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		<title>Apple up!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2022 20:00:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>High Times beim hauseigenen Streamer von Apple: Nicht nur holte Apple TV+ als erster Streamingdienst den Oscar in der Königsklasse (für „CODA“), man hat mit „Severance“, „WeCrashed“, „Pachinko“ und neuerdings „Slow Horses“ auch vier der interessantesten Serien-Neuerscheinungen im Programm. Über CODA kann man ja munter diskutieren, und nur weil Apple den nicht selbst in Auftrag gegeben, sondern um die stolze Summe von 25 Millionen Dollar nach dem Debüt in Sundance gekauft hat, muss einem ja nicht gleich Hören und Sehen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>High Times beim hauseigenen Streamer von Apple: Nicht nur holte Apple TV+ als erster Streamingdienst den Oscar in der Königsklasse (für „CODA“), man hat mit „Severance“, „WeCrashed“, „Pachinko“ und neuerdings „Slow Horses“ auch vier der interessantesten Serien-Neuerscheinungen im Programm. </em></p>
<p>Über <strong><em>CODA</em></strong> kann man ja <a href="https://podcasts.apple.com/at/podcast/filmfilter/id1606438460?i=1000555597885" target="_blank" rel="noopener">munter diskutieren</a>, und nur weil Apple den nicht selbst in Auftrag gegeben, sondern um die stolze Summe von 25 Millionen Dollar nach dem Debüt in Sundance gekauft hat, muss einem ja nicht gleich Hören und Sehen vergehen. Es ist das in einen Fischerort in Massachusetts versetzte Remake der französischen Tragikomödie <em>La famille Bélier</em> (2014) und insofern ein Fall von „kultureller Aneignung“ (Siân Heder hat den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch gewonnen). Der Film ist auch in dramaturgischer Hinsicht nicht neu, mag auch – im Übrigen wie das Original – ein wenig formelhaft sein, vermag aber dennoch zu berühren und für die Lebenswelt gehörloser Menschen einzunehmen bzw. für deren Schwierigkeiten zu sensibilisieren. Ja, <em>CODA</em> ist ein Wohlfühl-Drama und ein wenig pickig ist er auch. „Ein Film wie ein Ikea-Regal“, wie der Spiegel schreibt, ist er definitiv nicht. (Schon allein, weil dafür <a href="https://www.addendum.org/holzmafia/ikea-auf-dem-holzweg/" target="_blank" rel="noopener">nicht der Urwald Osteuropas draufgeht</a>.) Österreichische und deutsche Kinos, die den dreifach Oscar-prämierten Film auf die große Leinwand holen wollten, kassierten übrigens Absagen. Das Wiener Gartenbaukino hat nicht einmal eine Freigabe für ein einzelnes Screening im Rahmen seiner Oscar-Nacht gekriegt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/0pmfrE1YL4I" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Sympathien erwirbt man anders, aber Apple kann es sich gewissermaßen leisten. Mit der aufwändigen Oscar-Kampagne für <em>CODA</em> hat man zu einem guten Zeitpunkt investiert, denn die Serien-Originals, die derzeit beim hauseigenen Streamer laufen, rechtfertigen allein den Abschluss eines AppleTVplus-Abos. Die vier vom filmfilter gesichteten sind jeweils divers (und teils großartig) besetzt, alle vier beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen, und alle vier finden eine ihrem Gegenstand angemessene Form. Eine davon lässt in der Titelsequenz ein Einhorn als buchstäbliches Unicorn durch ihr Startup-Büro spazieren: <strong><em>WeCrashed</em></strong>, eine Serie als Füllhorn von Story-Gimmicks, entsprechend ihrem verhaltensoriginellen, von the one and only Jared Leto dargestellten <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">Antiheld-Marketingguru-Größenwahnsinnigen</a>, haben wir ja bereits vorgestellt – ebenso wie die <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/der-madeleine-effekt/">wunderbare koreanische