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		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jun 2023 14:00:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Arnold Schwarzenegger blickt in einem Netflix-Dreiteiler ehrlich auf sein Leben zurück. Ein guter Anlass, selbst zurückzublicken: Welche Eindrücke hat die steirische Kernöl-Eiche in den vergangenen vierzig Jahren hinterlassen? Im Sommer 1983 wollte mir ein Sportfreund ein Fitnessbuch von Arnold Schwarzenegger borgen. Ich lehnte dankend ab. BMX-Biken im Wiener Prater und Fußballspielen auf der Birkenwiese waren bis dahin meine Leidenschaften. Außerdem wollte ich lieber mein Hirn als meine Muskeln trainieren, statt Büchern über Leibesübungen las ich welche über den Urknall, die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Arnold Schwarzenegger blickt in einem Netflix-Dreiteiler ehrlich auf sein Leben zurück. Ein guter Anlass, selbst zurückzublicken: Welche Eindrücke hat die steirische Kernöl-Eiche in den vergangenen vierzig Jahren hinterlassen?</em></p>
<p>Im Sommer 1983 wollte mir ein Sportfreund ein Fitnessbuch von Arnold Schwarzenegger borgen. Ich lehnte dankend ab. BMX-Biken im Wiener Prater und Fußballspielen auf der Birkenwiese waren bis dahin meine Leidenschaften. Außerdem wollte ich lieber mein Hirn als meine Muskeln trainieren, statt Büchern über Leibesübungen las ich welche über den Urknall, die Herkunft der Welt und des Lebens, die Abstammung des Menschen vom Affen. Es wäre mir affig erschienen, Gymnastik nach Anleitung eines öligen Posers zu treiben.</p>
<p>In der Unterstufe meiner Schule, wie damals vermutlich in weiten Teilen Österreichs, war der ausgewanderte Kernölsteirer entweder unbekannt oder galt als überambitionierter Kraftlackel ohne Hirnschmalz. Den Film <em>Conan, der Barbar</em> hatten alle Nase rümpfend ausgelassen, bis auf meinen erwähnten Sportfreund. Der wiederum ließ nicht locker, mich zu Sit-ups, Klimmzügen und Beincurls zu überreden. Für unser durchwachsenes Trainingsareal im Prater, musste ich allmählich zugeben, waren die mit vielen Improvisationstipps gespickten Übungen aus Arnolds Fitness-Ratgeber recht brauchbar und nicht zuletzt bemerkte ich, dass der Kraftzuwachs meinem Stil als Ballesterer durchaus zuträglich war. Eine der plastischeren Erinnerungen aus dem Buch (in dem sich übrigens auch prototypische Ernährungsratschläge fanden): Arnold beschreibt, wie er spätabends die Notausgangs-Treppen eines fünfzehnstöckigen Hotels drei Mal rauf- und runter rennt, um nicht während eines Business-Trips auf sein Workout verzichten zu müssen. Spinner, dachte ich damals. Doch wir jungen Sportfreunde waren Avantgardisten, denn als die Aerobic- und Kraftsport-Welle mit der üblichen Verspätung über den Atlantik zu uns rüberschwappte, war Schwarzenegger bereits ein Star. Sein Durchbruch trug den Namen <em>Terminator</em> (1984).</p>
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<p>Knapp vierzig Jahre später blickt Schwarzenegger, der diesen Sommer 76 Jahre alt wird, in dem Netflix-Dreiteiler <em>Arnold</em> auf sein Leben und seine Karriere zurück. Die Serie ist mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Videoclips, Talking Heads (James Cameron, Linda Hamilton, Jamie Lee Curtis, Danny DeVito, Sylvester Stallone u.v.m.) und ausführlichen Interviewsequenzen zwar ziemlich konventionell gestaltet, besticht allerdings durch drei Vorzüge. Erstens erfährt auch, wer so gut wie alles über „Österreichs Hollywood-Export“ zu wissen meint, jede Menge neuer Details. Zum Zweiten inszeniert Klimaschutz-Veteran Schwarzenegger sich im weitläufigen eigenen Anwesen, mal melancholisch leise, mal im üblichen Hau-drauf-Stil, mal augenzwinkernd vor alpenähnlicher Kulisse – u.a. im Schaffelbad-Jacuzzi mit Zigarre im Mund oder beim Schuften im Kraftraum –, fährt im dreiachsigen Steyr-Puch Pinzgauer durch die Gegend oder berichtet von der täglichen Routine seiner Hausesel-Pflege (auch sein <a href="https://www.instagram.com/schwarzenegger/?hl=de" target="_blank" rel="noopener">Insta-Account</a> zeugt davon). Und drittens gibt Schwarzenegger nicht nur preis, wie er sich in bestimmten Momenten seines Lebens gefühlt hat, sondern spricht sogar freimütig vom „biggest fuckup of my life“: Als er nämlich mit der eigenen Haushälterin einen Sohn gezeugt und dies seiner inzwischen geschiedenen Frau Maria Shriver und seinen vier ehelichen Kindern 14 Jahre lang verschwiegen hatte.</p>
