<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	
	xmlns:georss="http://www.georss.org/georss"
	xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#"
	>

<channel>
	<title>publikum Archive - filmfilter</title>
	<atom:link href="https://filmfilter.at/tag/publikum/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://filmfilter.at/tag/publikum/</link>
	<description>Freies Online-Magazin für Filme und Serien</description>
	<lastBuildDate>Mon, 28 Mar 2022 01:13:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.7.2</generator>

<image>
	<url>https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/11/cropped-favicon_d9d8cf.png?fit=32%2C32&#038;ssl=1</url>
	<title>publikum Archive - filmfilter</title>
	<link>https://filmfilter.at/tag/publikum/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">196720335</site>	<item>
		<title>Viele Kämpfer und ein König</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/viele-kaempfer-und-ein-koenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 22:15:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kinovorschau]]></category>
		<category><![CDATA[1969]]></category>
		<category><![CDATA[aheds knie]]></category>
		<category><![CDATA[alexandra seitz]]></category>
		<category><![CDATA[autobiografisch]]></category>
		<category><![CDATA[belfast]]></category>
		<category><![CDATA[bj mcdonnell]]></category>
		<category><![CDATA[cameo]]></category>
		<category><![CDATA[der mann der seine haut verkaufte]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[filme]]></category>
		<category><![CDATA[filmschaffen]]></category>
		<category><![CDATA[filmstarts]]></category>
		<category><![CDATA[foo fighters]]></category>
		<category><![CDATA[horrorkomödie]]></category>
		<category><![CDATA[jamie dornan]]></category>
		<category><![CDATA[john carpenter]]></category>
		<category><![CDATA[kaouther ben hania]]></category>
		<category><![CDATA[kenneth branagh]]></category>
		<category><![CDATA[king richard]]></category>
		<category><![CDATA[kinostarts]]></category>
		<category><![CDATA[kinovorschau]]></category>
		<category><![CDATA[nadav lapid]]></category>
		<category><![CDATA[neu im kino]]></category>
		<category><![CDATA[neustarts]]></category>
		<category><![CDATA[nordirland]]></category>
		<category><![CDATA[oscars]]></category>
		<category><![CDATA[politisch]]></category>
		<category><![CDATA[porträt]]></category>
		<category><![CDATA[publikum]]></category>
		<category><![CDATA[reinaldo marcus green]]></category>
		<category><![CDATA[richard dove williams jr]]></category>
		<category><![CDATA[roman scheiber]]></category>
		<category><![CDATA[satire]]></category>
		<category><![CDATA[schwarzweiß]]></category>
		<category><![CDATA[serena williams]]></category>
		<category><![CDATA[sittenbild]]></category>
		<category><![CDATA[studio 666]]></category>
		<category><![CDATA[tennis]]></category>
		<category><![CDATA[titelmusik]]></category>
		<category><![CDATA[überblick]]></category>
		<category><![CDATA[venus williams]]></category>
		<category><![CDATA[will smith]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://filmfilter.at/?p=6765</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und zwei Beispiele freiheitsliebenden Filmschaffens. Ein Überblick von Alexandra Seitz und Roman Scheiber. Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film Belfast ein allseits (z.B. von der NYT) hochgelobtes, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist Belfast für sieben Oscars nominiert, Branagh [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/viele-kaempfer-und-ein-koenig/">Viele Kämpfer und ein König</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zwei positive Überraschungen („Belfast“, „King Richard“), eine Albernheit („Studio 666“) und zwei Beispiele freiheitsliebenden Filmschaffens. Ein Überblick von Alexandra Seitz und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Das vormalige Regie- und Schauspielwunder Kenneth Branagh hatte man mittlerweile ja eher als routinierten Großfilm-Fabrikanten verbucht, da geht der her und dreht mit dem Schwarzweiß-Film <strong><em>Belfast</em></strong> ein allseits (z.B. von der NYT) <a href="https://www.nytimes.com/2021/11/11/movies/belfast-review.html" target="_blank" rel="noopener">hochgelobtes</a>, autobiografisch grundiertes, politisch reflektiertes Sittenbild des nordirischen Krisenherdes im Jahr 1969 (und schreibt damit Filmgeschichte: Nicht nur ist <em>Belfast</em> für sieben Oscars nominiert, Branagh ist nunmehr der erste in sieben verschiedenen Oscar-Kategorien nominierte Kreative).</p>
<p>Und während man sich widerwillig damit abgefunden hatte, dass Will Smith sein schauspielerisches Talent zumeist in albernen Stöffchen verplempert, geht der her und liefert in Reinaldo Marcus Greens<strong><em> King Richard</em></strong> das wunderbar kontrastreiche Porträt eines kontroversiellen Charakters: Richard Dove Williams Jr., Trainer-Vater der beiden berühmten Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams. <em>Belfast </em>und<em> King Richard</em> – zwei Titel, die breiten Publikumsschichten unterhaltsame, erhellende und bewegende Kinoabende garantieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/BKP_0z52ZAw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Womit wir unseren geübten Blick in die Schmuddelecke mit den Nischenprodukten richten, in der in dieser Woche ein ganz besonders seltsames Exemplar kreucht und fleucht. Normalerweise sollte einem die Genrebezeichnung „Horrorkomödie“ ja Warnung sein und Grund genug für einen sehr weiten Bogen um den solcherart bezeichneten Film. Aber wir machen eine Ausnahme für <strong><em>Studio 666 </em></strong>von BJ McDonnell, der davon handelt, dass eine Rockband names Foo Fighters (gespielt von den, genau, Foo Fighters) ihr Jubiläumsalbum unter