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	<title>audrey diwan Archive - filmfilter</title>
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		<title>Kino-Ereignisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 18:00:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche. Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie L&#8217;événement / Das Ereignis zustande bringt (siehe Appendix unten), sondern auch solche wie Sonic the Hedgehog 2. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/kino-ereignisse-2/">Kino-Ereignisse</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche.</em></p>
<p>Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie <em>L&#8217;événement / Das Ereignis </em>zustande bringt (siehe Appendix unten), sondern auch solche wie <strong><em>Sonic the Hedgehog 2</em></strong>. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war da unvermeidbar. Die Zielgruppe, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen und ansprechbar für nostalgische Reminiszenzen an ihre damaligen Medienerfahrungen ist, sie ist offenbar ziemlich groß. Und ein paar Fans unter 40 scheint das Franchise auch zu haben. Der hochtourige blaue Igel rast durch einen hauchdünnen Plot, Jim Carrey grimassiert, alle, die ihre Kindheit über weite Strecken vor der Sega-Konsole verbracht haben, freuen sich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Nicht wirklich aus der Abteilung Kino-Ereignisse und daher ungleich schwächer antizipiert kommt das Sequel zum 1996 erschienen <em>Eraser</em>, einem Äktschn-Film aus der Phase von Arnold Schwarzeneggers Schaffen, die von Filmen wie <em>Batman &amp; Robin </em>und <em>Versprochen ist versprochen </em>bestimmt wurde. In <strong><em>Eraser Reborn </em></strong>ist Schwarzenegger nicht mehr dabei, und warum jetzt eine Neuauflage eines soliden, doch nicht ganz zu Unrecht vergessenen Neunzigerjahre-Actionfilms zwar nicht in die US-amerikanischen, dafür aber in die hiesigen Kinos kommt – man weiß es nicht.</p>
<p>Der dritte Film des Sony Spider-Man Universe ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, das Superheldenwesen finsterer und finsterer zu gestalten, sowohl was die DC-Comic-Verfilmungen als auch die Marvel-Produktionen angeht. <strong><em>Morbius </em></strong>ist eine der traurigeren Marvel-Figuren: ein erkrankter Wissenschafter, der sich mit Fledermausblut selbst therapiert und darüber zum Blutsüchtigen wird. Der Trailer verspricht perfekt gebautes Düstermannkino, mit einem ambivalenten, in sich zerrissenen Antihelden, gespielt von Jared Leto, der gerne mal zum Overacting neigt (auch z.B. in der <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">sehenswerten Serie <em>WeCrashed</em></a>), was sich in das dunkel-expressive Setting in diesem Fall aber recht gut einzufügen scheint.</p>
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<p>Und dann gibt es noch diese unscheinbaren Filme, die man ohne großen Erwartungen sieht und die sich dennoch dauerhaft als Kino-Ereignisse festsetzen. Der Regisseur Juho Kuosmanen hat 2016 mit seinem Langfilmdebüt <em>Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki</em> einen der schönsten finnischen Filme des Jahrzehnts gedreht. Auch sein zweiter, <strong><em>Abteil Nr. 6</em></strong>, wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Genre – einen, der das Genre sehr sanft verwandelt nämlich. Im Fall von <em>Olli Mäki</em> war es der Sport- oder Boxerfilm. Bei <em>Abteil Nr. 6 </em>ist es die RomCom. Die finnische Studentin Laura (Seidi Haarla) fährt mit dem Zug durch Russland, mit ihr im Abteil fährt der russische Minenarbeiter Ljoha (Yuriy Borisov) zu seinem nächsten Job. Die Nähe, die zwischen den beiden entsteht, ist nicht die romantische Nähe, die man zum Beispiel aus <em>Before Sunrise </em>und 180 weiteren Boy-meets-Girl-Geschichten kennt. Beide stehen an Wendepunkten ihres Lebens, und Kuosmanen schenkt seinen Figuren eine lakonische Entspanntheit. Übereifrig hingegen war die – inzwischen zurückgenommene – Entscheidung der Cinestar-Gruppe, den Film nicht ins Programm zu