<p>Doch zurück in den Juni des Jahres 1985, als <em>Terminator</em> in Österreich ins Kino kam. Die Leute staunten, wie eindrücklich „unsere“ steirische Eiche eine fast perfekte Tötungsmaschine spielen konnte (was für ein Anlass für eine Nostrifikation), und ich staunte mit. Der eingangs erwähnte Sportfreund hat seitdem übrigens kaum einen seiner Filme ausgelassen, außer vielleicht <em>Twins</em> (1990), in dem Schwarzenegger sein maschinelles Spiel gekonnt in den Dienst hölzerner Comedy-Naivität stellt. Mich interessierten natürlich weniger Arnolds frühe Paraderollen in doofen Rabaukenreißern wie <em>Das Phantom-Kommando</em> oder <em>Predator</em> als, nur zum Beispiel, der in seiner prophetischen Qualität unterschätzte <em>Running Man</em> (1987) oder sein Revoluzzer in Paul Verhoevens legendärem Sci-Fi-Knaller <em>Total Recall</em> (1990). In letzterem manifestierte sich auch Schwarzeneggers beachtliche schauspielerische Lernfähigkeit, welche später in Gestalt des eifersüchtigen Agenten Harry in <em>True Lies</em> (1994) einen seltenen Höhepunkt fand. Freilich: „Jim, I don’t wanna be an actor“, hatte er schon zehn Jahre früher zu James Cameron gesagt. „I wanna be a movie star.“ Den einstigen Actionhero-Titanenkampf gegen Sly Stallone nahm Schwarzenegger beispielsweise mit der <em>Expendables</em>-Reihe (seit 2010) oder mit dem Buddy-Ausbruchs-Thriller <em>Escape Plan </em>(2013) auf die Schaufel. Und neuerdings matchen die beiden einander mit den Serien <em>Tulsa King </em>(Paramount+) und <em>Fubar </em>(Netflix), wobei Arnie qualitativ hier eindeutig den Kürzeren zieht.</p>
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<p>Der erste Teil der Miniserie widmet sich Arnolds Anfängen als Bodybuilder, der sich von Championat zu Championat hantelt (nebenbei erwähnt wird der schon damals übliche Steroid-Missbrauch), seinen frühen Freunden und Förderern, seinem vom kriegstraumatisierten Vater eingepflanzten Konkurrenzdenken und natürlich seinem Aufwachsen im idyllischen Thal bei Graz. Klar war ihm schon früh: The world was too small for him in Styria. Der anekdotenreiche zweite Teil zeichnet anhand kollegialer Schnurren und Funfacts seine fulminante Filmkarriere nach; der dritte beleuchtet Schwarzeneggers Quereinstieg in die Politik als Gouverneur von Kalifornien. Großes Staunen, großer Stolz damals in Österreich. Da lebt doch glatt ein immigrierter Steirer, der quasi Kernöl statt Muttermilch verabreicht bekam, den amerikanischen Traum. Mich hat seine Wahl zum Governator dann schon nicht mehr verwundert; Westernstar-Präsident Reagan war noch in Erinnerung, und in die Reagan-Jahre des beginnenden Fake-it-till-you-make-it-Anything-goes-Turbokapitalismus (nicht umsonst ein Bezugspunkt der Trump-Ära) war ja auch Arnolds steiler Aufstieg als Actionheld gefallen.</p>
<p>Einer der hübschesten Momente der Serie ist jener, als der Politikneuling nach zwei Monaten Wahlkampf samt <em>Terminator</em>-Persiflage erstmals in seinen Gouverneurssessel sinkt – mission accomplished –, wie auf dem Filmset scherzhaft nach der Maske fragt, sich dann aber insgeheim eingestehen muss: Keine Ahnung, was ich jetzt tun soll. Für diese neue Rolle konnte er nicht trainieren, doch kurz danach erfindet er ein „Zigarrenzelt“ im Hof seines Amtsgebäudes, und bald wollen alle, die in Kalifornien etwas zu sagen haben, in diesem Zelt mit Arnold plaudern. Und er lernt schnell. Von seinen Verbindungen zum demokratischen Kennedy-Clan profitiert der Republikaner Schwarzenegger damals besonders; so ist er z.B. in der Lage, den damals angesehensten Klima-Experten der Demokraten für sein Kabinett anzuheuern.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/x2AEI26LBpA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/x2AEI26LBpA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Reichlich Glück hatte er auch, der Terminator. Nicht nur kam das Skript zu seinem ersten Welterfolg genau zur richtigen Zeit, bevor seine Karriere als TV-Witzfigur und Herkules-Kampfmaschine – ursprünglich wegen unkaputtbaren Akzents synchronisiert – versandet wäre. Die testosteronschwangeren Macho-Achtziger waren überhaupt die historisch erste Möglichkeit für eine singuläre Weltkarriere wie diese (Muskelmenschen wie Dwayne Johnson oder Dave Bautista konnten später darauf bauen). Glück hatte Arnold