Familiensaga</a> <em><strong>Pachinko</strong></em> und den nach langer Drama-Exposition fulminant als Thriller finalisierenden Sci-Fi-Neunteiler <em>Severance</em>, über den im Folgenden noch ein paar Worte ergänzt werden sollen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/UREIAoL0Spk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ein Interieur-technisch an die 1950er oder 60er Jahre erinnernder, räumlich weit ausgedehnter und zeitlich penibel getakteter Büro-Alltag wird in <strong><em>Severance</em></strong> mit einer eher an Huxley als an Orwell angelehnten <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/schmerztherapien/">Corporate Control Dystopie</a> verschachtelt; dabei spielt vor dem Hintergrund der weißen Grundtönung des „Lumon“-Konzerns und ein paar verklausulierten Anspielungen an die Geschichte des Tech-Riesen Apple buchstäblich jede Pulloverfarbe zumindest eine Nebenrolle. Die Prämisse der von Dan Erickson entwickelten und großteils von Ben Stiller in Szene gesetzten Geschichte in Kurzfassung: Das Erinnerungsvermögen des Personals wird chirurgisch zwischen privat und dienstlich getrennt, die Auswirkung genau untersucht. Wer besonders plastische Vergleiche braucht: „<em>Severance</em> – what <em>The Office</em> would be like if created by Aldous Huxley“, <a href="https://podcasts.apple.com/at/podcast/culture-bunker-sea-power-live-plus-metronomy-half-man/id1496246490?i=1000551594420" target="_blank" rel="noopener">behauptet der Bunker Podcast</a>. Ein wesentliches Element ist der Personenkult, den das Unternehmen um seinen Gründer aufführt – ein Schelm, wer an Steve Jobs denkt.</p>
<p>Neben der innovativen Retro-Ästhetik u.a. hervorzuheben ist das durchgehend tolle Ensemble. Die trotzige weibliche Hauptfigur Helly R. kann man sich bereits nach den ersten paar Episoden in keiner anderen Gestalt als jener von Britt Lower mehr vorstellen, dazu verharrt die Kamera gern auf den melancholischen Blicken von John Turturro, dem gedruckst verliebten Lächeln von Christopher Walken, der in Sekundenschnelle von Charme zu Groll und zurück changierenden Mimik von CEO Patricia Arquette oder der zähnefletschenden Herzlichkeit von Tramell Tillman, der den aalglatten Aufpasser spielt und z.B. auch den Organisator der für den fleißigsten Mitarbeiter (köstlich spöttisch: Zach Cherry) ausgerichteten, dem verstorbenen Firmengründer huldigenden „Waffelparty“. Und dabei haben wir erst die Hälfte des Haupt-Casts aufgezählt und die ambivalente Quasi-Somnambulie des von Adam Scott gespielten Helden noch nicht erwähnt und nichts von der prall gefüllten narrativen Wundertüte erzählt, aus der sich diese Serie speist. Wer an Kafka denkt, liegt nicht weit daneben. Wer das Intro ab dem zweiten Mal überspringt, hat offenbar keinen Hang zu verstörenden Traumbildern. Und wer Home Office hasst, findet in <em>Severance</em> eine effektive Therapie. Work-Life-Balance sieht wahrlich anders aus.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Mit <strong><em>Slow Horses</em></strong> kündigt sich nun ein weiterer Seriencoup von Apple TV+ an, zumindest macht es nach zwei Episoden diesen Eindruck. Ein in London geborener Student pakistanischer Abstammung wird entführt und soll offenbar vor laufender Kamera enthauptet werden. River Cartwright (Jack Lowden), ein Agent auf dem Abstellgleis (im rasanten Opener sehen wir warum), erkennt die Chance sich zu rehabilitieren, Geheimdienstchefin Diana Taverner (hat Kristin Scott-Thomas nicht genau so eine Rolle schon einmal gespielt?) setzt Kollegin Sid (Olivia Cooke kongenial) auf ihn an und River, einem renitenten Informanten auf den Fersen, setzt ein Haus in Brand und bringt Sid in Lebensgefahr, statt eine Spur zu finden.</p>