nehmen, weil Hauptdarsteller Borisov Russe ist und sechs Prozent des Budgets von <em>Abteil Nr. 6 </em>aus Russland stammen. Der Boykottversuch gehört zu den tristen Momenten, in denen das Denken in nationalen Kategorien, das vom Krieg befeuert wird, auch die trifft, die gegen den Krieg kämpfen: Yuriy Borisov hat kurz nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine einen Appell gegen den Krieg unterzeichnet – was in Russland ein risikoreiches Unterfangen ist, anders als in Deutschland oder Österreich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>In einem direkten Sinne politisch ist <strong><em>A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani</em></strong>, der neue Film von Asghar Farhadi, der die Geschichte von Rahim (Amir Jadidi) erzählt. Rahim sitzt im Gefängnis und hat Freigang, seine Freundin findet eine Tasche voller Goldmünzen – und das iranische Rechtssystem gibt Verurteilten die Möglichkeit, sich freizukaufen. Damit steht Rahim vor einer schweren Entscheidung. Er entschließt sich, das Geld zurückzugeben. Durch eine kleine Notlüge entstehen aber ganz neue Probleme, und jetzt geht es Rahim an die Ehre. Zum einen sind Farhadis Filme Porträts der iranischen Gesellschaft der Gegenwart. Zum anderen aber, universaler, erzählen sie von Menschen, deren Entscheidungen nie ungebrochen richtig sind, auch wenn sie sich aus richtigen Impulsen speisen. Es ist immer kompliziert.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und zum Abschluss Kinderkino: Ali Samadi Ahadi, der mit seinen <em>Pettersson und Findus</em>-Filmen zwei sehr charmante Kinderbuch-Adaptionen geschaffen hat, hat <strong><em>Peterchens Mondfahrt </em></strong>verfilmt. Es ist – nach den Filmen von 1959 und 1990 – die dritte Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Gerdt von Bassewitz. Der Charme des Alten geht Ahadis Film ab, <em>Peterchens Mondfahrt </em>kommt 2022 in der Schnittgeschwindigkeit und visuellen Opulenz daher, die auch in deutschsprachigen Animationsfilmen für Kinder inzwischen Standard ist. Der Zauber des Originals bleibt trotzdem erhalten.</p>
<p><strong>Weitere Kino-Ereignisse, nicht mehr lange zu sehen: </strong></p>
<p>„Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans <strong><em>Das Ereignis</em></strong>. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann ist es eine Frauensache.“ Ernaux’ im Jahr 2000 erschienener Roman erzählt von einer Abtreibung im Frankreich der frühen Sechzigerjahre – und ist kein historischer Roman, sondern ein Bericht über die anhaltende gesellschaftliche Verfügungsgewalt über Frauen. <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/">Hier unsere Empfehlung</a> des Films von Audrey Diwan.</p>
<p>Céline Sciamma legte 2019 mit <em>Porträt einer jungen Frau in Flammen </em>einen der intensivsten Filme des Jahres vor. Dem gingen drei Werke voraus, die zusammen einen Jugend-Trilogie bildeten (<em>Water Lilies</em>, <em>Tomboy </em>und <em>Mädchenbande</em>). Mit <strong><em>Petite maman – Als wir Kinder waren</em></strong> wendet Sciamma sich, der deutsche Titel deutet es an, der Kindheit als Sujet zu. Nelly (Joséphine Sanz) fährt nach dem Tod ihrer Großmutter in das Haus, in dem ihre Mutter Marion aufgewachsen ist. Die Mutter muss weg, in die Klinik, mit Depressionen. Beim Spielen im Wald trifft sie ein Mädchen, das genau so heißt, Marion (Gabrielle Sanz, Zwillingsschwester von Joséphine). Sciamma ist wieder sehr nah an ihren Figuren, ohne ihnen – oder der Zuschauer:in – zu nahe zu treten. Ein Film über Kindheit, das Erwachsensein und über die Traurigkeit, die, wie Marion erklärt, nicht von den Kindern erfunden worden ist (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/mutter-tochter-elegie/">hier unsere ausführliche Besprechung</a>).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/kino-ereignisse-2/">Kino-Ereignisse</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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		<title>Kino-Ereignisse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 16:30:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr, eine sträflich alleingelassene junge Frau – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche. „Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans Das Ereignis. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein erkrankter Wissenschafter, ein wiedergeborener Zeugenschützer, ein seiner Ehre verlustig gegangener Herr, eine sträflich alleingelassene junge Frau – und u.a. russische Fußnoten zu einer außergewöhnlichen finnischen „RomCom“. Die Kino-Ereignisse der Woche.</em></p>
