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		<title>Passagiere der Nacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jan 2023 17:30:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Passagiere der Nacht, Todesfeen, Schweizer Unruh(e), krachlederne Macho-Action und der bezaubernde neue Film von Tizza Covi und Rainer Frimmel: Das Kinojahr beginnt mit einer herrlichen Mischung. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber. Martin McDonaghs Brügge sehen&#8230; und sterben gehört zu den schönsten Filmen des Jahres 2008. Humor, existenzialistische Philosophie und sehr berührende Momente gingen hier eine sehr besondere Mischung ein. Der Nachfolger 7 Psychos war vier Jahre später dann eine Riesenenttäuschung – ungut überdreht, überambitioniert und überladen in jeder Hinsicht. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Passagiere der Nacht, Todesfeen, Schweizer Unruh(e), krachlederne Macho-Action und der bezaubernde neue Film von Tizza Covi und Rainer Frimmel: Das Kinojahr beginnt mit einer herrlichen Mischung. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Martin McDonaghs <em>Brügge sehen&#8230; und sterben </em>gehört zu den schönsten Filmen des Jahres 2008. Humor, existenzialistische Philosophie und sehr berührende Momente gingen hier eine sehr besondere Mischung ein. Der Nachfolger <em>7 Psychos </em>war vier Jahre später dann eine Riesenenttäuschung – ungut überdreht, überambitioniert und überladen in jeder Hinsicht. Die Möglichkeiten sind also nach allen Seiten offen. <strong><em>The Banshees Of Inisherin</em></strong>, McDonaghs neuer Film, bietet mit Colin Farrell und Brendan Gleeson das gleiche Schauspielerduo wie <em>In Bruges</em>, und das macht berechtigt Hoffnung: dass nämlich die Geschichte um zwei langjährige Freunde, von denen einer die Freundschaft aufkündigt, ähnlich in die Tiefe geht wie McDonaghs Debüt und sein sehr gelungener <em>Three Billboards Outside Ebbing, Missouri</em>. Unsere Kritik zum Film folgt.</p>
<p><strong><em> <iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/uRu3zLOJN2c" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/uRu3zLOJN2c" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></em></strong></p>
<p><em>The Banshees Of Inisherin </em>spielt 1923, <strong><em>Unruh</em></strong> geht noch etwa ein halbes Jahrhundert weiter zurück. Der Schweizer Regisseur Cyril Schäublin hat in seinem zweiten Langfilm eine tatsächlich neue Weise entwickelt, von der Historie zu erzählen. In kontemplativen Bildern, in denen die Figuren eher am Rande stehen, entfaltet sich eine Momentaufnahme der Schweiz des späten 19. Jahrhunderts, als Anarchismus wie auch die nationalkonservative Bewegung an Fahrt aufnahmen. <a href="https://youtu.be/K4bdN-CRO00" target="_blank" rel="noopener">Hier</a> der Trailer, demnächst folgt ein Text zum bisherigen Werk von Cyril Schäublin.</p>
<p><strong><em>Passagiere der Nacht</em></strong> wiederum könnte einen ähnlichen Weg nehmen wie einst <em>Brügge sehen&#8230; und sterben</em>: ein kleiner Film, der sich über Mundpropaganda vom Geheimtipp zu einem Hit entwickelt. Zumindest wäre es ihm zu wünschen. Elisabeth (Charlotte Gainsbourg) wurde von ihrem Mann verlassen und sucht nach etwas, das sie am Laufen hält. Sie nimmt die obdachlose Talulah mit zu sich nach Hause, die sich in ihren Sohn Matthias (Quito Rayon Richter) verliebt. Regisseur Mikhaël Hers, hierzulande noch weitgehend unbekannt, ist ein melancholischer Film über Brüche und Trennungen gelungen, der an mindestens einer Stelle auf das Kino von Éric Rohmer verweist. Und das mit Recht. (<a href="https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-passagiere-der-nacht-von-mikhael-hers.html?nle_id=10776" target="_blank" rel="noopener">Hier</a> die Kritik des perlentaucher.)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/jU1bO0gxPiM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/jU1bO0gxPiM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p><strong><em>Operation Fortune </em></strong>ist dann alles andere als melancholisch. Die fünfte Zusammenarbeit von Regisseur Guy Ritchie und Jason Statham geht es gewohnt robust und krachledern an. Die Agentengeschichte wird vor allem getragen von einem sehr gut aufgelegten Cast (Josh Hartnett und Hugh Grant u.a.) und den gewohnt balletthaft choreografierten Actionszenen (<a href="https://youtu.be/qJ4N0OzEHXc" target="_blank" rel="noopener">hier</a> geht‘s zum Original-Trailer).</p>
