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		<title>Sterben</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/sterben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2024 10:15:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino. Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino.<br />
</em></p>
<p>Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war ja noch nie der Mann fürs Weichgespülte, Leichtverdauliche. Glasner hat vielmehr stattdessen Brocken in die Kinolandschaft gestellt, mit denen musste das Publikum erstmal klar kommen – oder ihnen eben aus dem Weg gehen; Popcorn konnte man zu Filmen wie <em>Der freie Wille</em> (2006, über die Seelenqual eines Vergewaltigers) und <em>Gnade</em> (2012, über die Gewissensbisse einer Unfallflüchtigen) jedenfalls nicht fressen. Kann man auch zu <em>Sterben</em> nicht und sollte man ohnehin eh überhaupt nicht.</p>
<p>Sprechen wir also von Familie Lunies: Vater, Mutter, Sohn und Tochter; Gerd, Lissy, Tom und Ellen; Parkinson und Demenz, Vaginalkrebs und Nierenversagen, Dirigent und Patchworkvater, Alkoholikerin und <em>loose cannon</em>; niedersächsische Provinz, Berlin und Hamburg. Eine eigentlich ziemlich normale Familie im Deutschland der Gegenwart. Dazu Freunde, Kolleginnen und Nachbarn; sowie die titelgebende Komposition. Dabei handelt es sich um ein umwerfendes Stück moderner Musik in mehreren Variationen, das im Film das (postume) Opus magnum von Toms bestem Freund Bernard darstellt, und in Wirklichkeit geschrieben wurde von Lorenz Dangel, der dafür einen Deutschen Filmpreis(*) erhielt. Diese ergreifende, zu Tränen rührende Musik setzt Zäsuren, zusätzlich zu den Kapitelüberschriften, die Perspektiven benennen und den Fluss der Erzählung immer mal wieder neu ansetzen lassen. Es gibt Ordnung in diesem unbotmäßigen Geschichten-Konglomerat, aber sie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, ist im Gegenteil jederzeit zur Kapitulation bereit. Denn das letzte Wort hat sowieso immer der Tod und davon abgesehen regiert das Chaos.</p>
<p>Ebendiese wirklichkeitsnahe Einschätzung dessen, was der Fall ist, macht <em>Sterben</em> so unterhaltsam; und zwar nicht nur im Sinne von kurzweilig, sondern auch im Sinne von: lustig, grotesk, absurd, makaber, komisch, witzig. Mitunter ist nicht zu entscheiden, ob Lachen oder Weinen oder beides gleichzeitig oder doch lieber nacheinander die angemessene Reaktion auf dieses oder jenes Ereignis wäre; es geht demnach zu wie im richtigen Leben; es ist wahr, und das ist halt hart.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Beispielsweise in jener bereits jetzt schon legendären Szene, in der Lissy und Tom nach der Beisetzung des Vaters – der im Pflegenotstand unspektakulär und erbärmlich verendet ist – zuhause an der Kaffeetafel sitzen und unmerklich in einen der grausamsten Austausche bitterer Wahrheiten hineinrutschen, der jemals auf einer Leinwand Platz fand. Die Luft bleibt einem weg, denn was Mutter und Sohn sich hier gegenseitig servieren, ist so nebenher-böse und unabsichtlich-gemein wie es authentisch ist: weil schließlich irgendwann einmal gesagt werden muss, was schon längst einmal hätte gesagt werden müssen (auch wenn man es letztlich doch besser für sich behalten hätte). Und es wird dieser Wechsel von Sätzen, die wie Pfeile ins Mark treffen, von Corinna Harfouch und Lars Eidinger in den Rollen von Lissy und Tom mit einer Disziplin und Empathie dargeboten, die dessen emotionale Sprengkraft noch unterstreicht. Wenn dann schließlich die Faust auf dem Kuchenteller niedergeht, bringt das keine Erlösung mit sich, es bleibt ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wie im richtigen Leben eben.</p>
