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		<title>Oskar und die Halbschatten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 19:30:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der schlimmste Mensch der Welt, Blutsauger und die Oskar-Werner-Retrospektive im Filmarchiv Austria. Von Alexandra Seitz und Roman Scheiber. Soweit das Auge reicht, von Joachim Triers Der schlimmste Mensch der Welt /Verdens verste Menneske sind alle schwer begeistert. Warum? Die Geschichte geht so: Julie, immerhin schon fast dreißig Jahre alt, versucht, endlich erwachsen zu werden und in ihrem Leben Fuß zu fassen. Sie braucht also einen Plan, in der Liebe wie im Beruf, und dergleichen ist bekanntermaßen schwierig. Also nicht das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der schlimmste Mensch der Welt, Blutsauger und die Oskar-Werner-Retrospektive im Filmarchiv Austria. Von Alexandra Seitz und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p>Soweit das Auge reicht, von Joachim Triers <strong><em>Der schlimmste Mensch der Wel</em><em>t</em> /<em>Verdens verste Menneske</em></strong> sind alle schwer begeistert. Warum?</p>
<p>Die Geschichte geht so: Julie, immerhin schon fast dreißig Jahre alt, versucht, endlich erwachsen zu werden und in ihrem Leben Fuß zu fassen. Sie braucht also einen Plan, in der Liebe wie im Beruf, und dergleichen ist bekanntermaßen schwierig. Also nicht das Pläneschmieden, sondern das Pläne-in-die-Tat-Umsetzen, auch das Daran-Festhalten gestaltet sich nicht immer einfach. Weil, immer pfuscht irgendetwas oder irgendjemand dazwischen, sei es das Schicksal oder Gott oder im Zweifelsfalle man selbst. Das ist hier nicht anders: Julie verliebt sich in Aksel und dann verliebt sie sich in Eivind – und dann steht sie wieder alleine da. Währenddessen versucht sie sich als Buchhändlerin, Kolumnenautorin, Fotografin. Das Glück schaut immer mal kurz vorbei, kann sich aber nicht zur Dauer entschließen – und so stellt sich eben die Frage nach den Fehlern und wo sie zu suchen sind.</p>
<p>Ja, das sehen Sie durchaus richtig, vom Thema her gesehen ist das ein alter Hut; von der schwungvollen und geradezu anti-pathetischen Umsetzung zeigt man sich nun aber gerade allgemein sehr angetan (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/auf-sich-selbst-blicken/">und auch unser Rezensent</a>). Es lässt sich also festhalten: Hier liegt ein klassischer Arthouse-Crowdpleaser vor, der auf bittersüße Weise von den Dingen des Lebens handelt und mit dem sich bestimmt ein Haufen Geld verdienen lässt. (zax)</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Vgfwks-E48U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Vgfwks-E48U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Wenn von Vampiren die Rede ist, sind damit manchmal Fledermäuse, im Kino-Zusammenhang jedoch zumeist Figuren in Filmen von <em>Nosferatu</em> bis <em>Twilight</em> gemeint – oder halt von <em>Only Lovers Left Alive</em> bis <em>A Girl Walks Home Alone at Night, </em>oder wie Sie wollen. Eine ganz andere Art von Vampiren hatte Karl Marx im Sinn, als er von den Ausbeutern der Arbeiterklasse schrieb, und auf so theorie- wie bissfeste Weise lotet das Julian Radlmaier (<em>Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes</em>) in seiner neuen Klassenkomödie <em><strong>Blutsauger</strong></em> aus, <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/der-v-effekt/">wir finden das witzig</a> und sehenswert.</p>
<p>Noch bis zum 22. Juni läuft im Filmarchiv Austria eine <strong>Retrospektive</strong> der Filme mit <strong>Oskar Werner</strong>. Von manchen wird der am 3. November 1922 in Wien als Oskar Josef Bschließmayer geborene und am 23. Oktober 1984 in Marburg an der Lahn als Legende verstorbene Film- und Bühnenschauspieler ja derart proskynetisch verehrt, dass die noch vor einer Büste ihres heiß geliebten Stars in die Knie gehen würden. Aber auch ohne ihn über jedes vernünftige Maß hinaus zu adorieren: Bei Oskar Werner handelt es sich zweifellos um einen der charismatischsten Akteure der österreichischen Filmgeschichte. Der Kurzpressetext zur Retro lautet:</p>
