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		<title>Mom, I just won an Oscar!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Mar 2023 18:30:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Oscars 2023: vom Flüchtlingsboot nach Hollywood. Der Amerikanische Traum wurde für tot erklärt, doch sieht man sich die 95. Oscars an, ist er lebendiger denn je – zumindest in der Traumfabrik. Niemand wurde bei den diesjährigen Oscars gewatscht, und auch sonst gab es keine ungeplante Action. Nein, hier lief alles glatt. Der Teppich war nicht rot, sondern schön champagnerfarben, und das Bühnenbild war makellos in vergoldeten Glamour im Great-Gatsby-Stil eingetaucht. F. Scott Fitzgeralds reueloser Romantiker Jay Gatsby mag am American [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Oscars 2023: vom Flüchtlingsboot nach Hollywood. Der Amerikanische Traum wurde für tot erklärt, doch sieht man sich die 95. Oscars an, ist er lebendiger denn je – zumindest in der Traumfabrik. </em></p>
<p>Niemand wurde bei den diesjährigen Oscars gewatscht, und auch sonst gab es keine ungeplante Action. Nein, hier lief alles glatt. Der Teppich war nicht rot, sondern schön champagnerfarben, und das Bühnenbild war makellos in vergoldeten Glamour im <em>Great-Gatsby</em>-Stil eingetaucht. F. Scott Fitzgeralds reueloser Romantiker Jay Gatsby mag am American Dream gescheitert sein, aber Sonntagabend wurden in Hollywood wieder einmal Träume wahr und die Gewinner:innen wollten, dass wir das auch spüren.</p>
<p>Michelle Yeoh gewann einen verdienten Oscar als beste Hauptdarstellerin in <em>Everything Everywhere All at Once</em> und begann ihre Rede damit, dass sie „ein Leuchtfeuer der Hoffnung“ für alle Buben und Mädchen sei, die aussehen wie sie. „Das ist der Beweis, dass Träume wahr werden.“ Die 60-jährige Malaysierin, in Asien längst ein Mega-Star, spielt eine chinesische Waschsalonbesitzerin in Amerika, die zur Superheldin wird und am Ende sogar ihre Steuern zahlen will! Die sieben Oscars, die das Mid-Budget-Indie-Movie der „Daniels“ gestern Abend abräumte, waren eine wichtige Wertschätzung der asiatisch-amerikanischen Kultur und des Lebens von Einwanderern in Amerika.</p>
<p>„This is the American dream!“ (in der besten Art von Multiversum ist es das wahrscheinlich), rief der in Vietnam geborene Ke Huy Quan, nachdem er als bester Nebendarsteller im selben Film ausgezeichnet worden war. Als Bootsflüchtling sei er in Amerika angekommen, jetzt stehe er auf Hollywoods größter Bühne: „Mama, ich habe gerade den Oscar gewonnen!“ schrie er ins Mikrofon.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/zFRIu7ehZl0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/zFRIu7ehZl0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Bei ihrer Mutter bedankte sich auch seine Filmkollegin Jamie Lee Curtis unter Tränen und widmete ihren Award als beste Nebendarstellerin ihren verstorbenen Eltern Tony Curtis und Janet Leigh, die nie einen Oscar bekamen, für ihre Rollen in <em>The Defiant One</em> (1958) und <em>Psycho</em> (1960) aber wohl einen verdient hätten.</p>
<p>Brendan Fraser nahm den Preis als bester Hauptdarsteller für die Rolle eines sterbenden, übergewichtigen, homosexuellen Lehrers in Darren Aronofskys Drama <em>The Whale</em> entgegen. Der 54-jährige Schauspieler, der um die Jahrtausendwende mit dem Abenteuerfilm <em>The Mummy</em> zum Star wurde, verschwand in einem Karriereloch (Metoo avant la lettre), aber Hollywood hat schon oft bewiesen, wie sehr es auf ein gutes Comeback steht.</p>
