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		<title>Lässige Hunde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Feb 2023 17:00:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Reservation Dogs“, Season 2: Die großartige Dramedy nach einer Idee von Taika Waititi räumt auf mit Indianer-Klischees (bei Disney+). Bevor er seinen durchgeknallten 2017er Thor-Film drehte und die Mockumentary What We Do in the Shadows (hierzulande besser bekannt unter dem Titel 5 Zimmer Küche Sarg, 2014) über eine Vampir-WG mitgestaltete, war Taika Waititi als fantasievoller Erzähler mitfühlender Coming-of-Age-Geschichten bekannt. Seine frühen Spielfilme Boy (2010) und Hunt for the Wilderpeople (2016) zeichneten warmherzige und witzige Porträts junger Menschen. Seine Nazi-Satire Jojo [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Reservation Dogs“, Season 2: Die großartige Dramedy nach einer Idee von Taika Waititi räumt auf mit Indianer-Klischees </em><em>(bei Disney+).</em></p>
<p>Bevor er seinen durchgeknallten 2017er <em>Thor</em>-Film drehte und die Mockumentary <em>What We Do in the Shadows</em> (hierzulande besser bekannt unter dem Titel <em>5 Zimmer Küche Sarg</em>, 2014) über eine Vampir-WG mitgestaltete, war Taika Waititi als fantasievoller Erzähler mitfühlender Coming-of-Age-Geschichten bekannt. Seine frühen Spielfilme <em>Boy</em> (2010) und <em>Hunt for the Wilderpeople</em> (2016) zeichneten warmherzige und witzige Porträts junger Menschen. Seine Nazi-Satire <em>Jojo Rabbit</em> (2019) handelte von einem Zehnjährigen, der sich mit einem imaginären Adolf Hitler anfreundet.</p>
<p>Ein Großteil dessen, was diese Filme ausmacht, charmante Satire, magischer Realismus, exzentrische Figuren, ernste Untertöne und eine finstere Situationskomik, macht auch <em>Reservation Dogs</em> aus – auch wenn die FX-Serie nicht von Waititi allein stammt. Der Neuseeländer hat sich den amerikanischen Filmemacher Sterlin Harjo (dessen dritter Spielfilm <em>Mekko</em> lief auch auf deutschen Festivals) als Mitschöpfer und Showrunner an die Seite geholt. Harjo stammt selbst aus Oklahoma und gehört zum indigenen Volk der Seminolen, wie überhaupt der Großteil des Ensembles und der Autor:innen der Serie zu verschiedenen indigenen Völkern Amerikas gehört. Als <em>Reservation Dogs</em> 2021 in den USA herauskam, wurde die Serie deshalb zu Recht als Meilenstein gefeiert. Viel zu lange und zu häufig waren Indianer auf der Leinwand bloß als sexy Squaws, „edle Wilde“ oder gnomische Geister dargestellt worden. (Als <a href="https://www.planet-wissen.de/kultur/literatur/karl_may/index.html" target="_blank" rel="noopener">Karl May</a> seine Abenteuerromane über Winnetou und Old Shatterhand schrieb, war er übrigens noch nie zuvor in Amerika gewesen.)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/POkrsNVkGNk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/POkrsNVkGNk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die vier titelgebenden, quasi-kriminellen „Hunde“ im abgewrackten Reservat werden von durchweg hervorragend begabten Youngsters gespielt. Reservation Dogs ist ihr Spitzname und zugleich natürlich eine Anspielung auf Quentin Tarantinos <em>Reservoir Dogs</em>. Die schwarzen Anzüge aus dem Film werden direkt zitiert, aber hier hören die Vergleiche auch schon auf, denn die Serie steht eher in der Tradition des US-Indie-Kinos von Richard Linklater. Hier wird viel in zartem Tempo herumgeschlendert, auf Müllhalden und durch verlassene Straßen. Die Bilder sehen ein bisschen verwaschen aus.</p>