jubilarischen Umständen aufnehmen will. Zu diesem Behufe bezieht sie eine leerstehende Villa in Encino, L.A., in der es einen ganz besonders tollen, trockenen Hall gibt. Allerdings treibt in ihr auch der Schutzpatron des Rock’n’Roll höchstselbst sein sinistres Unwesen. Es dauert nicht lange, da wähnt man sich in einem Frühwerk von Peter Jackson und wohlig-schaurige Erinnerungen an die Hoch-Zeit des Splatter-Films werden wach; die Blut-Pumpen arbeiten auf Hochtouren, John Carpenter, der die Titelmusik beigesteuert hat, schaut auf ein Cameo vorbei und auch ansonsten traut man ob der hier dargebotenen, schlimmen Folgen des Headbangens des öfteren seinen Augen nicht. Zwar kann keiner der Foo Fighters wirklich überzeugend schauspielen, aber alle geben ihr Bestes und regelrecht rührend ist dieses Laientheater immer dann, wenn sie mal wieder kreischend vor den Gespenstern davonrennen. Wer am Kino den Schwachsinn liebt, ist in <em>Studio 666</em> demnach bestens aufgehoben und kann damit zugleich die Wartezeit bis zum nächsten Eintrag ins Kapitel „befremdliches Treiben älterer Herren“ überbrücken: <em>Jackass Forever</em> startet am 10. März.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/UEDkqOBhPis" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/UEDkqOBhPis" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Nach dieser Albernheit muss noch auf zwei weitere Kinostarts dieser Woche hingewiesen werden, die eine jeweils klare politische Haltung verbindet, nämlich eine identitätsstiftend liberale.</p>
<p>Zum einen kommt der in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnete <em><strong>Aheds Knie</strong></em> von Nadav Lapid ins Kino, der die ganze Paradoxie einer freiheitsliebenden Filmkunstschaffens-Existenz in Israel <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yWnTMfz_Nj8" target="_blank" rel="noopener">vor Augen und Ohren führt</a> und dabei sogar noch zu Herzen geht; zum anderen startet <em><strong>Der Mann, der seine Haut verkaufte</strong></em>, dessen Titel keineswegs irreführend und der als Mischung aus Satire, Liebesdrama und Freiheitsfabel ziemlich ansehnlich ist: Im Film der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania schafft ein sensibler Syrer auf der Flucht es nach Europa, indem er seinen Rücken <a href="https://www.youtube.com/watch?v=X6eRo-cDsUM" target="_blank" rel="noopener">als Kunstwerk tätowieren und letztlich versteigern</a> lässt – alles nur, um mit seiner großen Liebe vereint zu sein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/viele-kaempfer-und-ein-koenig/">Viele Kämpfer und ein König</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6765</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Heimeliger Horror</title>
		<link>https://filmfilter.at/fantastischer-film/heimeliger-horror-scream/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jan 2022 15:30:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fantastischer Film]]></category>
		<category><![CDATA[1996]]></category>
		<category><![CDATA[achtziger-retro-welle]]></category>
		<category><![CDATA[atmosphäre]]></category>
		<category><![CDATA[bekannte charaktere]]></category>
		<category><![CDATA[benjamin moldenhauer]]></category>
		<category><![CDATA[cast]]></category>
		<category><![CDATA[courteney cox]]></category>
		<category><![CDATA[david arquette]]></category>
		<category><![CDATA[duschmord]]></category>
		<category><![CDATA[edvard munch maske]]></category>
		<category><![CDATA[fantastischer film]]></category>
		<category><![CDATA[figuren]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[film im film]]></category>
		<category><![CDATA[filmfilter]]></category>
		<category><![CDATA[filmfiltern]]></category>
		<category><![CDATA[filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[finale party]]></category>
		<category><![CDATA[franchise]]></category>
		<category><![CDATA[freddy's new nightmare]]></category>
		<category><![CDATA[genre]]></category>
		<category><![CDATA[genreregeln]]></category>
		<category><![CDATA[genrewissen]]></category>
		<category><![CDATA[highschool]]></category>
		<category><![CDATA[horror]]></category>
		<category><![CDATA[horrorfilme]]></category>
		<category><![CDATA[horrorfilmmonster]]></category>
		<category><![CDATA[horrorgenre]]></category>
		<category><![CDATA[horrortrends]]></category>
		<category><![CDATA[irrer]]></category>
		<category><![CDATA[jahrzehnt]]></category>
		<category><![CDATA[jordan peele]]></category>
		<category><![CDATA[kino]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[last house on the left]]></category>
		<category><![CDATA[maske]]></category>
		<category><![CDATA[massenphänomen]]></category>
		<category><![CDATA[matt bettinelli-olpin]]></category>
		<category><![CDATA[merchandise]]></category>
		<category><![CDATA[messer]]></category>
		<category><![CDATA[metaebene]]></category>
		<category><![CDATA[mord]]></category>
		<category><![CDATA[negativität]]></category>
		<category><![CDATA[neve campbell]]></category>
		<category><![CDATA[nightmare on elm street]]></category>
		<category><![CDATA[nostalgie]]></category>
		<category><![CDATA[old school]]></category>
		<category><![CDATA[plot twist]]></category>
		<category><![CDATA[publikum]]></category>
		<category><![CDATA[pyscho]]></category>
		<category><![CDATA[regisseur]]></category>
		<category><![CDATA[reihe]]></category>
		<category><![CDATA[scream]]></category>
		<category><![CDATA[scream 5]]></category>
		<category><![CDATA[selbstironie]]></category>
		<category><![CDATA[selbstreflexiv]]></category>
		<category><![CDATA[sequel]]></category>
		<category><![CDATA[sky]]></category>
		<category><![CDATA[slasher]]></category>
		<category><![CDATA[slashergenre]]></category>
		<category><![CDATA[suggestion]]></category>
		<category><![CDATA[torture-porn]]></category>