<p>„Zwischen 1947 und 1976 tritt Oskar Werner in 22 Filmen in Haupt- und Nebenrollen auf. 20 davon haben sich erhalten und werden mit dieser Schau nach langer Zeit wieder komplett auf die Leinwand gebracht. Neben österreichischen Klassikern wie <em>Der Engel mit der Posaune</em>, <em>Der letzte Akt</em> oder <em>Mozart</em> sind auch die Kultfilme <em>Jules et Jim</em> und <em>Fahrenheit 451</em> sowie die berühmten Hollywoodproduktionen<em> Ship of Fools</em>, <em>The Spy Who Came in from the Cold</em> und <em>The Shoes of the Fisherman</em> zu sehen. »Mit dem Theater bin ich verheiratet, der Film ist meine Geliebte«, beschreibt Werner einmal sein Verhältnis zum Kino. Eine Liebe, die in seinem Publikum bis heute weiterbrennt.“</p>
<figure id="attachment_7800" aria-describedby="caption-attachment-7800" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-7800" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner-300x169.jpg" alt="Oskar Werner Retro" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-7800" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-7800" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="Oskar Werner Retro" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/oskaer-werner.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> 100 Jahre Oskar Werner</figcaption></figure>
<p>Wer immer noch nicht den berühmten Columbo mit Oskar Werner gesehen hat: Die Folge heißt „Playback“, und mit jedem Mal Ansehen wird man weiterer herrlicher Details gewahr, und wer die Folge zum ersten Mal sieht – man muss nämlich kein Columbo-Fan sein, um sich das anzuschauen –, wird sehen: Auch hier ist der volle Oskar Werner drin, ohne jegliche TV-Krimi-Abzüge.</p>
<p>Diverse Führungen gibt es im Rahmen der <a href="https://www.filmarchiv.at/program/exhibition/100-jahre-oskar-werner/" target="_blank" rel="noopener">begleitenden Ausstellung</a> 100 Jahre Oskar Werner. Und auch im Rahmen des Sommerkinos „Kino wie noch nie“ (von 23. Juni bis 21. August) wird eine Auswahl der besten OW-Filme gezeigt.</p>
<p><a href="https://www.filmarchiv.at/program/retrospective/oskar-werner/" target="_blank" rel="noopener">Hier das gesamte Programm der Retro</a></p>
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		<title>Der V-Effekt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2022 17:00:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Julian Radlmaiers Vampirkomödie „Blutsauger“, mit Lilith Stangenberg in der Rolle eines gebildeten Fräuleins, überzeugt mit Witz, Marx und Theoriefestigkeit. „Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ So liest man es sich am Ostseestrand vor im Marx-Lesekreis, der Julian Radlmaiers sehr lustigen zweiten Langfilm Blutsauger eröffnet. Und dann natürlich gleich, es ist ein Marx-Lesekreis, das Festbeißen an einem Satz: Ob das denn nun eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Julian Radlmaiers Vampirkomödie „Blutsauger“, mit Lilith Stangenberg in der Rolle eines gebildeten Fräuleins, überzeugt mit Witz, Marx und Theoriefestigkeit.</em></p>
<p>„Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ So liest man es sich am Ostseestrand vor im Marx-Lesekreis, der Julian Radlmaiers sehr lustigen zweiten Langfilm <em>Blutsauger </em>eröffnet. Und dann natürlich gleich, es ist ein Marx-Lesekreis, das Festbeißen an einem Satz: Ob das denn nun eine Metapher sei oder ob nach Marx die Kapitalisten wirklich Vampire &#8230;</p>
<p>Der Lesekreis tendiert zu: Metapher. <em>Blutsauger </em>wiederum nimmt Marx beim Wort. Als die Fabrikantentochter Octavia Flambow-Jansen (Lilith Stangenberg) ihr schönes Gebiss in den Hals ihres in sie eh schon verliebten „persönlichen Assistenten“ („Diener“ soll man ihn nicht nennen, Octavia befürwortet das Moderne) Jakob (Alexander Herbst) versenkt, erfolgt die Bestätigung.</p>
<p>Radlmaier weiß, wenn man einen Film über kapitalistische Blutsauger, proletarische Lesekreise und in Fabrikantinnen verliebte Diener drehen will, der nicht lügt, geht das nicht mehr unmittelbar, sondern nur im Rückgriff auf die Tradition des revolutionären Kinos, die heute nicht einfach bruchlos weitergeführt werden kann. Das alles soll 1928 spielen, gleichwohl fährt Octavia mit einem eindeutig der Gegenwart zuordenbaren Motorrad an den Strand und auch sonst kommen die Zeitebenen schön ins Schillern. Ein Brecht’scher V-Effekt. Oder besser noch: das Zitat eines V-Effekts.</p>