<p>„Die Sexualität in ihrer fröhlichen Form, der erregte Körper, das interessiert die Leute“, erklärt die Autorin Annie Ernaux in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur Verfilmung ihres autobiografischen Romans <strong><em>Das Ereignis</em></strong>. „Aber wenn es um den gebrochenen, fast verblutenden Körper einer jungen Frau geht, schauen alle weg. Dann ist es eine Frauensache.“ Ernaux’ im Jahr 2000 erschienener Roman erzählt von einer Abtreibung im Frankreich der frühen Sechzigerjahre – und ist kein historischer Roman, sondern ein Bericht über die anhaltende gesellschaftliche Verfügungsgewalt über Frauen. <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/">Hier unsere Empfehlung</a> des Films von Audrey Diwan.</p>
<p>Es gehört zur Größe und zum Schrecken des Mediums Kino, dass es nicht nur Kino-Ereignisse wie <em>L&#8217;événement / Das Ereignis </em>zustande bringt, sondern auch solche wie <strong><em>Sonic the Hedgehog 2</em></strong>. Man verdrängt solche Informationen ja ganz gerne mal, aber der erste Teil gehörte 2020 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen weltweit. Das Sequel war da unvermeidbar. Die Zielgruppe, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgewachsen und ansprechbar für nostalgische Reminiszenzen an ihre damaligen Medienerfahrungen ist, sie ist offenbar ziemlich groß. Und ein paar Fans unter 40 scheint das Franchise auch zu haben. Der hochtourige blaue Igel rast durch einen hauchdünnen Plot, Jim Carrey grimassiert, alle, die ihre Kindheit über weite Strecken vor der Sega-Konsole verbracht haben, freuen sich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/47r8FXYZWNU" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Ungleich schwächer antizipiert kommt das Sequel zum 1996 erschienen <em>Eraser</em>, einem Äktschn-Film aus der Phase von Arnold Schwarzeneggers Schaffen, die von Filmen wie <em>Batman &amp; Robin </em>und <em>Versprochen ist versprochen </em>bestimmt wurde. In <strong><em>Eraser Reborn </em></strong>ist Schwarzenegger nicht mehr dabei, und warum jetzt eine Neuauflage eines soliden, doch nicht ganz zu Unrecht vergessenen Neunzigerjahre-Actionfilms zwar nicht in die US-amerikanischen, dafür aber in die hiesigen Kinos kommt – man weiß es nicht.</p>
<p>Der dritte Film des Sony Spider-Man Universe ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, das Superheldenwesen finsterer und finsterer zu gestalten, sowohl was die DC-Comic-Verfilmungen als auch die Marvel-Produktionen angeht. <strong><em>Morbius </em></strong>ist eine der traurigeren Marvel-Figuren: ein erkrankter Wissenschaftler, der sich mit Fledermausblut selbst therapiert und darüber zum Blutsüchtigen wird. Der Trailer verspricht perfekt gebautes Düstermannkino, mit einem ambivalenten, in sich zerrissenen Antihelden, gespielt von Jared Leto, der gerne mal zum Overacting neigt (auch z.B. in der <a href="https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/einhoerner-in-serie/">sehenswerten Serie <em>WeCrashed</em></a>), was sich in das dunkel-expressive Setting in diesem Fall aber recht gut einzufügen scheint.