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		<title>Der Watschenmann</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/der-watschenmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Mar 2022 21:00:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Die Oscars! Wo Filmliebhaber sich vereinen – und fernschauen.“ Wanda Sykes brachte es gleich zu Beginn der 94. Oscar-Nacht auf den Punkt. Es spiegelt ganz gut das Dilemma der Oscars wider, wie verzweifelt sie versuchen, die Menschen wieder ins Kino zu bekommen, während sie wollen, dass sich alle vor ihren Fernsehern versammeln (um letztlich dabei zuzusehen, wie die meisten Preise nach der Papierform vergeben werden und um einen Paukenschlagmoment zu erleben, der sich als Schlag ins Gesicht verdienter Preisträger:innen erweist [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Oscars! Wo Filmliebhaber sich vereinen – und fernschauen.“ Wanda Sykes brachte es gleich zu Beginn der 94. Oscar-Nacht auf den Punkt. Es spiegelt ganz gut das Dilemma der Oscars wider, wie verzweifelt sie versuchen, die Menschen wieder ins Kino zu bekommen, während sie wollen, dass sich alle vor ihren Fernsehern versammeln (um letztlich dabei zuzusehen, wie die meisten Preise nach der Papierform vergeben werden und um einen Paukenschlagmoment zu erleben, der sich als Schlag ins Gesicht verdienter Preisträger:innen erweist – davon später).</p>
<p>Vor einigen Jahren stritt Hollywood darüber, ob Filme auf Streaming-Plattformen überhaupt als „Filme“ gelten. Jetzt hat Siân Heders kuscheliges Indie-Drama CODA, das von Apple TV+ vertrieben wird, den Oscar für den Besten Film gewonnen. Nach mehr als dreißig Jahren der Indie-Filmbewegung in Amerika ist CODA auch der erste Sundance-Hit, der dies je geschafft hat – und das mit einer hauptsächlich gehörlosen Besetzung. Zum großen Teil ist das wohl Netflix zu verdanken. Der Streamer, der einst von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences auf Abstand gehalten wurde – und den Steven Spielberg einst daran zu hindern versuchte, mehr Nominierungen für den Besten Film zu erhalten, indem er direkt zum Board of Governors der Academy ging – hat die Weichen für den Streamer von Apple gestellt.</p>
<p>War vor drei Jahren Hollywood noch in einen Kampf um die Zukunft des Kinos verwickelt – darüber, was genau einen Film ausmacht – und die Oscars ein metaphorischer Boxring, so sind sie jetzt buchstäblich zu einem Boxring geworden. In einem echten WTF-Moment, der alle Zuschauer:innen verblüffte, stürmte Will Smith auf die Bühne und verpasste Chris Rock eine Ohrfeige, nachdem der Komiker einen Witz über die kurz geschorenen Haare seiner Frau Jada Pinkett Smith gemacht hatte (sie leidet an Alopezie, eine Erkrankung, die zu Haarausfall führt). Smith schrie Rock danach noch von seinem Sitz aus an. In den USA fror die Fernsehsendung ein und verstummte. Im Ernst, ich habe das noch nicht ausreichend verarbeitet. Sollte diese hässliche Szene nicht echt gewesen sein, dann ist Will Smith ein besserer Schauspieler, als ich es für möglich gehalten habe.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/myjEoDypUD8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/myjEoDypUD8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Nur nur wenige Augenblicke später ging Smith auf die Bühne und nahm seinen programmierten Oscar als Bester Hauptdarsteller in <em>King Richard</em> entgegen. Zu sagen, es war <em>awkward</em>, wäre eine gewaltige Untertreibung. „Richard Williams war ein erbitterter Verteidiger seiner Familie“, sagte er über seine Rolle und begann zu schluchzen. „In dieser Zeit meines Lebens, in diesem Moment, bin ich überwältigt von dem, was Gott mich auffordert, in dieser Welt zu tun und zu sein.“ Seine missionarische, überlange, selbstverliebte „vessel of love“-Rede darüber, dass er ein „Gefäß der Liebe“ sein möchte, fühlte sich echt an. Aber ich frage mich auch, ob Will Smith seine Rollen als Muhammad Ali und exzentrischer Vater der Williams-Schwestern wohl ein wenig zu ernst nahm. Seine Entschuldigung galt übrigens nur seiner Wiedereinladung, nicht aber seinem Prügelopfer (Chris Rock hat ja ziemlich souverän reagiert und auf eine Anzeige verzichtet). Er bekam Standing Ovations, aber kaum jemand konnte sich das ansehen, ohne sich fremd zu schämen.</p>
