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		<title>Apple up!</title>
		<link>https://filmfilter.at/sofa-surfer/apple-up/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2022 20:00:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>High Times beim hauseigenen Streamer von Apple: Nicht nur holte Apple TV+ als erster Streamingdienst den Oscar in der Königsklasse (für „CODA“), man hat mit „Severance“, „WeCrashed“, „Pachinko“ und neuerdings „Slow Horses“ auch vier der interessantesten Serien-Neuerscheinungen im Programm. Über CODA kann man ja munter diskutieren, und nur weil Apple den nicht selbst in Auftrag gegeben, sondern um die stolze Summe von 25 Millionen Dollar nach dem Debüt in Sundance gekauft hat, muss einem ja nicht gleich Hören und Sehen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>High Times beim hauseigenen Streamer von Apple: Nicht nur holte Apple TV+ als erster Streamingdienst den Oscar in der Königsklasse (für „CODA“), man hat mit „Severance“, „WeCrashed“, „Pachinko“ und neuerdings „Slow Horses“ auch vier der interessantesten Serien-Neuerscheinungen im Programm. </em></p>
<p>Über <strong><em>CODA</em></strong> kann man ja <a href="https://podcasts.apple.com/at/podcast/filmfilter/id1606438460?i=1000555597885" target="_blank" rel="noopener">munter diskutieren</a>, und nur weil Apple den nicht selbst in Auftrag gegeben, sondern um die stolze Summe von 25 Millionen Dollar nach dem Debüt in Sundance gekauft hat, muss einem ja nicht gleich Hören und Sehen vergehen. Es ist das in einen Fischerort in Massachusetts versetzte Remake der französischen Tragikomödie <em>La famille Bélier</em> (2014) und insofern ein Fall von „kultureller Aneignung“ (Siân Heder hat den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch gewonnen). Der Film ist auch in dramaturgischer Hinsicht nicht neu, mag auch – im Übrigen wie das Original – ein wenig formelhaft sein, vermag aber dennoch zu berühren und für die Lebenswelt gehörloser Menschen einzunehmen bzw. für deren Schwierigkeiten zu sensibilisieren. Ja, <em>CODA</em> ist ein Wohlfühl-Drama und ein wenig pickig ist er auch. „Ein Film wie ein Ikea-Regal“, wie der Spiegel schreibt, ist er definitiv nicht. (Schon allein, weil dafür <a href="https://www.addendum.org/holzmafia/ikea-auf-dem-holzweg/" target="_blank" rel="noopener">nicht der Urwald Osteuropas draufgeht</a>.) Österreichische und deutsche Kinos, die den dreifach Oscar-prämierten Film auf die große Leinwand holen wollten, kassierten übrigens Absagen. Das Wiener Gartenbaukino hat nicht einmal eine Freigabe für ein einzelnes Screening im Rahmen seiner Oscar-Nacht gekriegt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Sympathien erwirbt man anders, aber Apple kann es sich gewissermaßen leisten. Mit der aufwändigen Oscar-Kampagne für <em>CODA</em> hat man zu einem guten Zeitpunkt investiert, denn die Serien-Originals, die derzeit beim hauseigenen Streamer laufen, rechtfertigen allein den Abschluss eines AppleTVplus-Abos. Die vier vom filmfilter gesichteten sind jeweils divers (und teils großartig) besetzt, alle vier beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen, und alle vier finden eine ihrem Gegenstand angemessene Form. Eine davon lässt in der Titelsequenz ein Einhorn als buchstäbliches Unicorn durch ihr Startup-Büro spazieren: <strong><em>WeCrashed</em></strong>, eine Serie als Füllhorn von Story-Gimmicks, entsprechend ihrem verhaltensoriginellen, von the one and only Jared Leto dargestellten <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">Antiheld-Marketingguru-Größenwahnsinnigen</a>, haben wir ja bereits vorgestellt – ebenso wie die <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/der-madeleine-effekt/">wunderbare koreanische Familiensaga</a> <em><strong>Pachinko</strong></em> und den nach langer Drama-Exposition fulminant als Thriller finalisierenden Sci-Fi-Neunteiler <em>Severance</em>, über den im Folgenden noch ein paar Worte ergänzt werden sollen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ein Interieur-technisch an die 1950er oder 60er Jahre erinnernder, räumlich weit ausgedehnter und zeitlich penibel getakteter Büro-Alltag wird in <strong><em>Severance</em></strong> mit einer eher an Huxley als an Orwell angelehnten <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/schmerztherapien/">Corporate Control Dystopie</a> verschachtelt; dabei spielt vor dem Hintergrund der weißen Grundtönung des „Lumon“-Konzerns und ein paar verklausulierten Anspielungen an die Geschichte des Tech-Riesen Apple buchstäblich jede Pulloverfarbe zumindest eine Nebenrolle. Die Prämisse der von Dan Erickson entwickelten und großteils von Ben Stiller in Szene gesetzten Geschichte in Kurzfassung: Das Erinnerungsvermögen des Personals wird chirurgisch zwischen privat und dienstlich getrennt, die Auswirkung genau untersucht. Wer besonders plastische Vergleiche braucht: „<em>Severance</em> – what <em>The Office</em> would be like if created by Aldous Huxley“, <a href="https://podcasts.apple.com/at/podcast/culture-bunker-sea-power-live-plus-metronomy-half-man/id1496246490?i=1000551594420" target="_blank" rel="noopener">behauptet der Bunker Podcast</a>. Ein wesentliches Element ist der Personenkult, den das Unternehmen um seinen Gründer aufführt – ein Schelm, wer an Steve Jobs denkt.</p>
<p>Neben der innovativen Retro-Ästhetik u.a. hervorzuheben ist das durchgehend tolle Ensemble. Die trotzige weibliche Hauptfigur Helly R. kann man sich bereits nach den ersten paar Episoden in keiner anderen Gestalt als jener von Britt Lower mehr vorstellen, dazu verharrt die Kamera gern auf den melancholischen Blicken von John Turturro, dem gedruckst verliebten Lächeln von Christopher Walken, der in Sekundenschnelle von Charme zu Groll und zurück changierenden Mimik von CEO Patricia Arquette oder der zähnefletschenden Herzlichkeit von Tramell Tillman, der den aalglatten Aufpasser spielt und z.B. auch den Organisator der für den fleißigsten Mitarbeiter (köstlich spöttisch: Zach Cherry) ausgerichteten, dem verstorbenen Firmengründer huldigenden „Waffelparty“. Und dabei haben wir erst die Hälfte des Haupt-Casts aufgezählt und die ambivalente Quasi-Somnambulie des von Adam Scott gespielten Helden noch nicht erwähnt und nichts von der prall gefüllten narrativen Wundertüte erzählt, aus der sich diese Serie speist. Wer an Kafka denkt, liegt nicht weit daneben. Wer das Intro ab dem zweiten Mal überspringt, hat offenbar keinen Hang zu verstörenden Traumbildern. Und wer Home Office hasst, findet in <em>Severance</em> eine effektive Therapie. Work-Life-Balance sieht wahrlich anders aus.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Mit <strong><em>Slow Horses</em></strong> kündigt sich nun ein weiterer Seriencoup von Apple TV+ an, zumindest macht es nach zwei Episoden diesen Eindruck. Ein in London geborener Student pakistanischer Abstammung wird entführt und soll offenbar vor laufender Kamera enthauptet werden. River Cartwright (Jack Lowden), ein Agent auf dem Abstellgleis (im rasanten Opener sehen wir warum), erkennt die Chance sich zu rehabilitieren, Geheimdienstchefin Diana Taverner (hat Kristin Scott-Thomas nicht genau so eine Rolle schon einmal gespielt?) setzt Kollegin Sid (Olivia Cooke kongenial) auf ihn an und River, einem renitenten Informanten auf den Fersen, setzt ein Haus in Brand und bringt Sid in Lebensgefahr, statt eine Spur zu finden.</p>