<p>Diese großen Gewinner der Oscars 2023 standen größtenteils im Voraus fest. Der Sieg von <em>Everything Everywhere All at Once</em> für den besten Film war in Stein gemeißelt, bevor der Abend begann, es mangelte also ein wenig an Spannung. Für so einen erwartbaren Verlauf der Show wäre dann auch kein Krisenteam (das heuer für unerwartete Katastrophen wie Will Smiths Ohrfeige eingestellt wurde) nötig gewesen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/wxN1T1uxQ2g" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/wxN1T1uxQ2g" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die Show begann damit, dass Moderator Jimmy Kimmel nach einer kurzen <em>Top-Gun</em>-Parodie buchstäblich mit dem Fallschirm auf der Bühne landete. Er hat die Oscar-Ohrfeige des vergangenen Jahres nicht gescheut, aber er hat sich auch nicht allzu lange damit aufgehalten. Wer auch immer diesmal Gewalt anwende, so der Moderator: „Sie erhalten den Oscar für den besten Schauspieler“.</p>
<p>Natürlich hat niemand Gewalttaten begangen an diesem Abend oder sonst etwas Außergewöhnliches getan. Die ABC-Muttergesellschaft Disney hat schamlos Werbung für ihre Live-Action-Version von <em>The Little Mermaid</em> gemacht, der Esel aus <em>The Banshees of Inisherin</em> (oder ein Esel, der den Esel spielt) erschien auf der Bühne, und David Byrne wedelte mit entzückenden Würstel-Fingern herum. Musikalischer Höhepunkt des Abends war aber zweifelsohne der Schnipsel aus „Top of the World“, gesungen vom Komponisten M.M. Keeravani, als „Naatu Naatu“, der Filmsong aus dem indischen Action-Epos <em>RRR</em> einen Oscar gewann. Für einen der emotionalsten Momente an diesem sonst recht realitätsfremden Abend sorgte Julija Nawalnaja, die Ehefrau des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, die den Preis für <em>Navalny </em>als besten Dokumentarfilm entgegen nahm.</p>
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<p>Play it safe war also das Motto der Oscars 2023 und so fühlte sich der ganze Abend an: gut geölt und komplett programmiert. Das ist beim Live-Fernsehen aber ein Problem: Wenn nichts Unerwartetes passiert (außer vielleicht, dass Hugh Grant sein Gesicht als Hodensack bezeichnet), kann man nur mit den Achseln zucken.</p>
<p>Ob es gereicht hat, den <a href="https://www.statista.com/statistics/253743/academy-awards--number-of-viewers/" target="_blank" rel="noopener">freien Fall der Einschaltquoten</a> aufzuhalten, lässt sich noch nicht abschätzen. Da die Aufmerksamkeitskonkurrenz immer stärker wird und die Menschen zentrifugal von Oldschool-Kulturveranstaltungen wegzieht, kann die Existenzkrise der Oscars ohne weitere Runderneuerung nicht abgesagt werden. Weder Ohrfeigen noch die Träumer dieser Welt werden dafür sorgen.</p>
<p>Trotzdem kann man es schön finden, wie Mut, Risiko und Ausdauer belohnt werden können. „Wenn Filmhistoriker auf die 95. Oscar-Verleihung zurückblicken, könnten sie dies als den Beginn eines neuen New Hollywood markieren“,<a href="https://www.nytimes.com/live/2023/03/12/movies/oscars-academy-awards" target="_blank" rel="noopener"> schrieb Brooks Barnes</a> von der New York Times.</p>
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		<title>Multiverse of Cinema</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2022 16:00:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kinostarts der Woche sind im Vergleich zu Deutschland kümmerlich, beweisen aber, wie alles zusammenhängt: Nicht nur Benedict Cumberbatch, sondern auch der Titelheld des Dokumentarfilms „Nawalny“ befindet sich ja irgendwie im Multiverse of Madness eines seltsamen Doktors. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber. Doctor Strange in the Multiverse of Madness ist der seit seinen drei Spiderman-Filmen erste Ausflug von Regisseur Sam Raimi ins Marvel-Universum. Immerhin 15 Jahre hat er sich damit Zeit gelassen. Raimi, der auch dicke Studioproduktionen routiniert mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kinostarts der Woche sind im Vergleich zu Deutschland kümmerlich, beweisen aber, wie alles zusammenhängt: Nicht nur Benedict Cumberbatch, sondern auch der Titelheld des Dokumentarfilms „Nawalny“ befindet sich ja irgendwie im Multiverse of Madness eines seltsamen Doktors. Von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p><strong><em>Doctor Strange in the Multiverse of Madness</em></strong> ist der seit seinen drei <em>Spiderman</em>-Filmen erste Ausflug von Regisseur Sam Raimi ins Marvel-Universum. Immerhin 15 Jahre hat er sich damit Zeit gelassen. Raimi, der auch dicke Studioproduktionen routiniert mit einer eigenen, sozusagen über die Maßgaben von Blockbuster-Inszenierungen hinausschießenden Handschrift versehen kann, scheint sich auch trotz Franchise-Logik und FSK-12-Altersbeschränkung wieder ausgetobt zu haben.</p>
<p>Eine Durchsicht der ersten Kommentare aus dem (neuerdings wegen eines illustren Käufers <a href="https://futurezone.at/digital-life/bill-gates-ueber-elon-musk-twitter-uebernahme-skepsis-falschinformationen/401997576" target="_blank" rel="noopener">in die Schlagzeilen</a> geratenen) Twitter-Multiverse lässt sich mit „the weirdest, grossest Marvel movie yet“ zusammenfassen. Kann man also auch, wenn man dem MCU ansonsten desinteressiert gegenübersteht, durchaus probieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/8bpZg8V3Onk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/8bpZg8V3Onk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Aus dem Twitter-Multiverse in das Multiverse eines wahnsinnigen Doktors bzw. in die Realität eines Dokumentarfilms, der politisch Stellung bezieht: 2020 wird der russische Oppositionelle Alexej Nawalny vergiftet. Er überlebt den Anschlag und geht zurück nach Russland, wo er heute im Gefängnis sitzt.</p>
<p>Nawalny hat den Kampf gegen Korruption und gegen die Regierung Putins mit russischem Nationalismus verbunden und ist einer der wirkmächtigsten Kreml-Gegner. Nun erzählt der Dokumentarfilm <strong><em>Nawalny </em></strong>erwartbarer Weise nicht mehr, als man aus der Berichterstattung zu Nawalny und vor allem zu dem Giftanschlag längst wissen könnte. Aber Regisseur Daniel Roher schneidet sein Material – Interviews und Archiv-Aufnahmen – so rasant aneinander, dass <em>Nawalny </em>wie ein Polit-Thriller durch die Netzhaut hämmert.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/R9HwgUng00s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/R9HwgUng00s" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Weitere Starts, neben der Neuauflage von <em>Biene Maja</em> (die in ein paar Jahren immerhin ihren Fünfziger feiern wird), kommen aus Österreich: Als „Independent-Film“ kann man das Regiedebüt von Marion Mitterhammer sehen, die mit ihrem (Kamera-)Mann Hans-Günther Bücking einen Ausbruchsversuch samt Geiselnahme in der Grazer Karlau 1996 fiktionalisiert hat: <strong><em>Taktik</em></strong> hat immerhin den beliebten Tatort-Kommissar Harald Krassnitzer und u.a. Mitterhammer selbst in Hauptrollen aufzubieten.</p>
<p>Ebenfalls bald seinen Fünfziger feiert und bekanntlich ebenfalls gern am Tatort Graz tätig ist Michael Ostrowski, laut seinem Wikipedia-Eintrag geboren als Michael Stockinger. In <em><strong>Der Onkel – The Hawk</strong></em>, seiner nach dem Glawogger-Vermächtnis <em>Hotel Rock’n’Roll</em> zweiten (Ko-)Regiearbeit gibt er selbst den vermutlich so lustigen wie geschmacklosen Titelhelden. Hilde Dalik und Simon Schwarz, Gerhard Polt und Anke Engelke, Model Barbara Meier und ein paar von Ostrowskis Kindern sind auch mit von der Partie. Wer den Comedy-Profi und seinen Brachialhumor mag, kommt sicherlich auf seine Kosten.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/IuqFRqbjYe4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/IuqFRqbjYe4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Slow Cinema, Multiverse</title>