auch mit seinen Förderern, mit seiner Ehefrau und ihrem Clan oder mit dem Window of Opportunity durch die historische Gouverneursabwahl seines Vorgängers in Kalifornien. „I’ll be back“: Wahrscheinlich war es das Glück des Tüchtigen, des Stehaufmännchens, das keine Niederlage als endgültig akzeptiert. Des Sohnes einer extrem disziplinierten Mutter. Des Knaben, der immer wieder gegen seinen älteren Bruder antreten muss (auch über den früh verunfallten Meinhard Schwarzenegger spricht er in <em>Arnold</em>). Das Glück des Träumers, der sich seine Träume „visualisieren“ konnte und sie durch stählernen Willen verwirklichte. Schon als Kaufmannslehrling war er in selbstgebauten Eisenschuhen durchs Dorf marschiert.</p>
<p>Gemäß seinem Leitspruch kam Arnold Schwarzenegger immer wieder zurück, ob an der Seite von Greta Thunberg als Klimabotschafter oder mit selbstironischen Action-Rollen. Und jetzt? Immer weitermachen. Sich in Schwung halten. Versuche, deinen Mitmenschen nützlich zu sein, so Arnolds Devise. Man kann schlechter altern.</p>
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		<title>Mom, I just won an Oscar!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Mar 2023 18:30:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Oscars 2023: vom Flüchtlingsboot nach Hollywood. Der Amerikanische Traum wurde für tot erklärt, doch sieht man sich die 95. Oscars an, ist er lebendiger denn je – zumindest in der Traumfabrik. Niemand wurde bei den diesjährigen Oscars gewatscht, und auch sonst gab es keine ungeplante Action. Nein, hier lief alles glatt. Der Teppich war nicht rot, sondern schön champagnerfarben, und das Bühnenbild war makellos in vergoldeten Glamour im Great-Gatsby-Stil eingetaucht. F. Scott Fitzgeralds reueloser Romantiker Jay Gatsby mag am American [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Oscars 2023: vom Flüchtlingsboot nach Hollywood. Der Amerikanische Traum wurde für tot erklärt, doch sieht man sich die 95. Oscars an, ist er lebendiger denn je – zumindest in der Traumfabrik. </em></p>
<p>Niemand wurde bei den diesjährigen Oscars gewatscht, und auch sonst gab es keine ungeplante Action. Nein, hier lief alles glatt. Der Teppich war nicht rot, sondern schön champagnerfarben, und das Bühnenbild war makellos in vergoldeten Glamour im <em>Great-Gatsby</em>-Stil eingetaucht. F. Scott Fitzgeralds reueloser Romantiker Jay Gatsby mag am American Dream gescheitert sein, aber Sonntagabend wurden in Hollywood wieder einmal Träume wahr und die Gewinner:innen wollten, dass wir das auch spüren.</p>
<p>Michelle Yeoh gewann einen verdienten Oscar als beste Hauptdarstellerin in <em>Everything Everywhere All at Once</em> und begann ihre Rede damit, dass sie „ein Leuchtfeuer der Hoffnung“ für alle Buben und Mädchen sei, die aussehen wie sie. „Das ist der Beweis, dass Träume wahr werden.“ Die 60-jährige Malaysierin, in Asien längst ein Mega-Star, spielt eine chinesische Waschsalonbesitzerin in Amerika, die zur Superheldin wird und am Ende sogar ihre Steuern zahlen will! Die sieben Oscars, die das Mid-Budget-Indie-Movie der „Daniels“ gestern Abend abräumte, waren eine wichtige Wertschätzung der asiatisch-amerikanischen Kultur und des Lebens von Einwanderern in Amerika.</p>
<p>„This is the American dream!“ (in der besten Art von Multiversum ist es das wahrscheinlich), rief der in Vietnam geborene Ke Huy Quan, nachdem er als bester Nebendarsteller im selben Film ausgezeichnet worden war. Als Bootsflüchtling sei er in Amerika angekommen, jetzt stehe er auf Hollywoods größter Bühne: „Mama, ich habe gerade den Oscar gewonnen!“ schrie er ins Mikrofon.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/zFRIu7ehZl0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/zFRIu7ehZl0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Bei ihrer Mutter bedankte sich auch seine Filmkollegin Jamie Lee Curtis unter Tränen und widmete ihren Award als beste Nebendarstellerin ihren verstorbenen Eltern Tony Curtis und Janet Leigh, die nie einen Oscar bekamen, für ihre Rollen in <em>The Defiant One</em> (1958) und <em>Psycho</em> (1960) aber wohl einen verdient hätten.</p>
<p>Brendan Fraser nahm den Preis als bester Hauptdarsteller für die Rolle eines sterbenden, übergewichtigen, homosexuellen Lehrers in Darren Aronofskys Drama <em>The Whale</em> entgegen. Der 54-jährige Schauspieler, der um die Jahrtausendwende mit dem Abenteuerfilm <em>The Mummy</em> zum Star wurde, verschwand in einem Karriereloch (Metoo avant la lettre), aber Hollywood hat schon oft bewiesen, wie sehr es auf ein gutes Comeback steht.</p>
