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		<title>Komische Liebeserklärung</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/final-cut-of-the-dead/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2023 15:00:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Final Cut of the Dead“: gutgelaunte japanische Spielerei mit dem Zombie-Genre, in gutgelaunter französischer Bearbeitung von Oscar-Preisträger Michel Hazanavicius. Remakes laden zwangsläufig zum Vergleich mit dem Original ein. Und Filme über Filme können furchtbar anstrengend sein. Der Regisseur Michel Hazanavicius bemüht sich in seinem Meta-Kino mit einer auch schon wieder spürbaren, naja, Anstrengung darum, seine Reflexionen der Geschichte seines Mediums leicht und schwebend zu machen. Und komisch. Nach seiner Hommage an die Stummfilm-Ära The Artist, die als Kritikerfilm wie auch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Final Cut of the Dead“: gutgelaunte japanische Spielerei mit dem Zombie-Genre, in gutgelaunter französischer Bearbeitung von Oscar-Preisträger Michel Hazanavicius.</em></p>
<p>Remakes laden zwangsläufig zum Vergleich mit dem Original ein. Und Filme über Filme können furchtbar anstrengend sein. Der Regisseur Michel Hazanavicius bemüht sich in seinem Meta-Kino mit einer auch schon wieder spürbaren, naja, Anstrengung darum, seine Reflexionen der Geschichte seines Mediums leicht und schwebend zu machen. Und komisch. Nach seiner Hommage an die Stummfilm-Ära <em>The Artist</em>, die als Kritikerfilm wie auch als Crowdpleaser gleichermaßen gut funktionierte, und seinem besten Film, der liebevollen Godard-Verarsche <em>Godard Mon Amour</em>, hat Hazanavicius jetzt einen Zombiefilm gedreht.</p>
<p>Jetzt ist das Zombie-Genre an sich schon eine zitat- und anspielungsreiche Angelegenheit und darin, also in der juxverliebten Dauerironie (die sich spätestens seit <em>Shaun of the Dead </em>breitgemacht hat) etwas erschöpfend. Erst recht, wenn die Vorlage für das Remake eine ist, die selbst schon als gutgelaunte Meta-Spielerei konstruiert wurde. Der Reihe nach: 2017 erschien der japanische Film <em>One Cut of the Dead</em>, der von den Dreharbeiten am Set eines offenbar eher kostengünstig produzierten Zombiefilms handelt. <em>One Cut of the Dead</em> beginnt mit einer fast halbstündigen Plansequenz, und kurz bevor man abschalten will, weil man denkt, das Gehampel und Durcheinandergeschreie geht jetzt noch eine Stunde so weiter, wechselt die Ebene, und wir sehen die Vorbereitungen zum Dreh. Und dann, als Finale, den chaotischen Dreh selbst, also den Dreh, mit dessen Resultat der Film beginnt. Was im Ergebnis dann eine punktuell sehr komische und durchgängig von Herzen kommende Liebeserklärung an den Genrefilm im Allgemeinen und an enthusiastische, vom Sparzwang und von eigenen Unvermögen gebeutelte Filmcrews im Besonderen ergibt.</p>
<p>Das Remake <em>Final Cut of the Dead</em> nimmt den Originalfilm mit in seine filmische Welt hinein. Der semi-erfolgreiche Regisseur Rémi (Romain Duris) bekommt den Auftrag, für ein französisches Streaming-Portal einen erfolgreichen japanischen Zombiefilm nachzudrehen. Als Livestream, zu allem Unglück. Die Produzentin der ganzen Misere wird von derselben Schauspielerin wie in <em>One Cut of the Dead</em> gespielt. <em>Final Cut of the Dead </em>lässt Witze über die angeblichen und tatsächlichen Unterschiede zwischen japanischem und französischen Filmverständnis immer mal wieder mitlaufen, aber das ist nicht die Hauptquelle des Humors.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/EvTLEws8SYw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/EvTLEws8SYw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der Humor speist sich aus den Turbulenzen, die entstehen, wenn ein verunsicherter Regisseur, seine cholerische Ehefrau (gespielt von Michel Hazanavicius&#8216; Ehefrau Bérénice Bejo), ein narzisstisch mittelschwer gestörter Jungstar (Finnegan Oldfield), ein alkoholkranker Schauspieler (Grégory Gadebois) und ein paar weitere versprengte Gestalten versuchen, unter Aufsicht der Geldgeber eine live übertragene Plansequenz zu drehen. Mit allem was dazugehört: Durchfall, Kotze, Vater-Tochter-Konflikt.</p>