<p>D&#8217;Pharaoh Woon-A-Tai, Devery Jacobs, Lane Factor und Paulina Alexis spielen die vier indigenen Teenager Bear, Elora Danan, Cheese und Willie Jack. In der ersten Staffel stahlen sie einen Truck mit Chips, um sich ihre Flucht, raus aus ihrem Kaff in Oklahoma, nach Kalifornien zu finanzieren. Gleichzeitig schwebte immer auch der Tod eines Freundes über ihnen, der sich vor Beginn der ersten Folge suizidierte. Die zweite Staffel (streambar auf Disney+) handelt nun davon, was es braucht, um nach Hause zu kommen und seinen Frieden zu machen, auch wenn eine solche Möglichkeit bestenfalls sinnlos und schlimmstenfalls unmöglich erscheint.</p>
<p>Die neuen zehn etwa halbstündigen Folgen tauchen mehr denn je in den emotionalen Unterbauch dieser Welt ein, beschäftigen sich mit Verlust, Sucht und Rassismus, und doch verlieren die Schöpfer Sterlin Harjo und Taika Waititi dabei nie ihren Sinn für Humor. In der zweiten Episode wenden sich Willie Jack und Cheese an ihren Onkel Brownie (Gary Farmer), um Hilfe bei der Aufhebung eines Fluchs zu bekommen. Der stottert dann durch eine Zeremonie, die seiner Meinung nach „mit einem alten Lied“ enden muss: nämlich mit „Free Fallin‘“ von Tom Petty. An anderer Stelle konsumiert der Polizist im Reservat (großartig: Zahn McClarnon, bekannt aus <em>Westworld</em>) versehentlich ein halluzinogenes Getränk und stellt während seines Drogentrips eine „White-Supremacy“-Geheimorganisation im Wald. Bear spricht immer noch mit seinem Urahnen (Dallas Goldtooth), einem indigenen Krieger Amerikas, der wie eine Art Parodie auf die Indianer aus alten Western-Filmen wirkt: stolz auf dem Pferd mit nacktem Oberkörper und Federn im langen Haar.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/TlFl4i9VPUc" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/TlFl4i9VPUc" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p><em>Reservation Dogs</em> sprengt derlei Stereotypen und beschwört eine Kultur herauf, in der uralte Stammesflüche neben Lachern über Klischees existieren und das Vermächtnis von Tom Petty Seite an Seite mit Hip-Hop und Verweisen auf John Carpenter steht. Es ist eine vertraute Coming-of-Age-Geschichte, aber eine sehr sehenswerte: Sie gibt Einblicke in die Realität der modernen amerikanischen Ureinwohner und geht über die alte Erzählung von Opfern und Elend hinaus. Eine dezidierte Empfehlung des filmfilter.</p>
<p>Passend zum Kinostart von Park Chan-wooks Film-Noir-Paraphrase <em>Die Frau im Nebel</em> (<a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/basic-instinct-ohne-sex/">hier unsere Kritik</a>) verweisen wir als <a href="https://filmfilter.at/starkes-stueck/oldboy-2003/">Streaming-Bonustipp</a> abschließend auf jenen Film, der Park international berühmt machte (oder berüchtigt, wenn man so will) und längst zum Kultfilm avanciert ist: <strong><em>Oldboy</em></strong> läuft, wie z.B. auch <em>Durst</em>, derzeit bei Mubi und anderen Streamern.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Star Wars Overkill</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/star-wars-overkill/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Sep 2022 14:00:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Star Wars in Schwierigkeiten? Mitnichten, aber nur wenige würden sagen, dass die Sternensaga gerade in ihrer Blütezeit steht. Auf den Mandalorian und sein grünes Mündel folgte das eher ungeliebte Spin-off Boba Fett. Obi-Wan Kenobi hinterließ einen gemischten Eindruck. Ron Howards Spin-off-Prequel Solo hat für Geläster gesorgt und war ein Flop an der Abendkassa. Und die jüngsten drei Kinofilme, das Ende der „Skywalker-Saga“, waren keineswegs bei der gesamten Zuschauerschaft und Kritik beliebt. Der Guardian zum Beispiel nannte es ein „galaktisches Chaos“. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Star Wars</em> in Schwierigkeiten? Mitnichten, aber nur wenige würden sagen, dass die Sternensaga gerade in ihrer Blütezeit steht. Auf den <em>Mandalorian</em> und sein grünes Mündel folgte das eher ungeliebte Spin-off <em>Boba Fett</em>. <em>Obi-Wan Kenobi</em> hinterließ einen gemischten Eindruck. Ron Howards Spin-off-Prequel <em>Solo</em> hat für Geläster gesorgt und war ein Flop an der Abendkassa. Und die jüngsten drei Kinofilme, das Ende der „Skywalker-Saga“, waren keineswegs bei der gesamten Zuschauerschaft und Kritik beliebt. Der Guardian <a href="https://www.theguardian.com/film/2022/sep/02/star-wars-sequel-trilogy-rian-johnson" target="_blank" rel="noopener">zum Beispiel</a> nannte es ein „galaktisches Chaos“. So weit muss man freilich nicht gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen mochte ich die Sequel-Trilogie, nicht zuletzt wegen des starken Ensembles. Und wer hätte gedacht, dass Mark Hamill ein so guter Schauspieler geworden ist!</p>
<p>Zuletzt ist mit <em>Andor</em> ein weiteres Prequel auf Disney+ gestartet. Die Serie von <em>Bourne</em>-Schöpfer Tony Gilroy ist weit weg von dem, was wir vom Franchise gewohnt sind. Im Guten wie im Schlechten fühlt es sich nicht so an, als wären wir im <em>Star Wars</em>-Universum gelandet: Es gibt keine Jedi. Es gibt keine Weltraumschlachten. Es sieht aus wie ein matschbrauner Spionagethriller, der in einer weit entfernten Galaxie spielt. Aber wer <em>Rogue One</em> (2016) gemocht hat, weil es kein „typischer“ Star Wars-Film war, wird wahrscheinlich <em>Andor</em> aus ähnlichen Gründen mögen (weitere <a href="https://filmfilter.at/themen/features/serienfilter-herbst-2022/">Herbstserien kurz vorgestellt</a>).</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/N5S9Vx3-QM0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/N5S9Vx3-QM0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Wie bei jedem erfolgreichen Franchise wurde die <em>Star Wars</em>-Marke Opfer einer Übersättigung. Und die Zitrone ist noch lange nicht ausgequetscht. Die Jedi-Frau Ahsoka Tano aus dem <em>Mandalorian</em> darf sich auf ihr Solo freuen. Han Solos gutherziger Freund Lando bekommt sein eigenes Spin-off, ja sogar die Droiden bekommen eine von drei neuen Animationsserien. Und das ist nur die Streaming-Ecke des Universums.</p>
<p>Seit <em>The Rise of Skywalker</em> im Jahr 2019 gibt es zwar keinen Starttermin für einen neuen Kinofilm der Sternensaga, aber es steckt einiges in der Pipeline. <em>Wonder Woman</em>-Regisseurin Patty Jenkins darf als erste Frau den Regiesessel für einen <em>Star Wars</em>-Film besetzen, Titel: <em>Rogue Squadron: A Star Wars Story</em>. Taika Waititi arbeitet an einem Projekt. Und es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Marvel-Architekt Kevin Feige einen <em>Star Wars</em>-Film produziert – die ultimative Ehe zwischen zwei Franchises.</p>
<p>Wer will, kann das alles im Detail auf Wookieepedia <a href="https://starwars.fandom.com/wiki/Main_Page" target="_blank" rel="noopener">nachlesen</a> – was mich persönlich allerdings in Erschöpfung versetzt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/-uRRKqQbmw4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/-uRRKqQbmw4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Kathleen Kennedy, die für Lucasfilm die <em>Star Wars</em>-Fließbandproduktion überwacht, sagte, dass <em>Star Wars</em> <u>„<a href="https://twitter.com/variety/status/1529925067311927296?lang=en" target="_blank" rel="noopener">für immer weitergehen könnte</a>“</u>. Ich bin ein Fan der Saga, aber das hört sich für mich wie ein konzerngesteuerter Alptraum an. Man muss kein in die Jahre gekommener Millennial sein, um hier die Schwundstufe einer ehemals magischen Erfahrung zu erkennen. In dem Moment, als der Soundteppich