<p>Diese großen Gewinner der Oscars 2023 standen größtenteils im Voraus fest. Der Sieg von <em>Everything Everywhere All at Once</em> für den besten Film war in Stein gemeißelt, bevor der Abend begann, es mangelte also ein wenig an Spannung. Für so einen erwartbaren Verlauf der Show wäre dann auch kein Krisenteam (das heuer für unerwartete Katastrophen wie Will Smiths Ohrfeige eingestellt wurde) nötig gewesen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/wxN1T1uxQ2g" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/wxN1T1uxQ2g" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die Show begann damit, dass Moderator Jimmy Kimmel nach einer kurzen <em>Top-Gun</em>-Parodie buchstäblich mit dem Fallschirm auf der Bühne landete. Er hat die Oscar-Ohrfeige des vergangenen Jahres nicht gescheut, aber er hat sich auch nicht allzu lange damit aufgehalten. Wer auch immer diesmal Gewalt anwende, so der Moderator: „Sie erhalten den Oscar für den besten Schauspieler“.</p>
<p>Natürlich hat niemand Gewalttaten begangen an diesem Abend oder sonst etwas Außergewöhnliches getan. Die ABC-Muttergesellschaft Disney hat schamlos Werbung für ihre Live-Action-Version von <em>The Little Mermaid</em> gemacht, der Esel aus <em>The Banshees of Inisherin</em> (oder ein Esel, der den Esel spielt) erschien auf der Bühne, und David Byrne wedelte mit entzückenden Würstel-Fingern herum. Musikalischer Höhepunkt des Abends war aber zweifelsohne der Schnipsel aus „Top of the World“, gesungen vom Komponisten M.M. Keeravani, als „Naatu Naatu“, der Filmsong aus dem indischen Action-Epos <em>RRR</em> einen Oscar gewann. Für einen der emotionalsten Momente an diesem sonst recht realitätsfremden Abend sorgte Julija Nawalnaja, die Ehefrau des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, die den Preis für <em>Navalny </em>als besten Dokumentarfilm entgegen nahm.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/ZO8y0KXw6pg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/ZO8y0KXw6pg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Play it safe war also das Motto der Oscars 2023 und so fühlte sich der ganze Abend an: gut geölt und komplett programmiert. Das ist beim Live-Fernsehen aber ein Problem: Wenn nichts Unerwartetes passiert (außer vielleicht, dass Hugh Grant sein Gesicht als Hodensack bezeichnet), kann man nur mit den Achseln zucken.</p>
<p>Ob es gereicht hat, den <a href="https://www.statista.com/statistics/253743/academy-awards--number-of-viewers/" target="_blank" rel="noopener">freien Fall der Einschaltquoten</a> aufzuhalten, lässt sich noch nicht abschätzen. Da die Aufmerksamkeitskonkurrenz immer stärker wird und die Menschen zentrifugal von Oldschool-Kulturveranstaltungen wegzieht, kann die Existenzkrise der Oscars ohne weitere Runderneuerung nicht abgesagt werden. Weder Ohrfeigen noch die Träumer dieser Welt werden dafür sorgen.</p>
<p>Trotzdem kann man es schön finden, wie Mut, Risiko und Ausdauer belohnt werden können. „Wenn Filmhistoriker auf die 95. Oscar-Verleihung zurückblicken, könnten sie dies als den Beginn eines neuen New Hollywood markieren“,<a href="https://www.nytimes.com/live/2023/03/12/movies/oscars-academy-awards" target="_blank" rel="noopener"> schrieb Brooks Barnes</a> von der New York Times.</p>
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		<title>Der Passfälscher</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/der-passfaelscher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2022 15:00:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Passfälscher, im Norden was Neues und u.a. das Ende von Halloween (oder auch nicht): der Kinovorschaufilter der Woche. Wir beginnen gediegen, mit einem weiteren Historienfilm, der in der Zeit des Nationalsozialismus spielt und Geschichte anhand von exzeptionellen Einzelschicksalen darzustellen versucht. Der Passfälscher erzählt die Geschichte von Cioma Schönhaus (Louis Hofmann), der sich, obwohl Jude, im Berlin des Jahres 1942 unter die Deutschen mischt und damit sozusagen die Flucht nach vorn antritt. Pässe fälschen sollte man am besten unter aller [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Passfälscher, im Norden was Neues und u.a. das Ende von Halloween (oder auch nicht): der Kinovorschaufilter der Woche.</em></p>