<p>Das ist alles sehr vergnüglich, und wer sein französisches Kino gerne geschmackvoll hat, kann den Fäkalhumor über die mittels Ton und Bild ununterbrochen ausgestellte Cleverness ausgleichen. Der Versuch, über die Vater-Tochter-Beziehung so etwas wie emotionale Tiefe herzustellen, ohne Ironie und Meta-Ironie, versandet dagegen eher. Das hatte das japanische Original dann auch, von zwei Momenten abgesehen, schön bleiben lassen und sich auf Slapstick und Geschrei konzentriert. Bei Michel Hazanavicius wiederum funktioniert der Erzählstrang mit dem schnöseligen Jungschauspieler besser, schon weil man so eine Figur einem französischen Schauspieler eher abnimmt als einem japanischen. Jahrelang eingeübten Klischees und Vorurteilen sei Dank.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Final Cut of the Dead</strong><br />
<strong>Frankreich 2022, Regie</strong> Michel Hazanavicius<br />
<strong>Mit</strong> Romain Duris, Bérénice Bejo, Grégory Gadebois, Finnegan Oldfield<br />
<strong>Laufzeit</strong> 110 Minuten</p>
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		<title>Wie viel Meta geht noch?</title>
		<link>https://filmfilter.at/sofa-surfer/wie-viel-meta-geht-noch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jun 2022 14:00:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Remake eines Films über die Neuverfilmung eines Films („Irma Vep“ auf Sky), eine Superhelden-Satire („The Boys“ auf Prime Video), eine Fassbinder-Hommage (LaCinethek). Und zwei schöne Filme auf Mubi. Es stellt sich die Frage: Warum? Warum verwandelt Olivier Assayas seinen ohnehin perfekten Film Irma Vep aus dem Jahr 1996 in eine HBO-Serie (bei Sky) mit acht Folgen? Eine Szene in der dritten Folge erklärt es vielleicht. Eine Gruppe von Schauspielern (darunter auch ein urkomischer, Crack-süchtiger Kollege, gespielt von Lars Eidinger) [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Remake eines Films über die Neuverfilmung eines Films („Irma Vep“ auf Sky), eine Superhelden-Satire („The Boys“ auf Prime Video), eine Fassbinder-Hommage (LaCinethek). Und zwei schöne Filme auf Mubi.</em></p>
<p>Es stellt sich die Frage: Warum? Warum verwandelt Olivier Assayas seinen ohnehin perfekten Film <strong><em>Irma Vep</em></strong> aus dem Jahr 1996 in eine HBO-Serie (bei Sky) mit acht Folgen?</p>
<p>Eine Szene in der dritten Folge erklärt es vielleicht. Eine Gruppe von Schauspielern (darunter auch ein urkomischer, Crack-süchtiger Kollege, gespielt von Lars Eidinger) sitzen im Hinterhof einer Pariser Hausparty und sprechen über den Zustand der Unterhaltungsindustrie und den künstlerischen Wert der Miniserie, die sie innerhalb der neuen Serie drehen. Es sei alles nur „Inhalt“ für Streamer, behauptet einer von ihnen. Ein anderer kontert, dass das Kino schon immer „Inhalt“ gewesen und zu seinen Wurzeln zurückgekehrt sei.</p>
<p>Ein anderes Motiv erscheint in der vierten Folge, das die auffälligste Leerstelle der Serie – und in Assayas‘ Leben – anspricht: die chinesische Schauspielerin Maggie Cheung, in die sich der Regisseur während der Dreharbeiten zum Original verliebte, die er heiratete und von der er sich später scheiden ließ.</p>