<p><em>Slow Horses</em>, basierend auf den gleichnamigen Romanen von Mick Herron, ist eine genuine Mischung aus temporeichem Spionage-Thriller und Sprechdurchfall-Komödie. Gary Oldman gibt Jackson Lamb, den grandios käsigen und cholerischen Chef der „Slough House“ genannten Aufbewahrungsabteilung des britischen MI5 für lahme Agenten, lahm wie eben River, den Lamb unter Hohnsprüchen Mistkübel durchwühlen lässt. Lamb ist jene Art Vorgesetzter, der seine löchrig besockten Füße vorzugsweise auf dem Schreibtisch platziert, aus dem Büro-Nickerchen mittels eigener Darmwinde aufwacht und seine in Ungnade gefallenen Agenten mit immer neuen Schimpfnamen belegt – sich dann aber im entscheidenden Moment um sie kümmert. Als hätte Oldman seine Rolle in der fabelhaft paranoiden John-le-Carré-Verfilmung <em>Tinker Tailor Soldier Spy</em> (2011) humoresk ausgebaut – Emmy-verdächtig. Wir bleiben dran am Apple-plus-Programm und Sie könnten sich in der Zwischenzeit ja ein Abo zulegen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/O9ZJChzPn0U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/O9ZJChzPn0U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
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		<title>Kino-Ereignisse</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/kino-ereignisse-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 18:00:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche. Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie L&#8217;événement / Das Ereignis zustande bringt (siehe Appendix unten), sondern auch solche wie Sonic the Hedgehog 2. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche.</em></p>
<p>Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie <em>L&#8217;événement / Das Ereignis </em>zustande bringt (siehe Appendix unten), sondern auch solche wie <strong><em>Sonic the Hedgehog 2</em></strong>. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war da unvermeidbar. Die Zielgruppe, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen und ansprechbar für nostalgische Reminiszenzen an ihre damaligen Medienerfahrungen ist, sie ist offenbar ziemlich groß. Und ein paar Fans unter 40 scheint das Franchise auch zu haben. Der hochtourige blaue Igel rast durch einen hauchdünnen Plot, Jim Carrey grimassiert, alle, die ihre Kindheit über weite Strecken vor der Sega-Konsole verbracht haben, freuen sich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Nicht wirklich aus der Abteilung Kino-Ereignisse und daher ungleich schwächer antizipiert kommt das Sequel zum 1996 erschienen <em>Eraser</em>, einem Äktschn-Film aus der Phase von Arnold Schwarzeneggers Schaffen, die von Filmen wie <em>Batman &amp; Robin </em>und <em>Versprochen ist versprochen </em>bestimmt wurde. In <strong><em>Eraser Reborn </em></strong>ist Schwarzenegger nicht mehr dabei, und warum jetzt eine Neuauflage eines soliden, doch nicht ganz zu Unrecht vergessenen Neunzigerjahre-Actionfilms zwar nicht in die US-amerikanischen, dafür aber in die hiesigen Kinos kommt – man weiß es nicht.</p>
<p>Der dritte Film des Sony Spider-Man Universe ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, das Superheldenwesen finsterer und finsterer zu gestalten, sowohl was die DC-Comic-Verfilmungen als auch die Marvel-Produktionen angeht. <strong><em>Morbius </em></strong>ist eine der traurigeren Marvel-Figuren: ein erkrankter Wissenschafter, der sich mit Fledermausblut selbst therapiert und darüber zum Blutsüchtigen wird. Der Trailer verspricht perfekt gebautes Düstermannkino, mit einem ambivalenten, in sich zerrissenen Antihelden, gespielt von Jared Leto, der gerne mal zum Overacting neigt (auch z.B. in der <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">sehenswerten Serie <em>WeCrashed</em></a>), was sich in das dunkel-expressive Setting in diesem Fall aber recht gut einzufügen scheint.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und dann gibt es noch diese unscheinbaren Filme, die man ohne großen Erwartungen sieht und die sich dennoch dauerhaft als Kino-Ereignisse festsetzen. Der Regisseur Juho Kuosmanen hat 2016 mit seinem Langfilmdebüt <em>Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki</em> einen der schönsten finnischen Filme des Jahrzehnts gedreht. Auch sein zweiter, <strong><em>Abteil Nr. 6</em></strong>, wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Genre – einen, der das Genre sehr sanft verwandelt nämlich. Im Fall von <em>Olli Mäki</em> war es der Sport- oder Boxerfilm. Bei <em>Abteil Nr. 6 </em>ist es die RomCom. Die finnische Studentin Laura (Seidi Haarla) fährt mit dem Zug durch Russland, mit ihr im Abteil fährt der russische Minenarbeiter Ljoha (Yuriy Borisov) zu seinem nächsten Job. Die Nähe, die zwischen den beiden entsteht, ist nicht die romantische Nähe, die man zum Beispiel aus <em>Before Sunrise </em>und 180 weiteren Boy-meets-Girl-Geschichten kennt. Beide stehen an Wendepunkten ihres Lebens, und Kuosmanen schenkt seinen Figuren eine lakonische Entspanntheit. Übereifrig hingegen war die – inzwischen zurückgenommene – Entscheidung der Cinestar-Gruppe, den Film nicht ins Programm zu nehmen, weil Hauptdarsteller Borisov Russe ist und sechs Prozent des Budgets von <em>Abteil Nr. 6 </em>aus Russland stammen. Der Boykottversuch gehört zu den tristen Momenten, in denen das Denken in nationalen Kategorien, das vom Krieg befeuert wird, auch die trifft, die gegen den Krieg kämpfen: Yuriy Borisov hat kurz nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine einen Appell gegen den Krieg unterzeichnet – was in Russland ein risikoreiches Unterfangen ist, anders als in Deutschland oder Österreich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>In einem direkten Sinne politisch ist <strong><em>A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani</em></strong>, der neue Film von Asghar Farhadi, der die Geschichte von Rahim (Amir Jadidi) erzählt. Rahim sitzt im Gefängnis und hat Freigang, seine Freundin findet eine Tasche voller Goldmünzen – und das iranische Rechtssystem gibt Verurteilten die Möglichkeit, sich freizukaufen. Damit steht Rahim vor einer schweren Entscheidung. Er entschließt sich, das Geld zurückzugeben. Durch eine kleine Notlüge entstehen aber ganz neue Probleme, und jetzt geht es Rahim an die Ehre. Zum einen sind Farhadis Filme Porträts der iranischen Gesellschaft der Gegenwart. Zum anderen aber, universaler, erzählen sie von Menschen, deren Entscheidungen nie ungebrochen richtig sind, auch wenn sie sich aus richtigen Impulsen speisen. Es ist immer kompliziert.