I May Destroy You (2020)

Die beeindruckendste Serie des ersten Pandemie-Jahres ist auf Sky zu sehen.

I May Destroy You (GB/USA 2020) ist eine sehr persönliche Horrorgeschichte. Als Michaela Coel, eine schwarze Frau, die als Tochter ghanaischer Eltern in London geboren wurde, vor einigen Jahren an ihrer preisgekrönten Sexkomödie Chewing Gum arbeitete, machte sie eine Pause und ging auf einen Drink mit Freunden. Zwei Fremde mischten Knockout-Tropfen in ihr Getränk und vergewaltigten sie. Am nächsten Morgen war alles verschwommen.

Coels Alter Ego in I May Destroy You ist Arabella, eine extravagante Londoner Autorin, die von Flashbacks geplagt wird. Bahnbrechend an der Serialisierung der Geschichte ist der Umgang mit deren Kernfragen: Wie definiert sich Einvernehmen, was ist sexuelle Belästigung, wo beginnt der Missbrauch? In zwölf brillanten Episoden, die Coel schrieb, produzierte, zum Teil auch inszenierte und in denen sie die Hauptrolle spielt, umkreist sie diese Fragen in Form eines zehrenden Ringens um die Deutungshoheit der eigenen Geschichte. Und verwandelt diese in eine menschliche, humoristische, tabubrechende Rache-Phantasie. 

Coles Dramaserie war mit Abstand die beste des Jahres 2020. Dass die Jury der Golden Globes das anders sah, war eigentlich nicht zu erklären. Es beweist nur einmal mehr, wie gründlich irrelevant die Hollywood Foreign Press Association mittlerweile geworden ist.

 

I May Destroy You
UK/USA 2020, Regie Michaela Coel
Mit Michaela Coel, Weruche Opia, Paapa Essiedu
Laufzeit 12 Episoden à ca. 30 Minuten