<p>Tizza Covi und Rainer Frimmel sind ja nun wahrlich keine Unbekannten mehr in Südtirol und Österreich, wo sie herstammen. Nach einer ganzen Reihe wunderbarer Filme (<em>Aufzeichnungen aus der Unterwelt</em> z.B. erzählt in beredten Schwarzweißbildern vom Wien der 1960er Jahre und seinen Originalen) eröffneten sie die jüngste Viennale mit <strong><em>Vera</em></strong>, einem wie üblich zauberhaft an der Verwischgrenze zwischen Inszenierung und Wahrheit oszillierenden, berührenden Porträtjuwel. Im Zentrum: die Tochter der Italowesternlegende Giuiano Gemma. Ein filmfilter-Gespräch mit dem Regieduo finden Sie in unserem <a href="https://filmfilter.at/podcasts/">Podcast</a>. (rs)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/STs0-8Jdtiw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/STs0-8Jdtiw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der Kinderfilm des Monats ist eine Neuverfilmung. <strong><em>Belle &amp; Sebastian – Ein Sommer voller Abenteuer </em></strong>beginnt die <em>Belle &amp; Sebastian</em>-Reihe von neuem. Zuletzt startete der Zyklus 2013, mit dem Film von Nicolas Vanier, der zwei Sequels nach sich zog. Der spielte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und ließ den Jungen Sebastian und die Hündin Belle gegen Nazis kämpfen. Die Neuverfilmung <em>Belle et Sébastien: Nouvelle génération</em> von Pierre Coré spielt in der Gegenwart, lebt aber wie die Vorgänger von beeindruckenden Naturaufnahmen und dem Zusammenspiel von Kinderfigur und Tierheldin.</p>
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		<title>Punsch, Bowle oder Wodka?</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brief-aus-berlin/ein-woenziger-schluck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 16:00:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Brief aus Berlin, im Dezember. Wenn es um die von langer Hand vorbereiteten Großereignisse der Filmindustrie geht, die sogenannten Tentpole-Movies, dann ist Berlin natürlich auch nicht so viel anders als, sagen wir mal, Hintertupfingen – wobei Hintertupfingen wahrscheinlich gar kein Kino mehr hat, während die Leinwände in der Großmaulstadt Hunderte zählen. Jedenfalls wartet man hier wie dort wie im Rest der Welt auch ungeduldig auf die heißersehnte Fortsetzung von Avatar, die diese Woche endlich ins Kino kommt. Nein, falsch, vielmehr [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Brief aus Berlin, im Dezember. Wenn es um die von langer Hand vorbereiteten Großereignisse der Filmindustrie geht, die sogenannten Tentpole-Movies, dann ist Berlin natürlich auch nicht so viel anders als, sagen wir mal, Hintertupfingen – wobei Hintertupfingen wahrscheinlich gar kein Kino mehr hat, während die Leinwände in der Großmaulstadt Hunderte zählen. Jedenfalls wartet man hier wie dort wie im Rest der Welt auch ungeduldig auf die heißersehnte Fortsetzung von <em>Avatar</em>, die diese Woche endlich ins Kino kommt. Nein, falsch, vielmehr so: diese Woche kommt eine vollkommen überflüssige Fortsetzung von <em>Avatar</em> ins Kino. Sie kann nur überflüssig sein, wenn es sich um eine Fortsetzung handelt. Wir erinnern uns nur ungern, aber wir erinnern uns doch: 2009 brach das urfade, schwer pathetische und vor Ethno-Öko-Kitsch nur so triefende Bombasto-Werk zum großen Erstaunen nicht weniger vernunftbegabter Menschen alle verfügbaren Rekorde. Sogar die von <em>Titanic</em>, womit „the king of the world“ (vulgo: James Cameron) sich selbst überholte. Muss man ja auch erstmal fertigbringen. Das Fortsetzungsding heißt <strong><em>Avatar: The Way of Water</em></strong>, dauert die Kleinigkeit von dreieinviertel Stunden (der erste Teil brachte es auch schon auf über 160 endlose Minuten), erfordert das Tragen einer 3D-Brille und wird sich auf den Leinwänden ausbreiten wie ein blaugrüner Schimmelpilz; denn Weihnachten steht vor der Tür und das zugehörige Geschäft will gemacht werden.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/d9MyW72ELq0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/d9MyW72ELq0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Maverick/Tom Cruise allerdings wäre nicht Tom Cruise/Maverick, wenn er da nicht ein Wörtchen mitzureden hätte; <strong><em>Top Gun: Maverick</em></strong> setzt demnach zu einer zweiwöchigen Ehrenrunde durch die Kinos an und bietet das Kontrastprogramm: Testosteron-geschwängertes Haudrauf-Kino versus ganzheitliche Touchy-Feely-Action, Hauptsache, es kracht.</p>