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und zum Abschluss Kinderkino: Ali Samadi Ahadi, der mit seinen <em>Pettersson und Findus</em>-Filmen zwei sehr charmante Kinderbuch-Adaptionen geschaffen hat, hat <strong><em>Peterchens Mondfahrt </em></strong>verfilmt. Es ist – nach den Filmen von 1959 und 1990 – die dritte Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Gerdt von Bassewitz. Der Charme des Alten geht Ahadis Film ab, <em>Peterchens Mondfahrt </em>kommt 2022 in der Schnittgeschwindigkeit und visuellen Opulenz daher, die auch in deutschsprachigen Animationsfilmen für Kinder inzwischen Standard ist. Der Zauber des Originals bleibt trotzdem erhalten.</p>
<p><strong>Weitere Kino-Ereignisse, nicht mehr lange zu sehen: </strong></p>
<p>„Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans <strong><em>Das Ereignis</em></strong>. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann ist es eine Frauensache.“ Ernaux’ im Jahr 2000 erschienener Roman erzählt von einer Abtreibung im Frankreich der frühen Sechzigerjahre – und ist kein historischer Roman, sondern ein Bericht über die anhaltende gesellschaftliche Verfügungsgewalt über Frauen. <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/">Hier unsere Empfehlung</a> des Films von Audrey Diwan.</p>
<p>Céline Sciamma legte 2019 mit <em>Porträt einer jungen Frau in Flammen </em>einen der intensivsten Filme des Jahres vor. Dem gingen drei Werke voraus, die zusammen einen Jugend-Trilogie bildeten (<em>Water Lilies</em>, <em>Tomboy </em>und <em>Mädchenbande</em>). Mit <strong><em>Petite maman – Als wir Kinder waren</em></strong> wendet Sciamma sich, der deutsche Titel deutet es an, der Kindheit als Sujet zu. Nelly (Joséphine Sanz) fährt nach dem Tod ihrer Großmutter in das Haus, in dem ihre Mutter Marion aufgewachsen ist. Die Mutter muss weg, in die Klinik, mit Depressionen. Beim Spielen im Wald trifft sie ein Mädchen, das genau so heißt, Marion (Gabrielle Sanz, Zwillingsschwester von Joséphine). Sciamma ist wieder sehr nah an ihren Figuren, ohne ihnen – oder der Zuschauer:in – zu nahe zu treten. Ein Film über Kindheit, das Erwachsensein und über die Traurigkeit, die, wie Marion erklärt, nicht von den Kindern erfunden worden ist (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/mutter-tochter-elegie/">hier unsere ausführliche Besprechung</a>).</p>
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		<title>Kino-Ereignisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 16:30:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr, eine sträflich alleingelassene junge Frau – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche. „Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans Das Ereignis. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr, eine sträflich alleingelassene junge Frau – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche.</em></p>
<p>„Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans <strong><em>Das Ereignis</em></strong>. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann ist es eine Frauensache.“ Ernaux’ im Jahr 2000 erschienener Roman erzählt von einer Abtreibung im Frankreich der frühen Sechzigerjahre – und ist kein historischer Roman, sondern ein Bericht über die anhaltende gesellschaftliche Verfügungsgewalt über Frauen. <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/">Hier unsere Empfehlung</a> des Films von Audrey Diwan.</p>
<p>Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie <em>L&#8217;événement / Das Ereignis </em>zustande bringt, sondern auch solche wie <strong><em>Sonic the Hedgehog 2</em></strong>. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war da unvermeidbar. Die Zielgruppe, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen und ansprechbar für nostalgische Reminiszenzen an ihre damaligen Medienerfahrungen ist, sie ist offenbar ziemlich groß. Und ein paar Fans unter 40 scheint das Franchise auch zu haben. Der hochtourige blaue Igel rast durch einen hauchdünnen Plot, Jim Carrey grimassiert, alle, die ihre Kindheit über weite Strecken vor der Sega-Konsole verbracht haben, freuen sich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ungleich schwächer antizipiert kommt das Sequel zum 1996 erschienen <em>Eraser</em>, einem Äktschn-Film aus der Phase von Arnold Schwarzeneggers Schaffen, die von Filmen wie <em>Batman &amp; Robin </em>und <em>Versprochen ist versprochen </em>bestimmt wurde. In <strong><em>Eraser Reborn </em></strong>ist Schwarzenegger nicht mehr dabei, und warum jetzt eine Neuauflage eines soliden, doch nicht ganz zu Unrecht vergessenen Neunzigerjahre-Actionfilms zwar nicht in die US-amerikanischen, dafür aber in die hiesigen Kinos kommt – man weiß es nicht.</p>
<p>Der dritte Film des Sony Spider-Man Universe ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, das Superheldenwesen finsterer und finsterer zu gestalten, sowohl was die DC-Comic-Verfilmungen als auch die Marvel-Produktionen angeht. <strong><em>Morbius </em></strong>ist eine der traurigeren Marvel-Figuren: ein erkrankter Wissenschaftler, der sich mit Fledermausblut selbst therapiert und darüber zum Blutsüchtigen wird. Der Trailer verspricht perfekt gebautes Düstermannkino, mit einem ambivalenten, in sich zerrissenen Antihelden, gespielt von Jared Leto, der gerne mal zum Overacting neigt (auch z.B. in der <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">sehenswerten Serie <em>WeCrashed</em></a>), was sich in das dunkel-expressive Setting in diesem Fall aber recht gut einzufügen scheint.