von John Williams auf dem Bildschirm erschien, begleitet vom Prolog in gelben Lettern, hatte man ein Kribbeln im Bauch. Es war ein Versprechen: Was folgt, wird episch. Und obwohl die Prequel-Trilogie von George Lucas ziemlich durchwachsen war, zeigten sich die meisten Leute weiterhin von jedem Film begeistert. Wohl nicht zuetzt deshalb, weil man zwischen jedem Film drei Jahre warten musste. Heute kennt sich im Wust zwischen mehreren <em>Star Wars</em>-Filmen, Serien, Sequels, Prequels, <em>Star Wars</em>-Film- und Fernseh-Spin-offs kaum noch wer aus. Alles sofort verfügbar. Noch ein Trailer. Noch ein Cameo. Noch ein Ableger. Als ich mich hinsetzte, um die erste Folge von <em>Obi-Wan Kenobi</em> zu sehen, war von Enthusiasmus keine Rede mehr.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/3Yh_6_zItPU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/3Yh_6_zItPU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Mit der Geburt von lukrativen Franchises und Merchandising ist die Wartung des Produkts – und viel mehr ist es leider nicht – wichtiger als die Filme selbst geworden. Die Übernahme von Lucasfilm durch Disney im Jahr 2012 bedeutete, dass die Galaxie in den Händen nur eines Imperiums lag. Entscheidungen wurden immer weniger von einer originellen Idee für die Geschichte beeinflusst und immer mehr vom nächsten potenziellen Spin-off, vom nächsten Spielzeug oder vom nächsten Social Media Meme. Das soll nun nicht heißen, dass Disney nichts Neues für das Franchise getan hat. Rian Johnsons <em>The Last Jedi</em> (2017) war ein interessanter Versuch, dem Ganzen eine neue Richtung zu geben. Das gleiche gilt für <em>Rogue One</em> und jetzt <em>Andor</em>. Aber durch das halsbrecherische Tempo, mit dem Disney das alles freisetzt, ist die Sternensaga zu etwas Erstickendem verschmolzen. Es wird nicht mehr lang dauern, bis sich dafür das Wort „Content Dump“ durchgesetzt hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Donner und Doria</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2022 16:00:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Liebesdinge, Klassenfahrt, der neue Thor, die neue Sisi – und ganz der alte neue Woody Allen: das kesselbunte, bis auf eine Ausnahme wenig überraschende Neustart-Angebot der hiesigen Kinos. In Ernst Marischkas „Sissi“-Filmen war die höfische Welt, mitsamt der Kaiserin, die sie bewohnte, noch in Ordnung. 2022 ist Sisi (Vicky Krieps) vierzig Jahre alt geworden, in der Krise und fühlt sich, der Filmtitel Corsage deutet es an, eingeschnürt – von dem Bild, das sie abgeben und von dem Ideal, das sie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Liebesdinge, Klassenfahrt, der neue Thor, die neue Sisi – und ganz der alte neue Woody Allen: das kesselbunte, bis auf eine Ausnahme wenig überraschende Neustart-Angebot der hiesigen Kinos.</em></p>
<p>In Ernst Marischkas „Sissi“-Filmen war die höfische Welt, mitsamt der Kaiserin, die sie bewohnte, noch in Ordnung. 2022 ist Sisi (Vicky Krieps) vierzig Jahre alt geworden, in der Krise und fühlt sich, der Filmtitel <strong><em>Corsage </em></strong>deutet es an, eingeschnürt – von dem Bild, das sie abgeben und von dem Ideal, das sie verkörpern muss. Marie Kreutzers Version des nicht zuletzt filmisch befeuerten Mythos der Kaiserin von Österreich wurde in Cannes gefeiert. Unsere Kritik des interessantesten Neustarts der Woche können Sie <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/sisi-reloaded/">hier</a> lesen.</p>
