT) hochgelobtes, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist Belfast für sieben Oscars nominiert, Branagh [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und zwei Beispiele freiheitsliebenden Filmschaffens. Ein Überblick von Alexandra Seitz und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film <strong><em>Belfast</em></strong> ein allseits (z.B. von der NYT) <a href="https://www.nytimes.com/2021/11/11/movies/belfast-review.html" target="_blank" rel="noopener">hochgelobtes</a>, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist <em>Belfast</em> für sieben Oscars nominiert, Branagh ist nunmehr der erste in sieben verschiedenen Oscar-Kategorien nominierte Kreative).</p>
<p>Und während man sich widerwillig damit abgefunden hatte, dass Will Smith sein schauspielerisches Talent zumeist in albernen Stöffchen verplempert, geht der her und liefert in Reinaldo Marcus Greens<strong><em> King Richard</em></strong> das wunderbar kontrastreiche Porträt eines kontroversiellen Charakters: Richard Dove Williams Jr., Trainer-Vater der beiden berühmten Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams. <em>Belfast </em>und<em> King Richard</em> – zwei Titel, die breiten Publikumsschichten unterhaltsame, erhellende und bewegende Kinoabende garantieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Womit wir unseren geübten Blick in die Schmuddelecke mit den Nischenprodukten richten, in der in dieser Woche ein ganz besonders seltsames Exemplar kreucht und fleucht. Normalerweise sollte einem die Genrebezeichnung „Horrorkomödie“ ja Warnung sein und Grund genug für einen sehr weiten Bogen um den solcherart bezeichneten Film. Aber wir machen eine Ausnahme für <strong><em>Studio 666 </em></strong>von BJ McDonnell, der davon handelt, dass eine Rockband names Foo Fighters (gespielt von den, genau, Foo Fighters) ihr Jubiläumsalbum unter jubilarischen Umständen aufnehmen will. Zu diesem Behufe bezieht sie eine leerstehende Villa in Encino, L.A., in der es einen ganz besonders tollen, trockenen Hall gibt. Allerdings treibt in ihr auch der Schutzpatron des Rock’n’Roll höchstselbst sein sinistres Unwesen. Es dauert nicht lange, da wähnt man sich in einem Frühwerk von Peter Jackson und wohlig-schaurige Erinnerungen an die Hoch-Zeit des Splatter-Films werden wach; die Blut-Pumpen arbeiten auf Hochtouren, John Carpenter, der die Titelmusik beigesteuert hat, schaut auf ein Cameo vorbei und auch ansonsten traut man ob der hier dargebotenen, schlimmen Folgen des Headbangens des öfteren seinen Augen nicht. Zwar kann keiner der Foo Fighters wirklich überzeugend schauspielen, aber alle geben ihr Bestes und regelrecht rührend ist dieses Laientheater immer dann, wenn sie mal wieder kreischend vor den Gespenstern davonrennen. Wer am Kino den Schwachsinn liebt, ist in <em>Studio 666</em> demnach bestens aufgehoben und kann damit zugleich die Wartezeit bis zum nächsten Eintrag ins Kapitel „befremdliches Treiben älterer Herren“ überbrücken: <em>Jackass Forever</em> startet am 10. März.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/UEDkqOBhPis" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/UEDkqOBhPis" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Nach dieser Albernheit muss noch auf zwei weitere Kinostarts dieser Woche hingewiesen werden, die eine jeweils klare politische Haltung verbindet, nämlich eine identitätsstiftend liberale.</p>
