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		<title>Im Mittelpunkt der Mensch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 16:25:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Pearl“: Ti Wests Slasher-Prequel zu „X“ inszeniert Mia Goth unter der Südstaatensonne als impulsive Mörderin, mit der man auch mitfühlen darf. Dazu spielt der Film Vintage-Camp-Noten. Der Slasherfilm, lange Zeit als schlimmer oder schöner Unsinn verteufelt oder geliebt oder auch als lustig-selbstironisches Meta-Kino geschätzt, ist ein Sammelbecken für allerlei garstige Neurosen. An der Oberfläche (und manchmal auch drunter) meist irgendwas mit Sex: Männer mit verunstalteten Gesichtern bestrafen Frauen und ihre Liebhaber dafür, dass es denen nicht so schlecht geht wie [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Pearl“: Ti Wests Slasher-Prequel zu „X“ inszeniert Mia Goth unter der Südstaatensonne als impulsive Mörderin, mit der man auch mitfühlen darf. Dazu spielt der Film Vintage-Camp-Noten.<br />
</em></p>
<p>Der Slasherfilm, lange Zeit als schlimmer oder schöner Unsinn verteufelt oder geliebt oder auch als lustig-selbstironisches Meta-Kino geschätzt, ist ein Sammelbecken für allerlei garstige Neurosen. An der Oberfläche (und manchmal auch drunter) meist irgendwas mit Sex: Männer mit verunstalteten Gesichtern bestrafen Frauen und ihre Liebhaber dafür, dass es denen nicht so schlecht geht wie dem armen Tropf mit dem Messer oder der Axt. Alles in allem traditionell doch sehr puritanisch strukturiert, das Subgenre.</p>
<p>Frauen mit Axt kommen auch vor, aber eher selten, und dann verschiebt sich natürlich alles, weil die Desolatheiten eben jeweils anders verteilt sind. Ti West und Mia Goth haben in ihrem Script zu <em>Pearl </em>eine Figur entworfen, die auf ihre Nächsten (Familie, Liebhaber, Freundin) buchstäblich einhackt, und das Gehacke als Ausbruchs- und Loslösungsversuch erzählt. Die jung verheiratete Pearl (Mia Goth) will nur noch raus aus der Enge der elterlichen Farm. Der Vater ist ein kompletter Pflegefall, die Mutter ein verhärteter Unglücksmensch, Pearls Ehemann in Europa weil Erster Weltkrieg. Im Land tobt die Spanische Grippe. Das sind so Bedingungen, unter denen man als Mensch, der zuerst kleine und dann immer größere Tiere quält, schon mal richtig auffällig werden kann.</p>
<figure id="attachment_10625" aria-describedby="caption-attachment-10625" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-10625" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl-300x169.jpg" alt="Goth, Corenswet, West, Pearl" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-10625" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-10625" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="Goth, Corenswet, West, Pearl" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/Pearl.jpg?w=1200&amp;ssl=1 1200w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Mia Goth, David Corenswet</figcaption></figure>
<p>Ti West schafft es, die Balance zu halten. Seine Heldin ist einerseits eine genretypische Psychopathin: leichte Tendenzen Richtung Schizophrenie, Impulskontrollprobleme, Borderline. Andererseits, und das kommt in einem Slasherfilm ansonsten gar nicht so häufig vor, wird das, was das Morden hier befeuert (Trauma oder Neurose meist, oder auch beides), für den empathischen Zuschauer, die empathische Zuschauerin nachvollziehbar. Aus so einer Welt muss man entkommen, und jeder Mensch, der Pearl mitteilt, dass sie wird bleiben müssen oder zumindest diese Ahnung in ihr auslöst, wird angezündet oder mit der Mistforke oder der Axt über die Gegebenheiten aufgeklärt. Und dann einem Krokodil zum Fraß vorgeworfen. So viel Spaß muss sein.</p>