<p>Update 29. März: Mittlerweile <a href="https://www.cnn.com/2022/03/28/entertainment/will-smith-apology/index.html" target="_blank" rel="noopener">hat Smith sich entschuldigt</a>.</p>
<p>Begonnen hatte die Gala eher harmlos. Nach zwei Jahren der Pandemie schwebten wieder maskenlose Promis über den Red Carpet ins Dolby Theater. Nach mehreren Jahren ohne einen einzigen Moderator begannen die Oscars mit drei von ihnen. „In diesem Jahr hat die Academy drei Frauen als Gastgeberinnen eingestellt“, sagte Amy Schumer und flachste frech: „Weil es billiger ist als einen Mann einzustellen.“ Die Komikerin und ihre Kolleginnen Regina Hall und Wanda Sykes machten politische Witze über Floridas „Don’t say gay“-Gesetz und Covid-Witze, für die es wohl noch zu früh war. Es gab offenbar genug Zeit für Werbungen (vor allem für Disney, dem der Sender ABC gehört), und, ähem, zwei Lieder aus dem Disney-Animationsfilm <em>Encanto</em>, aber nicht für die acht Kategorien, die aus der Live-Show gestrichen worden waren und in hektischen Zuspielern dazwischen geschnitten wurden.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/O2FvECYsmsk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/O2FvECYsmsk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die schönste Rede des Abends kam in Gebärdensprache von Troy Kotsur, der als erster gehörloser Mann den Oscar als Bester Nebendarsteller in CODA gewann, und das höchst verdient. Es war ein wirklich wunderschöner Moment mit einer sehr persönlichen, herzerwärmenden Rede – gefolgt allerdings von einem klobigen Übergang zu Chris Evans, der uns seinen neuen Film vorstellte, in dem er Buzz Lightyear aus <em>Toy Story</em> seine Stimme leiht.</p>
<p>Es kommt schlimmer. Eine Schweigeminute und ein paar Power-Point-Folien für die Ukraine wurden gesäumt von einer Wodka-Werbung. Um die Geschmacklosigkeit zu toppen, war die „In Memoriam“-Montage mit einer überschwänglichen, tanzenden Gospel-Performance untermalt, die von den Toten komplett ablenkte. Der Tribut an die verstorbenen Künstler:innen wäre allerdings ohnedies untergegangen, weil alle noch fassungslos vom Smith-Ausraster waren. Zwei Fan-Preise für Zack Snyders <em>Justice League </em>und <em>Army of the Dead</em> hatten null Mehrwert. Ach so, und „Aquaman“ Jason Momoa rülpste auf der Bühne.</p>
<p>Will Smith hat es überdeckt, aber es gab weitere Preise. Remember? Dieses Ding für herausragende Leistungen. Jane Campion hat die Beste Regie für <em>The Power of the Dog</em> gewonnen (zwar nur ein Preis bei zwölf Nominierungen, aber ein wichtiger). Kenneth Branagh gewann den Preis für Best Original Screenplay für <em>Belfast</em> (strittig) und <em>Drive My Car</em> gewann den Preis für Best International Film – (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/stueck-fuer-stueck/">absolut unstrittig</a>). <em>Dune</em> nahm wenig überraschend sechs Oscars in hauptsächlich technischen Kategorien mit nach Hause. Jessica Chastain wurde zur besten Schauspielerin gekürt (wir lieben sie), Questlove gewann für seine Doku <em>Summer of Soul</em>, ein bemerkenswerter Akt der Kulturarchäologie.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/NH2gS5IWD_0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/NH2gS5IWD_0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Das Problem mit solchen Smith-Ego-Momenten ist, dass sie ablenken von den Dingen, die tatsächlich wichtig sind, nämlich die Filme und deren Schöpfer:innen. Ein Moment, der zumindest meines Erachtens fast noch schlimmer war als die Live-Attacke gegen Rock: Man feiert <em>The Godfather</em> doch nicht mit einem Rapper (P Diddy), der die lebenden Legenden Francis Ford Coppola, Al Pacino und Robert DeNiro vorstellt! Dann waren da noch ein Snowboarder, ein Skater und ein Surfer, die „60 Years of James Bond“ präsentierten. Warum? Weil Bond-Filme Extremsport sind?</p>
<p>Ganz generell schienen an diesem Abend die Presenter irgendwie aus dem Hut gezaubert worden zu sein. Die ganze Show und ihre Anbiederungsversuche an ein jüngeres Publikum hatten letztlich die Anmutung eines faulen Tricks. Dabei sollten die Academy Awards nicht die Wächter des gepflegten Marketing-Kasperltheaters sein, sondern die Wächter der hohen Filmkunst. Wieder ein Jahr verspielt.</p>
