Asche ist reines Weiß (2018)

Sagenhafter Realismus von Jia Zhangke, auf Prime Video

Tao Zhao in: Ash Is Purest White

Asche ist reines Weiß, der im Original den ungleich profaneren Titel Kinder der Unterwelt (江湖儿女) trägt, ist in drei separaten Segmenten erzählt: Im ersten rettet Qiao (Tao Zhao) ihren Freund, den Kleingangster Bin (Liao Fan) vor einer Horde prügelnder Jugendlicher, indem sie mit seiner Waffe in die Luft schießt. Und wandert daraufhin in den Knast. Im zweiten Kapitel, fünf Jahre später, lernt Qiao, dass Bin sie nicht mehr sehen will. Im dritten, wieder Jahre später, kehrt sie in ihren Heimatort zurück. Bin sitzt inzwischen im Rollstuhl, ein gebrochener Mann, wie man so sagt.

Jia Zhangkes zehnter Film erzählt im Kleinen von der Selbstermächtigung einer Frau. Im Großen erzählt er von der Befindlichkeit eines ganzen Landes, vom Wandel Chinas. Es geht vom Bergarbeiterdorf, das mit den Jahren ökonomisch zunehmend runterkommt, ins expandierende Hubei und wieder zurück. Der Realismus, den Jia hier nicht nur selbst forciert, sondern sozusagen filmisch einfordert, ist eine Haltung zur Welt, gesehen durch die Kamera. Verweise auf John Woos The Killer erinnern daran, was den glamourösen Gangstermythos von der Kleingangster-Realität unterscheidet. Die Kluft ist ähnlich gelagert wie die zwischen einer nationalen ökonomischen Erfolgserzählung und der Wirklichkeit der Zurückgelassenen, die in dieser Erzählung nicht mehr vorkommen. Ein Meisterstück.

(Auf Prime Video bzw. auf Disc bei Good Movies.)

 

Jiang hu er nü / Asche ist reines Weiß
China/Frankreich/Japan 2018, Regie Jia Zhangke
Mit Tao Zhao, Liao Fan, Yi'nan Diao
Laufzeit 136 Minuten