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und dann gibt es noch diese unscheinbaren Filme, die man ohne großen Erwartungen sieht und die sich dauerhaft festsetzen. Der Regisseur Juho Kuosmanen hat 2016 mit seinem Langfilmdebüt <em>Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki</em> einen der schönsten finnischen Filme des Jahrzehnts gedreht. Auch sein zweiter, <strong><em>Abteil Nr. 6</em></strong>, wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Genre – einen, der das Genre sehr sanft verwandelt nämlich. Im Fall von <em>Olli Mäki</em> war es der Sport- oder Boxerfilm. Bei <em>Abteil Nr. 6 </em>ist es die RomCom. Die finnische Studentin Laura (Seidi Haarla) fährt mit dem Zug durch Russland, mit ihr im Abteil fährt der russische Minenarbeiter Ljoha (Yuriy Borisov) zu seinem nächsten Job. Die Nähe, die zwischen den beiden entsteht, ist nicht die romantische Nähe, die man zum Beispiel aus <em>Before Sunrise </em>und 180 weiteren Boy-meets-Girl-Geschichten kennt. Beide stehen an Wendepunkten ihres Lebens, und Kuosmanen schenkt seinen Figuren eine lakonische Entspanntheit. Übereifrig hingegen war die – inzwischen zurückgenommene – Entscheidung der Cinestar-Gruppe, den Film nicht ins Programm zu nehmen, weil Hauptdarsteller Borisov Russe ist und sechs Prozent des Budgets von <em>Abteil Nr. 6 </em>aus Russland stammen. Der Boykottversuch gehört zu den tristen Momenten, in denen das Denken in nationalen Kategorien, das vom Krieg befeuert wird, auch die trifft, die gegen den Krieg kämpfen: Yuriy Borisov hat kurz nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine einen Appell gegen den Krieg unterzeichnet – was in Russland ein risikoreiches Unterfangen ist, anders als in Deutschland oder Österreich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>In einem direkten Sinne politisch ist <strong><em>A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani</em></strong>, der neue Film von Asghar Farhadi, der die Geschichte von Rahim (Amir Jadidi) erzählt. Rahim sitzt im Gefängnis und hat Freigang, seine Freundin findet eine Tasche voller Goldmünzen – und das iranische Rechtssystem gibt Verurteilten die Möglichkeit, sich freizukaufen. Damit steht Rahim vor einer schweren Entscheidung. Er entschließt sich, das Geld zurückzugeben. Durch eine kleine Notlüge entstehen aber ganz neue Probleme, und jetzt geht es Rahim an die Ehre. Zum einen sind Farhadis Filme Porträts der iranischen Gesellschaft der Gegenwart. Zum anderen aber, universaler, erzählen sie von Menschen, deren Entscheidungen nie ungebrochen richtig sind, auch wenn sie sich aus richtigen Impulsen speisen. Es ist immer kompliziert.</p>
<p>Eine weniger gleichnishafte Geschichte über Strafe und Recht erzählt der Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NHtyiSNRldI" target="_blank" rel="noopener"><strong><em>Bis wir tot sind oder frei</em></strong></a>. Die Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger) macht sich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts auf den Weg, das Justizsystem der Schweiz zu reformieren, am Beispiel ausgerechnet des notorischen Kriminellen und Ausbrecherkönigs Walter Stürm (Joel Basman), der auf die Anwältin bald eine ziemliche Faszination ausübt. Als Stürm in Isolationshaft kommt und Hug den Kampf aufnimmt, wird der Kriminelle zur Symbolfigur der Schweizer Linken. Es folgen Hungerstreik und Gefangenenbefreiung – alles basierend auf einer wahren Geschichte.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und zum Abschluss Kinderkino: Ali Samadi Ahadi, der mit seinen <em>Pettersson und Findus</em>-Filmen zwei sehr charmante Kinderbuch-Adaptionen geschaffen hat, hat <strong><em>Peterchens Mondfahrt </em></strong>verfilmt. Es ist – nach den Filmen von 1959 und 1990 – die dritte Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Gerdt von Bassewitz. Der Charme des Alten geht Ahadis Film ab, <em>Peterchens Mondfahrt </em>kommt 2022 in der Schnittgeschwindigkeit und visuellen Opulenz daher, die auch in deutschsprachigen Animationsfilmen für Kinder inzwischen Standard ist. Der Zauber des Originals bleibt trotzdem erhalten.</p>
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		<title>Einhörner in Serie</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 17:00:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als Einhörner bezeichnet man in der Wirtschaftswelt Start-Ups mit einer Marktbewertung von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Durch den Vorspann von WeCrashed (Apple TV+) schlendert ein buchstäbliches Einhorn und macht den Begriff plastisch. Die neue Apple-Serie gehört zu einem Triptychon neuer Geschichten über größenwahnsinnige Unternehmer und eine Unternehmerin mit Messias-Komplexen. Die Amerikaner haben diese Einhörner so stark mit deren Garagen-Erfindungen mythologisiert, dass sie zu den neuen amerikanischen Helden wurden – bis sie von ihrem Podest fielen und nicht selten sogar [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Einhörner bezeichnet man in der Wirtschaftswelt Start-Ups mit einer Marktbewertung von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Durch den Vorspann von <strong><em>WeCrashed</em></strong> (Apple TV+) schlendert ein buchstäbliches Einhorn und macht den Begriff plastisch. Die neue Apple-Serie gehört zu einem Triptychon neuer Geschichten über größenwahnsinnige Unternehmer und eine Unternehmerin mit Messias-Komplexen. Die Amerikaner haben diese Einhörner so stark mit deren Garagen-Erfindungen mythologisiert, dass sie zu den neuen amerikanischen Helden wurden – bis sie von ihrem Podest fielen und nicht selten sogar aus ihren eigenen Firmen geschmissen wurden. Das ist natürlich verführerisches, dramatisches Futter für Hollywood.</p>
<p>In <em>WeCrashed</em> spielen Jared Leto und Anne Hathaway Adam und Rebekah Neumann, die WeWork, ein Start-Up mit einem einstigen Wert von 47 Milliarden US-Dollar, aufgebaut und versenkt haben. In der Serie werden wir Zeugen der 80-Stunden-Arbeitswochenhektik, „Gott sei Dank, es ist Montag“-Partys und Entlassungen vieler gutgläubiger Angestellter. Adam und Rebekah bauen Luftschlösser, aber ihr Bio-Spezialgeschäft für grüne Säfte voller Lügen und Manipulationen bricht schließlich zusammen. Jared Leto nutzt sein berüchtigtes Selbstwertgefühl, um die unerbittlich manische Rolle zu spielen, für die er geboren wurde: ein Rockstar-Jesus, der Katy Perrys „Roar“ als seine eigene persönliche Musik übernimmt, die herausplatzt, sobald er eine Limousine oder einen Korridor betritt. In den Schatten gestellt wird er eigentlich nur von Anne Hathaway, die jene Art von Person spielt, für die das Ziel von WeWork, nämlich „das Bewusstsein der Welt zu erweitern“, tatsächlich etwas anderes als Kauderwelsch ist.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>In Hulus <strong><em>The Dropout</em></strong> (ab 20. April bei Disney+) gibt Amanda Seyfried ein gruseliges Rollkragenporträt von Elizabeth Holmes, der Gründerin des Biotech-Unternehmens Theranos. Ihr Start-Up versprach, eine Technologie entwickelt zu haben, die Krankheiten mit einem einzigen Blutstropfen diagnostizieren kann. Theranos zog Vorstandsmitglieder wie den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger an, Forbes erklärte Holmes zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt, aber ihre Erfindung funktionierte nicht. Kürzlich wurde Holmes wegen Betrugs verurteilt. Die Geschichte ist erstaunlich, nicht zuletzt wegen Holmes Selbstinszenierung durch einen affektierten, rauen Bariton, den wir Seyfried im Spiegel üben sehen. Es überrascht nicht, dass bei Apple ein Film in Arbeit ist, der auf John Carreyrous Buch „Bad Blood“ basiert, mit Jennifer Lawrence als Holmes und Adam McKay im Regiesessel.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/reVzB1P9bRA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/reVzB1P9bRA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und das ist noch nicht alles. Im Februar ist <em>Super Pumped: The Battle for Uber</em> mit Joseph Gordon-Levitt als Travis Kalanick, dem Mitbegründer der Uber-App, auf dem US-Sender Showtime erschienen (ein Starttermin hierzulande ist noch nicht abzusehen).</p>