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		<title>Die Oscar-Filme im Check</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/features/die-oscar-filme-im-check/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Mar 2022 17:30:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Filmexpert:innen beschweren sich oft darüber, dass die Dinge in der „fünften“ Jahreszeit, der Oscar-Saison, langweilig oder vorhersehbar seien. Das sind sie heuer definitiv nicht. Bei den 94. Academy Awards ist zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Maximalzahl von zehn Filmen für den Hauptpreis nominiert, und es scheint ein offenes Rennen zu sein – auch wenn es einen Favoriten gibt. Hier sind die zehn Filme, die am 27. März den Oscar für den Besten Film gewinnen könnten. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Filmexpert:innen beschweren sich oft darüber, dass die Dinge in der „fünften“ Jahreszeit, der Oscar-Saison, langweilig oder vorhersehbar seien. Das sind sie heuer definitiv nicht. Bei den 94. Academy Awards ist zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder die Maximalzahl von zehn Filmen für den Hauptpreis nominiert, und es scheint ein offenes Rennen zu sein – auch wenn es einen Favoriten gibt. Hier sind die zehn Filme, die am 27. März den Oscar für den Besten Film gewinnen könnten.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol>
<li><strong> The Power of the Dog </strong></li>
</ol>
<p>Manche sehen <em>The Power of the Dog</em> vielleicht als abgedroschenes Drama über einen Kerl, der die neue Frau seines Bruders nicht mag und deshalb rotzig wird. Aber die haben nicht aufgepasst. Der Western von Jane Campion hat Schichten und wieder <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/szenen-zweier-ehen/">Schichten auf Schichten</a>, und je genauer man hinsieht und je mehr man darüber nachdenkt, desto besser wird er. Jeder Teil des Schauspielquartetts spiegelt einen anderen Aspekt des verdorbenen Versprechens des amerikanischen Westens wider. Campions Drama hat bereits den Golden Globe in der Satteltasche, gilt als Favorit und hat in der Oscar-Nacht die Chance, zwölf Goldbuben zu gewinnen. Es wäre der erste Gewinn in dieser Sparte für Netflix; doch schon jetzt ist die neuseeländische Filmemacherin – im Jahr 1994 für <em>The Piano</em> nominiert – die erste Frau in der Geschichte, die zum zweiten Mal für einen Regie-Oscar in Rede steht.</p>
<p>(Auf Netflix)</p>
<p><em> <iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/LRDPo0CHrko" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/LRDPo0CHrko" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="2">
<li><strong> Belfast</strong></li>
</ol>
<p>Während Hollywood nunmehr bereit zu sein scheint, Netflix als einen würdigen Gewinner in der Königskategorie in seine Reihen aufzunehmen, gibt es einen anderen Film, dessen Wohlfühlfaktor man nicht unterschätzen sollte. Der in Belfast geborene Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh nähert sich in seinem schwarz-weißen Drama <em>Belfast</em> seiner eigenen Kindheit <a href="https://www.nytimes.com/2021/11/11/movies/belfast-review.html" target="_blank" rel="noopener">aus einer rosaroten Linse</a> mit einigen der beruhigendsten Melodien der Belfaster Legende Van Morrison. Als monochrome Memoiren hat der sechsfach nominierte Film viele Vergleiche mit Alfonso Cuaróns <em>Roma</em> nach sich gezogen, doch zwischen den Seelen dieser Filme liegen Welten. Für einige Leute ist die Rührseligkeit, die sich durch <em>Belfast</em> zieht, vielleicht zu viel, aber es feiert den lebensbejahenden menschlichen Geist, den die Academy so liebt.</p>
<p>(Im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Ja3PPOnJQ2k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Ja3PPOnJQ2k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="3">
<li><strong> CODA </strong></li>
</ol>