		<category><![CDATA[transgression]]></category>
		<category><![CDATA[tyler gillett]]></category>
		<category><![CDATA[verweise]]></category>
		<category><![CDATA[vorhersehbare inszenierungstechnik]]></category>
		<category><![CDATA[vorhersehbarkeit]]></category>
		<category><![CDATA[wes craven]]></category>
		<category><![CDATA[whodunit]]></category>
		<category><![CDATA[zeitgenössisches genrekino]]></category>
		<category><![CDATA[zuschauer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://filmfilter.at/?p=6107</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der neue „Scream“ macht großen Spaß und stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt. Zumindest dreimal hat der Regisseur Wes Craven maßgeblich dazu beigetragen, das Horrorgenre ins nächste Jahrzehnt rüber zu retten, immer in Zwölfjahresabständen. 1972 mit seinem beklemmend kaputten The Last House on the Left, der eine bis dahin unbekannte Negativität ins Genre einführte (die bis in heutige Torture-Porn-Exzesse ausstrahlt). 1984 mit A Nightmare on Elm Street, der ein Horrorfilmmonster zum ersten Mal seit den Fünfzigerjahren wieder zu [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/heimeliger-horror-scream/">Heimeliger Horror</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der neue „Scream“ macht großen Spaß und stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt.</em></p>
<p>Zumindest dreimal hat der Regisseur Wes Craven maßgeblich dazu beigetragen, das Horrorgenre ins nächste Jahrzehnt rüber zu retten, immer in Zwölfjahresabständen. 1972 mit seinem beklemmend kaputten <em>The Last House on the Left</em>, der eine bis dahin unbekannte Negativität ins Genre einführte (die bis in heutige Torture-Porn-Exzesse ausstrahlt). 1984 mit <em>A Nightmare on Elm Street</em>, der ein Horrorfilmmonster zum ersten Mal seit den Fünfzigerjahren wieder zu einem das Genre überschreitenden Massenphänomen mit flächendeckendem Merchandise werden ließ. Und 1996 mit der finalen Überführung des Slasher ins Postmoderne, mittels selbstreflexiver Scherze (vorbereitet bereits zwei Jahre zuvor mit <em>Freddy&#8217;s New Nightmare</em>). Das Schöne an <em>Scream</em> war, dass er auf zwei Ebenen funktionierte; zum einen auf der beim heutigen Wiedersehen gar nicht so aufdringlichen Metaebene (der Film adressiert einen als wissende Zuschauer:in, man checkt die Verweise und kann die Selbstironie schätzen) und zugleich unmittelbar (der Film adressierte einen als Kind, das Angst vorm schwarzen Mann hat). Ein toller Highschool-Film ist <em>Scream</em> (flat auf Sky) außerdem.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/tV4PTwciTuQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/tV4PTwciTuQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Es folgte die unvermeidliche Sequelbildung, die in den Teilen zwei und drei freilich in die Konstruktion mit aufgenommen wurde: Das Genrewissen hilft hier nicht mehr nur dem Publikum bei der Lösung des lustigen Whodunit, sondern auch den Figuren selbst, die von Sequel zu Sequel ausschweifender über das Horrorgenre dozieren. Das war in seiner forcierten Cleverness wieder potenziell arg nervig, und 2000 war dann auch erstmal Schluss – kurz bevor ein Schwall grimmiger, schwarzhumoriger, drastischer Horrorfilme die Leichtigkeit des sogenannten postmodernen Horrors bis auf Weiteres abwürgte. Und auf <em>Last House on the Left </em>zurückwies, und nicht auf <em>Nightmare on Elm Street</em>; viele Wege, die die Geschichte des Horrorgenres genommen hat, führen zurück zu Wes Craven.</p>
<p><em>Scream 4 </em>nahm 2011 dann auch Bezug auf die damals aktuelle Dominanz im Genre: Am Anfang beklagt sich eine der Figuren über stumpfen Torture Porn und muss kurz darauf sterben. Ansonsten war der Film, was selbstreflexive Kapriolen anging, eher dezent. Und auch sonst sehr fad. Was nun wiederum das Erscheinen des fünften Teils der Serie, der im Original schlicht <em>Scream </em>heißt, überraschend werden lässt. Schließlich war <em>Scream 4</em> nicht nur filmisch, sondern auch kommerziell eher unergiebig. Und Wes Craven ist seit bald sieben Jahren tot.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/beToTslH17s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/beToTslH17s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Noch überraschender: Der neue <em>Scream</em> macht großen Spaß, stupst das Franchise wie nebenbei ins neue Jahrzehnt und hat mit dem  traditionell schwierigen finalen Plot Twist auch keine größeren Probleme als die Vorgänger. Vielleicht ist ja, wer Mitte der Neunziger gerade alt genug für das Original war, inzwischen auch in einem nostalgiefähigen Alter. Könnte ja sein, die <a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/funny-game/">Wiederauflage von <em>Matrix</em></a> deutet es an, dass nach der Achtziger-Retro-Welle jetzt das nächste Jahrzehnt vom zeitgenössischen Genrekino wieder hochgewürgt wird.</p>
<p>Jedenfalls verbreitet der Cast hier eine Atmosphäre wohliger Vertrautheit, Neve Campbell, Courteney Cox und David Arquette sind wieder mit dabei. Die Verweisdichte hat wieder zugenommen, der Duschmord aus <em>Psycho </em>wird anzitiert, und der Horrortrend, dem das traditionsbewusste Slashergenre als <em>old school </em>gegenübergestellt wird, ist der Schwung an politisch bewusstem Horror seit den Zehnerjahren. Jordan Peele wird von einer Filmfigur als bester Horror-Regisseur der Gegenwart gewürdigt, und der Lieblingsfilm einer anderen ist <em>The Babadook</em>. Zwischen den Gesprächen über Genreregeln, Horrortrends und die <em>Stab</em>-Filmreihe<em>,</em> die erneut als Film im Film (und für die Mordserie strukturbildendes Moment) mitläuft, gelingen den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett ein paar sehr schöne Slasher-Sequenzen, die fernab von allem Meta-Gedöns funktionieren (vor allem eine Terrorszene im Krankenhaus und die traditionelle finale Party).</p>