<p>Wir beginnen gediegen, mit einem weiteren Historienfilm, der in der Zeit des Nationalsozialismus spielt und Geschichte anhand von exzeptionellen Einzelschicksalen darzustellen versucht. <strong><em>Der Passfälscher </em></strong>erzählt die Geschichte von Cioma Schönhaus (Louis Hofmann), der sich, obwohl Jude, im Berlin des Jahres 1942 unter die Deutschen mischt und damit sozusagen die Flucht nach vorn antritt. Pässe fälschen sollte man am besten unter aller Augen, im Park, erzählt er gleich zu Anfang von Maggie Perens Film. Peren hat als Drehbuchautorin von <em>Napola – Elite für den Führer </em>bereits Erfahrungen im Feld des deutschen Geschichtskinos sammeln können. <em>Der Passfälscher </em>ist für eine Trickster-Geschichte allerdings recht behäbig erzählt. Der Fokus des Films liegt nicht so sehr auf Pointen und Tempo, sondern auf der Konstruktion der möglichst authentisch wirkenden Filmwelt „Deutschland im Nationalsozialismus“. Am besten ist <em>Der Passfälscher </em>immer dann, wenn er zeigt, was trotz allem noch hin und wieder (und stark zufallsbedingt) an Eigensinn und individuellem Widerstand möglich war – die Lücken, die der Teufel lässt, sozusagen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/q4aF4f2Ejz8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/q4aF4f2Ejz8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Sehr gegenwärtig wiederum ist Ruben Östlunds neuer Film <strong><em>Triangle of Sadness</em></strong>, für den er nach <em>The</em> <em>Square </em>erneut die Goldene Palme in Cannes bekommen hat. Eine bei aller Arthaus-Ästhetik recht rustikale analytische Destruktion der Klassengesellschaft, mit großem Kotz- und Fäkalspektakel im zweiten Akt (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/leinen-los/">unsere Kritik</a>).</p>
<p>Manche Filme halten ihre im Titel gegebenen Versprechen. <em>Der Passfälscher </em>zum Beispiel handelt von einem Passfälscher. Andere Filme wiederum können das, was ihr Titel suggeriert, nicht einlösen. Jüngstes Bespiel: <strong><em>Halloween Ends</em></strong><em>.</em> Das ist nämlich geflunkert, vermute ich. Wenn etwas uns bis zum Ende der Tage begleiten wird, sind es endlos fortwesende Horrorfilm-Serien. Und das <em>Halloween</em>-Franchise gehört neben <em>The Texas Chainsaw Massacre</em> (hier eine <a href="https://filmfilter.at/themen/features/kettensaegenfuehrung/">Kettensägenführung</a>) zu den langlebigsten. Vergleichsweise verlässlich hingegen wirkt die Ankündigung von Jamie Lee Curtis, dass dies ihr letzter Auftritt in der Serie sein wird. Und es ist schön, dass die jüngste Reanimation des Franchise (also <em>Halloween</em>, <em>Halloween Kills</em> und nun <em>Halloween Ends</em>, alle unter der Regie von David Gordon Green) Curtis einen würdigen Abschied von der Figur ermöglicht.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/s0vtbxLa-N8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/s0vtbxLa-N8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Das Heldentum als Hölle: Erich Maria Remarque hat den Schrecken des Ersten Weltkrieges mit seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ (1928), einem der ersten weltweiten Bestseller, ein immer noch beeindruckendes literarisches Denkmal gesetzt. Verfilmt wurde das Buch in Deutschland bislang nicht, erstaunlicherweise. Jetzt ist es soweit: Die Netflix-Produktion <strong><em>Im Westen nichts Neues </em></strong>läuft diese Woche in einigen Kinos und ab 28. Oktober dann im Stream. Der Deutschlandfunk sah „nichts als Gram, Schuld und Horror“, die Frankfurter Allgemeine jubilierte: „Besser kann der deutsche Film nicht sein“. Tatsächlich wirkt das alles im Vorfeld so erwartbar wie vielversprechend: Verlässlich gute Schauspieler wie Daniel Brühl und Albrecht Schuch, aber auch (auf der Leinwand) neue Gesichter wie der Burgtheater-Schauspieler Felix Kammerer leiden im Schützengraben und robben durch den Dreck (Brühl leidet allerdings eher am Verhandlungstisch). Der Trailer verspricht eine immersive Kriegsfilminszenierung, die auf Überwältigung setzt und dabei nicht so weit geht wie das ewige Vorbild <em>Der Soldat James Ryan</em>, aber doch darauf abzielt, spürbar werden zu lassen, was der Krieg zuallererst ist: Terror und Elend eben. Die Nazis wussten schon, warum sie 1930 versucht haben, die Kinovorführungen der ersten Verfilmung von Remarques Roman zu stören und zu verhindern.