Meow!

Statt sich vom neuen Batman deprimieren zu lassen: lieber noch einmal Tim Burton.

Batman Returns, 1992, Tim Burton

Als Tim Burtons Batman 1989 in die Kinos kam, war es schwer vorstellbar, dass ein Film über diese Fledermaus dunkler sein könnte. Enter: The Batman. Der dreistündige Film von Matt Reeves setzt wirklich einen neuen Standard in Sachen Freudlosigkeit mit gespenstischen Chören, die immer wieder Franz Schuberts „Ave Maria“ über den Bildern intonieren.

„Diese Stadt ist nicht mehr zu retten, aber ich muss es versuchen“, murmelt Robert Pattinsons Batman zu sich selbst. Nirvanas Klagelied „Something in the Way“ spielt im Hintergrund. Gotham City ist ein schlechter Ort, mit prasselndem Dauerregen, flackernden Glühbirnen und bösartigen Männern, die Frauen missbrauchen. Zurück in der Bat-Höhle zieht er den Anzug aus, zeigt seine nackte Niedergeschlagenheit und lässt sein dunkles Haar kunstvoll in die Stirn fallen. Seine Augen sind mit schwarzem Make-Up verschmiert. Diesem Milliardär wurde das Leben regelrecht aus den Augen geknipst.

Wir kennen den Batman als einen grüblerischen Ritter (und lieben ihn vielleicht sogar). Christopher Nolan hat ihn mit seiner Dark Knight-Trilogie perfektioniert. Die Gravitas. Die Coolness. Es war immer noch ein Comic. Doch der neue Emo-Batman ist so depressiv und humorlos, dass Robert Pattinsons früherer Fledermaus-Avatar, der gepeinigte Vampir in Twilight, ein wirklich gutes Training gewesen sein muss. Paul Dano spielt den Riddler, der so rätselhaft ist, dass er ein Fragezeichen im Schaum auf seinem Milchkaffee hinterlässt. Colin Farrell ist begraben unter Prothesen als der Pinguin und Zoë Kravitz spielt Selina Kyle als Teilzeit-Catwoman, kaum aber als love interest (in diesem Batman regt sich nichts). Sie verhöhnt die Sünden „weißer privilegierter Arschlöcher“ – wozu auch Bruce Wayne zählt, der Einprozentler hinter der Fledermausmaske, der jetzt unter der Wucht seiner Privilegien zusammenkauert.

Aber während dutzende Millionen ins Kino gehen, um Matt Reeves Neo-Noir-Detektivgeschichte zu sehen, feiert Tim Burtons Batman Returns (1992) – das erste Mal, als wir die Fledermaus, die Katze und den Pinguin zusammen gesehen haben – sein 30-jähriges Jubiläum. Und macht so viel mehr Spaß. Sicher, Burtons Batman hat auch eine gewisse Traurigkeit und eine Vorliebe für grinsenden Sadismus, aber der Film hat auch eine Märchenqualität, eine feministische Ader und sehr dunklen Humor. Es gibt auch Pinguine mit Raketen auf dem Rücken.

In Anlehnung an den märchenhaften Geist seiner Fabeln Edward Scissorhands, Beetlejuice und Pee-wee’s Big Adventure schuf Tim Burton eine Welt voller Außenseiter, eine Mischung aus Horror und Verspieltheit, die zum Markenzeichen dieses Regisseurs geworden sind. Er liebt seine tragischen Monster. Aus dem Pinguin, gespielt von Danny DeVito, mit seinem unterirdischen Königreich von Kanalfreaks, sickert ständig Speichel, Blut oder beides.

Catwoman, eine der großen Comic-Schurkinnen, taucht im Film erstmals als naive Sekretärin Selina Kyle auf, die Männern in grauen Anzügen nervös Kaffee einschenkt. In dieser Frau steckt Wut, aber sie ist tief verborgen. Und dann passiert etwas Schreckliches: Selinas böser Boss (Christopher Walken) – besorgt darüber, was sie weiß – schubst sie aus einem hohen Fenster. Da liegt sie wie ein verdrehter Engel im Schnee – bis eine Herde Katzen sie aus ihrem Alptraum weckt. Die Szene, in der sie nach dem Sturz nach Hause kommt, Milch aus dem Karton schlürft, Graffiti auf ihre rosa Wände sprüht und das Catwoman-Kostüm näht, während der Wahnsinn in ihren Augen flackert, ist einer der besten Momente im Film.

Alle Szenen mit Michelle Pfeiffer und Michael Keaton sind fabelhaft. Sie erkennen sich ineinander und man möchte wirklich, dass diese beiden zusammen weit weg laufen von Gotham City. Selina erwägt eine Beziehung mit Bruce und bemerkt: „Mit ihm fühle ich mich so, wie ich hoffe, dass ich wirklich bin.“ Als Catwoman schnurrt sie zu Batman: „Für ein Mädchen wie mich bist du Katzenminze. Gutaussehend, macht mich benommen, dafür könnte man sterben.”

Michelle Pfeiffer war damals bereits zweifache Oscar-Nominierte für The Fabulous Baker Boys und Dangerous Liaisons, aber so hatten wir sie noch nie gesehen, in einem Retro-Glam-Gummianzug und mit Peitsche. (Halle Berry und Anne Hathaway kamen nicht an ihre Performance heran). Pfeiffer verleiht dieser feministischen Rächerin einen harten Kern aus Verstand und Witz. Sie ist eine klassische Blenderin. „Wie konntest du – ich bin eine Frau“, sagt sie zu Batman, als er sie schlägt, und erwidert seine Entschuldigung mit einem Fußtritt in den Bauch.

Catwoman ist eine willkommene Schurkin, ein Albtraum für Männer, die glauben, sie könnten Frauen verletzen und damit davonkommen. Bruce Waynes letzte Worte im Film sind wichtig, wenn er Alfred frohe Weihnachten wünscht, und: „Wohlwollen gegenüber Männern … und Frauen.“