<p>In der kommenden HBO-Serie <em>Doomsday Machine</em> wiederum <a href="https://variety.com/2022/tv/news/doomsday-claire-foy-facebook-hbo-1235175337/" target="_blank" rel="noopener">spielt Claire Foy</a> die Co-Geschäftsführerin von Meta, Sheryl Sandberg – mehr als ein Jahrzehnt, nachdem David Fincher und Aaron Sorkin sich mit den Ursprüngen von Facebook in ihrem fabelhaften <em>The Social Network</em> auseinandergesetzt haben.</p>
<p>Es sind Geschichten über Ego, Erfindertum und Kapitalismus – selbstverherrlichende Vergleiche mit Steve Jobs inklusive. Und während die messianischen Komplexe, die monströse Selbstbewunderung und die Kollateralschäden, die ihre Arroganz zum Teil angerichtet haben, nicht ausgespart werden, sind es sympathische Porträts dieser Illusionisten, die auch ambivalenten Raum für fehl platzierte Bewunderung lassen, was überladenes Selbstvertrauen alles schaffen kann.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/eNn8YJYAyEo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/eNn8YJYAyEo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die Grenze zwischen vermeintlichen Helden wie Adam Neumann und Gaunerinnen wie Anna Delvey – jene Hochstaplerin, <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/vip-very-inventive-person/">die sich ihren Weg in Manhattans High Society gelogen</a> und Investoren hinters Licht geführt hat – ist schmal, und ganze Machtsysteme sind an ihrem Aufstieg beteiligt. Wie drückt es eine Figur in der Netflix-Serie <em>Inventing Anna</em> aus: „Hier geht es um den Schwindel des amerikanischen Traums im 21. Jahrhundert. Den Diebstahl einer Präsidentschaft. Es geht darum, warum die Kultur des Betrugs bleiben wird.“</p>
<p>Von dahin ist es nicht weit bis zum <em>Tinder Swindler</em>.</p>
<p>Wenn man die Serien hintereinander ansieht, erschaffen sie einen gemeinsamen Kosmos, in dem sich Unternehmer- und Gaunertum in einem Porträt des amerikanischen Untergangs treffen. Einhörner passen besser in Märchen als in die Wirklichkeit.</p>
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		<title>Der Madeleine-Effekt</title>
		<link>https://filmfilter.at/sofa-surfer/der-madeleine-effekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Mar 2022 19:00:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser prallgefüllten Woche dreht sich alles um Proust’sche Erinnerungen: in der großartigen koreanischen Serie „Pachinko“ (Apple TV+) und im wunderbaren koreanisch-amerikanischen Film „Minari“ (Sky); in Chris Markers „Sans Soleil“ (Mubi) sowieso, aber auch in „The Andy Warhol Diaries“ (Netflix). Dazu vier weitere Kurz-Empfehlungen. Einer alten koreanischen Frau kommen die Tränen bei einer dampfenden Schüssel mit weißem Reis, einst ein verbotener Luxus für japanisch regierte Koreaner. Fässer mit selbstgemachtem, salzigem Kimchi sind ein Symbol der Erlösung inmitten der Not. Die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In dieser prallgefüllten Woche dreht sich alles um Proust’sche Erinnerungen: in der großartigen koreanischen Serie „Pachinko“ (Apple TV+) und im wunderbaren koreanisch-amerikanischen Film „Minari“ (Sky); in Chris Markers „Sans Soleil“ (Mubi) sowieso, aber auch in „The Andy Warhol Diaries“ (Netflix). Dazu vier weitere Kurz-Empfehlungen.</em></p>
<p>Einer alten koreanischen Frau kommen die Tränen bei einer dampfenden Schüssel mit weißem Reis, einst ein verbotener Luxus für japanisch regierte Koreaner. Fässer mit selbstgemachtem, salzigem Kimchi sind ein Symbol der Erlösung inmitten der Not. Die Geschmäcker und olfaktorischen Erinnerungen tragen dazu bei, eine größere Familiensaga von Vertreibung und Assimilation, Opfer und Erfolg der Millionen Koreaner zu erzählen, die während der japanischen Besatzung ihre Heimat Richtung Japan verließen, und von den Hunderttausenden, die nach dem Zweiten Weltkrieg dort blieben, als Korea in zwei Teile geteilt wurde.</p>
<p>Die Freuden und Tiefen von <strong><em>Pachinko</em></strong> (ab 25. März bei Apple TV+), glorreich adaptiert von Soo Hugh und unter der Regie von Kogonada und Justin Chon, sind so greifbar, dass man am Ende der achten Folge dieser großartigen Serie das Gefühl hat, die süße Nussigkeit des Reises und die leichte Säure des Kimchis schmecken zu können.</p>
<p>Wie das 490-seitige gleichnamige Buch der koreanisch-amerikanischen Schriftstellerin Min Jin Lee, ist auch die Adaption episch im Umfang und hinreißend in der Ausführung. Das Drama wird auf Koreanisch, Japanisch und Englisch erzählt und fließt nur so dahin dank herausragender Darsteller:innen, die die generationenübergreifende Reise dieser Familie begründen. Aber die Hauptschlagader des Ganzen ist Sunja, von Minha Kim als junge Frau mit stählerner Anmut und als ältere Frau von der Oscar-Preisträgerin Youn Yuh-jung (<em>Minari</em>) mit verwitterter Weisheit gespielt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/2tuPjZSMYQ4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/2tuPjZSMYQ4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Das üppige Grün von Sunjas Kindheit ist in <em>Pachinko</em> genauso lebendig wie das kühle Blau ihres Enkelsohnes in der modernen Welt. Sogar die schlüpfrigen Kreaturen, die auf dem koreanischen Fischmarkt angeboten werden, sind irgendwie von einem ganz eigenen Tentakel-Charme durchdrungen. „Pachinko“ heißt in Japan ein flipperähnliches Glücksspiel, das oft gegen die Spieler manipuliert wird, was es schwierig macht zu gewinnen. Die Leute spielen trotzdem weiter und hoffen darauf, dass das Schicksal zu ihren Gunsten lächelt. Die Unberechenbarkeit des Pachinko macht es zur perfekten Metapher für das Leben.</p>