<figure id="attachment_7758" aria-describedby="caption-attachment-7758" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=550%2C330&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-7758" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger-300x180.jpeg" alt="Stangenberg et al in: Blutsauger" width="550" height="330" /><figcaption id="caption-attachment-7758" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-7758" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=550%2C330&#038;ssl=1" alt="Stangenberg et al in: Blutsauger" width="550" height="330" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=300%2C180&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1024%2C615&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=770%2C463&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1536%2C923&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=500%2C300&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=293%2C176&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1400%2C841&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=390%2C234&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1320%2C793&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?w=1791&amp;ssl=1 1791w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Daniel Hoesl, Lilith Stangenberg, Aleksandre Koberidze</figcaption></figure>
<p>Die Figuren in <em>Blutsauger </em>sagen ihre Sätze auf, als würden sie sie ablesen, weitgehend ausdruckslos, und Schauspielerinnen wie eben Stangenberg oder Corinna Harfouch dabei zuzuschauen, wie sie sozusagen spielen wie sie ihre Figuren spielen, das macht schon großen Spaß.</p>
<p>Die eigentliche Hauptfigur ist der aus der Sowjetunion geflohene Schauspieler Ljowuschka (Aleksandre Koberidze), der in Eisensteins <em>Oktober </em>Trotzki spielen sollte, dann aber, die Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen, aus dem Film herausgeschnitten wurde, weil Stalin das so wollte. Besonders gut gefallen Ljowuschka die Pausen beim Dreh, und er verlässt die Sowjetunion, um in Hollywood groß rauszukommen. Er verliebt sich in die Gräfin, das Motorrad wird geklaut, der Marx-Lesekreis zerstreitet sich, geht aber am Ende dann doch noch mit dem Kleinbürgertum des Ostseeörtchens auf Vampirjagd.</p>
<p>Aber der Plot ist egal, <em>Blutsauger </em>geht es scheint&#8217;s vor allem darum, in einer Abfolge von Einzelszenen gemeinsam mit dem Zuschauer darüber nachzudenken, wie man nach dem notwendigen Scheitern des revolutionären Kinos (gescheitert, weil die Revolution ausgeblieben ist) noch im und mit dem Film über ein revolutionäres Kino nachdenken kann. Was man also heute, gröber gesagt, noch anfangen kann mit Eisenstein, Godard, und Straub/Huillet, vielleicht auch Fassbinder und eventuell auch Schlingensief (<em>Mutters Maske </em>wird Radlmaier wahrscheinlich gesehen haben). Ohne dabei die unfreiwillige Komik, die in der Geschichte dieses revolutionären Kinos immer wieder aufblitzt, zu negieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/G9ai61KOy40" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/G9ai61KOy40" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der erste Eindruck, den man schon bei Radlmaiers Langfilmdebüt <em>Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes </em>bekommen konnte, nämlich dass sich hier einer über diese Tradition lustig macht, täuscht. Eine deutschsprachige Komödie, die nicht auf Haha und Schenkelklopfen setzt, sondern den Witz ernst meint und den Ernst schnell komisch werden lässt – das ist mehr, als man sich eigentlich erhoffen kann. „Im Komischen blitzt etwas auf, da gelingt vielleicht eine Kombinatorik, wo etwas drin stecken könnte“, hat <a href="https://www.tip-berlin.de/kino-stream/filme/julian-radlmaier-blutsauger-interview/" target="_blank" rel="noopener">Julian Radlmaier im Interview</a> mit Bert Rebhandl erzählt. Und: „Ich würde heute schon sagen, im Marxismus steckt ein Erkenntnisweg drin.“ Auch in <em>Blutsauger </em>ist alles, was auf die Tradition des revolutionär gestimmten Kinos verweist, auch das Brecht’sche, gebrochen. Oft ironisch oder selbstironisch, aber, bei aller Komik, nicht ohne Melancholie angesichts dessen, was sich nicht realisieren ließ, und allem was schiefgegangen ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Blutsauger</strong><br />