<p>Zum einen kommt der in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnete <em><strong>Aheds Knie</strong></em> von Nadav Lapid ins Kino, der die ganze Paradoxie einer freiheitsliebenden Filmkunstschaffens-Existenz in Israel <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yWnTMfz_Nj8" target="_blank" rel="noopener">vor Augen und Ohren führt</a> und dabei sogar noch zu Herzen geht; zum anderen startet <em><strong>Der Mann, der seine Haut verkaufte</strong></em>, dessen Titel keineswegs irreführend und der als Mischung aus Satire, Liebesdrama und Freiheitsfabel ziemlich ansehnlich ist: Im Film der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania schafft ein sensibler Syrer auf der Flucht es nach Europa, indem er seinen Rücken <a href="https://www.youtube.com/watch?v=X6eRo-cDsUM" target="_blank" rel="noopener">als Kunstwerk tätowieren und letztlich versteigern</a> lässt – alles nur, um mit seiner großen Liebe vereint zu sein.</p>
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		<title>Irritierende Irrlichter</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/irritierende-irrlichter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 22:00:04 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und drei gegenwärtige Beispiele innovativen Filmschaffens. Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film Belfast ein allseits (z.B. von der NYT) hochgelobtes, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist Belfast für sieben Oscars nominiert, Branagh ist nunmehr der erste in sieben verschiedenen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und drei gegenwärtige Beispiele innovativen Filmschaffens.</em></p>
<p>Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film <strong><em>Belfast</em></strong> ein allseits (z.B. von der NYT) <a href="https://www.nytimes.com/2021/11/11/movies/belfast-review.html" target="_blank" rel="noopener">hochgelobtes</a>, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist <em>Belfast</em> für sieben Oscars nominiert, Branagh ist nunmehr der erste in sieben verschiedenen Oscar-Kategorien nominierte Kreative).</p>
<p>Und während man sich widerwillig damit abgefunden hatte, dass Will Smith sein schauspielerisches Talent zumeist in albernen Stöffchen verplempert, geht der her und liefert in Reinaldo Marcus Greens<strong><em> King Richard</em></strong> das wunderbar kontrastreiche Porträt eines kontroversiellen Charakters: Richard Dove Williams Jr., Trainer-Vater der beiden berühmten Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams. <em>Belfast </em>und<em> King Richard</em> – zwei Titel, die breiten Publikumsschichten unterhaltsame, erhellende und bewegende Kinoabende garantieren.</p>
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<p>Womit wir unseren geübten Blick in die Schmuddelecke mit den Nischenprodukten richten, in der in dieser Woche ein ganz besonders seltsames Exemplar kreucht und fleucht. Normalerweise sollte einem die Genrebezeichnung „Horrorkomödie“ ja Warnung sein und Grund genug für einen sehr weiten Bogen um den solcherart bezeichneten Film. Aber wir machen eine Ausnahme für <strong><em>Studio 666 </em></strong>von BJ McDonnell, der davon handelt, dass eine Rockband names Foo Fighters (gespielt von den, genau, Foo Fighters) ihr Jubiläumsalbum unter jubilarischen Umständen aufnehmen will. Zu diesem Behufe bezieht sie eine leerstehende Villa in Encino, L.A., in der es einen ganz besonders tollen, trockenen Hall gibt. Allerdings treibt in ihr auch der Schutzpatron des Rock’n’Roll höchstselbst sein sinistres Unwesen. Es dauert nicht lange, da wähnt man sich in einem Frühwerk von Peter Jackson und wohlig-schaurige Erinnerungen an die Hoch-Zeit des Splatter-Films werden wach; die Blut-Pumpen arbeiten auf Hochtouren, John Carpenter, der die Titelmusik beigesteuert hat, schaut auf ein Cameo vorbei und auch ansonsten traut man ob der hier dargebotenen, schlimmen Folgen des Headbangens des öfteren seinen Augen nicht. Zwar kann keiner der Foo Fighters wirklich überzeugend schauspielen, aber alle geben ihr Bestes und regelrecht rührend ist dieses Laientheater immer dann, wenn sie mal wieder kreischend vor den Gespenstern davonrennen. Wer am Kino den Schwachsinn liebt, ist in <em>Studio 666</em> demnach bestens aufgehoben und kann damit zugleich die Wartezeit bis zum nächsten Eintrag ins Kapitel „befremdliches Treiben älterer Herren“ überbrücken: <em>Jackass Forever</em> startet am 10. März.</p>