<p><em>Slow Horses</em>, basierend auf den gleichnamigen Romanen von Mick Herron, ist eine genuine Mischung aus temporeichem Spionage-Thriller und Sprechdurchfall-Komödie. Gary Oldman gibt Jackson Lamb, den grandios käsigen und cholerischen Chef der „Slough House“ genannten Aufbewahrungsabteilung des britischen MI5 für lahme Agenten, lahm wie eben River, den Lamb unter Hohnsprüchen Mistkübel durchwühlen lässt. Lamb ist jene Art Vorgesetzter, der seine löchrig besockten Füße vorzugsweise auf dem Schreibtisch platziert, aus dem Büro-Nickerchen mittels eigener Darmwinde aufwacht und seine in Ungnade gefallenen Agenten mit immer neuen Schimpfnamen belegt – sich dann aber im entscheidenden Moment um sie kümmert. Als hätte Oldman seine Rolle in der fabelhaft paranoiden John-le-Carré-Verfilmung <em>Tinker Tailor Soldier Spy</em> (2011) humoresk ausgebaut – Emmy-verdächtig. Wir bleiben dran am Apple-plus-Programm und Sie könnten sich in der Zwischenzeit ja ein Abo zulegen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/O9ZJChzPn0U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/O9ZJChzPn0U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
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		<title>Schmerztherapien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Feb 2022 14:00:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei Serien, die erstaunlich mit Schmerz umgehen und zwei Filme mit unterschiedlichen Zugängen in Liebesdingen: „Severance“ (neu auf Apple TV+), „The Marvelous Mrs. Maisel“ (Prime Video); „Love Affair“ (Mubi), „Amour Fou“ (3sat-Mediathek) Schmerz macht uns zu Menschen, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass es so viele Geschichten über die Gefahren des Versuchs gibt, ihm zu entkommen. Wer sind wir schließlich ohne den Schmerz unserer Psyche? Diese Frage steckt im Herzen von Severance, der bislang vielleicht besten Serie des hauseigenen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zwei Serien, die erstaunlich mit Schmerz umgehen und zwei Filme mit unterschiedlichen Zugängen in Liebesdingen: „Severance“ (neu auf Apple TV+), „The Marvelous Mrs. Maisel“ (Prime Video); „Love Affair“ (Mubi), „Amour Fou“ (3sat-Mediathek)</em></p>
<p>Schmerz macht uns zu Menschen, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass es so viele Geschichten über die Gefahren des Versuchs gibt, ihm zu entkommen. Wer sind wir schließlich ohne den Schmerz unserer Psyche? Diese Frage steckt im Herzen von <strong><em>Severance</em></strong>, der bislang vielleicht besten Serie des hauseigenen Streamers von Apple und wohl die erste, die die glatte Ästhetik des Tech-Riesen wirklich für sich nutzt. Indem sie das schlichte Bühnenbild, das von der modernen Architektur der Mitte des vergangenen Jahrhunderts inspiriert ist, als Waffe verwendet, findet <em>Severance</em> faszinierende Wege, gruseligen Corporate Horror unter avocadogrünem Büroteppich freizulegen. Ein brillanter Sci-Fi-Krimi über (un)freiwillig auf dem Altar des Kapitals geopferte Menschlichkeit.</p>
<figure id="attachment_6701" aria-describedby="caption-attachment-6701" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6701" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild-300x169.jpg" alt="" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-6701" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6701" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=1400%2C788&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?resize=1320%2C743&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/severance-gruppenbild.jpg?w=1891&amp;ssl=1 1891w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Adam Scott, John Turturro, Christopher Walken</figcaption></figure>