<figure id="attachment_6106" aria-describedby="caption-attachment-6106" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=550%2C300&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6106" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox-300x164.jpg" alt="" width="550" height="300" /><figcaption id="caption-attachment-6106" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6106" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=550%2C300&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="300" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=300%2C164&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=1024%2C559&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=770%2C420&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=500%2C273&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=293%2C160&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?resize=390%2C213&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/scream-campbell-cox.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Neve Campbell, Courteney Cox in Scream</figcaption></figure>
<p>Beim Sehen fällt sehr auf, und da ist man dann wieder bei der Nostalgie: Man fühlt sich als in den Achtzigerjahren Geborener in diesem Kosmos mit seinen klaren Regeln, bekannten Charakteren und vorhersehbaren Inszenierungstechniken, die um ihre Vorhersehbarkeit wissen, rundum wohl; achten Sie mal darauf, wie demonstrativ in diesem Film Schrank- und andere Türen geöffnet und wieder geschlossen werden, und wann einer mit einem Messer dahintersteht und wann nicht. Da kann auch ein Irrer mit Edvard-Munch-Maske, der die Figuren im Viertelstundentakt zerhackt, nicht viel dran ändern. Wie überhaupt ein Aspekt des Horrorfilms in den Texten zum Genre, das ja unter anderem von der Suggestion von Krassheit und Transgression lebt, nur selten zur Sprache kommt: wie heimelig und gemütlich das alles in seiner Vertrautheit immer wieder ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Scream</strong><br />
<strong>USA 2022, Regie</strong> Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett<br />
<strong>Mit</strong> Melissa Barrera, Jenna Ortega, Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette<br />
<strong>Laufzeit</strong> 115 Minuten</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/heimeliger-horror-scream/">Heimeliger Horror</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6107</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lust-Los</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/lust-los/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2022 10:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kritiken]]></category>
		<category><![CDATA[analogie]]></category>
		<category><![CDATA[analytisch]]></category>
		<category><![CDATA[arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[arthouse]]></category>
		<category><![CDATA[ausbeutung]]></category>
		<category><![CDATA[authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[bella cherry]]></category>
		<category><![CDATA[benjamin moldenhauer]]></category>
		<category><![CDATA[blick]]></category>
		<category><![CDATA[debütfilm]]></category>
		<category><![CDATA[dildo]]></category>
		<category><![CDATA[doku]]></category>
		<category><![CDATA[dokumentar-ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[double anal]]></category>
		<category><![CDATA[drehpause]]></category>
		<category><![CDATA[erektion]]></category>
		<category><![CDATA[erkenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[extremporno]]></category>
		<category><![CDATA[fiktion]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[filmfilter]]></category>
		<category><![CDATA[filmfiltern]]></category>
		<category><![CDATA[filmische beschreibung]]></category>
		<category><![CDATA[filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[gecastet]]></category>
		<category><![CDATA[genre]]></category>
		<category><![CDATA[genrekino]]></category>
		<category><![CDATA[gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[gewaltpotenzial]]></category>
		<category><![CDATA[gonzo]]></category>
		<category><![CDATA[hardcore]]></category>
		<category><![CDATA[ideologie]]></category>
		<category><![CDATA[illusion]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[karrierepläne]]></category>
		<category><![CDATA[konkurrenzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[konsensualität]]></category>
		<category><![CDATA[konsumfähigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[konsumlust]]></category>
		<category><![CDATA[körper als ware]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[kulturindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[linnea]]></category>
		<category><![CDATA[lohnarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[los angeles]]></category>
		<category><![CDATA[lustvoll]]></category>
		<category><![CDATA[macht]]></category>
		<category><![CDATA[making-of]]></category>
		<category><![CDATA[mark spiegler]]></category>
		<category><![CDATA[marke]]></category>
		<category><![CDATA[moralisch]]></category>
		<category><![CDATA[ninja thyberg]]></category>
		<category><![CDATA[pleasure]]></category>
		<category><![CDATA[point-of-view-perspektive]]></category>
		<category><![CDATA[porno]]></category>
		<category><![CDATA[pornodreh]]></category>
		<category><![CDATA[pornografie]]></category>
		<category><![CDATA[pornografisch]]></category>
		<category><![CDATA[pornografische bilder]]></category>
		<category><![CDATA[pornoindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[pornoproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[pornos]]></category>
		<category><![CDATA[pornostar]]></category>
		<category><![CDATA[produktion]]></category>