<p>Harfouch und Eidinger, Lilith Stangenberg als Ellen, Ronald Zehrfeld als ihr (verheirateter) Liebhaber, Robert Gwisdek als der depressive Komponist und nicht zu vergessen Hans-Uwe Bauer „als mein Vater“ (wie es in den Credits heißt) – das ist ein hochkarätiges Ensemble, das sich darüber im Klaren ist, was hier auf dem Spiel steht. <em>Sterben</em> ist eine aus dem Innersten und Tiefsten kommende und in beeindruckender Aufrichtigkeit formulierte Mitteilung existenzieller Erfahrungen. Glasner macht kein Geheimnis daraus, dass dieser Film auch von ihm selbst und seiner Familie handelt. Es ist seine Tochter, die im Handyvideo zu Beginn frontal in die Kamera fordert: „Du musst machen, was Dein Herz dir sagt. Du musst auf Dein Herz hören. Du musst.“</p>
<p>Und alle hören auf sie.</p>
<h6>(*) Des weiteren erhielt <em>Sterben</em>, der in neun Kategorien nominiert war, Deutsche Filmpreise als Bester Spielfilm, Corinna Harfouch als Beste Hauptdarstellerin und Hans-Uwe Bauer als Bester Nebendarsteller. Bei der Berlinale konnte Glasner einen Silbernen Bären für das Beste Drehbuch entgegennehmen <em>(wobei, die Bemerkung sei erlaubt, der Große Preis der Jury bei ihm besser aufgehoben gewesen wäre als bei Hong Sangsoo, der mit demselben offenbar rein gar nichts anzufangen wusste).</em></h6>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Sterben</strong><br />
<strong>DE 2024, Regie</strong> Matthias Glasner<br />
<strong>Mit</strong> Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Anna Bederke, Hans-Uwe Bauer, Robert Gwisdek<br />
<strong>Laufzeit</strong> 180 Minuten</p>
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		<title>Viele Stunden des Begehrens</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/viele-stunden-des-begehrens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2022 19:00:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Während Doris Dörrie im „Freibad“ die Toleranz unserer Gesellschaft untersucht (filmfilter-Diagnose: Tendenz sinkend), widmen wir uns den drei anderen Filmstarts der Woche. Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, mit der famosen Tilda Swinton als Erzählwissenschafterin und dem superben Idris Elba als Flaschengeist, in der Regie des Mad Max-Masterminds George Miller? Das macht neugierig, das will man mit eigenen Augen sehen. Three Thousand Years of Longing geht dann auch recht vielversprechend los. Der Film gibt sich einen Gegenwartsrahmen, in welchem die Narratologin [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Während Doris Dörrie im „Freibad“ die Toleranz unserer Gesellschaft untersucht (filmfilter-Diagnose: Tendenz sinkend), widmen wir uns den drei anderen Filmstarts der Woche.</em></p>
<p>Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, mit der famosen Tilda Swinton als Erzählwissenschafterin und dem superben Idris Elba als Flaschengeist, in der Regie des <em>Mad Max</em>-Masterminds George Miller? Das macht neugierig, das will man mit eigenen Augen sehen. <strong><em>Three Thousand Years of Longing</em></strong> geht dann auch recht vielversprechend los. Der Film gibt sich einen Gegenwartsrahmen, in welchem die Narratologin Alithea an einer literarischen Konferenz in Istanbul teilnimmt. Sobald der Geist aus der Flasche ist und Alithea ihre obligatorischen drei Wünsche frei hat, finden wir uns jedoch in einem erzähltechnisch aus der Zeit gefallenen und wie aus tausend und einer Nacht stammenden Filmmärchen – wenngleich der auf Freiheit sinnende Geist seine vergleichsweise wenigen Tage außerhalb der Flasche nicht im arabischen Wunderland, sondern im Reich der Osmanen zugebracht hat und es dementsprechend rustikal hergeht; ein Harem leinwandfüllender Schönheiten oder ein mörderischer Erbfolge-Murks sind nur zwei Beispiele des flapsig „Aladdin for Adults“ getaggten Spektakels.</p>