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/SQK-QxxtE8Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und dann gibt es noch diese unscheinbaren Filme, die man ohne großen Erwartungen sieht und die sich dauerhaft festsetzen. Der Regisseur Juho Kuosmanen hat 2016 mit seinem Langfilmdebüt <em>Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki</em> einen der schönsten finnischen Filme des Jahrzehnts gedreht. Auch sein zweiter, <strong><em>Abteil Nr. 6</em></strong>, wählt einen ungewöhnlichen Zugang zum Genre – einen, der das Genre sehr sanft verwandelt nämlich. Im Fall von <em>Olli Mäki</em> war es der Sport- oder Boxerfilm. Bei <em>Abteil Nr. 6 </em>ist es die RomCom. Die finnische Studentin Laura (Seidi Haarla) fährt mit dem Zug durch Russland, mit ihr im Abteil fährt der russische Minenarbeiter Ljoha (Yuriy Borisov) zu seinem nächsten Job. Die Nähe, die zwischen den beiden entsteht, ist nicht die romantische Nähe, die man zum Beispiel aus <em>Before Sunrise </em>und 180 weiteren Boy-meets-Girl-Geschichten kennt. Beide stehen an Wendepunkten ihres Lebens, und Kuosmanen schenkt seinen Figuren eine lakonische Entspanntheit. Übereifrig hingegen war die – inzwischen zurückgenommene – Entscheidung der Cinestar-Gruppe, den Film nicht ins Programm zu nehmen, weil Hauptdarsteller Borisov Russe ist und sechs Prozent des Budgets von <em>Abteil Nr. 6 </em>aus Russland stammen. Der Boykottversuch gehört zu den tristen Momenten, in denen das Denken in nationalen Kategorien, das vom Krieg befeuert wird, auch die trifft, die gegen den Krieg kämpfen: Yuriy Borisov hat kurz nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine einen Appell gegen den Krieg unterzeichnet – was in Russland ein risikoreiches Unterfangen ist, anders als in Deutschland oder Österreich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/m77YOHZfxws" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>In einem direkten Sinne politisch ist <strong><em>A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani</em></strong>, der neue Film von Asghar Farhadi, der die Geschichte von Rahim (Amir Jadidi) erzählt. Rahim sitzt im Gefängnis und hat Freigang, seine Freundin findet eine Tasche voller Goldmünzen – und das iranische Rechtssystem gibt Verurteilten die Möglichkeit, sich freizukaufen. Damit steht Rahim vor einer schweren Entscheidung. Er entschließt sich, das Geld zurückzugeben. Durch eine kleine Notlüge entstehen aber ganz neue Probleme, und jetzt geht es Rahim an die Ehre. Zum einen sind Farhadis Filme Porträts der iranischen Gesellschaft der Gegenwart. Zum anderen aber, universaler, erzählen sie von Menschen, deren Entscheidungen nie ungebrochen richtig sind, auch wenn sie sich aus richtigen Impulsen speisen. Es ist immer kompliziert.</p>
<p>Eine weniger gleichnishafte Geschichte über Strafe und Recht erzählt der Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NHtyiSNRldI" target="_blank" rel="noopener"><strong><em>Bis wir tot sind oder frei</em></strong></a>. Die Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger) macht sich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts auf den Weg, das Justizsystem der Schweiz zu reformieren, am Beispiel ausgerechnet des notorischen Kriminellen und Ausbrecherkönigs Walter Stürm (Joel Basman), der auf die Anwältin bald eine ziemliche Faszination ausübt. Als Stürm in Isolationshaft kommt und Hug den Kampf aufnimmt, wird der Kriminelle zur Symbolfigur der Schweizer Linken. Es folgen Hungerstreik und Gefangenenbefreiung – alles basierend auf einer wahren Geschichte.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/_dGCdkqossM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und zum Abschluss Kinderkino: Ali Samadi Ahadi, der mit seinen <em>Pettersson und Findus</em>-Filmen zwei sehr charmante Kinderbuch-Adaptionen geschaffen hat, hat <strong><em>Peterchens Mondfahrt </em></strong>verfilmt. Es ist – nach den Filmen von 1959 und 1990 – die dritte Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Gerdt von Bassewitz. Der Charme des Alten geht Ahadis Film ab, <em>Peterchens Mondfahrt </em>kommt 2022 in der Schnittgeschwindigkeit und visuellen Opulenz daher, die auch in deutschsprachigen Animationsfilmen für Kinder inzwischen Standard ist. Der Zauber des Originals bleibt trotzdem erhalten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/kino-ereignisse/">Kino-Ereignisse</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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		<title>Die Krankheit der