<strong>Deutschland 2021, Regie</strong> Julian Radlmaier<br />
<strong>Mit </strong>Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alexander Herbst, Corinna Harfouch<br />
<strong>Laufzeit</strong> 125 Minuten</p>
<p>&nbsp;</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/der-v-effekt/">Der V-Effekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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		<title>Vom Bleiben und Verschwinden</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/vom-bleiben-und-verschwinden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 May 2022 14:00:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Aus dem Leben eines Träumers, der Albtraum einer traumatisierten Frau, eine letzte analoge Filmvorführung und aus dem Autofabriksleben Ausgestoßene in: „We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“. Wahrscheinlich ist Heinrich Vogeler (1872-1942) heutzutage vielen Menschen unbekannt. Um die Jahrhundertwende aber war der Zeitgenosse Rainer Maria Rilkes, Paula Modersohn-Beckers und Auguste Rodins, um nur einige zu nennen, ein erfolgreicher Künstler, der sich als Maler, Grafiker, Architekt, Designer, Pädagoge und Schriftsteller betätigte. (Neu-)Bekanntmachen kann man sich mit Vogeler – den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem Leben eines Träumers, der Albtraum einer traumatisierten Frau, eine letzte analoge Filmvorführung und aus dem Autofabriksleben Ausgestoßene in: „<em>We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“.</em></p>
<p>Wahrscheinlich ist Heinrich Vogeler (1872-1942) heutzutage vielen Menschen unbekannt. Um die Jahrhundertwende aber war der Zeitgenosse Rainer Maria Rilkes, Paula Modersohn-Beckers und Auguste Rodins, um nur einige zu nennen, ein erfolgreicher Künstler, der sich als Maler, Grafiker, Architekt, Designer, Pädagoge und Schriftsteller betätigte. (Neu-)Bekanntmachen kann man sich mit Vogeler – den die Zeitläufte vom Liebling des Bürgertums über den Dissidenten bis zum Exil-Künstler verschlugen – nun vermittels <strong><em>Heinrich Vogeler – Aus dem Leben eines Träumers</em></strong>, einem etwas durchgeknallten Biopic, das passenderweise flankierend zu einer umfassenden Jubiläumsausstellung in die Kinos kommt, die zum 150. Geburtstag Vogelers in den Museen des Künstlerdorfes Worpswede ausgerichtet wird. Inszeniert von Marie Noëlle (die 2019 mit <em>Marie Curie</em> angenehm auffiel) präsentiert sich <em>Heinrich Vogeler</em> als vogelwilde Mischung aus (hochkarätig besetzten) Spielszenen, Expert:innenkommentaren, historischem Material, fantastischen Einfällen – formalästhetisch mutig ebenso wie stofflich-thematisch umfassend und einem Manne angemessen, der sein Leben unverbrüchlich der Kunst widmete, der kontinuierlich um seine, um immer neue Ausdrucksformen rang und der sich um seine Zeitzeugenschaft nie drückte. Wiederentdeckung überfällig!</p>
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<p>Auf einem ihrer Wege durchs sommerliche Berlin gerät die Altenpflegerin Nico an die Falschen: drei Rassisten, die die Deutschperserin erst schikanieren und dann verprügeln. Unscharf aufblitzende Fragmente von Gewalt markieren fortan das Trauma, mit dem es Nico nach ihrem Erwachen im Krankenhaus zu tun bekommt. <strong><em>Nico</em></strong> ist das divers erzählte Gemeinschaftswerk von Regisseurin Eline Gehring, Kamerafrau Francy Fabritz und Produzentin und Hauptdarstellerin Sara Fazilat. Ihr Drehbuch handelt von den dramatischen Folgen eines gleichzeitigen Verlustes von Selbst- wie Weltvertrauen, hat dabei Raum für Improvisation und zeugt von formaler wie visueller Experimentierfreude. Denn der Weg, den die Titelheldin sich unter großen Schwierigkeiten aus der Einschüchterung zurück in ihr Dasein kämpft, folgt kaum chronologischer Ordnung; und braucht diese auch nicht, insofern die Schläge Nico aus Zeit und Raum katapultiert haben; was sich wiederum widerspiegelt in der äußerst geringen Tiefenschärfe der Handkamera-Bilder, in denen die Hauptfigur immer wieder wie ins Taumeln gerät. Fazilat bringt ihre Figur im wilden Wechsel von Stupor, Wut und Ratlosigkeit mit emotionaler Wucht auf den Punkt; beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 wurde sie dafür als Beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet.</p>