<p>Auch in <strong><em>Minari</em></strong> (Sky), einem halbautobiografischen Film von Lee Isaac Chung, der vor Humor, Menschlichkeit und Hoffnung strotzt, nehmen die Schwierigkeiten des Einwandererlebens eine leise, betörende Form an. „Die Oma riecht nach Korea“, sagt der kleine, in Amerika geborene Enkel. Aber neben ungewohnten Gerüchen und fermentierter Chilipaste bringt die koreanische Großmutter, gespielt von Youn Yuh-Jung, noch etwas anderes mit nach Amerika: das titelgebende Minari, ein widerstandsfähiges Kraut aus der Heimat, das hier als ziemlich offensichtliche Metapher dient. Sie pflanzt es leise am Ufer eines nahe gelegenen Flusses und verfolgt gelegentlich seine Assimilation in amerikanischer Erde, die sich parallel zu jener der Familie entfaltet. Steven Yeun und Han Ye-ri spielen ein koreanisches Paar, das während der Reagan-Jahre in Arkansas Landwirtschaft zu betreiben und damit seine beiden kleinen Kinder durchzubringen hofft. Durch die Bescheidenheit des Films wirkt, was wie eine kleine Geschichte erscheint, menschlich gesehen viel größer.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/mwt2nq9Whu0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/mwt2nq9Whu0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p><strong><em>Sans Soleil</em></strong> (Mubi) ist Chris Markers Erinnerungscollage eines Menschenlebens. Die Erzählerin ist eine hypnotische Frauenstimme, die aus Briefen vorliest, die ihr ein Mann geschickt hat. Es ist ein Film, der als widersprüchlicher Begleiter zu Markers 28-minütigem Magnum Opus <em>La Jetée</em> dient. <em>Sans Soleil</em> handelt von einem Mann, der nicht vergessen kann. <em>La Jetée</em> ist ein Film über die Unfähigkeit des Erinnerns. Der amerikanische Kritiker Jonathan Rosenbaum <a href="https://www.criterion.com/current/posts/484-personal-effects-the-guarded-intimacy-of-sans-soleil" target="_blank" rel="noopener">schrieb über den französischen Filmemacher</a>: „Durch die schön geschriebenen, quasi literarischen Texte seiner Filme entwickelt Marker eine Beziehung zu seinem Publikum, die zugleich konfessionell und geheimnisvoll ist, sodass wir gleichzeitig das Gefühl haben, ihn gut zu kennen und ihn überhaupt nicht zu kennen.“</p>
<p>Und wie viel wissen wir eigentlich über Andy Warhol? Oft wird der Erfolg einer Doku-Serie daran gemessen, wie viel Neues sie den Zuschauer:innen über ihr Thema beibringt. Wer nicht die Auszüge aus seinen Tagebüchern aus dem Jahr 1989 gelesen hat, auf dem <strong><em>The Andy Warhol Diaries</em></strong> (Netflix) basiert, der hat vielleicht immer noch das Bild des blassen Mannes mit den weißen Perücken und den Campbell-Dosen im Kopf. Warhol wollte es so, und die von Ryan Murphy produzierte Netflix-Doku-Serie legt unter der Regie von Andrew Rossi genau dar, warum Warhol seine Persönlichkeit so sorgfältig selbst kuratiert hat wie seine Kunst. Warhols Stimme, die seine Worte aus dem Jenseits vorliest, wird via Künstliche Intelligenz erzeugt – was ungefähr so gruselig wirkt wie es klingt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/MWo2CdGf4h0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/MWo2CdGf4h0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Außerdem zu empfehlen: Die achtteilige Serie <strong><em>WeCrashed </em></strong>(Apple TV+) befasst sich damit, wie die Mitbegründer von WeWork ein globales Unternehmen mit einem einstigen Wert von 47 Milliarden US-Dollar aufgebaut und versenkt haben. Jared Leto und Anne Hathaway sind köstliche Narzissten in den Hauptrollen (mehr darüber im nächsten Brooklyn Bulletin).</p>
<p>Michael Sarnoskis erster Spielfilm, <strong><em>Pig</em></strong> (Prime Video), ist eine traurig-schöne Verlust-Fabel mit Nicolas Cage, der netterweise an die Anfänge seiner Karriere zurückkehrt – inklusive Boxenstopp in einem unterirdischen Kampfclub für Restaurant-Angestellte (<a href="https://filmfilter.at/starkes-stueck/pig/">hier unsere Kurzkritik</a>).</p>
<p>Guillermo del Toros Oscar-nominierte Noir-Neuverfilmung<strong><em> Nightmare Alley</em></strong> (Disney+) trifft einen karmesinroten Gipfel in einem schneekalten Höhepunkt trügerischer Brutalität (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/zauber-und-zinnober/">hier unsere Kritik</a>).</p>
<p>Und zu guter Letzt erscheint am 23. März <strong><em>The Nightingale</em></strong> (Prime Video), eine bewegende Geschichte über Imperialismus, staatlich sanktionierten Völkermord und unvorstellbaren Herzschmerz. Das Rache-Drama von Jennifer Kent (<em>The Babadook</em>) mit Aisling Franciosi in der Hauptrolle wird sich für manche als zu brutal erweisen, aber wer es über die qualvolle erste halbe Stunde hinaus schafft, für den oder die gibt es ein filmisches Juwel zu entdecken (ein Starkes Stück darüber folgt).</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vorweihnachtsüberschuss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 18:00:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>West Side Story, Way of Spielberg. Dazu Adam Driver und Adam McKay, Verhoevens Nonne Benedetta, das Haus Gucci und ein Hügel der Wahrheit für Maresi Riegner. Dazu ein reiner Quatschfilm und der Abschluss der Spinnenmann-Trilogie. Ein selektiver Überblick von Benjamin Moldenhauer, Alexandra Seitz und Roman Scheiber. Einer der größten Meister des intelligenten Spektakelfilms fabriziert ein Remake eines der größten Musical-Klassiker: Steven Spielberg hat West Side Story neu verfilmt, der selbst wiederum eine Art Remake ist von Shakespeares „Romeo and Juliet“ [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>West Side Story, Way of Spielberg. Dazu Adam Driver und Adam McKay, Verhoevens Nonne Benedetta, das Haus Gucci und ein Hügel der Wahrheit für Maresi Riegner. Dazu ein reiner Quatschfilm und der Abschluss der Spinnenmann-Trilogie. Ein selektiver Überblick von Benjamin Moldenhauer, Alexandra Seitz und Roman Scheiber.</em></p>
<p>Einer der größten Meister des intelligenten Spektakelfilms fabriziert ein Remake eines der größten Musical-Klassiker: Steven Spielberg hat <strong><em>West Side Story</em></strong> neu verfilmt, der selbst wiederum eine Art Remake ist von Shakespeares „Romeo and Juliet“ (1597), welches wiederum eine Art Remake von Teilen aus William Painters „Palace of Pleasure“ (1567) ist, welches sich wiederum ausgiebig bei „The Tragical History of Romeus and Juliet“ (1562) von Arthur Brooke bedient. Das als Hinweis darauf, dass der Boy-Meets-Girl-und-dann-dürfen-sie-nicht-beieinander-liegen-Plot die Zeiten überdauert und ungebrochen funktioniert. Gerade, wenn ihn ein Steven Spielberg wie in diesem Fall aus dem Jahr 1597 ins Jahr 2021 hinüberrettet. Die amerikanischen Kritiker:innen sind trotz oder wegen Spielbergs konventioneller Interpretation der <em>West Side Story</em> ähnlich begeistert wie ihre Eltern und Großeltern es von der Originalverfilmung 1961 in der Regie von Robert Wise waren, einer Art US-Nationalepos, welches wiederum die legendäre Broadway-Show von Robbins/Bernstein/Sondheim zur Vorlage hatte.</p>