<p>Wie damals handelt es sich bei der HBO-Meta-Serie um ein Remake von Louis Feuillades Stummfilmserie <em>Les Vampires</em>, der siebenstündigen Geschichte eines Journalisten, der versucht, eine Bande von Theatergesetzlosen zu stoppen. Der neurotische Regisseur René Vidal (ein fabelhafter Vincent Macaigne) weiß, dass er einen Filmstar braucht, um grünes Licht zu bekommen – eine Erkenntnis, die auch Assayas gehabt haben muss. Und so besetzt Assayas bzw. Vidal die Hollywood-Schauspielerin Mira als die neue Irma Vep, gespielt von der immer menschenfreundlichen (und vielleicht fehlbesetzten) Alicia Vikander, die das ikonische Catsuit anzieht, das vor 25 Jahren die charismatische Maggie Cheung trug, und mehr als ein Jahrhundert vor ihr der französische Stummfilmstar Musidora. Da hieß es noch Fledermauskostüm.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/IPRJldM5POA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/IPRJldM5POA" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Im Original-<em>Irma Vep</em> spielte Assayas mit den Absurditäten der französischen Filmindustrie, aber es war auch ein Film darüber, dass Hollywood-Actionfilme irgendwann begannen, alles andere zu überschatten. In der „neuen Irma“ macht er sich nicht nur über sich selbst lustig, sondern auch über eine Kinolandschaft, die von Superhelden überrannt wird. (Mira lehnt immer wieder ein Angebot ab, den weiblichen Silver Surfer zu spielen.)</p>
<p>Apropos: Welche Serie hat Heldenverehrung und deren Vermarktung besser verstanden als <strong><em>The Boys</em></strong> (Prime Video)? Die Adaption des gleichnamigen Comics von Garth Ennis und Darick Robertson – unter Showrunner Eric Kripke – tat schon in den ersten beiden Seasons ihr Bestes, um die gegenwärtig grassierende Superhelden-Obsession auf einer Metaebene zu untergraben (z.B. mit einer Superhelden-Reality-TV-Show und einem disneyartigen Superheldenland). Der dritte, bislang vielleicht beste Teil, wieder angeführt von Karl Urbans ruppigem Butcher und Antony Starrs größenwahnsinnigem Homelander, treibt diese Idee auf zutiefst satirische und sehr schwarzhumorige Weise auf die Spitze. Es gibt (immer noch) jede Menge Blut, Eingeweide und Genitalien, inklusive eines „Super“, der sich ganz klein machen kann und in das Rektum eines Mannes krabbelt. Bei den ersten paar Szenen dürfte selbst dem abgebrühtesten Zuschauer die Kinnlade herunterfallen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/K-8VYKUZYiw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/K-8VYKUZYiw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Es war nie einfach, die klügste Person im Raum zu sein. Ganz gewiss trifft das auf <strong>Rainer Werner Fassbinder</strong> zu, nämlich im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CkFfJZIf9hM" target="_blank" rel="noopener">Publikumsgespräch</a> mit der Wiener Meute des Filmmuseums im Jahr 1975 (ein wunderbares Dokument aus jener Zeit), im Anschluss an die allererste Vorführung eines seiner Filme: <em>Faustrecht der Freiheit</em><em>. </em>Dieses wohl persönlichste Kinowerk, neun weitere Filme sowie die 14-teilige Serie <em>Berlin Alexanderplatz</em> (1980), sind Teil einer Huldigung des bayrischen Genies auf <a href="https://www.lacinetek.com" target="_blank" rel="noopener">LaCinethek</a> anlässlich seines 40. Todestages am 10. Juni. Fassbinder wurde nur 37 Jahre alt, hinterließ aber ein zutiefst imposantes, einflussreiches Oeuvre, das bis heute nachhallt, zuletzt in François Ozons Hommage <em>Peter von Kant</em>.