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/tPdM-pmqEDg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/tPdM-pmqEDg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Schließlich der Kinderfilm der Woche: <strong><em>Meine Chaosfee &amp; ich</em></strong>. Die Fee Violetta (gesprochen von Jella Haase) schafft die Abschlussprüfung nicht und strandet in der Menschenwelt, im Schlafzimmer von Maxie, die gerade mit ihrer Mutter in eine andere Stadt zu ihrer Patchwork-Familie gezogen ist. Es folgt die gewohnt humoristische und actionreiche Behandlung von kinderfilmtypischen Fragen: Wo gehör ich hin, wer bin ich, was will ich, warum ist die Welt so kompliziert?</p>
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		<title>Knives Out (2019)</title>
		<link>https://filmfilter.at/starkes-stueck/knives-out-2019/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Sep 2022 18:21:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In Whodunit-Filmen schwingen Meta-Ebene und Selbstironie zwangsläufig mit, mal mehr, mal weniger sanft. Das Rätsel ist, auch wenn es sich plausibel lösen lässt und keine Logiklücken enthält, ohne Zweifel konstruiert. Und wo man die Gemachtheit spürt, ist die Selbstironie prinzipiell nicht weit. Das Schönste an dem wirklich formvollendeten Film Knives Out ist, mit welcher Leichtigkeit er die Balance zwischen Augenzwinkern und ernstem Krimi-Plot hält. Das Setting ist so klassisch, dass es – mit ein paar Film-Jahrzehnten mit Miss Marple und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Whodunit-Filmen schwingen Meta-Ebene und Selbstironie zwangsläufig mit, mal mehr, mal weniger sanft. Das Rätsel ist, auch wenn es sich plausibel lösen lässt und keine Logiklücken enthält, ohne Zweifel konstruiert. Und wo man die Gemachtheit spürt, ist die Selbstironie prinzipiell nicht weit. Das Schönste an dem wirklich formvollendeten Film <em>Knives Out </em>ist, mit welcher Leichtigkeit er die Balance zwischen Augenzwinkern und ernstem Krimi-Plot hält.</p>
<p>Das Setting ist so klassisch, dass es – mit ein paar Film-Jahrzehnten mit Miss Marple und Sherlock Holmes und der endgültigen Genre-Veralberung <em>Eine Leiche zum Dessert</em> im Rücken – schon fast den Charakter einer Versuchsanordnung bekommt: Wie überzeugend kann man heute noch eine Geschichte erzählen, die damit beginnt, dass eine, sagen wir mal, sehr konfliktlastige Erbengemeinschaft in einem alten britischen Herrenhaus zu einer Feier zusammenkommt und das Familienoberhaupt, der erfolgreicher und schwerreicher Krimiautor ist, stirbt? Was zuerst wie ein Selbstmord aussieht, aber keiner ist, oder eigentlich irgendwie doch, aber anders als man denkt. Mittendrin natürlich ein mysteriöser, aber rustikal auftretender Privatdetektiv, gespielt von Daniel Craig. Die Antwort, die Regisseur Rian Johnson mit Skript und Inszenierung von <em>Knives Out </em>formuliert, ist: sehr überzeugend.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/sL-9Khv7wa4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/sL-9Khv7wa4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der Film ist so gebaut, dass man als Zuschauer:in ständig angehalten ist zu prüfen, was man weiß, was die Figuren wissen und worauf das alles zulaufen könnte. Dass man da mit Begeisterung mitmacht, liegt daran, dass alle – also alle Figuren –, bei allem Spaß, den Johnson mit Stereotypen hat, so auftreten, dass man sich für sie und ihre Verfehlungen und all ihre möglichen Verbrechen tatsächlich interessiert. Was wiederum daran liegt, dass ausnahmslos alle Schauspieler:innen hier nicht nur mit Virtuosität, sondern auch mit großem Spaß zu Werke gegangen sind – allen voran Jamie Lee Curtis als verhärtete Autorentochter und Chris Evans als unglaublich arschlochhafter Enkel; aber eigentlich kann man da kaum Unterschiede machen in diesem Fall: Don Johnson, Christopher Plummer, Toni Collette und natürlich Craig – alle toll.</p>
<p>Und am Ende löst sich dann alles zu allem Überfluss auch noch in einem schon sagenhaft gut geschriebenen Finale auf. (Es gibt übrigens schon den Teaser <a href="https://youtu.be/-xR_lBtEvSc" target="_blank" rel="noopener">zum nächsten Puzzle</a>, das in Griechenland zusammengestückelt werden will.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Knives Out</strong><br />