<p>Und was machen die anderen? Die Freunde der Filmkunst, die romantisch Veranlagten, die Lärmempfindlichen, die Hollywoodallergiker? Die haben in Berlin zumindest eine Chance beziehungsweise mal wieder Glück gehabt, denn die hiesigen, ohnehin nicht eben wenigen Programmkinos bieten üppige Alternativen. So präsentiert beispielsweise das mittlerweile hochangesehene Festival „Around the World in 14 Days“ seit 2006 alljährlich im November/Dezember eine erlesene Auswahl hochkarätiger Arthouse-Perlen – für die allerdings z.B. fleißige Viennale-Besucher:innen nicht extra anreisen müssen, ist die Schnittmenge zwischen den dort und hier gezeigten Filmen doch beträchtlich. Sodann werden im Rahmen des Doc.Berlin Festivals im schönen alten Kino Babylon – das ist das mit der Kino-Orgel – 27 kurze und lange Dokumentarfilme zu sehen sein; darunter <strong><em>Berlin Bytch Love</em></strong> von Heiko Aufdermauer und Johannes Girke, im dem ein junges Ausreißer-Pärchen zwischen dem coolen Versprechen der Metropole und der Bitternis ihrer Wirklichkeit einen Weg finden muss.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/L_quKfnsxqA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/L_quKfnsxqA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Wer’s lieber realitätsfern-nostalgisch hat, kann sich am Weihnachtsmarkt im Nikolaiviertel den ganzen Monat über und für lau die gute alte <strong><em>Feuerzangenbowle</em></strong> anschauen und das titelgebende Getränk dazu schlürfen – aber aufgepasst!, nur einen „wönzigen Schluck“.</p>
<p>Ernsthaften Kinogeher:innen hingegen sei, passend zu den Temperaturen, ein Episodenfilm namens <strong><em>Sibirisch für Anfänger</em></strong> empfohlen. Sieben tragikomische Geschichten in lakonischer Tonlage setzen Stepan Burnashev und Dmitry Davydov, die den Film auch geschrieben und produziert haben, irgendwo in der Tundra in Szene, sozusagen für jeden Tag in der Woche eine, doch so etwas wie Sonntagsfrieden will sich in keiner von diesen einstellen. Denn in Sibirien ist es bekanntlich bitterbitterkalt und man muss sich wärmen, am besten von innen und bevorzugt mit Wodka. Das bleibt nicht ohne Folgen, führt Alkohol doch zur Enthemmung und nicht selten geschieht im Rausch, was nüchtern sodann tief bereut wird. Was uns zu den beiden zentralen Themen des Films bringt: Suff und Gewalt. Meisterlich motivisch verdichtet in jener Miniatur, die dessen Mittelachse bildet, und in der ein Dorfvorsteher sich todesmutig in ein bereits gewaltsam eskaliertes Verlobungs-Gelage begibt. Dann zwingt er den Übeltäter, der seine Verwandtschaft mit blindwütigem Gewehr-Gefuchtel in Angst und Schrecken versetzt, vermittels zahlloser Trinksprüche zum Komasaufen. Schon ist der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben und das Problem gelöst. Den tiefen Seufzer, der sich der Brust des Vorstehers am Ende entringt, den seufzen wir mit: Das, womit diese fernen Leute einander das Leben schwer machen, ist auch uns nur allzu bekannt. Und so gesehen ist die Welt dann doch recht klein.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/GmepGAIxXP0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/GmepGAIxXP0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Apropos Ferne und apropos klein: Ein weiterer Zwerg, der sich um den Riesen Avatar nicht schert und gleichermaßen in die Ferne, diesmal der Vergangenheit schweift, ist <strong><em>Annie Ernaux – Die Super-8 Jahre</em></strong>. Dafür zeichnet die jüngste Literaturnobelpreisträgerin gemeinsam mit ihrem Sohn David verantwortlich; er dauert eine knappe Stunde, umfasst kaum ein Jahrzehnt, reicht dafür aber tief in die Vergangenheit sowie die mit ihr verknüpften biografischen, soziologischen, politischen Bedeutungsräume. Gemeinsam mit ihrem Mann unternimmt die junge Lehrerin und Mutter in den siebziger und frühen achtziger Jahren unter