<figure id="attachment_5363" aria-describedby="caption-attachment-5363" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=500%2C333&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5363" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild-300x200.jpg" alt="" width="500" height="333" /><figcaption id="caption-attachment-5363" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5363" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=500%2C333&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="333" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=770%2C514&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=500%2C333&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=1155%2C770&amp;ssl=1 1155w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=370%2C247&amp;ssl=1 370w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=293%2C195&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=1400%2C934&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=240%2C160&amp;ssl=1 240w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=390%2C260&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?resize=1320%2C880&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/dont_look_up_beitragsbild.jpg?w=1486&amp;ssl=1 1486w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Don&#8217;t Look Up, 2021, Adam McKay</figcaption></figure>
<p><em>Mit<strong> Don&#8217;t Look Up</strong></em> hat Adam McKay – Regisseur der <em>Anchorman</em>-Filme, des lustigen <em>Stepbrothers</em> und des im direkten Vergleich geradezu seriös ausgefallenen <em>The Big Short</em> – die erste stimmige, zeitgemäße Allegorie auf das vom Klimawandel beförderte Ende der Welt gedreht. Ausgehend vom denkbar einfachsten Bild: Ein Komet rast auf die Erde zu, in sechs Monaten wird alles vorbei sein. Zwei Wissenschafter (Jennifer Lawrence, Leonardo DiCaprio) versuchen, die Präsidentin zu warnen (in Hochform: Meryl Streep), aber niemand unternimmt was. Es gibt politisch und, nachdem die beiden zunehmend Verzweifelten eine eigene Kampagne starten, auch medial kein Durchkommen, weil alle Adressaten zu gierig, zu geltungssüchtig oder schlicht komplett bescheuert sind. Wer <em>Don&#8217;t Look Up </em>wegen des momentan bereits laufenden Untergangs der Welt, wie wir sie kannten, nicht in einem Kino sehen will, muss nur noch ein bisschen warten, am 24. Dezember startet der Film dann auch auf Netflix.</p>
<figure id="attachment_5042" aria-describedby="caption-attachment-5042" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5042" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake-300x169.jpg" alt="" width="500" height="281" /><figcaption id="caption-attachment-5042" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5042" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="281" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=1400%2C788&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?resize=1320%2C743&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Gunpowder_Milkshake.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Gunpowder Milkshake, 2021, Navot Papushado</figcaption></figure>
<p>Es ist nicht die geringste Qualität des Genrekinos, dass es ihm gelingt, auch abstruseste Plots für zwei Stunden plausibel werden zu lassen. Man kennt die Gesetze des jeweiligen Genres, das in diesem Sinne tatsächlich eine Art eigene Welt bildet, die sich an die Plausibilitäten und Kausalitäten, die draußen gelten, nicht halten muss. Nur wenig wirkt freudloser als Kinogänger:innen, die einem nach dem Besuch von einem herrlichen Quatschfilm erklären, was in diesem Fall wieder „unrealistisch“ gewesen sei. <strong><em>Gunpowder</em> <em>Milkshake </em></strong>will es in dieser Hinsicht dann auch wirklich wissen: Sam (Karen Gillian) wurde, wie schon ihre Mutter (Lena Headey), zur Auftragskillerin ausgebildet. Ein Auftrag läuft schief, und Sam muss sich um ein achtjähriges Mädchen (Chloe Coleman) kümmern, ihre ursprünglichen Auftraggeber an den Fersen.</p>
<figure id="attachment_5554" aria-describedby="caption-attachment-5554" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5554" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-300x162.jpg" alt="" width="500" height="270" /><figcaption id="caption-attachment-5554" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5554" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="270" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=300%2C162&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=1024%2C554&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=770%2C416&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=1536%2C830&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=2048%2C1107&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=500%2C270&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=293%2C158&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=1400%2C757&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=390%2C211&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?resize=1320%2C714&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/annette_hd-scaled.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Annette, 2021, Leos Carax</figcaption></figure>
<p>Das Regie-Debüt der grandiosen Schauspielerin Maggie Gyllenhaal stammt ursprünglich aus der Feder von Elena Ferrante, heißt <strong><em>The Lost Daughter</em></strong> (bzw. auf Deutsch wie deren Roman <em>Frau im Dunkeln</em>), hat Oscar-Preisträgerin Olivia Colman und Dakota Johnson aufzubieten und zählt zur seltenen Kategorie künstlerisch wertvoller Mutterschaftsdramen (zunächst im Kino, dann auf Netflix).</p>
<p>Im Arthouse, was heißt, im ArtHOCHhaus ist auch <strong><em>Annette</em></strong>, Leos Carax‘ <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/luft-anhalten/" target="_blank" rel="noopener">wildes Musical</a> daheim. Wobei Adam Driver, seines Zeichens Antiheld von <em>Annette</em>, der überhaupt ein starkes Jahr hatte, in einem weiteren Haus Hof hält, nämlich in Ridley Scotts Dekadenz-Spektakel<strong><em> House of Gucci</em></strong>, welches naturgemäß vor allem durch seine Oberflächenreize besticht. Schöne Autos, schöne Sachen zum Anziehen, schreckliche Menschen, allen voran Patrizia Reggiani (Lady Gaga), die ihren Ehemann Maurizio Gucci (eben Driver) nach der Scheidung umbringen lässt – basierend auf einer wahren Geschichte, und Reggiani soll nicht zufrieden sein mit der Darstellung Lady Gagas, sondern verärgert. Sehr glücklich mit dem Film hingegen muss der Gucci-Konzern sein, denn seit der Premiere verkauft er sein Zeug besser als davor. Der <em>Spiegel</em> hat kürzlich daran erinnert, dass <a href="https://www.spiegel.de/thema/salma_hayek/">Salma Hayek</a> mit <a href="https://www.spiegel.de/thema/francois_henri_pinault/">François-Henri Pinault</a> verheiratet ist; der wiederum ist Vorstandschef bei Kering, dem Mutterkonzern von Gucci. Jared Leto wiederum hat bereits für Gucci geworben. Beide spielen in Ridley Scotts Film tragende Rollen.</p>