<strong>USA 2019, Buch &amp; Regie</strong> Rian Johnson<br />
<strong>Mit</strong> Daniel Craig, Ana de Armas, Chris Evans, Michael Shannon, Don Johnson, Katherine Langford, LaKeith Stanfield, Jamie Lee Curtis, Christopher Plummer, Toni Collette<br />
<strong>Laufzeit</strong> 130 Minuten</p>
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		<title>Final Girl</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/final-girl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Feb 2022 14:30:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein ikonisches Bild der Horrorfilmgeschichte ist das einer jungen, blonden Frau, die sich blutverschmiert auf die Ladefläche eines Pickups gerettet hat. „Los, los!“ schreit sie den Fahrer an. Sie gibt einen abdominalen Urschrei von sich, der sich in ein manisches Lachen verwandelt. In der Ferne führt ein wütender Wahnsinniger im Sonnenaufgang einen Kettensägentanz auf. Marilyn Burns spielte die Finalistin Sally Hardesty in Tobe Hoopers Texas Chain Saw Massacre (1974). Sie ist eines der berühmtesten „letzten Mädchen“ und war auch eines [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ikonisches Bild der Horrorfilmgeschichte ist das einer jungen, blonden Frau, die sich blutverschmiert auf die Ladefläche eines Pickups gerettet hat. „Los, los!“ schreit sie den Fahrer an. Sie gibt einen abdominalen Urschrei von sich, der sich in ein manisches Lachen verwandelt. In der Ferne führt ein wütender Wahnsinniger im Sonnenaufgang einen Kettensägentanz auf.</p>
<p>Marilyn Burns spielte die Finalistin Sally Hardesty in Tobe Hoopers <em>Texas Chain Saw Massacre </em>(1974). Sie ist eines der berühmtesten „letzten Mädchen“ und war auch eines der allerersten, bevor das <em>Final Girl</em> en vogue wurde. Geprägt hat den Begriff die Amerikanerin Carol J. Clover. In ihrem inzwischen legendären Buch „Men, Women, and Chain Saws“ aus dem Jahr 1992 schrieb sie: „Die Frauenbewegung hat der Populärkultur viele Dinge gegeben, einige schmackhafter als andere. Eine ihrer Hauptgeschenke an den Horror, denke ich, ist das Bild einer wütenden Frau.“</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Skeg17DLpYE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Skeg17DLpYE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ursprünglich in den frühen 1970er Jahren geboren, war das Final Girl diejenige, die einen Horrorfilm überlebt, oft von der Sorte Slasher. Besonders in älteren Filmen ist das Girl fast immer weiß, jungfräulich, heterosexuell und hat eine komplizierte Entwicklung hinter sich. Für die einen ist sie eine feministische Abtrünnige, für die anderen eine sexistische Fantasiefigur. Wie meinte Alfred Hitchcock während der Dreharbeiten zu <em>The Birds</em>: „Ich glaube immer daran, dem Rat des Dramatikers Sardou zu folgen. Er sagte: ‚Foltert die Frauen!‘ &#8230; Das Problem heutzutage ist, dass wir Frauen nicht genug foltern.“</p>
<p>Sally Hardesty war so eine gefolterte Heldin. Im Laufe eines Sommernachmittags sah sie dabei zu, wie ihr Bruder und ihre Freunde von einer kannibalischen Familie psychopathischer Hinterwäldler in Texas geschlachtet wurden. Danach wurde sie zu einem gruseligen Dinner „eingeladen“. Doch sie sprang aus dem Fenster und auf den Truck und seither wurden mannigfach Fan-Theorien darüber ausgetüftelt, was mit ihr passiert sein könnte. Im neunten Film des TCM-Universums, der nun auf Netflix zu sehen ist (ein Aufsatz des TCM-Franchise-Experten Moldenhauer folgt alsbald), stellt sich heraus, dass sie seit fünfzig Jahren ein ruhiges Leben in einem alten Bauernhaus lebt und nebenbei Schweine schlachtet. Sie wird jetzt von der irischen Schauspielerin Olwen Fouéré gespielt, hat langes, silbernes Haar und sieht aus wie ein Cowboy. Als sie davon hört, dass Leatherface wieder mordet, packt sie ihre Schrotflinte ein um sich zu rächen. (Dies ist keine Frau, die gerettet werden muss!) Obwohl der Film eine schreckliche Sünde begeht, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde, ist es immerhin erfrischend zu sehen, wie hier eine Frau jenseits der Sechzig versucht, ihren Peiniger selbst zur Strecke zu bringen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/zcI6SFiK_yk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/zcI6SFiK_yk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Eine ganze Reihe letzter Mädchen sind inzwischen