<p>Das Krokodil kennt man schon aus <em>X</em> (<a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/wer-sex-hat-stirbt/">unsere Besprechung</a>), dem vorigen Film von Ti West, zu dem <em>Pearl </em>ein Prequel bildet. Hier ging die ins Greisinnenalter geschminkte Mia Goth auf eine Gruppe Pornofilmemacher:innen los, unter anderem auf ein jüngeres, ebenfalls von Mia Goth gespieltes Pearl-Lookalike, das naturgemäß genauso aussieht wie nun die Heldin in <em>Pearl</em>. In <em>X </em>richtete sich die mörderische Wut noch gegen das im Rückblick gute Leben, das von der hippiesken Pornobande repräsentiert wird und das man selbst nicht gelebt hat. Im Prequel geht es nun um den Versuch, etwas anderes zu werden als für einen vorgesehen ist. Und wer <em>X </em>kennt, weiß, dass eben das der Heldin nicht gelingen wird. Was diesen Film dann auch wieder sehr anrührend werden lässt. Man kann in diesem Slasher irgendwie niemandem böse sein.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/L5PW5r3pEOg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/L5PW5r3pEOg" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>All das hat Ti West als sonniges Country-Drama inszeniert. <em>Pearl </em>spielt über weite Strecken unter dem hellen Südstaatenhimmel, und es ist immer schön, wenn der Horror nicht – wie sonst eigentlich immer – in die Dunkelheit verlagert wird. Das zeigt vielleicht auch an, dass die Figur und das ganze Drama um sie herum hier wichtiger sind als die allerdings sehr schön gebauten Tötungsszenen in Retro-Ästhetik oder etwaige Versuche, das Publikum zu terrorisieren. Das würde eh nicht klappen: <em>Pearl </em>ist so konzipiert, dass man auch mit geringer Slasher-Expertise immer exakt drei Minuten vorher weiß, wer gleich sterben wird. Im Mittelpunkt dieses Filmes steht nicht die spektakuläre Tötungsszene, sondern der Mensch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Pearl</strong><br />
<strong>USA 2022, Regie</strong> Ti West<br />
<strong>Mit</strong> Mia Goth, David Corenswet, Tandi Wright, Emma Jenkins-Purro<br />
<strong>Laufzeit</strong> 103 Minuten</p>
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		<title>Final Girl</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/final-girl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Feb 2022 14:30:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein ikonisches Bild der Horrorfilmgeschichte ist das einer jungen, blonden Frau, die sich blutverschmiert auf die Ladefläche eines Pickups gerettet hat. „Los, los!“ schreit sie den Fahrer an. Sie gibt einen abdominalen Urschrei von sich, der sich in ein manisches Lachen verwandelt. In der Ferne führt ein wütender Wahnsinniger im Sonnenaufgang einen Kettensägentanz auf. Marilyn Burns spielte die Finalistin Sally Hardesty in Tobe Hoopers Texas Chain Saw Massacre (1974). Sie ist eines der berühmtesten „letzten Mädchen“ und war auch eines [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ikonisches Bild der Horrorfilmgeschichte ist das einer jungen, blonden Frau, die sich blutverschmiert auf die Ladefläche eines Pickups gerettet hat. „Los, los!“ schreit sie den Fahrer an. Sie gibt einen abdominalen Urschrei von sich, der sich in ein manisches Lachen verwandelt. In der Ferne führt ein wütender Wahnsinniger im Sonnenaufgang einen Kettensägentanz auf.</p>
<p>Marilyn Burns spielte die Finalistin Sally Hardesty in Tobe Hoopers <em>Texas Chain Saw Massacre </em>(1974). Sie ist eines der berühmtesten „letzten Mädchen“ und war auch eines der allerersten, bevor das <em>Final Girl</em> en vogue wurde. Geprägt hat den Begriff die Amerikanerin Carol J. Clover. In ihrem inzwischen legendären Buch „Men, Women, and Chain Saws“ aus dem Jahr 1992 schrieb sie: „Die Frauenbewegung hat der Populärkultur viele Dinge gegeben, einige schmackhafter als andere. Eine ihrer Hauptgeschenke an den Horror, denke ich, ist das Bild einer wütenden Frau.“</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Skeg17DLpYE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Skeg17DLpYE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ursprünglich in den frühen 1970er Jahren geboren, war das Final Girl diejenige, die einen Horrorfilm überlebt, oft von der Sorte Slasher. Besonders in älteren Filmen ist das Girl fast immer weiß, jungfräulich, heterosexuell und hat eine komplizierte Entwicklung hinter sich. Für die einen ist sie eine feministische Abtrünnige, für die anderen eine sexistische Fantasiefigur. Wie meinte Alfred Hitchcock während der Dreharbeiten zu <em>The Birds</em>: „Ich glaube immer daran, dem Rat des Dramatikers Sardou zu folgen. Er sagte: ‚Foltert die Frauen!‘ &#8230; Das Problem heutzutage ist, dass wir Frauen nicht genug foltern.“</p>