<figure id="attachment_4989" aria-describedby="caption-attachment-4989" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=500%2C263&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-4989" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci-300x158.jpg" alt="" width="500" height="263" /><figcaption id="caption-attachment-4989" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-4989" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=500%2C263&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="263" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=300%2C158&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=1024%2C538&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=770%2C404&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=500%2C263&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=293%2C154&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?resize=390%2C205&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/house_of_gucci.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> House of Gucci, 2021, Ridley Scott</figcaption></figure>
<p>Paul Verhoevens <strong><em>Benedetta </em></strong>schreit Skandal, mehr noch: sieht aus wie der Versuch, einen idealtypischen Skandalfilm zu produzieren: lesbische Nonnen, Marienfiguren als Dildos, Blasphemie in allen Formen. Von all dem abgesehen ist <em>Benedetta </em>auch ein Pandemiefilm. Die junge Titel-Nonne (Virginie Efira) versucht die Pest von ihrer Stadt und ihrem Konvent fernzuhalten und verordnet als Seherin die Schließung der Stadttore. Die religiösen Autoritäten handeln wider jede Vernunft, wie es so ihre Art ist, marschieren in die Stadt ein und bringen den Bürgerinnen und Bürgern das Verderben. Und mittendrin dann halt lesbische Nonnen, man kann es sich ausmalen. Provozierend in einem engeren Sinn wirkt all das allerdings nur, wenn man die hier unternommenen Transgressionen auf den moralischen Konsens von, sagen wir, 1974 bezieht. Zieht man das Skandalnudelgetöse ab, zeigen sich auch hier wieder mit der Zeit Subtilitäten und Mehrschichtiges; wie eigentlich immer bei Verhoeven, der seine Filme komplexer baut, als es auf den ersten Blick scheint.</p>
<figure id="attachment_4999" aria-describedby="caption-attachment-4999" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-4999" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild-300x169.jpg" alt="" width="500" height="281" /><figcaption id="caption-attachment-4999" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-4999" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="281" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/benedetta_beitragsbild.jpg?w=1272&amp;ssl=1 1272w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Benedetta, 2021, Paul Verhoeven</figcaption></figure>
<p>Anfang des vergangenen Jahrhunderts fanden sich auf dem Monte Verità &#8211; einer „Naturheilanstalt“ auf einem Hügel von 321 Metern Höhe im schweizerischen Tessin – Lebensreformer, Pazifisten, Künstler und Schriftsteller zusammen. Anhänger unterschiedlicher alternativer Bewegungen erprobten dort innovative Lifestyle-Komponenten wie Nacktluftbaden, Vielweiberei, Drogenkonsum, Veganismus usw. usf. Von diesen frühen Hippies erzählt <strong><em>Monte Verità</em></strong> von Stefan Jäger anhand der (erfundenen) Figur der Hanna Leitner, die aus einer sie buchstäblich erstickenden Ehe in Wien auf den Hügel flieht und ihr fotografisches Talent zur künstlerischen Form entwickelt. Jäger inszeniert diese Geschichte einer Emanzipation etwas gemächlich und ziemlich brav; das Potenzial des Stoffes schöpft er nur halb aus. (Ein Gespräch mit Hauptdarstellerin Maresi Riegner finden Sie demnächst in unserem Podcast.)</p>
<figure id="attachment_5551" aria-describedby="caption-attachment-5551" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita.jpg?resize=500%2C333&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5551" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-300x200.jpg" alt="" width="500" height="333" /><figcaption id="caption-attachment-5551" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5551" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita.jpg?resize=500%2C333&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="333" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=1024%2C682&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=770%2C513&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=2048%2C1365&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=360%2C240&amp;ssl=1 360w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=500%2C333&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=1155%2C770&amp;ssl=1 1155w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=370%2C247&amp;ssl=1 370w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=293%2C195&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=1400%2C933&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=240%2C160&amp;ssl=1 240w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=390%2C260&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?resize=1320%2C880&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/monte-verita-scaled.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Monte Verità, 2021, Stefan Jäger</figcaption></figure>
<p>Und nun zu jenem Mann, der in jeder anderen Woche als der nach einem dreiwöchigen Lockdown selbstzufrieden wie ein achtbeiniger Platzhirsch auf Publikum warten würde. <strong><em>Spider-Man 3: No Way Home</em></strong> ist der Abschluss des gefühlt fünften Reboots des Spiderman-Franchise; darin wird, so formuliert es der sinistre Dr. Strange (Benedict Cumberbatch), an der „Stabilität der Raumzeit herumgepfuscht“. In der Post-Credit-Sequenz von <em>Venom: Let There Be Carnage </em>wird bereits angedeutet, was dann passiert: Es grollt und donnert und rummst halt wie in den vorangegangen 26 Filmen des Marvel Cinematic Universe eben auch. Außer es werden Schicksalsschläge verarbeitet oder (nicht zu knapp) Abschiedsszenen abgeführt. Der Verdacht, dass hier nicht nur an der Raumzeit, sondern auch mit der Lebenszeit des Publikums herumgepfuscht wird, drängt sich in diesem Zusammenhang nicht zum ersten Mal auf.</p>
<figure id="attachment_5552" aria-describedby="caption-attachment-5552" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5552" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home-300x169.jpg" alt="" width="500" height="281" /><figcaption id="caption-attachment-5552" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5552" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="281" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=1400%2C788&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?resize=1320%2C743&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/spider-man-no-way-home.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Spider-Man: No Way Home, 2021, Jon Watts</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/vorweihnachtsueberschuss/">Vorweihnachtsüberschuss</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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