zu erfahrenen Frauen geworden. Final Girl Laurie Strode kehrte als knallharte Großmutter in den neuen <em>Halloween</em>-Filmen zurück. Sie wurde von einer verängstigten Babysitterin zur eiskalten Killerin. Michael Myers geht jetzt nicht mehr hinter ihr im Schritt-Tempo her, sondern sie hinter ihm. Jamie Lee Curtis setzte in John Carpenters <em>Halloween</em> (1978) eine Art Goldstandard für das Genre. Sie setzte sich mit einer Stricknadel, einem Kleiderhaken und einem Küchenmesser gegen ihren Schinder zur Wehr und bekam die Chance, ihn mehrmals zu töten. Laurie Strode steht exemplarisch für viele erwähnenswerte Überlebende, die sich in die Popkultur eingeschrieben haben, es gibt etliche Listen wie „<a href="https://www.slashfilm.com/607471/the-best-final-girls-in-horror-movies-ranked/" target="_blank" rel="noopener">The 15 Best Final Girls</a> in Horror Movies“ oder „<a href="https://www.pastemagazine.com/movies/final-girls/the-20-best-final-girls-in-horror-movie-history/" target="_blank" rel="noopener">The 20 Best Final Girls</a> in Movie History“.</p>
<p>Mit Wes Cravens <em>Scream</em> trat das Final Girl im Jahr 1996 in seine postmoderne Ära ein. In Neve Campbells Sidney Prescott hatten wir ein letztes Mädchen, das mit den Tropen des Horrorgenres vertraut war. Die Schauspielerin hat fünf <em>Scream</em>-Teile auf dem Buckel und ist inzwischen Mutter und Ehefrau. Sie entkommt vielleicht nie einem geistesgestörten Familienmitglied, das ihr den Tod wünscht, aber sie kreuzt immer konsequent für die Fortsetzung auf.</p>
<figure id="attachment_6727" aria-describedby="caption-attachment-6727" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=550%2C275&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6727" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell-300x150.jpg" alt="" width="550" height="275" /><figcaption id="caption-attachment-6727" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6727" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=550%2C275&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="275" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=300%2C150&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1024%2C512&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=770%2C385&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1536%2C768&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=500%2C250&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=585%2C293&amp;ssl=1 585w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1170%2C585&amp;ssl=1 1170w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1500%2C750&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=293%2C147&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1400%2C700&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=390%2C195&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1320%2C660&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Neve Campbell in Scream 5</figcaption></figure>
<p>Es gibt inzwischen eine neue Generation letzter Mädchen, die auf ihr aufbauen. Sie sind komplizierter, facettenreicher und nicht gerade zimperlich. Getreu der Formel des Genres ist die Jungfrau in Josh Whedons Horror-Satire <em>The Cabin in the Woods</em> das letzte Mädchen. Aber anstatt dem Protokoll zu folgen, kann sie wählen, ob sie das Final Girl oder dafür verantwortlich sein will, dass die Welt untergeht (sie entscheidet sich für Letzteres). Im Zentrum von <em>All the Boys Love Mandy Lane</em> mit Amber Heard steht eine vernichtende Kritik an der Slasher-Formel, insbesondere an ihrem antiquierten Frauenbild. Maika Monroe in <em>It Follows</em> kratzt an der veralteten Sexualpolitik und <em>muss</em> buchstäblich Sex haben, um zu überleben. Und vor nicht allzu langer Zeit gab uns Lupita Nyong’o mit Adelaide eine wunderbare Überlebende in Jordan Peeles Doppelgänger-Horror <em>Us</em>. Sie ist Monster und Heldin.</p>
<p>Das Final Girl ist weit gekommen in den vergangenen zwanzig Jahren. Ich war einst fasziniert von diesem blonden Mädchen, das sich auf einem Pickup die Lunge aus dem Leib schrie; aber die wütende Frau, zu der sie geworden ist, fasziniert mich noch mehr – und die Frauen, die ihr seitdem gefolgt sind.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/final-girl/">Final Girl</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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