		<category><![CDATA[produktionsverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[produktionszusammenhang]]></category>
		<category><![CDATA[produzent]]></category>
		<category><![CDATA[protagonistinnen]]></category>
		<category><![CDATA[publikum]]></category>
		<category><![CDATA[re-inszeniert]]></category>
		<category><![CDATA[real]]></category>
		<category><![CDATA[regisseurin]]></category>
		<category><![CDATA[rekonstruieren]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[schonungslos]]></category>
		<category><![CDATA[selbstbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[set]]></category>
		<category><![CDATA[sexszenen]]></category>
		<category><![CDATA[sm-dreh]]></category>
		<category><![CDATA[sm-film]]></category>
		<category><![CDATA[social media strategie]]></category>
		<category><![CDATA[sofia kappel]]></category>
		<category><![CDATA[sozialrealistisch]]></category>
		<category><![CDATA[spielarten]]></category>
		<category><![CDATA[strap-on]]></category>
		<category><![CDATA[subjekt]]></category>
		<category><![CDATA[suggestion]]></category>
		<category><![CDATA[szenen]]></category>
		<category><![CDATA[übergriffe]]></category>
		<category><![CDATA[vergnügen]]></category>
		<category><![CDATA[verrat]]></category>
		<category><![CDATA[wahrheit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://filmfilter.at/?p=6050</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Pleasure“ von Ninja Thyberg ist eine der bislang genauesten filmischen Beschreibungen der Produktionsverhältnisse in der Pornoindustrie und transportiert ein immenses Wissen über deren soziales Universum. In Pornos wird das angebliche Making-of inzwischen oft routiniert mitinszeniert – als Teil der Suggestion von Authentizität, in Form von Interviews, bevor gefickt wird. Ein wirkliches Making-of würde die Illusion sprengen, Porno kaputt. Ninja Thyberg hat mit ihrem Debütfilm Pleasure eine Art dekonstruktives „How they do it“ gedreht. Für viele Zuschauer:innen, vermute ich, werden zumindest [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/lust-los/">Lust-Los</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Pleasure“ von Ninja Thyberg ist eine der bislang genauesten filmischen Beschreibungen der Produktionsverhältnisse in der Pornoindustrie und transportiert ein immenses Wissen über deren soziales Universum.</em></p>
<p>In Pornos wird das angebliche Making-of inzwischen oft routiniert mitinszeniert – als Teil der Suggestion von Authentizität, in Form von Interviews, bevor gefickt wird. Ein wirkliches Making-of würde die Illusion sprengen, Porno kaputt. Ninja Thyberg hat mit ihrem Debütfilm <em>Pleasure</em> eine Art dekonstruktives „How they do it“ gedreht. Für viele Zuschauer:innen, vermute ich, werden zumindest die standardisierten Spielarten des Genres (und das sind die meisten) nach dem Sehen erst einmal nicht mehr ungebrochen konsumierbar und genießbar sein.</p>
<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=9CKFPagxUhk" target="_blank" rel="noopener"><em>Pleasure</em></a> ist kein Film über Vergnügen, sondern über Arbeit. Die aber soll heute nicht mehr zuerst kommen, bevor dann das Vergnügen losgeht, sondern sich nicht mehr wesentlich von ihm unterscheiden. Eine erste Analogie zwischen aktueller Lohnarbeits- und Porno-Ideologie. Im Zentrum von <em>Pleasure </em>stehen die Szenen am Set, die Arbeit, die in den Bildern steckt. Die 19-jährige Linnéa (Sofia Kappel) kommt aus Schweden nach Los Angeles, um als Bella Cherry Pornostar zu werden. An und mit ihrem Körper wird durchdekliniert, was in der Industrie möglich und gängig ist: das erste Mal mit einem freundlichen Team, der offenbar lustvolle Dreh eines SM-Films mit einer achtsamen Regisseurin und Regie-Assistentin, der Extremporno, bei dessen Dreh die Grenze zwischen Konsensualität und Gewalt eingerissen wird, das Erarbeiten einer eigenen Marke (<em>double</em> <em>anal</em> in diesem Fall), Übergriffe am Set.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6047" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera-300x162.jpg" alt="" width="500" height="270" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6047" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="270" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=300%2C162&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=1024%2C554&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=770%2C416&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=1536%2C830&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=500%2C270&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=293%2C158&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=1400%2C757&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=390%2C211&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?resize=1320%2C714&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-camera.jpg?w=1998&amp;ssl=1 1998w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript></p>
<p>Zwischen den Szenen von <em>Pleasure</em>, in denen die Produktion pornografischer Bilder re-inszeniert wird, begleitet der Film Linnéa und ihre Kolleginnen. Was als typische Konkurrenzgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer Erzählung über Freundschaft und alltäglichen Verrat. Beide Stränge zusammengenommen ergeben eine der bislang genauesten filmischen Beschreibungen der Produktionsverhältnisse in der Pornoindustrie.</p>
<p>Dokus über Pornos gibt es etliche. Die meisten leiden unter dem Versuch, selbst so etwas wie Authentizität herzustellen – wenn in den Interviews alle Beteiligten möglichst offen und schonungslos sprechen, soll so etwas wie Wahrheit sich einstellen. Damit reproduziert der dokumentarische Blick von Außen das Versprechen des Genres: Wenn man draufhält, wenn eine:r sich entblößt (und abspritzt) ist es echt, und echt soll es sein.</p>