<p>Woody Allen dreht derweil einfach weiter in regelmäßigen Abständen Filme, die Anlässe für Reisen in besonders schöne Städte abgeben – Paris, Rom, Barcelona. Meist waren die filmischen Ergebnisse schön anzusehen, aber etwas lau. Für <strong><em>Rifkin&#8217;s Festival </em></strong>ging es nach San Sebastian, wobei der Ort eigentlich egal ist, der Plot ist eine Aneinanderreihung von Woody-Allen-Standardsituationen und könnte überall spielen: Ein Mann (eine Idealbesetzung in diesem Fall: Wallace Shawn) erzählt bei einem Therapeuten die Geschichte seiner Ehe, seine Frau betrügt ihn, er irrt auf der Suche nach Sinn durch die Stadt, und lustig ist das ganze auch. Wenn man mit Allens Filmen aufgewachsen ist, fühlt man sich in dieser Welt gleich heimisch und kann jede Plotentwicklung zwei Kilometer im Voraus erahnen. Überrascht wird man von Woody Allen nicht mehr, aber das macht auch nichts. Allen Schmährufen zum Trotz: Schön, dass <em>Rifkin&#8217;s Festival</em> nun nach zwei Jahren pandemiebedingter Verschiebung auch in die deutschen Kinos kommt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/3pE_TubM-Ak" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/3pE_TubM-Ak" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Auch nicht überrascht wird man von <strong><em>Thor 4: Love And Thunder</em></strong>. <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/the-return-of-blockbuster/">Bevor Sie müde abwinken</a>, ein Hinweis: <em>Thor 4</em> ist der zweite Film der Reihe, der von Regisseur Taika Waititi gedreht wurde, und gehört damit zu den inzwischen eher selten gewordenen Vertretern des Marvel Cinematic Universe, die dem jeweiligen Geboller und Gebolze zumindest partiell Originalität und Details abringen können – und an die man sich auch zwei Tage nach dem Kinobesuch noch erinnern kann. Waititis <em>Thor</em>-Filme gehören zu den Komödien des MCU. Sehr schön, wie in <em>Thor: Tag der Entscheidung</em> (Waititis erstem Beitrag zum MCU) nordische Mythologie mit Pop Art und Led Zeppelin vermengt wurden. Dass man sich bei einem Marvel-Film nicht langweilt, ist eher die Ausnahme. Mit <em>Thor 4 </em>können es auch Skeptiker nochmal probieren.</p>
<p>Auch lustig sein will der Film <strong><em>Liebesdings</em></strong>, der vielleicht, ausgehend vom Trailer, von der Filmgeschichtsschreibung rückblickend einmal als exemplarische deutsche Komödie gesehen werden wird. Alles drin: verdruckster Untenrum-Humor, der Versuch, zurzeit irgendwie kontroverse Themen aufzugreifen und satirisch zu verarbeiten (Queer-Feminismus in diesem Fall) und natürlich Romantik.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/xjH-hhHsmdc" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xjH-hhHsmdc" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Da es diesen Film in diversen Sommerkinos des Landes spielen wird, noch einmal der Hinweis auf <strong><em>Rotzbub – Willkommen in Siegheilkirchen</em></strong>: das Porträt eines österreichischen Dorfes, dessen Figuren, Ästhetik und Geist auf dem Universum des 2016 verstorbenen Cartoonisten Manfred Deix basieren. Das Dorf ist voller Nazis, überall herrschen Prüderie, Bigotterie und Doppelmoral. Und mittendrin ein (<a href="https://www.facebook.com/RotzbubDerDeixFilm/" target="_blank" rel="noopener">publikumsstarker</a>) Rotzbub, der Aktzeichnungen von der drallen Metzgertochter anfertigt. Man darf davon ausgehen, dass auch Biografisches in dieser Geschichte steckt. Jedenfalls will Marcus H. Rosenmüllers Film grob dasselbe wie Deix, wenn er auch weit weniger grimmig und aggressiv ausfällt als dessen Humor: die Welt, die er zeigt, mit den Mitteln der Groteske zur Kenntlichkeit entstellt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/yHxTYnEssc4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/yHxTYnEssc4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Zum Schluss ein Kinderfilm: <strong><em>Alfons Zitterbacke – Endlich Klassenfahrt!