anderem Reisen ins Chile Salvador Allendes, ins Albanien Enver Hoxhas, ins sowjetische Moskau. Es ist dies die Zeit, in der sie sich als Schriftstellerin findet, ihr schreiberisches Selbstverständnis entwickelt, ihr erstes Buch veröffentlicht. Das spätere Scheitern der Ehe, so die 1940 geborene Ernaux in ihrem von heute aus formulierenden, für sie typisch zwischen Analyse und Beschreibung wechselnden Kommentar, sei unvermeidlich gewesen. Denn die Zeiten waren, wie sie waren, und die Künstlerin, wie zu sehen ist, war gefangen in einem nach traditionellem Muster organisierten Lebensentwurf. Aus dem sie sich dann aber doch befreien konnte – und dies ist nicht die geringste Erkenntnis. <a href="https://youtu.be/BGff07BoAcs" target="_blank" rel="noopener">Hier geht‘s zum Trailer</a>.</p>
<h6>Der nächste Brief aus Berlin erscheint am 17. Januar.</h6>
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		<title>Bienenstock</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2022 15:00:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Superheld, ein Bienenstock, ein Tigernest, Kinder, Tiere und eine Komödie: die Neustarts in österreichischen Kinos abseits der Viennale. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber. Während Wiener Cinephile (bzw. dafür angereiste Gäste) sich an der bereits 60. Ausgabe der Viennale erfreuen – Direktorin Eva Sangiorgi wird trotz rezenter Mutterschaft immer wieder im Festivalwusel auftauchen –, vergessen wir nicht auf die wöchentlichen Regelkinostarts. Von der Filmtradition des Kosovo z.B. weiß man im deutschsprachigen Raum wenig bis gar nichts. Umso schöner, dass [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Superheld, ein Bienenstock, ein Tigernest, Kinder, Tiere und eine Komödie: die Neustarts in österreichischen Kinos abseits der Viennale. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Während Wiener Cinephile (bzw. dafür angereiste Gäste) sich an der bereits 60. Ausgabe der <a href="https://www.viennale.at/de" target="_blank" rel="noopener">Viennale</a> erfreuen – Direktorin Eva Sangiorgi wird trotz rezenter Mutterschaft immer wieder im Festivalwusel auftauchen –, vergessen wir nicht auf die wöchentlichen Regelkinostarts. Von der Filmtradition des Kosovo z.B. weiß man im deutschsprachigen Raum wenig bis gar nichts. Umso schöner, dass jetzt mit <strong><em>Hive </em></strong>das Langfilmdebüt der Regisseurin Blerta Basholli auch in österreichische Kinos kommt. <em>Hive</em> (<em>Bienenstock</em>) basiert auf der Lebensgeschichte der Kosovo-Albanerin Fahrije Hoti, und da die davon handelt, wie eine Frau nach dem Tod ihres Mannes selbstständig und Kraft der eigenen Hände Arbeit überleben muss, wird der Film im Rahmen der Gesellschaft, in der er spielt, sozusagen zwangsläufig zu einer Erzählung über Emanzipation und Gleichberechtigung. Fahrijes Mann wurde 1999 bei einem Massaker von Serben ermordet. Die Witwe (Yllka Gashi) muss ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, mit dem Verkauf von Ajvar. Die soziale Erwartung aber ist, dass sie auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Auf die Frage, wovon und wie man leben soll als alleinerziehende Mutter, hat die Dorfgemeinschaft keine Antwort. Nach und nach schließen sich mehr Frauen Fahrjie an, auch gegen die Widerstände der Männer des Dorfes. <em>Hive </em>erzählt davon, wie notgedrungene Emanzipation um sich greift und die Dinge verändert. Auf dem Sundance-Festival räumte Bashollis Film alle Preise ab, inzwischen steht er als kosovarischer Beitrag auf der Shortlist für die Oscar-Preisverleihung.</p>
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<p>Der Regisseur Jaume Collet-Serra hat ein Händchen für Filme, die einen nicht vom Hocker hauen, aber eben auch keine Sekunde langweilig sind. Ein Routinier, der dem 130. Liam-Neeson-Gekloppe zwar vielleicht keine Originalität, aber doch Tempo und Dynamik abpressen kann. Auch eine Ansammlung von Standardsituationen wie der Böse-Kind-Horror <em>Orphan </em>oder der wirklich sehr hübsche Hai-Film <em>The Shallows </em>machten durchweg Spaß. Jetzt hat Collet-Serra seine erste Riesenproduktion realisiert, <strong><em>Black Adam</em></strong>. Ein DC-Blockbuster mit einem der wenigen Superhelden aus dem hauseigenen Universum, die noch keine eigene Filmreihe bekommen haben. Dieser Superheld ist angenehm ambivalent: Dwayne Johnson agiert in der Titelrolle eher wie der Punisher als wie Superman. Und der Trailer verspricht nicht nur formvollendet inszenierte Action, sondern auch einige unverhoffte ästhetische Überdrehungen.</p>
