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		<title>Bubenfilme</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2023 19:00:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Close“ und „The Son“: Problemfilme über Buben. Dazu True-Crime, koreanische Identitätssuche, eine deutsche Komödie und wieder einmal die liebe heimische Horrorfamilie – der Wochenstartüberblick von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber. Close ist ein Film über eine Freundschaft, die an den gesellschaftlichen Vorstellungen davon scheitert, was für Jungen „normal“ und was als mindestens mal „seltsam“ gilt. Leo (Eden Dambrine) und Remi (Gustav De Waele) sind engste Freunde, seit Jahren, und verbringen fast ihre gesamte Zeit zusammen. Mit 13 Jahren geht es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Close“ und „The Son“: Problemfilme über Buben. Dazu True-Crime, koreanische Identitätssuche, eine deutsche Komödie und wieder einmal die liebe heimische Horrorfamilie – der Wochenstartüberblick von Benjamin Moldenhauer und Roman Scheiber.<br />
</em></p>
<p><strong><em>Close</em></strong> ist ein Film über eine Freundschaft, die an den gesellschaftlichen Vorstellungen davon scheitert, was für Jungen „normal“ und was als mindestens mal „seltsam“ gilt. Leo (Eden Dambrine) und Remi (Gustav De Waele) sind engste Freunde, seit Jahren, und verbringen fast ihre gesamte Zeit zusammen. Mit 13 Jahren geht es auf die weiterführende Schule und damit in Richtung Pubertät. Und da wird die Umgebung natürlich misstrauisch. Zwei Jungen, die einander sehr verbunden sind – die können ja nur schwul sein. Leo beugt sich dem sozialen Druck und geht auf Distanz. In der ersten Hälfte erzählt der belgische Regisseur Lukas Dhont in <em>Close</em> sehr genau und anrührend von dieser Freundschaft. Dann aber greift der Film, wie schon Dhonts vorheriger, ebenfalls in Cannes bepreister Film <em>Girl</em>, auf einen unnötig grausamen und etwas stumpfen Plot-Twist zurück. Der macht der bis dahin herrschenden Subtilität des Geschehens ein Ende und geht voll in den Dramamodus. Schade, aber sehenswert ist <em>Close </em>trotzdem (und Belgiens Oscar-Beitrag).</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/6EJGnU2AmV4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/6EJGnU2AmV4" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Auch <strong><em>The Son </em></strong>erzählt eine Jungengeschichte: Nicholas (Zen McGrath), 17, wird auffällig, schwänzt die Schule und hat keine Freunde. Bei dem Knaben geht offensichtlich was schief, und seine Mutter (Laura Dern) bringt ihn zu seinem Vater Peter (Hugh Jackman), der sich kümmern möchte, obwohl er gerade eine zweite Familie gegründet hat. Was zuerst als Teenager-Verstimmung („Hast du schon mal Teenager gesehen, die vor Glück platzen?“) und Liebeskummer wahrgenommen wird, entpuppt sich bald als ausgeprägte Depression, und damit ist <em>The Son </em>nach<em> The Father </em>der nächste Film von Regisseur Florian Zeller, der von, wenn man so will, Erkrankungen des Geistes handelt. In <em>The Father </em>ging es um eine rapide fortschreitende Demenz und damit um den Verlust der Welt, wie der Erkrankte sie kennt, in <em>The Son </em>geht es um Weltschmerz als ernsthafte Erkrankung. Im einen wie im anderen Fall ist der Blick auf die Figuren empathisch, aber niemals rührselig.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/SJWRY4DzoAQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/SJWRY4DzoAQ" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Das Versprechen des True-Crime-Genres einzulösen und zugleich anhand von schlimmsten Gewaltverbrechen etwas Substanzielles über die Welt zu vermitteln, in der diese stattfinden, das versucht Dominik Moll erklärtermaßen in seinem neuen Film. <strong><em>In der Nacht des 12. / La nuit du 12</em></strong> erzählt von der jahrelangen Suche zweier Polizisten nach einem Frauenmörder. Der Mord als Anlass, um die Geschlechtermatrix in Szene zu setzen und zu hinterfragen: „Die Polizei ist eine Männerwelt, und die Männer sind mit der Gewalt konfrontiert, die von anderen Männern begangen wird, manchmal und oft gegenüber Frauen“, hat <a href="https://filmtalk.org/2022/07/13/dominik-moll/" target="_blank" rel="noopener">Moll im Interview</a> erklärt. „Aber wie stellt das ihre Männlichkeit in Frage? Das war einer der roten Fäden, den wir im Film entwickeln wollten.“</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/dYW9fqo4zoM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/dYW9fqo4zoM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Auf vereinzelte Vorführungen zweier von uns besprochener, mit Oscar-Nominierungen versehener Filme sei an dieser Stelle noch einmal eindrücklich hingewiesen: Die sagenhafte Eselsgeschichte <strong><em>EO</em></strong> von Jerzy Skolimowski ist für den Fremdsprachen-Oscar im Rennen (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/erdbeobachtung-mit-eselsohren/">unsere Kritik hier</a>), und Paul Mescal ist für seine Rolle in dem bestechenden Vater-Tochter-Film <strong><em>Aftersun</em></strong> von Charlotte Wells (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/das-geheimnis-eines-sommers/">unsere Kritik hier</a>) als bester Schauspieler nominiert.</p>