<p>Sally Hardesty war so eine gefolterte Heldin. Im Laufe eines Sommernachmittags sah sie dabei zu, wie ihr Bruder und ihre Freunde von einer kannibalischen Familie psychopathischer Hinterwäldler in Texas geschlachtet wurden. Danach wurde sie zu einem gruseligen Dinner „eingeladen“. Doch sie sprang aus dem Fenster und auf den Truck und seither wurden mannigfach Fan-Theorien darüber ausgetüftelt, was mit ihr passiert sein könnte. Im neunten Film des TCM-Universums, der nun auf Netflix zu sehen ist (ein Aufsatz des TCM-Franchise-Experten Moldenhauer folgt alsbald), stellt sich heraus, dass sie seit fünfzig Jahren ein ruhiges Leben in einem alten Bauernhaus lebt und nebenbei Schweine schlachtet. Sie wird jetzt von der irischen Schauspielerin Olwen Fouéré gespielt, hat langes, silbernes Haar und sieht aus wie ein Cowboy. Als sie davon hört, dass Leatherface wieder mordet, packt sie ihre Schrotflinte ein um sich zu rächen. (Dies ist keine Frau, die gerettet werden muss!) Obwohl der Film eine schreckliche Sünde begeht, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde, ist es immerhin erfrischend zu sehen, wie hier eine Frau jenseits der Sechzig versucht, ihren Peiniger selbst zur Strecke zu bringen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/zcI6SFiK_yk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/zcI6SFiK_yk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Eine ganze Reihe letzter Mädchen sind inzwischen zu erfahrenen Frauen geworden. Final Girl Laurie Strode kehrte als knallharte Großmutter in den neuen <em>Halloween</em>-Filmen zurück. Sie wurde von einer verängstigten Babysitterin zur eiskalten Killerin. Michael Myers geht jetzt nicht mehr hinter ihr im Schritt-Tempo her, sondern sie hinter ihm. Jamie Lee Curtis setzte in John Carpenters <em>Halloween</em> (1978) eine Art Goldstandard für das Genre. Sie setzte sich mit einer Stricknadel, einem Kleiderhaken und einem Küchenmesser gegen ihren Schinder zur Wehr und bekam die Chance, ihn mehrmals zu töten. Laurie Strode steht exemplarisch für viele erwähnenswerte Überlebende, die sich in die Popkultur eingeschrieben haben, es gibt etliche Listen wie „<a href="https://www.slashfilm.com/607471/the-best-final-girls-in-horror-movies-ranked/" target="_blank" rel="noopener">The 15 Best Final Girls</a> in Horror Movies“ oder „<a href="https://www.pastemagazine.com/movies/final-girls/the-20-best-final-girls-in-horror-movie-history/" target="_blank" rel="noopener">The 20 Best Final Girls</a> in Movie History“.</p>
<p>Mit Wes Cravens <em>Scream</em> trat das Final Girl im Jahr 1996 in seine postmoderne Ära ein. In Neve Campbells Sidney Prescott hatten wir ein letztes Mädchen, das mit den Tropen des Horrorgenres vertraut war. Die Schauspielerin hat fünf <em>Scream</em>-Teile auf dem Buckel und ist inzwischen Mutter und Ehefrau. Sie entkommt vielleicht nie einem geistesgestörten Familienmitglied, das ihr den Tod wünscht, aber sie kreuzt immer konsequent für die Fortsetzung auf.</p>
<figure id="attachment_6727" aria-describedby="caption-attachment-6727" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=550%2C275&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6727" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell-300x150.jpg" alt="" width="550" height="275" /><figcaption id="caption-attachment-6727" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6727" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=550%2C275&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="275" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=300%2C150&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1024%2C512&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=770%2C385&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1536%2C768&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=500%2C250&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=585%2C293&amp;ssl=1 585w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1170%2C585&amp;ssl=1 1170w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1500%2C750&amp;ssl=1 1500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=293%2C147&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1400%2C700&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=390%2C195&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?resize=1320%2C660&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/02/Scream-5-NeveCampbell.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Neve Campbell in Scream 5</figcaption></figure>