Frauen</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2022 20:30:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Basierend auf dem autobiografischen Bericht von Annie Ernaux setzte Audrey Diwan das Abtreibungsdrama „L’événement“ („Das Ereignis“) in Szene – mit der überzeugenden Anamaria Vartolomei in der Hauptrolle – und erhielt dafür den Goldenen Löwen von Venedig. „Die Krankheit, die nur Frauen bekommen, und die sie zu Hausfrauen macht“, habe sie ihre Studien vernachlässigen lassen. Da diese Krankheit aber nun überwunden sei, könne sie den versäumten Stoff jetzt nachholen. Anne ist fest entschlossen, als sie ihren Dozenten um die Skripten der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Basierend auf dem autobiografischen Bericht von Annie Ernaux setzte Audrey Diwan das Abtreibungsdrama „L’événement“ („Das Ereignis“) in Szene – mit der überzeugenden Anamaria Vartolomei in der Hauptrolle – und erhielt dafür den Goldenen Löwen von Venedig.</em></p>
<p>„Die Krankheit, die nur Frauen bekommen, und die sie zu Hausfrauen macht“, habe sie ihre Studien vernachlässigen lassen. Da diese Krankheit aber nun überwunden sei, könne sie den versäumten Stoff jetzt nachholen. Anne ist fest entschlossen, als sie ihren Dozenten um die Skripten der verpassten Stunden bittet. Der wiederum reagiert zunächst zurückhaltend und zweifelnd – zu umfangreich sei das Versäumte, sagt er –, doch als er Annes Begründung hört, spart er sich jeden weiteren Kommentar und setzt neuerlich Vertrauen in eine seiner besten Studentinnen. Natürlich ahnt er, was geschehen ist, von den Strapazen aber, die Anne hinter sich hat, hat er freilich keine Ahnung. Nichts weiß er von dem, was sie auf sich genommen, was sie durchgemacht hat, um an ihrem Traum von einem selbstbestimmten Leben festhalten zu können. Selbstbestimmung – sollte ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein; doch ist es nicht für Frauen, die ungewollt schwanger werden. War es nicht im Frankreich des Jahres 1963, in dem die Geschichte von Audrey Diwans <em>L’événement (Das Ereignis)</em> angesiedelt ist. Ist es nicht im Polen der Gegenwart oder im US-Bundesstaat Texas, um zwei aktuelle Beispiele zu nennen, falls sich grade jemand fragt, inwieweit ein vor sechzig Jahren angesiedeltes Ereignis Frauen von heute etwas angehen sollte.</p>
<figure id="attachment_6932" aria-describedby="caption-attachment-6932" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=550%2C412&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-6932" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement-300x225.jpg" alt="" width="550" height="412" /><figcaption id="caption-attachment-6932" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-6932" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=550%2C412&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="412" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=770%2C576&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=500%2C374&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=293%2C219&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?resize=390%2C292&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement.jpg?w=962&amp;ssl=1 962w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Anamaria Vartolomei</figcaption></figure>
<p><em>L’événement </em>beruht auf dem gleichnamigen, im Jahr 2000 erschienenen <a href="https://www.suhrkamp.de/buch/annie-ernaux-das-ereignis-t-9783518225257?pt_ref=buchlink&amp;utm_campaign=9783518225257&amp;utm_medium=buchlink&amp;utm_source=perlentaucher.de" target="_blank" rel="noopener">autobiografischen Bericht</a> der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux; Diwan, die gemeinsam mit Marcia Romano das Drehbuch schrieb, hat ihn als gradliniges, dramatisches Werk für die Leinwand adaptiert. Darin sind Verzweiflung und Geschwindigkeit dergestalt aneinander gekoppelt, dass der Dringlichkeit des Handelns (d.i. die Notwendigkeit eines möglichst raschen Abbruchs der Schwangerschaft) ein mit jedem vergeblichen Anlauf zunehmender Druck korreliert, der wiederum resultiert in einer stetig sich