		<link>https://filmfilter.at/kinovorschau/slow-cinema-multiverse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2022 15:00:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Kino ist die vielfältigste Kunstform, immer noch. Die Kinostarts der Woche beweisen es: Von „Memoria“ zu Dr. Strange im verrückten Multiverse, von Susan Sontag bis „Nawalny“, von iranischem Kinderkino bis zu einem Western im bayerischen Dialekt. As slow as possible: Apichatpong Weerasethakul hat in seinem neuen Film Memoria wieder äußerst sanfte, unterschwellig gespannte, bedeutungsoffene Bilder konstruiert, die Szenen gedehnt und in einen äußerst losen Plot-Zusammenhang gebracht. Der Film handelt, vielleicht, von Erinnerung, eigentlich aber von dem traumartigen Zustand der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Kino ist die vielfältigste Kunstform, immer noch. Die Kinostarts der Woche beweisen es: Von „Memoria“ zu Dr. Strange im verrückten Multiverse, von Susan Sontag bis „Nawalny“, von iranischem Kinderkino bis zu einem Western im bayerischen Dialekt. </em></p>
<p>As slow as possible: Apichatpong Weerasethakul hat in seinem neuen Film <strong><em>Memoria </em></strong>wieder äußerst sanfte, unterschwellig gespannte, bedeutungsoffene Bilder konstruiert, die Szenen gedehnt und in einen äußerst losen Plot-Zusammenhang gebracht. Der Film handelt, vielleicht, von Erinnerung, eigentlich aber von dem traumartigen Zustand der Figuren, die in der Welt sind, aber irgendwie auch nicht, nicht mehr. Zuschauerin und Zuschauer geht es während des Schauens ähnlich, zumindest wenn sie sich in die freischwebende Aufmerksamkeit fallen lassen können, die nötig ist, um diese Bilder angemessen prozessieren zu können. Dem Rezensenten von Tag24.de ist es <a href="https://www.tag24.de/unterhaltung/kino-news/filmkritik/memoria-mit-tilda-swinton-ein-reinfall-2421936" target="_blank" rel="noopener">nicht gelungen</a>: „Nur, wer mit solchen schnarchigen Dramen [gemeint sind Terrence Malicks <em>The Tree of Life </em>und Lars von Triers <em>Melancholia</em>] etwas anfangen kann, wird auch mit <em>Memoria</em> seinen Spaß haben können. Alle anderen dürfte der Film schnell verlieren. Ihn aufmerksam zu verfolgen, ist aufgrund des unsäglich schleppenden Erzähltempos wahrlich eine große Herausforderung, die nur sehr, sehr geduldige Menschen meistern dürften.“ <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/provokation-oder-privileg/">Unsere Kritik</a> kann dabei helfen, das Slow Cinema als das zu verstehen, was es ist: eine Haltung zur Welt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/msM5N6Rf_FQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/msM5N6Rf_FQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Wer bei Einstellungen, die länger als zehn Sekunden äußerlich unbewegt bleiben, einschläft, präferiert bestimmt <strong><em>Doctor Strange in the Multiverse of Madness</em></strong> – der seit seinen drei <em>Spiderman</em>-Filmen erste Ausflug von Regisseur Sam Raimi ins Marvel-Universum, also seit 15 Jahren. Raimi, der auch dicke Studioproduktionen routiniert mit einer eigenen, sozusagen über die Maßgaben von Blockbuster-Inszenierungen hinausschießenden Handschrift versehen kann, scheint sich auch trotz Franchise-Logik und FSK-12-Altersbeschränkung wieder ausgetobt zu haben.</p>