<p>Ninja Thyberg baut ihre Fiktion ebenfalls nach den Maßgaben der Dokumentar-Ästhetik und hat außerdem einige Protagonist:innen gecastet, die real in der Industrie arbeiten (u.a. den Produzenten Mark Spiegler). Das wirkt auf den ersten Blick wie eine weitere Form der Authentizitäts-Suggestion, verbunden mit der Option fürs Arthouse-Publikum, wieder einmal ohne Reue Hardcore-Szenen schauen zu können. Nach der ersten Szene auf dem Set aber wird klar, dass <em>Pleasure</em> etwas anderes im Sinn hat. Das Gefühl, dass man nach diesem Film weiß, „wie es wirklich ist“, beim Pornodreh, in den Drehpausen, in der Kulturindustrie generell, stellt sich nicht her über die üblichen Methoden, die die Bilder wirklichkeitssatt machen sollen (Wackelkamera, Inszenierungsvermeidung, echte Erektionen – auch in diesem Punkt wieder schwierig zu definieren, das Echte), auch wenn sie roh und unbearbeitet wirken. <em>Pleasure</em> transportiert ein immenses Wissen über das soziale Universum und ein Gespür für den Produktionszusammenhang, das und den der Film beschreibt. Schritt für Schritt, behutsam, aber insistierend, wird dieser Raum sozusagen kartografiert.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6048" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier-300x162.jpg" alt="" width="500" height="270" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6048" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=500%2C270&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="270" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=300%2C162&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=1024%2C554&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=770%2C416&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=1536%2C830&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=500%2C270&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=293%2C158&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=1400%2C757&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=390%2C211&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?resize=1320%2C714&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-dreier.jpg?w=1998&amp;ssl=1 1998w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript></p>
<p>Den Dreh einer Gonzo-Szene inklusive Übergriff muss die Kamera anders fassen als einen konsensuellen S/M-Dreh; den Sex vor der Kamera mit jemanden, den man kennt und mag, anders als den Versuch, die Konkurrentin mit dem Strap-on-Dildo fertigzumachen. Immer wieder aber wechselt die Kamera während der Sexszenen fast schon demonstrativ in die Point-of-View-Perspektive Linnéas und widerspricht so den typischen Blickangeboten und filmischen Verdinglichungsmethoden des Pornos und des Genrekinos generell.</p>
<p><em>Pleasure</em> wirkt wie ein sozialrealistischer, spontan entstandener Bilderbogen. Dazu gehört auch, dass er nichts von einer Anklage hat, die den einen die Opfer- und den anderen die Täterrollen zuweist. Es wird ein Produktionszusammenhang beschrieben, dem großes Gewaltpotenzial innewohnt, in dem aber trotzdem Subjekte agieren, die Entscheidungen treffen, Karrierepläne und Social-Media-Strategien entwerfen und sich wehren (oder zu Komplizinnen werden). Ninja Thyberg achtet darauf, ihre Figuren nicht kleinzumachen, und das ist überhaupt erst die Voraussetzung von allem, was in diesen Bildern an Wahrheit und Erkenntnis steckt.</p>
<p><em>Pleasure</em> berührt so allerhand Allgemeines, das über die Pornoproduktion hinausgeht (neben vielem anderen: Ausbeutung, Selbstbestimmung, Verdinglichung, die Grenzen der Konsensualität, Macht, Hierarchien, der Körper als Ware).</p>
<p>In einer Szene kippt der Dreh. Linnéa will nicht mehr und wird immer wieder überredet und am Schluss unter Druck gesetzt, weiterzumachen; damit es die wirklich krassen Bilder gibt. „In solchen Filmen werden die Darstellerinnen zur Verkörperung des aktuellen Kapitalismus – eines Kapitalismus, der eben nicht mehr auf der Ausbeutung der Körper beruht, sondern darauf, dass die Menschen ihre ,Seele‘ hergeben und für Arbeitsplätze und Unternehmensgewinne bis ans Limit gehen“, hat Mark Terkessidis schon 2006 am Beispiel von Gonzo-Pornos diagnostiziert. Unter anderem in dieser Hinsicht ist <em>Pleasure </em>ein Film nicht nur über harte Pornos, sondern über Lohnarbeit generell. Die Filme selbst bieten, schreibt Terkessidis weiter, „die Möglichkeit, sich seriell mit einer ,krassen‘ Variante der eigenen neoliberalen Subjektivität zu konfrontieren und zu identifizieren“.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6045" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana-300x169.jpg" alt="" width="500" height="281" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6045" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="281" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=2048%2C1152&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=1400%2C787&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?resize=1320%2C742&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/pleasure-banana.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript></p>
<p>Die krassen Bilder (die sich hier größtenteils in den Köpfen der Zuschauer:innen abspielen dürfen) ergänzt <em>Pleasure </em>um Bilder der Produktionsbedingungen, die der Film rekonstruiert. Oder besser noch: Die Bilder der Produktionsbedingungen überschreiben sozusagen das Produkt, also die Bilder des Pornografischen. Auf diese Weise wird das Genre potenziell unbrauchbar gemacht, obwohl ich nicht sehe, dass der Film Pornografie prinzipiell für böse hält oder moralisch verurteilt. Schließlich ist der konstruierte Blick hier kein moralischer, sondern ein analytischer. Es gilt wie immer in einer Welt, in der die Lohnarbeit entfremdet und mit Ausbeutung verbunden ist: Das Wissen um Produktionsweisen und die von ihnen bedingte und ermöglichte Gewalt beeinträchtigen die Konsumfähigkeit und -lust doch sehr.</p>