steigernden Atemlosigkeit, auch des Erzähltempos. Die Nüchternheit des Berichts und die emotionale Wucht der Tragödie fanden selten noch auf vergleichbar harmonische Weise zueinander. Und es mag diese Mühelosigkeit sein, mit der das Eindringliche hier gestaltet ist, die im vergangenen Jahr die Jury der Internationalen Filmfestspiele von Venedig unter dem Vorsitz von Bong Joon-ho dazu bewegte, <em>L’événement </em>mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Löwen auszuzeichnen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=550%2C401&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6938" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262-300x219.jpg" alt="" width="550" height="401" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6938" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=550%2C401&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="401" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=300%2C219&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=1024%2C746&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=770%2C561&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=500%2C364&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=293%2C214&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?resize=390%2C284&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/03/evenement_1.5967262.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript></p>
<p>Anne also. Anne, 23, stammt aus bescheidenen Verhältnissen, ihre Eltern betreiben ein kleines Café und sind sehr stolz auf ihre studierende Tochter. Dass Anne sich ihnen anvertraut, als sie ihre Schwangerschaft entdeckt, ist schlicht undenkbar. So undenkbar wie ein Abbruch für den Gynäkologen ist, den sie aufsucht. So undenkbar wie es für Annes Freundinnen ist, ihr Beistand zu leisten. Denn nicht nur die Abtreibung ist illegal zu jener Zeit, auch dabei zu helfen ist von Strafe bedroht. Schließlich aber kennt dann doch noch jemand eine, die wen kennt und Anne erhält die Adresse einer Engelmacherin. Der Weg bis dorthin war schon schwer, nun aber wird es richtig bitter. Was an <em>L’événement </em>mit am Schwersten zu ertragen ist, ist das Alleingelassensein der Hauptfigur, ist die Tatsache, dass da eine junge Frau für ihr Begehren und ihre Lust auf grausame Weise abgestraft wird. Nicht nur wird sie gesellschaftlich geächtet, es werden ihr auch vollkommen unnötigerweise schlimmste Schmerzen zugefügt; weil sie Spaß am Vögeln hat, steht plötzlich ihr Leben auf dem Spiel.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/tmCwKMvjfA8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/tmCwKMvjfA8" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Dass sich all dies der Zuschauerin als die patriarchale Zumutung mitteilt, die es ist, ist Anamaria Vartolomei in der Rolle der Anne zu danken. Vartolomei wurde 1999 in Rumänien geboren und lebt in Paris; 2017 war sie in Marc Dugains hervorragendem Historienfilm <em>L&#8217;échange des princesses (Ein königlicher Tausch)</em> zu sehen. Sie spielt Anne als eine selbstbewusste, junge Frau, die eine klare Vorstellung hat von dem, was sie will, und die instinktiv weiß, dass das, was ihr auferlegt wird, Unrecht ist. Anne, wie Vartolomei sie gestaltet – sie wurde für ihre Darstellung unter anderem mit dem César ausgezeichnet –, biedert sich nicht an und sie heischt auch kein Mitleid. Sie kämpft um ihre Zukunft und ihr Glück. Sie kämpft um ihr Recht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>L’événement / Das Ereignis</strong><br />
<strong>Frankreich 2021, Regie</strong> Audrey Diwan, basierend auf dem autobiografischen Roman von Annie Ernaux<br />
<strong>Mit</strong> <span class="movieDetail-details-value">Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet Klein, Luàna Bajrami, Pio Marmai, Sandrine Bonnaire</span><br />
<strong>Laufzeit</strong> 100 Minuten</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/die-krankheit-der-frauen/">Die Krankheit der Frauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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