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<p>Schluss mit den Albernheiten. Mit <em>Saf</em> von Ali Vatansever, <em>Trübe Wolken </em>von Christian Schäfer und <em>El Fulgor </em>von Martín Farina steuern die Türkei, Deutschland und Argentinien irrlichternd irritierende Beispiele innovativen Filmschaffens der Gegenwart zur dieswöchentlichen Auswahl bei.</p>
<p>Entlang der Brecht‘schen Binsenweisheit „erst kommt das Fressen und dann die Moral“ nimmt sich Vatansever in <strong><em>Saf</em></strong> die „urbane Erneuerung“ in Istanbul vor, im Zuge derer sich riesige Baustellen durch ärmliche Uraltviertel fressen – hier: Fikirtepe auf der asiatischen Seite –, Häuser durch Türme und die Bewohner gleich mit ersetzt werden. Kamil ist eine gute Seele, er hat Prinzipien, aber keine Arbeit, seine eher pragmatische Frau Remziye setzt ihm zu, weil sie endlich ein Kind will. Also verdingt Kamil sich auf der Baustelle und ersetzt dort einen billigen, syrischen Flüchtling, was zu Verwerfungen mit den Kollegen führt, bei denen es nicht bleibt. Niemand kommt in diesem stillen Lehrstück ungeschoren davon, doch die allgemeine Korrosion der Werte trifft die Mittel- und die Heimatlosen am Schwersten. Vier Jahre habe es gedauert, den Film zu schreiben, sagt Vatansever, und: „Ich war selbst Zeuge all dieser radikalen Veränderungen. Es ist nicht nur die Geografie, die sich verändert, sondern auch das Leben der Menschen. Die grundlegende Frage war: Wie kann man an einem so schwierigen Ort menschlich bleiben, wenn man von Monstern umgeben ist?“</p>
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<p><strong><em>Trübe Wolken</em></strong>, angesiedelt irgendwo im hessischen Hinterland, ist ein erstaunliches Beispiel für die Beunruhigung, die sich aus einem gegenüber narrativen Konventionen leicht verschobenen Inszenierungsstil ergeben kann. Nach einem Drehbuch von Glenn Büsing erzählt Schäfer vom 17-jährigen Paul, vom Teenager-Ennui, vom Einbruch des Verbrechens ins langweilige Kleinstadtleben, von Stillstand und Qual. Er tut dies auf eine Art und Weise, die immer irgendwie ein bisschen „daneben“ wirkt: Dialoge, Handlungen, Charaktere liegen leicht schief zu den Erwartungen, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tjku1IZWvzs" target="_blank" rel="noopener">wie eine Folie über dem Eigentlichen</a>. Solcherart einerseits einen Raum der Unschärfe kreierend, zum anderen aber auch einen der Erkenntnis.</p>
<p>Auch nicht leichter macht es einem <strong><em>El Fulgor</em></strong>, der sich vielleicht noch am ehesten als lyrischer Essayfilm beschreiben lässt und in dem Farina die Vorbereitungen junger Männer auf den Karneval mit der Arbeit von Gauchos im argentinischen Hinterland ineinanderflicht. Womit er zugleich die Drag-Queen und den Macho aufeinander prallen lässt. Die vom Filmemacher selbst geschriebene Musik verleiht den dokumentarischen Bildern spezielle dramatische Kraft. Bis schließlich aus dieser durchaus sperrigen Ansammlung von Sinneseindrücken in Farbe und Schwarzweiß eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Sq6XJcTcPrA" target="_blank" rel="noopener">rohe, urtümliche, rituelle, rauschhafte Energie</a> sich schält und anschickt, alles zu verschlingen.</p>
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