<p>Es gibt inzwischen eine neue Generation letzter Mädchen, die auf ihr aufbauen. Sie sind komplizierter, facettenreicher und nicht gerade zimperlich. Getreu der Formel des Genres ist die Jungfrau in Josh Whedons Horror-Satire <em>The Cabin in the Woods</em> das letzte Mädchen. Aber anstatt dem Protokoll zu folgen, kann sie wählen, ob sie das Final Girl oder dafür verantwortlich sein will, dass die Welt untergeht (sie entscheidet sich für Letzteres). Im Zentrum von <em>All the Boys Love Mandy Lane</em> mit Amber Heard steht eine vernichtende Kritik an der Slasher-Formel, insbesondere an ihrem antiquierten Frauenbild. Maika Monroe in <em>It Follows</em> kratzt an der veralteten Sexualpolitik und <em>muss</em> buchstäblich Sex haben, um zu überleben. Und vor nicht allzu langer Zeit gab uns Lupita Nyong’o mit Adelaide eine wunderbare Überlebende in Jordan Peeles Doppelgänger-Horror <em>Us</em>. Sie ist Monster und Heldin.</p>
<p>Das Final Girl ist weit gekommen in den vergangenen zwanzig Jahren. Ich war einst fasziniert von diesem blonden Mädchen, das sich auf einem Pickup die Lunge aus dem Leib schrie; aber die wütende Frau, zu der sie geworden ist, fasziniert mich noch mehr – und die Frauen, die ihr seitdem gefolgt sind.</p>
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		<title>Heimeliger Horror</title>
		<link>https://filmfilter.at/fantastischer-film/heimeliger-horror-scream/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jan 2022 15:30:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der neue „Scream“ macht großen Spaß und stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt. Zumindest dreimal hat der Regisseur Wes Craven maßgeblich dazu beigetragen, das Horrorgenre ins nächste Jahrzehnt rüber zu retten, immer in Zwölfjahresabständen. 1972 mit seinem beklemmend kaputten The Last House on the Left, der eine bis dahin unbekannte Negativität ins Genre einführte (die bis in heutige Torture-Porn-Exzesse ausstrahlt). 1984 mit A Nightmare on Elm Street, der ein Horrorfilmmonster zum ersten Mal seit den Fünfzigerjahren wieder zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der neue „Scream“ macht großen Spaß und stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt.</em></p>
<p>Zumindest dreimal hat der Regisseur Wes Craven maßgeblich dazu beigetragen, das Horrorgenre ins nächste Jahrzehnt rüber zu retten, immer in Zwölfjahresabständen. 1972 mit seinem beklemmend kaputten <em>The Last House on the Left</em>, der eine bis dahin unbekannte Negativität ins Genre einführte (die bis in heutige Torture-Porn-Exzesse ausstrahlt). 1984 mit <em>A Nightmare on Elm Street</em>, der ein Horrorfilmmonster zum ersten Mal seit den Fünfzigerjahren wieder zu einem das Genre überschreitenden Massenphänomen mit flächendeckendem Merchandise werden ließ. Und 1996 mit der finalen Überführung des Slasher ins Postmoderne, mittels selbstreflexiver Scherze (vorbereitet bereits zwei Jahre zuvor mit <em>Freddy&#8217;s New Nightmare</em>). Das Schöne an <em>Scream</em> war, dass er auf zwei Ebenen funktionierte; zum einen auf der beim heutigen Wiedersehen gar nicht so aufdringlichen Metaebene (der Film adressiert einen als wissende Zuschauer:in, man checkt die Verweise und kann die Selbstironie schätzen) und zugleich unmittelbar (der Film adressierte einen als Kind, das Angst vorm schwarzen Mann hat). Ein toller Highschool-Film ist <em>Scream</em> (flat auf Sky) außerdem.</p>