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<p>Wesentlich familienfreundlicher: <strong><em>Lyle – Mein Freund, das Krokodil </em></strong>reiht sich ein in die schier endlose Abfolge von Kinderfilmen – von <em>Elliott das Schmunzelmonster </em>über <em>Free Willy </em>bis <em>Drachenzähmen leicht gemacht</em> –, in denen ein überdimensioniertes Tier der beste Freund eines Jungen wird. In <em>Lyle </em>ist es ein sehr detailliert animiertes Riesenkrokodil (im Original vom Popstar Shawn Mendes gesprochen), das singen und Klavier spielen kann, in eine sympathische Familie verpflanzt und von einem sinistren Nachbarn verfolgt wird. Eine weitere Variation des Motivs des imaginären Freundes, dieses Mal <a href="https://youtu.be/s0W6O7mSlaU" target="_blank" rel="noopener">mit viel Musik und Gesang</a>.</p>
<p>Und noch ein Tierfilm, diesfalls im realistischeren Modus: <strong><em>Die Legende vom Tigernest</em></strong>. Der Waisenjunge Balmani (Sunny Pawar) nimmt ein Tigerjunges auf, dessen Mutter von Wilderern erschossen wird. Es folgt die Flucht vor den Wilderern durchs Himalaya-Gebirge. Die Erwachsenen töten die Natur, die Kinder versuchen sie zu retten und zu bewahren. Diese Konstellation findet man im Kinderfilm nicht erst seit Fridays for Future, sondern nahezu seit Beginn des Genres. Regisseur Brando Quilici hat bislang ausschließlich Naturdokumentationen gedreht. In seinem ersten Spielfilm zeichnet er ein wirklichkeitsnäheres Bild von der Natur als viele vergleichbare Kinderfilme sonst (nicht nur im direkten Vergleich zu einem Klavier spielenden Krokodil). Wilde Tiere gehören in die Wildnis, die Natur ist keine Idylle, sondern dem Menschen gegenüber reichlich indifferent. Vermenschlicht wird in <em>Tigernest</em> nichts, was animalisch ist.</p>
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<p>Nach Ansicht von Sönke Wortmanns Komödie <strong><em>Der Nachname</em></strong> – am Filmtitel unschwer als Sequel des enorm erfolgreichen <em>Der Vorname</em> zu erkennen – wünscht man sich dann auch gleich in die Einöde, dorthin, wo es keine Verwandten hat. Wieder wird die dysfunktionale Familie Böttcher/Berger auf engem Raum zusammenpfercht, in einem Ferienhaus in diesem Fall, um sich nahezu von Beginn bis zum Ende des Films leidenschaftlich zu malträtieren und zu streiten. Dieses Mal ist die neue Beziehung von Mutter Dorothea (Iris Berben) Anlass für diverse Eskalationen. <em>Der Vorname </em>war, wie auch Sönke Wortmanns <em>Contra</em>, eine Variation einer französischen Vorlage. Die gibt es im Fall von <em>Der Nachname </em>nicht, und man ahnt, dass es nun vergleichsweise schematisch zugeht. Hat schon seine Gründe, dass Wortmann sich so gerne bei französischen Autoren bedient&#8230;</p>
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<p>Harter Schnitt und maximaler Kontrast: der Kinderfilm der Woche –<strong> <em>Die Mucklas und wie sie zu Pettersson und Findus kamen</em></strong><em>. </em>Sven Nordqvists<em> Pettersson und Findus</em>-Reihe hat, mitsamt den dazugehörigen Filmen, die inoffizielle Nachfolge von Astrid Lindgrens Bullerbü-Büchern angetreten. Eine ländliche Idylle voller ganz sanft verschrobener Figuren, in der alles friedfertig und gut ist. Erholung und Entspannung, auch für erwachsene Zuschauer:innen. Oder auch gerade für die. Regress allerorten.</p>
<p>Eine filmfilter-Besprechung von <em><strong>Illusions perdues / Verlorene</strong></em><strong> Illusionen</strong> <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-kunst-des-skandals/">finden Sie hier</a>, denn erstens handelt es sich dabei quasi um die Urmutter aller Fake-News-Stories (Zeitungsenten hießen die zu jener Zeit, in der der Film spielt), und zweitens hat Gérard Depardieu darin ein Faible für Ananas.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/bienenstock-2/">Bienenstock</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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