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/vE8YJJYOf0w" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/vE8YJJYOf0w" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Trotz des kleinen Unterschieds (e statt i) unterliegen einige dem Irrglauben, dass Michael Fassbender mit der deutschen Regie-Legende verwandt ist. Sogar mit einem großen Pappmaché-Kopf auf den Schultern, ohne den Einsatz seines viel geschätzten Gesichts, gibt der deutsch-irische Schauspieler eine zu Unrecht fast vergessene Leistung in Lenny Abrahamsons <strong><em>Frank </em></strong>(<a href="https://mubi.com/de/films/frank-2014" target="_blank" rel="noopener">Infos und Trailer auf Mubi</a>). Lose modelliert nach Frank Sidebottom, der Bühnenpersona des verstorbenen Künstlers Chris Sievey, erschließt dieser liebenswert kuriose Film mit Maggie Gyllenhaal und Domhnall Gleeson einen ganzen Mythos unruhiger Pop-Genies und erforscht eine Reihe lohnender Fragen über die Natur der Kunst, um letztlich schön zu resümieren, dass einige Menschen besser auf der anderen Seite der Bühne bleiben.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/raaHRyBtIEo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/raaHRyBtIEo" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Umso ansprechender sind die musikalischen Darbietungen in Felix Van Groeningens <strong><em>The Broken Circle Breakdown </em></strong>(Mubi). Der nun knapp zehn Jahre alte Film des Belgiers basiert auf einem Theaterstück von Johan Heldenbergh, der in dem preisgekrönten Melodrama die Hauptrolle spielt. Didier ist ein freigeistiger Bluegrass-Musiker, seine Frau Elise (Veerle Baetens) Tätowiererin und Sängerin. Ihre Beziehung wird in Fragmenten des Lebens vor und nach dem Krebstod ihrer siebenjährigen Tochter dargestellt. Nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, stimmt dieser schöne Film wirklich starke emotionale Saiten an. Große Empfehlung.</p>
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		<title>Einhörner in Serie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 17:00:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als Einhörner bezeichnet man in der Wirtschaftswelt Start-Ups mit einer Marktbewertung von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Durch den Vorspann von WeCrashed (Apple TV+) schlendert ein buchstäbliches Einhorn und macht den Begriff plastisch. Die neue Apple-Serie gehört zu einem Triptychon neuer Geschichten über größenwahnsinnige Unternehmer und eine Unternehmerin mit Messias-Komplexen. Die Amerikaner haben diese Einhörner so stark mit deren Garagen-Erfindungen mythologisiert, dass sie zu den neuen amerikanischen Helden wurden – bis sie von ihrem Podest fielen und nicht selten sogar [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Einhörner bezeichnet man in der Wirtschaftswelt Start-Ups mit einer Marktbewertung von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. Durch den Vorspann von <strong><em>WeCrashed</em></strong> (Apple TV+) schlendert ein buchstäbliches Einhorn und macht den Begriff plastisch. Die neue Apple-Serie gehört zu einem Triptychon neuer Geschichten über größenwahnsinnige Unternehmer und eine Unternehmerin mit Messias-Komplexen. Die Amerikaner haben diese Einhörner so stark mit deren Garagen-Erfindungen mythologisiert, dass sie zu den neuen amerikanischen Helden wurden – bis sie von ihrem Podest fielen und nicht selten sogar aus ihren eigenen Firmen geschmissen wurden. Das ist natürlich verführerisches, dramatisches Futter für Hollywood.</p>
<p>In <em>WeCrashed</em> spielen Jared Leto und Anne Hathaway Adam und Rebekah Neumann, die WeWork, ein Start-Up mit einem einstigen Wert von 47 Milliarden US-Dollar, aufgebaut und versenkt haben. In der Serie werden wir Zeugen der 80-Stunden-Arbeitswochenhektik, „Gott sei Dank, es ist Montag“-Partys und Entlassungen vieler gutgläubiger Angestellter. Adam und Rebekah bauen Luftschlösser, aber ihr Bio-Spezialgeschäft für grüne Säfte voller Lügen und Manipulationen bricht schließlich zusammen. Jared Leto nutzt sein berüchtigtes Selbstwertgefühl, um die unerbittlich manische Rolle zu spielen, für die er geboren wurde: ein Rockstar-Jesus, der Katy Perrys „Roar“ als seine eigene persönliche Musik übernimmt, die herausplatzt, sobald er eine Limousine oder einen Korridor betritt. In den Schatten gestellt wird er eigentlich nur von Anne Hathaway, die jene Art von Person spielt, für die das Ziel von WeWork, nämlich „das Bewusstsein der Welt zu erweitern“, tatsächlich etwas anderes als Kauderwelsch ist.</p>