<p>Mark Scout, sardonisch gespielt von Adam Scott, arbeitet mit drei Kollegen (John Turturro, Zach Cherry und Britt Lower) bei einem Konzern namens Lumon in der Abteilung für „Makrodatenveredelung“, was so bizarr ist wie es klingt. Der Witz an <em>Severance</em> ist ein Vertrag: Um den Tod seiner Frau für acht Stunden am Tag zu vergessen, hat Mark zugestimmt, seinen Beruf und sein Privatleben chirurgisch dauerhaft „trennen“ zu lassen. Das heißt zum Beispiel: Wenn Mark den Tag damit beginnt, auf dem Parkplatz zu weinen, hat er keine Erinnerung daran, dass er überhaupt geweint hat, sobald er mit dem Aufzug in sein fensterloses Kellerbüro fährt. Wenn er um 17:15 Uhr nach Hause geht, werden seine privaten Erinnerungen rekonstruiert, aber er verliert jede Erinnerung an die Zeit im Büro – an seine gruselige Chefin, gespielt von Patricia Arquette, an einen Folterraum, an eigenartige „Melonen-Partys“.</p>
<p><em>Severance</em> ist eine pikante Genre-Mischung, die existenzielle und ethische Zwickmühlen aufwirft und eine der originellsten zeitgenössischen Serien. Bei sechs der neun Folgen hat Comedy-Actor Ben Stiller Regie geführt und schlägt damit als Filmemacher eine interessante Richtung ein: Die von Dan Erickson kreierte erste Season versieht er mit der antiseptischen Angst eines Horrorfilms und dem beseelten Humor einer Büroalltags-Satire, wie auf einem Drehbuch von Charlie Kaufman (<em>Being John Malkovich</em> oder <em>Eternal Sunshine of the Spotless Mind</em>) basierend. Es gibt auch eine rührende Romanze zwischen Christopher Walken und John Turturro, die meines Erachtens ein Spin-Off braucht.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/xEQP4VVuyrY" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Im Gegensatz zu Mark Scout in <em>Severance</em> machte Midge Maisel aus ihrem Schmerz eine andere Art von Karriere. Als wir sie zum ersten Mal vor fünf Jahren in <strong><em>The Marvelous Mrs. Maisel</em></strong> trafen, hatte ihr Ehemann sie für seine Sekretärin verlassen. Chauvinistische Comedians machten sich über sie lustig, weil eine Frau höchstens zu Hause am Herd komisch sein darf. „Comedy wird angeheizt durch Unterdrückung, durch Mangel an Macht, durch Trauer und Enttäuschung, durch Aufgeben und Erniedrigung“, sagte Midge. „Nun, wen zum Teufel beschreibt das besser als Frauen?“</p>
<p>Von dort aus begab sich die titelgebende Heldin, eine jüdische Hausfrau, auf den revolutionären Weg, eine Stand-Up-Komikerin im New York der 1950er zu werden (und Rachel Brosnahan wurde zurecht für ihre Darstellung zur neuen „Queen of Comedy“ erhoben). Am Ende der dritten Season versemmelte Midge ihren beruflichen Durchbruch, indem sie ihren Kollegen auf der Bühne als schwul outete. In der Fortsetzung (ab heute bei Amazon Prime Video) schließt sich der Kreis, besser gesagt: Midge landet auf ihrem ursprünglichen Tiefpunkt. In ihren eigenen Worten: „Wieder hat ein Mann mein Leben ruiniert.“ Je mehr sich die Dinge ändern, desto gleicher bleiben sie.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/tS-JVO3uKiQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/tS-JVO3uKiQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die ersten beiden Folgen (die erste geschrieben und inszeniert von <em>Mrs.-Maisel</em>-Schöpferin Amy Sherman-Palladino, die zweite von ihrem Ehemann Daniel Palladino) sehen ganz nach der Serie aus, in die ich mich verliebt habe, mit ihren flinken Dialogen, bonbonfarbenen Sets und mit all diesen Frauen, die in passenden Hüten und Handschuhen und windfesten Frisuren herumlaufen. Ex-„Monk“ Tony Shalhoub stiehlt auch weiterhin allen die Show als Midges exzentrischer Vater. <em>Mrs. Maisel</em> mag nicht mehr ganz so <em>marvelous</em> sein wie einst, aber es gibt eine Szene auf einem Riesenrad (in der sich die ganze Familie anschreit), die ihre weitere Existenz rechtfertigt. Wut ist Midges Superkraft.</p>