<p>Eine Durchsicht der ersten Kommentare aus dem (neuerdings wegen eines wahnwitzigen Käufers <a href="https://futurezone.at/digital-life/bill-gates-ueber-elon-musk-twitter-uebernahme-skepsis-falschinformationen/401997576" target="_blank" rel="noopener">in die Schlagzeilen</a> geratenen) Twitter-Multiverse lässt sich mit „the weirdest, grossest Marvel movie yet“ zusammenfassen. Kann man also auch, wenn man dem MCU ansonsten desinteressiert gegenübersteht, mal probieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/8bpZg8V3Onk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/8bpZg8V3Onk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Aus dem Multiverse in die Realität eines Dokumentarfilms, der politisch Stellung bezieht: 2020 wird der russische Oppositionelle Alexej Nawalny vergiftet. Er überlebt den Anschlag und geht zurück nach Russland, wo er heute im Gefängnis sitzt. Nawalny hat den Kampf gegen Korruption und gegen die Regierung Putins mit russischem Nationalismus verbunden und ist einer der wirkmächtigsten Kreml-Gegner. Der Film <strong><em>Nawalny </em></strong>erzählt nicht mehr, als man aus der Berichterstattung zu Nawalny und vor allem zu dem Giftanschlag schon wissen kann. Aber Regisseur Daniel Roher schneidet sein Material – <a href="https://www.youtube.com/watch?v=R9HwgUng00s" target="_blank" rel="noopener">Interviews und Archiv-Aufnahmen</a> – so rasant aneinander, dass sich <em>Nawalny </em>wie ein Polit-Thriller weggucken lässt.</p>
<p>Wesentlich spartanischer und reflexiver ist der Dokumentarfilm <strong><em>Als Susan Sontag im Publikum saß</em></strong>, der eine Podiumsdiskussion aus dem Jahre 1971 in der New Yorker Manhattan Town Hall nicht dokumentiert, sondern sozusagen nachspielt, in Form einer szenischen Lesung. Wenn das also ein Dokumentarfilm ist, dokumentiert er diese szenische Lesung. Es diskutierten damals Germaine Greer, Jill Johnston, Jaqueline Ceballos und Diana Trilling mit Norman Mailer, der Titel der Veranstaltung war „A Dialogue of Women’s Liberation“. Und im Publikum saß Susan Sontag. Außerdem dokumentiert Regisseur RP Kahl, der hier außerdem Norman Mailer spielt, die Proben vor der Lesung. So gehen im Re-Enactment und den Diskussionen der Schauspieler:innen die Geschichte der feministischen Bewegung mit gegenwärtigen Geschlechterkämpfen zusammen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/gbzKGJo4q28" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/gbzKGJo4q28" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der iranische Film <strong><em>Sun Children </em></strong>verbindet Drama, Abenteuerfilm und Sozialrealismus, und das sehr überzeugend. Regisseur Majid Majidi inszeniert die Geschichte von vier Straßenkindern in Teheran, die unter einer Schule nach einem Schatz suchen, mit Tempo, Witz und einem guten Gespür für seine überzeugenden Kinderdarsteller. <strong><em>Sun Children </em></strong>wurde bereits 2020 in Venedig im Wettbewerb gezeigt. Der Rezensent des „Screen Daily“ sah einen lebendigen, intensiven, aber auch sehr didaktischen Film, der „das Herz am rechen Fleck hat“.</p>
<p>Zum Schluss noch ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q16sJXIqItg" target="_blank" rel="noopener">Western im bayerischen Dialekt</a>. <strong><em>Hopfen, Malz und Blei </em></strong>von Regisseur Mark Lohr, der auch den Schnitt, Teile des Drehbuchs und die Kamera übernommen hat, wurde 2021 in den bayerischen Wäldern während des Lockdowns gedreht, und der Spaß, den die Schauspieler:innen und alle übrigen Beteiligten beim Dreh hatten, kann man dem Film ansehen. Ob er sich ohne Weiteres bis ins Publikum überträgt, ist die Frage. Jedenfalls ist der Bezug, den <em>Hopfen, Malz und Blei </em>zu seinem Genre herstellt, ein durchweg ironischer, und das Ergebnis punktuell immer wieder schöner Unfug. Der Film lief im November bereits kurz in den Kinos, wurde dann wegen der schwindenden Zuschauerzahl unter 2G-Bedingungen wieder rausgenommen, jetzt kommt der zweite Versuch.</p>
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