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<p>In Hulus <strong><em>The Dropout</em></strong> (ab 20. April bei Disney+) gibt Amanda Seyfried ein gruseliges Rollkragenporträt von Elizabeth Holmes, der Gründerin des Biotech-Unternehmens Theranos. Ihr Start-Up versprach, eine Technologie entwickelt zu haben, die Krankheiten mit einem einzigen Blutstropfen diagnostizieren kann. Theranos zog Vorstandsmitglieder wie den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger an, Forbes erklärte Holmes zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt, aber ihre Erfindung funktionierte nicht. Kürzlich wurde Holmes wegen Betrugs verurteilt. Die Geschichte ist erstaunlich, nicht zuletzt wegen Holmes Selbstinszenierung durch einen affektierten, rauen Bariton, den wir Seyfried im Spiegel üben sehen. Es überrascht nicht, dass bei Apple ein Film in Arbeit ist, der auf John Carreyrous Buch „Bad Blood“ basiert, mit Jennifer Lawrence als Holmes und Adam McKay im Regiesessel.</p>
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<p>Und das ist noch nicht alles. Im Februar ist <em>Super Pumped: The Battle for Uber</em> mit Joseph Gordon-Levitt als Travis Kalanick, dem Mitbegründer der Uber-App, auf dem US-Sender Showtime erschienen (ein Starttermin hierzulande ist noch nicht abzusehen).</p>
<p>In der kommenden HBO-Serie <em>Doomsday Machine</em> wiederum <a href="https://variety.com/2022/tv/news/doomsday-claire-foy-facebook-hbo-1235175337/" target="_blank" rel="noopener">spielt Claire Foy</a> die Co-Geschäftsführerin von Meta, Sheryl Sandberg – mehr als ein Jahrzehnt, nachdem David Fincher und Aaron Sorkin sich mit den Ursprüngen von Facebook in ihrem fabelhaften <em>The Social Network</em> auseinandergesetzt haben.</p>
<p>Es sind Geschichten über Ego, Erfindertum und Kapitalismus – selbstverherrlichende Vergleiche mit Steve Jobs inklusive. Und während die messianischen Komplexe, die monströse Selbstbewunderung und die Kollateralschäden, die ihre Arroganz zum Teil angerichtet haben, nicht ausgespart werden, sind es sympathische Porträts dieser Illusionisten, die auch ambivalenten Raum für fehl platzierte Bewunderung lassen, was überladenes Selbstvertrauen alles schaffen kann.</p>
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<p>Die Grenze zwischen vermeintlichen Helden wie Adam Neumann und Gaunerinnen wie Anna Delvey – jene Hochstaplerin, <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/vip-very-inventive-person/">die sich ihren Weg in Manhattans High Society gelogen</a> und Investoren hinters Licht geführt hat – ist schmal, und ganze Machtsysteme sind an ihrem Aufstieg beteiligt. Wie drückt es eine Figur in der Netflix-Serie <em>Inventing Anna</em> aus: „Hier geht es um den Schwindel des amerikanischen Traums im 21. Jahrhundert. Den Diebstahl einer Präsidentschaft. Es geht darum, warum die Kultur des Betrugs bleiben wird.“</p>
<p>Von dahin ist es nicht weit bis zum <em>Tinder Swindler</em>.</p>
<p>Wenn man die Serien hintereinander ansieht, erschaffen sie einen gemeinsamen Kosmos, in dem sich Unternehmer- und Gaunertum in einem Porträt des amerikanischen Untergangs treffen. Einhörner passen besser in Märchen als in die Wirklichkeit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">Einhörner in Serie</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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