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<p>Was hat Bochum mit Detroit zu tun? Im Dezember 2014 wird das Opelwerk in Bochum geschlossen; zu diesem Zeitpunkt liegt die Muttergesellschaft General Motors in Detroit bereits am Boden und die Stadt ist quasi im Eimer. Aus beiden Städten wich mit der Autoindustrie ein zentraler Arbeitgeber und hinterließ nicht nur gigantische Industriebrachen, sondern auch die Herausforderung, der post-industriellen Welt eine lebenswerte Gestalt zu verleihen. <strong><em>We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden</em></strong>, von 2014 an über einen Zeitraum von sechs Jahren gedrehter Dokumentarfilm von Ulrike Franke und Michael Loeken, beobachtet die unterschiedlichen Strategien, mit denen Politik und Zivilgesellschaft auf den Strukturwandel reagieren, und wie sie auf unterschiedlichen Irrwegen ans gleiche Ziel gelangen: eine weitere Umdrehung der turbokapitalistischen Stellschraube im globalisierten Ausbeutungsgefüge. Da ein Detroit vergleichbarer Verfall im Herzen Deutschlands selbstverständlich nicht in die Tüte kommt, werden „Strukturprogramme“ aufgelegt, ein Industriedenkmal kurzerhand abgerissen, dafür aber eine quietschgelbe DHL-Paketzentrums-Blechbüchse errichtet, die ein paar hundert prekäre Jobs bietet. Derweilen in Detroit die einen zur Subsistenzwirtschaft wechseln und die anderen mit Immobilien spekulieren. Sentimentale Frührentner hier und Hipster dort. In flüssiger Montage flechten Franke und Loeken Ruhrgebiet und Rust Belt ineinander, so dass Ähnlichkeit wie Differenz zwanglos augenscheinlich werden. Freilich möchte man die Augen gerne sogleich wieder verschließen …</p>
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<p>Vom Bleiben und Verschwinden erzählt last but not least: <strong><em>Last Film Show</em></strong>. Der Verleih bewirbt <em>Das Licht, aus dem die Träume sind</em>, so der etwas pathetische deutsche Titel der indisch-französischen Koproduktion, die Pan Nalin in seiner Heimatregion Kathiawad in der Provinz Gujarat gedreht hat, als „Cinephilgood-Drama“. Eine Wortschöpfung, die der Sache – Nalins autobiografisch geprägter Rückschau auf seine cinephile Sozialisation – durchaus gerecht wird. Und Drama deswegen, weil gegen Ende die Digitalisierung auch in jenem entlegenen Kaff Einzug hält, in dem die herzerwärmende Geschichte rund um den kleinen Samay und dessen Liebe zum Kino angesiedelt ist. Da kommt es zu Szenen, die keine:n kalt lassen werden, der/die sich noch an das sanfte Rattern aus den Vorführräumen erinnern kann. Als die Computer, Beamer und DCPs Einzug halten, verfolgt der entsetzte Samay den Lastwagen, auf dem Projektor und Filmrollen abtransportiert werden, bis in die nächste Großstadt. Dort gehen in einem Recycling-Hof die Vorschlaghämmer gnadenlos auf die alten, verdienten Maschinen nieder und die Filmrollen werden in riesigen Bottichen eingekocht. Nicht nur Samay blutet da das Herz, auch der analog aufgewachsenen Zuschauerin werden die Augen feucht. Der Projektor wird sich in billige Löffel verwandeln und die Filmrollen in Armreifen aus Plastik. Aus der Zauber, willkommen schöne neue Welt!</p>
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<p>Als Appendix noch ein Hinweis auf einen weiteren Neustart, der nicht unter den Desktop fallen sollte, wir zitieren Juliane Liebert aus SZ.de:</p>
<p>Für links halten sich sicher viele Regisseure in Deutschland. Was sie darunter verstehen, bleibt aber in der Regel diffus. Julian Radlmaier ist anders. Bei ihm hängt „Das Kapital“ vermutlich als zerfledderte Leseausgabe neben dem Klopapier, findet sich unterm Kopfkissen und im Strandgepäck. Insofern ist es nur folgerichtig, dass er mit <strong><em>Blutsauger</em></strong> eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=G9ai61KOy40" target="_blank" rel="noopener">marxistische Vampirkomödie</a> abliefert – auch Untote haben ein Anrecht auf Sommerurlaub! (Eine filmfilter-Kritik folgt zum Österreich-Kinostart.)</p>
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