</em></strong> erzählt von Alfons (Luis Vorbach), der sich in Leonie (Leni Deschner) verliebt hat, es ihr aber nicht gestehen mag. Auf der Klassenfahrt soll es soweit sein. Mit seinem Konkurrenten Nico (Ron Antony Renzenbrink) wettet Alfons, wer es schafft, dass Leni seine Freundin wird (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=9IB157TLNwc" target="_blank" rel="noopener">hier</a> der Trailer). Der Plot wirkt etwas altbacken, und tatsächlich basiert <em>Endlich Klassenfahrt</em>, das Sequel zu <em>Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück,</em> auf einer DDR-Kinderbuchreihe.</p>
<p>Und, weil man sich ja nicht um alles kümmern kann: Zum italienischen Superhelden-Liebesfilm <em><strong>Supereroi</strong></em> von Paolo Genovese und zu dessen Kampf gegen die Ermüdung der Liebe finden Sie z.B. <a href="https://www.furche.at/kritik/film/supereroi-kaempfen-gegen-die-ermuedung-der-liebe-8753574" target="_blank" rel="noopener">hier</a> eine Besprechung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Donner und Doria</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2022 15:00:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Liebesding, Klassenfahrt, Pfauenparadies; ein Rotzbub, der neue Thor, die neue Sisi – und ganz der alte neue Woody Allen: das kesselbunte, bis auf eine Ausnahme wenig überraschende Neustart-Angebot in deutschen Kinos. In Ernst Marischkas „Sissi“-Filmen war die höfische Welt, mitsamt der Kaiserin, die sie bewohnte, noch in Ordnung. 2022 ist Sisi (Vicky Krieps) vierzig Jahre alt geworden, in der Krise und fühlt sich, der Filmtitel Corsage deutet es an, eingeschnürt – von dem Bild, das sie abgeben und von dem [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Liebesding, Klassenfahrt, Pfauenparadies; ein Rotzbub, der neue Thor, die neue Sisi – und ganz der alte neue Woody Allen: das kesselbunte, bis auf eine Ausnahme wenig überraschende Neustart-Angebot in deutschen Kinos.</em></p>
<p>In Ernst Marischkas „Sissi“-Filmen war die höfische Welt, mitsamt der Kaiserin, die sie bewohnte, noch in Ordnung. 2022 ist Sisi (Vicky Krieps) vierzig Jahre alt geworden, in der Krise und fühlt sich, der Filmtitel <strong><em>Corsage </em></strong>deutet es an, eingeschnürt – von dem Bild, das sie abgeben und von dem Ideal, das sie verkörpern muss. Marie Kreutzers Version des nicht zuletzt filmisch befeuerten Mythos der Kaiserin von Österreich wurde in Cannes gefeiert. Unsere Kritik des interessantesten Neustarts der Woche können Sie <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/sisi-reloaded/">hier</a> lesen.</p>
<p>Woody Allen dreht derweil einfach weiter in regelmäßigen Abständen Filme, die Anlässe für Reisen in besonders schöne Städte abgeben – Paris, Rom, Barcelona. Meist waren die filmischen Ergebnisse schön anzusehen, aber etwas lau. Für <strong><em>Rifkin&#8217;s Festival </em></strong>ging es nach San Sebastian, wobei der Ort eigentlich egal ist, der Plot ist eine Aneinanderreihung von Woody-Allen-Standardsituationen und könnte überall spielen: Ein Mann (eine Idealbesetzung in diesem Fall: Wallace Shawn) erzählt bei einem Therapeuten die Geschichte seiner Ehe, seine Frau betrügt ihn, er irrt auf der Suche nach Sinn durch die Stadt, und lustig ist das ganze auch. Wenn man mit Allens Filmen aufgewachsen ist, fühlt man sich in dieser Welt gleich heimisch und kann jede Plotentwicklung zwei Kilometer im Voraus erahnen. Überrascht wird man von Woody Allen nicht mehr, aber das macht auch nichts. Allen Schmährufen zum Trotz: Schön, dass <em>Rifkin&#8217;s Festival</em> nun nach zwei Jahren pandemiebedingter Verschiebung auch in die deutschen Kinos