<p>&nbsp;</p><div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Pleasure </strong> <br /><strong>Frankreich/Schweden/Niederlande 2021, Regie &amp; Drehbuch</strong> Ninja Thyberg <strong><br />Mit</strong> Sofia Kappel, Revika Anne Reustle, Evelyn Claire, Chris Cock, Dana DeArmond <br /><strong>Laufzeit</strong> 105 Minuten</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/lust-los/">Lust-Los</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6050</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Nicht alles Gold was glänzt</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/nicht-alles-gold-was-glaenzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Jan 2022 16:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brooklyn Bulletin]]></category>
		<category><![CDATA[79.]]></category>
		<category><![CDATA[anerkennung]]></category>
		<category><![CDATA[arnold schwarzenegger]]></category>
		<category><![CDATA[auslandsjournalisten]]></category>
		<category><![CDATA[auszeichnungen]]></category>
		<category><![CDATA[bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[beverly hills hotel]]></category>
		<category><![CDATA[blitzgewitter]]></category>
		<category><![CDATA[brooklyn bulletin]]></category>
		<category><![CDATA[bühne]]></category>
		<category><![CDATA[conan o’brien]]></category>
		<category><![CDATA[dankesreden]]></category>
		<category><![CDATA[diversifiziert]]></category>
		<category><![CDATA[echokammer]]></category>
		<category><![CDATA[einschaltquoten]]></category>
		<category><![CDATA[einschaltquotenproblem]]></category>
		<category><![CDATA[errungenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[fernsehübertragung]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[filmfilter]]></category>
		<category><![CDATA[filmfiltern]]></category>
		<category><![CDATA[gala]]></category>
		<category><![CDATA[gestreamt]]></category>
		<category><![CDATA[gewinner]]></category>
		<category><![CDATA[glamour]]></category>
		<category><![CDATA[globes]]></category>
		<category><![CDATA[gold]]></category>
		<category><![CDATA[golden globes]]></category>
		<category><![CDATA[goldmännchen]]></category>
		<category><![CDATA[hacks]]></category>
		<category><![CDATA[hbo]]></category>
		<category><![CDATA[hfpa]]></category>
		<category><![CDATA[hohe filmkunst]]></category>
		<category><![CDATA[hollywood foreign press associatio]]></category>
		<category><![CDATA[image]]></category>
		<category><![CDATA[irrelevant]]></category>
		<category><![CDATA[jane campion]]></category>
		<category><![CDATA[kinofilm]]></category>
		<category><![CDATA[kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[kontroverse]]></category>
		<category><![CDATA[kulturelle produkte]]></category>
		<category><![CDATA[l.a. times]]></category>
		<category><![CDATA[live]]></category>
		<category><![CDATA[los angeles]]></category>
		<category><![CDATA[marietta steinhart]]></category>
		<category><![CDATA[mitglieder]]></category>
		<category><![CDATA[netflix]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[organisation]]></category>
		<category><![CDATA[oscars]]></category>
		<category><![CDATA[pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[party]]></category>
		<category><![CDATA[preise]]></category>
		<category><![CDATA[preisverleihungen]]></category>
		<category><![CDATA[promis]]></category>
		<category><![CDATA[publikum]]></category>
		<category><![CDATA[rassistisch]]></category>
		<category><![CDATA[relevanz]]></category>
		<category><![CDATA[remake]]></category>
		<category><![CDATA[roter teppich]]></category>
		<category><![CDATA[serien]]></category>
		<category><![CDATA[show]]></category>
		<category><![CDATA[social media]]></category>
		<category><![CDATA[steven spielberg]]></category>
		<category><![CDATA[subjektiv]]></category>
		<category><![CDATA[succession]]></category>
		<category><![CDATA[the power of the dog]]></category>
		<category><![CDATA[twitter]]></category>
		<category><![CDATA[wertschätzung]]></category>
		<category><![CDATA[west side story]]></category>
		<category><![CDATA[zuschauer]]></category>
		<category><![CDATA[zuschauerzahlen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://filmfilter.at/?p=6025</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Wenn ein Baum im Wald einen Golden Globe gewinnt, aber nicht im Fernsehen übertragen wird, hält er dann immer noch eine peinliche Rede?“ scherzte Conan O’Brien auf Twitter vergangenen Freitag. Der Spruch brachte das geradezu philosophische Rätsel der 79. Golden Globes auf den Punkt. Von der Öffentlichkeit skeptisch beäugt oder ganz ignoriert, gingen sie am Sonntag Abend Ortszeit im Beverly Hills Hotel in Los Angeles über die Bühne. Wenn es nun mittlerweile zum guten Ton gehört, Preise zurück zu geben, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/nicht-alles-gold-was-glaenzt/">Nicht alles Gold was glänzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Wenn ein Baum im Wald einen Golden Globe gewinnt, aber nicht im Fernsehen übertragen wird, hält er dann immer noch eine peinliche Rede?“ scherzte Conan O’Brien auf <a href="https://twitter.com/ConanOBrien/status/1479561796759527426" target="_blank" rel="noopener">Twitter</a> vergangenen Freitag. Der Spruch brachte das geradezu philosophische Rätsel der 79. Golden Globes auf den Punkt. Von der Öffentlichkeit skeptisch beäugt oder ganz ignoriert, gingen sie am Sonntag Abend Ortszeit im Beverly Hills Hotel in Los Angeles über die Bühne. Wenn es nun mittlerweile zum guten Ton gehört, Preise zurück zu geben, weil sie wie ein Stigma anmuten, stellt sich die berechtigte Frage, ob wir denn überhaupt welche brauchen (Tom Cruise offenbar nicht mehr, er retournierte aus Protest seine drei Globes).</p>