<p>Apropos Wohlfühlen. Dieser Indie-Film der amerikanischen Regisseurin Siân Heder ist unverschämt klebrig. Es ist der Stoff, aus dem Oscar-Träume gemacht sind. Der Titel des Films <em>CODA</em> ist ein Akronym für „Children of Deaf Adults“, also Kinder gehörloser Erwachsener. Hier bezieht er sich auf eine Jugendliche, gespielt von Emilia Jones, die als einzige in ihrer Familie hören kann und ausgerechnet Sängerin werden will. Ihr Vater wird von Troy Kotsur gespielt, der in der Sparte Bester Nebendarsteller nominiert ist (und hoffentlich gewinnt). <em>CODA</em> hat die beiden wichtigsten Oscar-Gebote verpasst, die ein Film normalerweise benötigt, um den Produktions-Hauptpreis zu gewinnen: Nominierungen für Beste Regie und/oder Bester Schnitt. Aber das <a href="https://variety.com/2021/film/reviews/coda-review-emilia-jones-troy-kotsur-marlee-matlin-1234894424/" target="_blank" rel="noopener">Herz erwärmende Drama</a>, insgesamt für drei Oscars nominiert, schrieb Geschichte bei den Screen Actors Guild Awards als erste Besetzung von hauptsächlich gehörlosen Schauspielern, die den Preis mit nach Hause nahmen. Es könnte gewinnen.</p>
<p>(Flat auf Apple TV+)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="4">
<li><strong> West Side Story</strong></li>
</ol>
<p>Viele hatten ihre Zweifel, als sie hörten, dass Steven Spielberg bei einer neuen Version von <em>West Side Story</em> Regie führen würde. Das Original aus dem Jahr 1961, unter der Regie von Robert Wise und Jerome Robbins, adaptiert aus dem Broadway-Musical von 1957, gilt als perfekt. Die New Yorker Romeo-und-Julia-Geschichte war nicht nur ein Kassenerfolg, sondern gewann auch zehn Oscars. Das Remake kann das mit „nur“ sieben Nominierungen nicht toppen. Außerdem gewinnen Musicals selten den Hauptpreis &#8211; zuletzt <em>Chicago</em> im Jahr 2003. Aber egal, ob er gewinnt oder nicht: Spielberg hat mit seinem Musical-Debüt <a href="https://www.theguardian.com/film/2021/dec/02/west-side-story-review-steven-spielberg" target="_blank" rel="noopener">eines der lebendigsten Werke</a> des jüngeren Hollywood-Kinos geschaffen.</p>
<p>(Auf Disney+)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/A5GJLwWiYSg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/A5GJLwWiYSg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="5">
<li><strong> King Richard</strong></li>
</ol>
<p>Reinaldo Marcus Greens Sportsaga <em>King Richard</em> ist ein Film mit einer unbeschreiblichen Geschichte: „Es ist, als würde man jemanden bitten zu glauben, dass die nächsten zwei Mozarts unter deinem Dach leben“, sagt ein ungläubiger Trainer im Film. Richard, der eifrige Vater von Venus und Serena Williams, hatte die Tenniskarriere seiner Töchter beschlossen, noch bevor sie überhaupt geboren waren. An Stellen fühlt sich der Film wie die <a href="https://abcnews.go.com/GMA/Culture/king-richard-review-smith-performance-life/story?id=81191600" target="_blank" rel="noopener">unbedingte Will-Smith-Oscar-Fabrik</a> an. Der Schauspieler war zwei Mal nah dran mit <em>Ali</em> und <em>The Pursuit of Happiness</em>. Obwohl es einige Kontroversen darüber gab, einen Mann in den Mittelpunkt der Erfolgsgeschichte zweier Frauen zu rücken, hat Smith gute Chancen, nun den Oscar als Bester Darsteller mit nach Hause zu nehmen. Der Hauptpreis für den fünffach nominierten Film scheint dagegen außer Reichweite.</p>
<p>(Im Kino)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="6">
<li><strong> Dune</strong></li>
</ol>
<p>Vielleicht nicht der beste Film, den man auf dieser Liste findet, geschweige denn der beste Film von Denis Villeneuve, aber mit Abstand der einzige, der als Blockbuster-Kinohit gezählt werden kann. Es wäre vermessen zu sagen, dass der kanadische Regisseur versucht, mit seinen Science-Fiction-Filmen Preise zu gewinnen, aber seine kunstvollen Spektakel haben eine bessere Chance als die meisten anderen. <em>Dune</em> erhielt nach <em>The Power of the Dog</em> die meisten Nominierungen, nämlich zehn. Erstaunlicherweise wurde Villeneuve jedoch in der Kategorie „Beste Regie“ übergangen (übrigens genauso wie Maggie Gyllenhaal mit <em>The Lost Daughter</em>). <em>Dune</em> ist schillernd, frustrierend und <a href="https://www.vox.com/22629441/dune-review-villeneuve-lynch-jodorowsky-herbert" target="_blank" rel="noopener">eine beeindruckende filmische Leistung</a>. Einige Regisseure sind vor Villeneuve an der Verfilmung des Romans von Frank Herbert gescheitert.</p>
<p>(Flat auf Sky, u.a.)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/8g18jFHCLXk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/8g18jFHCLXk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