<figure id="attachment_6702" aria-describedby="caption-attachment-6702" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6702" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey-300x169.jpg" alt="" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-6702" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6702" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/love-affair_mccarey.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Love Affair, 1939, Leo McCarey (Courtesy of the Margaret Herrick Library)</figcaption></figure>
<p>Für all jene, die noch ein wenig in den Nachwehen des Valentinstags schwelgen möchten (aber eigentlich sind Liebesfilme etwas für jede Jahreszeit), gibt es Leo McCareys 1939er-Romanze <strong><em>Love Affair</em></strong> (Mubi), eine große Geschichte, die so zeitlos ist, dass sie im Lauf der Jahre von mehreren Filmemachern neu verfilmt wurde – einschließlich von McCarey selbst im Jahr 1957 unter dem Titel <em>An Affair to Remember.</em></p>
<p><a href="https://mubi.com/de/films/love-affair/trailer" target="_blank" rel="noopener">Im Original</a> spielen Charles Boyer und Irene Dunne einen französischen Maler und eine amerikanische Sängerin, die sich an Bord eines Ozeandampfers treffen, der den Atlantik von Europa nach New York City überquert. Sie verlieben sich ineinander und obwohl beide vergeben sind, geloben sie einander in sechs Monaten auf dem Empire State Building wieder zu treffen – für den Fall, dass sie einander immer noch lieben. Nora Ephrons <em>Sleepless in Seattle</em> (1993) war übrigens eine Art Liebesbrief an die <em>Affair</em>-Filme. Im Gegensatz zu vielen romantischen Komödien der heutigen Zeit ist das Leben in McCareys Filmen nicht immer unverblümt, aber bis heute geht es um das Glück, dem richtigen Menschen zu begegnen. Das kann übrigens auch <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/vip-very-inventive-person/">eine Dating-App nicht garantieren</a>.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/y8F37hJIf70" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/y8F37hJIf70" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Jessica Hausners <strong><em>Amour Fou</em></strong> (bis 9. Juni in der 3sat-Mediathek) aus dem Jahr 2014 bietet eine etwas eigentümlichere Art von Romantik. Christian Friedel spielt darin den Dichter Heinrich von Kleist, der verkündet, „nicht am Tod, sondern am Leben zu leiden“. Er bittet deshalb die Musikerin Henriette Vogel, gespielt von Birte Schnöink, sich ihm im Tode anzuschließen, mit ihm sozusagen Doppel-Suizid zu begehen. Sein Vorbehalt: Er möchte, dass Henriette es tut, weil sie ihn liebt (was sie nicht tut) und nicht nur, weil sie selbst Suizidgedanken hat (die sie nicht hat). Eingewoben in diese akribisch gestaltete, revisionistische und knochentrocken komische Sittenkomödie sind Sticheleien sozialer und politischer Ironie sowie beißende Beobachtungen über den Wahnsinn der Liebe und die Eigentümlichkeiten des Todes. Jede Szene, gefilmt von Hausners Kameramann Martin Gschlacht, ist wie ein Diorama arrangiert. Der Weltschmerz ist von der stillen Sorte. „Ich stimme zu, dass das Leben bedeutungslos und die Menschen grausam sind“, stellt jemand an einer Stelle fest, „aber Sie müssen sich davon nicht unterkriegen lassen.“</p>
<p>Zu guter Letzt: <a href="https://filmfilter.at/starkes-stueck/supernova-2020/">Liebesschmerz in verfeinerter Form</a> ist aktuell auch in unserer Rubrik „Starkes Stück“ zu finden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/schmerztherapien/">Schmerztherapien</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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