kommt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/3pE_TubM-Ak" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/3pE_TubM-Ak" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Auch nicht überrascht wird man von <strong><em>Thor 4: Love And Thunder</em></strong>. <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/the-return-of-blockbuster/">Bevor Sie müde abwinken</a>, ein Hinweis: <em>Thor 4</em> ist der zweite Film der Reihe, der von Regisseur Taika Waititi gedreht wurde, und gehört damit zu den inzwischen eher selten gewordenen Vertretern des Marvel Cinematic Universe, die dem jeweiligen Geboller und Gebolze zumindest partiell Originalität und Details abringen können – und an die man sich auch zwei Tage nach dem Kinobesuch noch erinnern kann. Waititis <em>Thor</em>-Filme gehören zu den Komödien des MCU. Sehr schön, wie in <em>Thor: Tag der Entscheidung</em> (Waititis erstem Beitrag zum MCU) nordische Mythologie mit Pop Art und Led Zeppelin vermengt wurden. Dass man sich bei einem Marvel-Film nicht langweilt, ist eher die Ausnahme. Mit <em>Thor 4 </em>können es auch Skeptiker nochmal probieren.</p>
<p>Auch lustig sein will der Film <strong><em>Liebesdings</em></strong>, der vielleicht, ausgehend vom Trailer, von der Filmgeschichtsschreibung rückblickend einmal als exemplarische deutsche Komödie gesehen werden wird. Alles drin: verdruckster Untenrum-Humor, der Versuch, zurzeit irgendwie kontroverse Themen aufzugreifen und satirisch zu verarbeiten (Queer-Feminismus in diesem Fall) und natürlich Romantik.</p>
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<p>Besser: <strong><em>Willkommen in Siegheilkirchen</em></strong>, das Porträt eines österreichischen Dorfes, dessen Figuren, Ästhetik und Geist auf dem Universum des 2016 verstorbenen Cartoonisten Manfred Deix basieren. Das Dorf ist voller Nazis, überall herrschen Prüderie, Bigotterie und Doppelmoral. Und mittendrin ein (<a href="https://www.facebook.com/RotzbubDerDeixFilm/" target="_blank" rel="noopener">publikumsstarker</a>) Rotzbub, der Aktzeichnungen von der drallen Metzgertochter anfertigt. Man kann davon ausgehen, dass auch Biografisches in dieser Geschichte steckt. Jedenfalls will Marcus H. Rosenmüllers Film grob dasselbe wie Deix, wenn er auch weit weniger grimmig und aggressiv ausfällt als dessen Humor: die Welt, die er zeigt, mit den Mitteln der Groteske zur Kenntlichkeit entstellt.</p>
<p>Sehr wohltemperiert kommt dagegen Laura Bispuris in sanften, warmen Farben gehaltener Film <strong><em>Das Pfauenparadies </em></strong>daher. Das im Arthouse-Film so beliebte Setting Familienfest wird in typischer Weise durchgespielt: zuerst Harmonie, dann tauchen die erwartbaren Brüche in den Beziehungen auf – Eifersucht, verheimlichte Trennungen, Geschwisterkonkurrenzen. Und mittendrin ein Pfau, der sich in eine Taube verliebt.</p>
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<p>Zum Schluss ein Kinderfilm: <strong><em>Alfons Zitterbacke – Endlich Klassenfahrt!</em></strong> erzählt von Alfons (Luis Vorbach), der sich in Leonie (Leni Deschner) verliebt hat, es ihr aber nicht gestehen mag. Auf der Klassenfahrt soll es soweit sein. Mit seinem Konkurrenten Nico (Ron Antony Renzenbrink) wettet Alfons, wer es schafft, dass Leni seine Freundin wird (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=9IB157TLNwc" target="_blank" rel="noopener">hier</a> der Trailer). Der Plot wirkt etwas altbacken, und tatsächlich basiert <em>Endlich Klassenfahrt</em>, das Sequel zu <em>Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück,</em> auf einer DDR-Kinderbuchreihe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/donner-und-doria/">Donner und Doria</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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