<p>Doch hier sind die mindestens drei Probleme, die <em>Three Thousand Years of Longing</em> aufwirft: Zum einen wird die ganze Zeit in Voice-over-Worten erzählt, was man ohnehin den Bildern entnehmen könnte (der Film traut also seinen eigenen Bildern zu wenig zu). Zum anderen hat keine der erzählten Unterfabeln das Gewicht, das es für eine Meta-Fabel über das Narrative an sich braucht. Und schließlich gibt es im generell abfallenden letzten Akt eine wohlmeinende, aber derart plumpe Vorschlusswendung, dass es einem noch die politisch korrektest gepflegten Zehennägel aufkringelt. Eine sich rasch zerstäubende Phantasie. (rs)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/TWGvntl9itE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/TWGvntl9itE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Emma Thompson nackig!? Da muss man hin, das muss man sehen! Und wo kommt es zum Äußersten? In Sophie Hydes <strong><em>Good Luck to you, Leo Grande</em></strong><em><strong> / Meine Stunden mit Leo</strong>,</em> einem Arthouse-Crowdpleaser wie er im Buche steht, noch dazu mit aufklärerischem Mehrwert! Eierlegende Wollmilchsau sozusagen…</p>
<p>Jetzt aber mal im Ernst; im in Rede stehenden, zweifellos sehr charmanten, aber halt leider auch arg naiven und letztlich viel zu glatten Film spielt Thompson die kürzlich verwitwete Nancy Stokes, die endlich einen Orgasmus erleben will (der Verflossene war keine Granate im Bett) und sich zu diesem Behufe einen Escort-„Boy“ mietet. Nachvollziehbare Sache das und Knüller-Ausgangslage. Natürlich ist Nancy schrecklich (schrecklich!) aufgeregt, aber Leo ist ein echtes Schätzchen – und das Herz geht einem auf und man grinst, bis die Mundwinkel weh tun und der Zuckerpegel einen umzuhauen droht.</p>
<p>Sei’s drum! Dieser Film ist natürlich unbedingt begrüßenswert aus vielerlei Gründen, die Sie sich am besten selbst im Kino anschauen. Nur eins noch: Emma Thompson ist 63 Jahre alt, nicht, wie ihre Filmfigur, 55, und da fragt frau sich dann doch, wieso die Figur nicht so alt sein kann, wie die Frau, die sie darstellt. Zumal es doch um Sex (Orgasmen!) im Alter geht. Ist etwa einer 63-Jährigen der sexuelle Spaß weniger zu gönnen als einer 55-Jährigen? Oder liegt es nicht vielleicht vielmehr daran, dass 63 dann doch gefährlich nahe ans Alterssex-Tabu gerät? Wie gesagt, <em>Leo Grande</em> traut sich viel, vor den letzten Metern aber scheut er. (zax)</p>
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<p>Die Kinovorschau dieser Woche endet schwermütig: Eine Verlegerin (Isabelle Huppert in einer schon idealtypischen Isabelle-Huppert-Rolle) begibt sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit, ausgelöst durch die Begegnung mit einer Jugendliebe, die alles melancholisch einfärbt. Die Verlegerin erinnert sich an frühere Liebhaber, Enttäuschungen und Glücksmomente. Laurent Lariviéres <strong><em>À propos de Joan / Die Zeit, die wir teilen</em></strong> ist eine Seelenreise, die sich insgeheim Ingmar Bergmans <em>Wilde Erdbeeren </em>zum Vorbild genommen hat. Zusammengehalten wird die schlaglichtartige Erzählung eines Lebens aber weniger von konzeptueller oder formaler Stringenz als von den Schauspieler:innen, und hier vor allem von Huppert und Lars Eidinger. (mol)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/ygLNyV1cPDE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/ygLNyV1cPDE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Wer indes kanonisierte Spitzenfilme sehen möchte, besuche das Österreichische Filmmuseum, das in diesen Wochen mit einer Retrospektive zu Ehren seines Ehrenpräsidenten aufwartet. Die „Scorsese Machine“ sei wie Dylan oder Warhol zu einem essenziellen Produkt der US-Kulturgeschichte geworden, <a href="https://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/main.jart?rel=de&amp;content-id=1216720898687&amp;schienen_id=1657537703508" target="_blank" rel="noopener">analysiert</a> Kurator Christoph Huber. Unser Essay dazu <a href="https://filmfilter.at/themen/essays/der-filmgeschichtsschreiber/">hier</a>. (rs)</p>