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<p>Es folgte die unvermeidliche Sequelbildung, die in den Teilen zwei und drei freilich in die Konstruktion mit aufgenommen wurde: Das Genrewissen hilft hier nicht mehr nur dem Publikum bei der Lösung des lustigen Whodunit, sondern auch den Figuren selbst, die von Sequel zu Sequel ausschweifender über das Horrorgenre dozieren. Das war in seiner forcierten Cleverness wieder potenziell arg nervig, und 2000 war dann auch erstmal Schluss – kurz bevor ein Schwall grimmiger, schwarzhumoriger, drastischer Horrorfilme die Leichtigkeit des sogenannten postmodernen Horrors bis auf Weiteres abwürgte. Und auf <em>Last House on the Left </em>zurückwies, und nicht auf <em>Nightmare on Elm Street</em>; viele Wege, die die Geschichte des Horrorgenres genommen hat, führen zurück zu Wes Craven.</p>
<p><em>Scream 4 </em>nahm 2011 dann auch Bezug auf die damals aktuelle Dominanz im Genre: Am Anfang beklagt sich eine der Figuren über stumpfen Torture Porn und muss kurz darauf sterben. Ansonsten war der Film, was selbstreflexive Kapriolen anging, eher dezent. Und auch sonst sehr fad. Was nun wiederum das Erscheinen des fünften Teils der Serie, der im Original schlicht <em>Scream </em>heißt, überraschend werden lässt. Schließlich war <em>Scream 4</em> nicht nur filmisch, sondern auch kommerziell eher unergiebig. Und Wes Craven ist seit bald sieben Jahren tot.</p>
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<p>Noch überraschender: Der neue <em>Scream</em> macht großen Spaß, stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt und hat mit dem  traditionell schwierigen finalen Plot Twist auch keine größeren Probleme als die Vorgänger. Vielleicht ist ja, wer Mitte der Neunziger gerade alt genug für das Original war, inzwischen auch in einem nostalgiefähigen Alter. Könnte ja sein, die <a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/funny-game/">Wiederauflage von <em>Matrix</em></a> deutet es an, dass nach der Achtziger-Retro-Welle jetzt das nächste Jahrzehnt vom zeitgenössischen Genrekino wieder hochgewürgt wird.</p>
<p>Jedenfalls verbreitet der Cast hier eine Atmosphäre wohliger Vertrautheit, Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette sind wieder mit dabei. Die Verweisdichte hat wieder zugenommen, der Duschmord aus <em>Psycho </em>wird anzitiert, und der Horrortrend, dem das traditionsbewusste Slashergenre als <em>old school </em>gegenübergestellt wird, ist der Schwung an politisch bewusstem Horror seit den Zehnerjahren. Jordan Peele wird von einer Filmfigur als bester Horror-Regisseur der Gegenwart gewürdigt, und der Lieblingsfilm einer anderen ist <em>The Babadook</em>. Zwischen den Gesprächen über Genreregeln, Horrortrends und die <em>Stab</em>-Filmreihe<em>,</em> die erneut als Film im Film (und für die Mordserie strukturbildendes Moment) mitläuft, gelingen den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett ein paar sehr schöne Slasher-Sequenzen, die fernab von allem Meta-Gedöns funktionieren (vor allem eine Terrorszene im Krankenhaus und die traditionelle finale Party).</p>
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<p>Beim Sehen fällt sehr auf, und da ist man dann wieder bei der Nostalgie: Man fühlt sich als in den Achtzigerjahren Geborener in diesem Kosmos mit seinen klaren Regeln, bekannten Charakteren und vorhersehbaren Inszenierungstechniken, die um ihre Vorhersehbarkeit wissen, rundum wohl; achten Sie mal darauf, wie demonstrativ in diesem Film Schrank- und andere Türen geöffnet und wieder geschlossen werden, und wann einer mit einem Messer dahintersteht und wann nicht. Da kann auch ein Irrer mit Edvard-Munch-Maske, der die Figuren im Viertelstundentakt zerhackt, nicht viel dran ändern. Wie überhaupt ein Aspekt des Horrorfilms in den Texten zum Genre, das ja unter anderem von der Suggestion von Krassheit und Transgression lebt, nur selten zur Sprache kommt: wie heimelig und gemütlich das alles in seiner Vertrautheit immer wieder ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Scream</strong><br />
<strong>USA 2022, Regie</strong> Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett<br />
<strong>Mit</strong> Melissa Barrera, Jenna Ortega, Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette<br />
<strong>Laufzeit</strong> 115 Minuten</p>
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