<ol start="7">
<li><strong> Drive My Car</strong></li>
</ol>
<p>Der japanische Regisseur Ryûsuke Hamaguchi hat eine Kurzgeschichte von Haruki Murakami aus dem Jahr 2014 adaptiert und erweitert, aber nichts daran wirkt aufgesetzt oder in die Länge gezogen. In fünf Minuten von <em>Drive My Car</em> passiert mehr als in manchen Filmen insgesamt. Es ist ein Drama über Liebe und Verlust und die Art und Weise, wie Kunst einige der Enttäuschungen des Lebens heilen kann – und einige auch nicht. Die kritische Wertschätzung für den Film ist – <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/stueck-fuer-stueck/">aus filmfilter-Sicht zurecht</a> – euphorisch. Die vier Kategorien, in denen <em>Drive My Car</em> nominiert ist, sind übrigens die gleichen, die Bong Joon-hos <em>Parasite</em> vor zwei Jahren gewonnen hat: Film, Regie, adaptiertes Drehbuch und Internationaler Film. Wenn er gewinnt, wäre er der zweite internationale Film, der nach <em>Parasite</em> den Oscar in der Haupt-Kategorie holt.</p>
<p>(Vereinzelt noch im Kino)</p>
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<ol start="8">
<li><strong> Licorice Pizza</strong></li>
</ol>
<p>Paul Thomas Andersons Oscar-Contender spielt Anfang der 1970er Jahre im Geburtsort des Filmemachers, im kalifornischen San Fernando Valley – es ist ein sonnenverwöhnter Film, der das treibende Gefühl des Verliebens wirklich schön einfängt. Anderson und sein Ko-Kameramann Michael Bauman haben den dreifach nominierten Film auf 35 mm gedreht, was heute in Hollywood selten ist; mit Objektiven, die einst von der Legende Gordon Willis verwendet wurden, der die <em>Godfather</em>-Trilogie und einige von Woody Allens besten Werken gedreht hat. Aus filmfilter-Sicht ist <em>Licorice Pizza</em> <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/kindergeburtstag/">ein Traum von einem Film</a>. Eines von mehreren Highlights: Bradley Cooper als perverser Produzent, Promi-Friseur, Barbra Streisand-Freund und Wasserbett-Käufer Jon Peters.</p>
<p>(Im Kino)</p>
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<ol start="9">
<li><strong> Don’t Look Up</strong></li>
</ol>
<p>Der vierfach nominierte Film von Oscar-Gewinner Adam McKay (<em>The Big Short</em>) ist vielleicht der lustigste des vergangenen Jahres. Aber zugleich der deprimierendste. <em>Don</em><em>’t Look Up</em> ist eine bissige Satire, in deren Fadenkreuz eindeutig Politiker und jene Teile der Gesellschaft da draußen stehen, denen die Klimakrise gleichgültig ist. Das Ergebnis ist eine <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/ueberdrehmomente/">dissonante Komödie</a>, die die Mischung aus Erschöpfung und Wut, die wir in den vergangenen Jahren mit uns herumgeschleppt haben, sehr gut einfängt. Man sollte für die Credits auf dem Sofa sitzen bleiben. Nicht, dass die Gewinnchancen von <em>Don</em><em>’t Look Up</em> besonders hoch wären, aber in seiner Entlarvung der Welt, in der wir leben, polarisiert er stärker als die anderen auf dieser Liste.</p>
<p>(Auf Netflix)</p>
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<ol start="10">
<li><strong> Nightmare Alley</strong></li>
</ol>
<p>Der jüngste von Guillermo del Toros Filmen ist vielleicht der erste, in dem das Übernatürliche völlig fehlt. Hier sind Magie und Geister das Produkt menschlicher Tricks (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/zauber-und-zinnober/">entspringen mithin der menschlichen Natur</a>). Aber es ist schwer, sich eine Noir-Geschichte vorzustellen, die besser zu del Toro passen würde, diesem Märchenerzähler, der Männer mehr fürchtet als Monster. <em>Nightmare Alley</em> verbindet Horror, amerikanische Desillusionierung und die beseelte Dunkelheit, die Bradley Cooper in seinen kristallblauen Augen zu wecken vermag. Der große Preis ist wohl nicht drin (der mexikanische Regisseur durfte 2018 gleich zwei Oscars für <em>The Shape of Water</em> mitnehmen), aber er ist in vier Kategorien nominiert. <em>Nightmare Alley</em> ist der Underdog in diesem Jahr – aber was für einer.</p>
<p>(Im Kino und auf Disney+)</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/features/die-oscar-filme-im-check/">Die Oscar-Filme im Check</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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