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		<title>Bis dass der Tod uns scheidet</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/bis-dass-der-tod-uns-scheidet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2022 15:00:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Känguru-Verschwörung, Einladung zum Märzengrund oder ins Alptraum-Anwesen und dreitausend Jahre Freiheitsbegehren. Die Kino-Neustarts in Deutschland, gefiltert von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber. Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, mit der famosen Tilda Swinton als Erzählwissenschafterin und dem superben Idris Elba als Flaschengeist, in der Regie des Mad Max-Masterminds George Miller? Das macht neugierig, das will man mit eigenen Augen sehen. Three Thousand Years of Longing geht dann auch recht vielversprechend los. Der Film gibt sich einen Gegenwartsrahmen, in welchem die Narratologin [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Känguru-Verschwörung, Einladung zum Märzengrund oder ins Alptraum-Anwesen und dreitausend Jahre Freiheitsbegehren. Die Kino-Neustarts in Deutschland, gefiltert von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, mit der famosen Tilda Swinton als Erzählwissenschafterin und dem superben Idris Elba als Flaschengeist, in der Regie des <em>Mad Max</em>-Masterminds George Miller? Das macht neugierig, das will man mit eigenen Augen sehen. <strong><em>Three Thousand Years of Longing</em></strong> geht dann auch recht vielversprechend los. Der Film gibt sich einen Gegenwartsrahmen, in welchem die Narratologin Alithea an einer literarischen Konferenz in Istanbul teilnimmt. Sobald der Geist aus der Flasche ist und Alithea ihre obligatorischen drei Wünsche frei hat, finden wir uns jedoch in einem erzähltechnisch aus der Zeit gefallenen und wie aus tausend und einer Nacht stammenden Filmmärchen – wenngleich der auf Freiheit sinnende Geist seine vergleichsweise wenigen Tage außerhalb der Flasche nicht im arabischen Wunderland, sondern im Reich der Osmanen zugebracht hat und es dementsprechend rustikal hergeht; ein Harem leinwandfüllender Schönheiten oder ein mörderischer Erbfolge-Murks sind nur zwei Beispiele des flapsig „Aladdin for Adults“ getaggten Spektakels.</p>
<p>Doch hier sind die mindestens drei Probleme, die <em>Three Thousand Years of Longing</em> aufwirft: Zum einen wird die ganze Zeit in Voice-over-Worten erzählt, was man ohnehin den Bildern entnehmen könnte (der Film traut also seinen eigenen Bildern zu wenig zu). Zum anderen hat keine der erzählten Unterfabeln das Gewicht, das es für eine Meta-Fabel über das Narrative an sich braucht. Und schließlich gibt es im generell abfallenden letzten Akt eine wohlmeinende, aber derart plumpe Vorschlusswendung, dass es einem noch die politisch korrektest gepflegten Zehennägel aufkringelt. Eine sich rasch zerstäubende Phantasie. (rs)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/TWGvntl9itE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" data-mce-fragment="1"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/TWGvntl9itE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" data-mce-fragment="1"></iframe></noscript></p>