<p>Große Gewinner sind im Bereich Kinofilm Jane Campions grübelnder, großartiger Western <em>The Power of The Dog </em>und Steven Spielbergs schönes <em>West Side Story</em>-Remake mit je drei Auszeichnungen. Die HBO-Serien <em>Succession</em> und <em>Hacks</em> gewannen die besten Serienpreise. Kein schlechtes Zeugnis. Aber es gab kein Publikum, keine Fernsehübertragung, keine tränenreichen Dankesreden, keinen roten Teppich, keine Promis, keine Party. Die Show wurde nicht einmal live gestreamt. Die Gewinner wurden nüchtern auf Social Media verlautbart.</p>
<p>Die Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die seit 1944 die Golden Globes vergibt, war vor zwei Jahren (völlig zu Recht, wenngleich viel zu spät) in Ungnade gefallen. Die Organisation sei zu exklusiv, zu rassistisch, zu bestechlich, zu inkompetent. Gipfel: Rund dreißig Mitglieder wurden von den Produzenten von <em>Emily in Paris</em> nach Paris geflogen, wo sie in einem Hotel für je 1.400 US-Dollar pro Nacht untergebracht waren. Die klischeestrotzende Netflix-Serie wurde für zwei Globes nominiert, während z.B. Michaela Coels hervorragende Serie <a href="https://filmfilter.at/starkes-stueck/i-may-destroy-you/"><em>I May Destroy You</em></a> völlig ignoriert wurde. Eher kein Zufall, denn kein einziges der damals 87 Mitglieder war schwarz. Die Gruppe hat inzwischen ihre Reihen diversifiziert, 21 neue Mitglieder aufgenommen und neue Compliance-Regeln verabschiedet. A little late.</p>
<p>Da war ein kurzer Auftritt von Arnold Schwarzenegger am Sonntagabend fast schon verzweifelt peinlich. Um das angekratzte Image der Organisation zu retten, pries der Schauspieler die Großzügigkeit und Offenheit der HFPA und betonte, dass die Gruppe einst ihm, einem jungen österreichischen Bodybuilder mit änderungswürdigem Nachnamen, einen Award zugesprochen hatte – für seine Rolle in <em>Stay Hungry</em> (1976) .</p>
<p>Ganz abgesehen von der Kontroverse, die von der <a href="https://www.latimes.com/entertainment-arts/business/story/2021-02-21/hfpa-golden-globes-2021-who-are-the-members" target="_blank" rel="noopener">L.A. Times</a> angekurbelt wurde, hatten die Golden Globes lange vor der Pandemie ein Reputations- und Einschaltquotenproblem. Ricky Gervais nannte sie „wertlos“, als er sie im Jahr 2016 moderierte: „Es ist ein bisschen Metall, das einige nette, alte, verwirrte Journalisten Ihnen persönlich geben wollen, damit sie ein Selfie mit Ihnen machen können, okay?“</p>
<p>Hoffentlich ist dies das letzte Jahr, in dem wir die Golden Globes ernsthaft diskutieren. Was sind sie, wenn nicht irrelevant? Jedes Jahr, als noch Galas möglich waren, gelang es einer kleinen, dubiosen Gruppe von Auslandsjournalist:innen, ein elitäres, antiquiertes Pseudo-Ereignis zu inszenieren. Alle klopften sich auf die Schultern, die Gewinner verbeugten sich vor der Echokammer/Kollegenschaft, und am nächsten Morgen jammerten alle in den Medien darüber, wie langweilig es war (inklusive dieser Autorin). Während die Welt prekärer wird, fühlt sich der schillernde, selbstbeglückende Geist von Preisverleihungen immer bizarrer an.</p>
<p>Das gilt im Übrigen auch für die Oscars, die am 27. März stattfinden sollen. Keiner weiß, wie die Veranstaltung aussehen wird. Kernfrage: Wer wird zusehen wollen? Ich kann mich gut an lange Nächte mit Augenringen erinnern, in denen ich aufgeblieben bin, um die Oscars live im Fernsehen zu verfolgen. War auch einige Jahre vor Ort, um Bericht zu erstatten. Obwohl ich jetzt näher an der passenden Zeitzone lebe, sehe ich mir stattdessen lieber einen guten Film an.</p>
<p>Die Oscar-Zuschauerzahlen sind seit Jahren im freien Fall. In ihren besten Zeiten zog die Gala 55 Millionen Zuschauer an. Während die Zahlen von 2020, als letztlich <em>Parasite</em> gewann, als neues Allzeittief (23,6 Millionen) in die TV-Geschichte eingingen, brachen sie schon im nächsten Jahr um weitere 60 Prozent ein: Im April 2021 wollten nur mehr 10,4 Millionen Zuschauer live dabei sein, als die Goldmännchen ausgehändigt wurden.</p>
<p>Die Oscars verstehen sich als Wächter der „hohen“ Kunst, in einer Zeit, in der ein Actionspektakel voller Maschinen-Fetische (<em>F9: The Fast Saga</em>) sowie ein Superhelden-Franchise (<em>Spider-Man: No Way Home</em>), zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Filmen der Welt zählen. Freilich: Oscars spiegeln nicht in erster Linie die hohe Filmkunst wider (das können Festivals viel besser), es ging bei der Gala immer schon mehr um Voyeurismus, um Pomp, um Politik, um Einschaltquoten. Darüber hinaus wissen wir alle, wie subjektiv Preisverleihungen sind.</p>
<p>Preise sollten eine Wertschätzung für künstlerische Anstrengungen sein. Die Anerkennung ist für viele ein Grund, sich einen „kleineren“ Film anzuschauen. Der Entfall pompöser Preisverleihungen hätte wohl wenig Wirkung auf die Erinnerung und Relevanz kultureller Produkte. Wenn wir sie als veraltete Schiedsrichter für künstlerische Verdienste nicht loswerden können, dann müssen sie sich wieder mit den Menschen verbinden. Wenn sich die Viruswolke eines Tages endlich hebt, werden sich unsere Sehgewohnheiten geändert haben. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht definieren wir dann auch den Erfolg eines Films anders. Die Errungenschaften einer Frau hinter der Kamera zum Beispiel, wie Jane Campion, bleiben auch ohne Blitzgewitter, High Heels und Glamour dieselben bewunderungswürdigen Errungenschaften.</p>
<p>Stellt euch vor, es ist Preisverleihung in einem schicken Hotel in Beverly Hills und niemand geht hin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/nicht-alles-gold-was-glaenzt/">Nicht alles Gold was glänzt</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">6025</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