<p>Das Känguru ist der vielleicht einzige anarchistische Volksheld, den die jüngere deutsche Literaturgeschichte kennt. Allseits beliebt, also weitgehend zumindest, und das obwohl linksradikal und mit der Begabung gesegnet, ideologischen Unsinn durch schlichte satirische Überspitzung kenntlich zu machen. Allein so ein Dialog: „&#8217;Ob Links- oder Rechtsterrorismus – da sehe ich keinen Unterschied&#8216;. &#8218;Doch, doch&#8216;, ruft das Känguru, &#8218;die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos sind schlimmer, denn es hätte meines sein können. Ausländer besitze ich keine.&#8217;“ Ein Auto besitzt das Känguru, ungebetener Mitbewohner und also Mietnomade, allerdings auch nicht, aber egal. Jedenfalls ist sowas mitunter klärender als so mancher Antirassismus-Workshop. Beim zweiten Känguru-Film, <strong><em>Die Känguru-Verschwörung</em></strong>, hat Marc-Uwe Kling, der Autor der Buchvorlage, zum ersten Mal selbst Regie geführt. Und er hat den Job auch nicht schlechter gemacht als Dani Levy beim recht vergnüglichen Vorgänger. Dieses Mal stehen Verschwörungstheoretiker im Zentrum. Das Känguru (gesprochen von Kling) und der verkrachte Kleinkünstler Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) fahren aus eher verwickelten Gründen zur Conspiracy Convention in Bielefeld und geraten dort mit dem Verschwörungstheoretiker Adam Krieger (Benno Fürmann) aneinander. Filmisch ist das alles nicht aufregend, aber nach den Chroniken ist auch die <em>Känguru-Verschwörung</em> wieder sehr lustig, und mit dem Herz am rechten, also linken Fleck.</p>
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<p>In<em><strong> Märzengrund</strong></em> zieht die Hauptfigur sich von ihrer Familie (und der ihm fremd vorkommenden Welt) auf den Berg zurück, statt den väterlichen Bauernhof zu übernehmen. Oberhalb der Baumgrenze sieht der Aussteiger sich den je nach Wetterlage wildromantischen oder überwältigend rauen Naturgewalten ausgesetzt – und findet Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen. Basierend auf einem Theaterstück von Felix Mitterer, welches wiederum auf der wahren Geschichte des Zillertalers Simon Koch basiert, schreitet Adrian Goiginger sicher am Grat zwischen Zivilisationskritik und Einsiedler-Naturromantik entlang und legt nach seinem zurecht umjubelten Debüt <em>Die beste aller Welten</em> einen soliden Zweitfilm vor – Mitterer schrieb am Drehbuch mit. Der Sound am Berg ist fabelhaft (wie übrigens auch in Peter Brunners <em>Luzifer</em>) und drei Erzählzeitebenen sind geschickt ineinander montiert, was über die stereotype Gestaltung der meisten Nebenfiguren hinwegsehen lässt. Jakob Mader als junger Bauernsohn ist eine Entdeckung, Verena Altenberger ist erfreulicher Weise wieder mit von der Partie, und zumal in der zweiten Hälfte überzeugt Johannes Krisch als Bergfex zwischen Altersleiden, Verbohrung, wehmütiger Vorstellungskraft und Reue. Ein Heimatfilm (wie <em>Märzengrund</em> <a href="https://www.fr.de/kultur/tv-kino/heimatfilm-maerzengrund-im-kino-vierzig-jahre-einsamkeit-91744567.html" target="_blank" rel="noopener">in dieser übertrieben strengen Kritik</a> genannt wird) sieht jedenfalls anders aus. (rs)</p>
<div class="video-wrap"><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load zeen-lazy-load-base zeen-lazy-loaded" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/HIYN0pe7aJs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" data-mce-fragment="1"></iframe><noscript><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-loaded" title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/HIYN0pe7aJs" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen" data-mce-fragment="1"></iframe></noscript></div>
<p>Es folgt was Rustikales, <em>Der weiße Hai </em>übertragen in ein Savannen-Setting. Und weil es in der Savanne wenig Wasser gibt, wird der Fisch in diesem Fall durch einen von Wilderern traumatisierten Löwen ersetzt, der Jagd auf einen Vater (Idris Elba) und seine beiden Töchter (Iyana Halley und Leah Jeffries) macht. <strong><em>Beast – Jäger ohne Gnade</em></strong> fackelt nicht lange, ist spannend, schnell vergessen und hilft, die Zeit bis zum nächsten <em>Predator</em>-Film zu überbrücken.</p>
<p>Eine weitere sehr effektive Aneinanderreihung von Horrorfilm-Standardsituationen bietet <strong><em>The Invitation</em></strong>, der in Österreich und Deutschland mit dem schon sagenhaft uninspirierten Untertitel <em>Bis dass der Tod uns scheidet </em>in die Kinos kommt. Das Regiedebüt der Drehbuchautorin Jessica M. Thompson ist eine klassisch strukturierte Be-careful-what-you-wish-for-Geschichte: Evies Mutter stirbt, und Evie (Nathalie Emmanuel) macht sich auf die Suche nach Verwandten, von denen sie nicht weiß, ob es sie gibt. Ein DNA-Test verrät ihr die Existenz eines Cousins, und wenig später findet sich Evie auf einem englischen Anwesen wieder, das direkt aus dem Handbuch der <em>gothic literature </em>entnommen sein könnte. Noch ein wenig später dann Vampire im Blutrausch. Mit diesem Film kann der Genre-Fan wenig falsch machen, das Rad neu erfunden wird hier aber auch nicht.</p>
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<p>Zwischendurch sei auf Ryusuke Hamaguchis Preziose <em><strong>Wheel of Fortune and Fantasy</strong></em> verwiesen, um die wir uns leider selbst nicht kümmern konnten. Kollege Holzapfel <a href="https://www.filmbulletin.ch/articles/wheel-of-fortune-and-fantasy-kritik" target="_blank" rel="noopener">meint</a> im Filmbulletin, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn er sagt, dass dieser Film noch besser sei als <em>Drive My Car </em>(für den Hamaguchi den Oscar erhielt, <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/stueck-fuer-stueck/">hier</a> unsere Kritik).</p>
<p>Die Kinovorschau dieser Woche enthält auch Schwermütiges: Eine Verlegerin (Isabelle Huppert in einer schon idealtypischen Isabelle-Huppert-Rolle) begibt sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit, ausgelöst durch die Begegnung mit einer Jugendliebe, die alles melancholisch einfärbt. Die Verlegerin erinnert sich an frühere Liebhaber, Enttäuschungen und Glücksmomente. Laurent Lariviéres <strong><em>À propos de Joan / Die Zeit, die wir teilen</em></strong> ist eine Seelenreise, die sich insgeheim Ingmar Bergmans <em>Wilde Erdbeeren </em>zum Vorbild genommen hat. Zusammengehalten wird die schlaglichtartige Erzählung eines Lebens aber weniger von konzeptueller oder formaler Stringenz als von den Schauspieler:innen, und hier vor allem von Huppert und Lars Eidinger.</p>
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<p>Zum Schluss ein Kinderfilm: In <strong><em>Tad Stones und die Suche nach der Smaragdtafel</em></strong>, dem dritten Teil der spanischen Kinderfilmreihe (nach <em>Tad Stones – Der verlorene Jäger des Schatzes!</em> und <em>Tad Stones und das Geheimnis von König Midas</em>), randaliert der Titelheld als Miniatur-Indiana-Jones erneut ungeschickt durch Ausgrabungsstätten. Dieses Mal geht es nach Ägypten, was dann auch Gelegenheit für viele Mumien-Witze bietet. Macht Spaß, tut nicht weh, auch beim dritten Mal. (Wird übrigens bei der nächsten Känguru-Verschwörung wohl auch nicht anders sein.)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/bis-dass-der-tod-uns-scheidet/">Bis dass der Tod uns scheidet</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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