<p>Nicht vergessen wollen wir auf einen von der Kritik umjubelten Film, der sich mit der Identitätsfindung einer in Frankreich aufgewachsenen Koreanerin befasst: <em><strong>Return to Seoul / Retour à Séoul</strong></em> von Davy Chou findet <a href="https://www.indiewire.com/2022/09/return-to-seoul-review-1234759918/" target="_blank" rel="noopener">z.B. IndieWire</a> ein hinreißendes Jugenddrama.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/oaPiUlPpRWE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/oaPiUlPpRWE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Mit <em><strong>Family Dinner</strong></em> haben wir uns ebenfalls bereits beschäftigt (<a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/match-made-in-heaven/">nämlich hier</a>), und den gruselgeneigten Debütregisseur dieses bemerkenswerten Familienterrorfilms, Peter Hengl, haben wir schon anlässlich dessen Viennale-Vorstellungen in unseren Podcast eingeladen. Es ist ein interessantes Gespräch geworden, welches z.B. <a href="https://filmfilter.at/podcasts/">in unserem Player</a> hörbar ist (aber auch auf allen nennenswerten Plattformen).</p>
<p>Bleiben noch eine deutsche Komödie und ein Kinderfilm. <strong><em>Caveman </em></strong>ist ein sagenhaft erfolgreiches Broadway-Stück, das auch in Österreich und Deutschland auf verschiedenen Bühnen seit Ewigkeiten läuft. In der deutschen Adaption werden fröhlich und unbedarft gängige Klischees von männlich/weiblich durchgekaut, von den üblichen Verdächtigen (Moritz Bleibtreu, Laura Tonke, Wotan Wilke Möhring).</p>
<p><strong><em><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/CahC07Wp11Q" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/CahC07Wp11Q" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript> </em></strong></p>
<p><strong><em>Die drei ??? – Erbe des Drachens</em></strong> ist für alle jungen Fans der Serie eine sichere Bank (die Älteren, die Hörspiele mit einer Mischung aus Nostalgie und Ironie feiern, werden von der Kinoversion hingegen nicht viel haben). <em>Erbe des Drachens </em>versetzt die drei Detektive in die Dreharbeiten zu einem Vampirfilm, was viel Gelegenheit für (kinderfreundliche) Gruselszenen bietet.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Match made in heaven</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/match-made-in-heaven/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2023 21:30:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Family Dinner“: Debütant Peter Hengl zeigt, wie abgründiger Kleinfamilienterror auf den Magen schlägt – jetzt in Österreich im Kino. Er hätte, hat Tobe Hooper in einem Rückblick auf sein frühes Meisterwerk The Texas Chain Saw Massacre einmal gesagt, einen Film über das, was ihn am meisten geängstigt hat, machen wollen: Familienessen. Das war natürlich ein Scherz, einerseits, andererseits steckt in dem Satz, wie bei vielen guten Witzen, eine gewisse Wahrheit. Es gibt wenig Bedrückenderes im Privaten als das gemeinsame Essen in dysfunktionalen Familien. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Family Dinner“: Debütant Peter Hengl zeigt, wie abgründiger Kleinfamilienterror auf den Magen schlägt – jetzt in Österreich im Kino.</em></p>
<p>Er hätte, hat Tobe Hooper in einem Rückblick auf sein frühes Meisterwerk <em>The Texas Chain Saw Massacre</em> einmal gesagt, einen Film über das, was ihn am meisten geängstigt hat, machen wollen: Familienessen. Das war natürlich ein Scherz, einerseits, andererseits steckt in dem Satz, wie bei vielen guten Witzen, eine gewisse Wahrheit. Es gibt wenig Bedrückenderes im Privaten als das gemeinsame Essen in dysfunktionalen Familien. Und für die hat Hooper in seinem Kannibalenfilm drastische und schrecklich-komische Bilder gefunden.</p>
<p>Das Debüt des gruselgeneigten Regisseurs Peter Hengl schlägt wesentlich zurückhaltendere Töne an. Wo Hooper von Minute eins an auf die Pauke haut, lässt<em> Family Dinner</em> sich Zeit für einen langsam-bedrohlichen Aufbau. Simi (Nina Katlein), übergewichtig und schüchtern, besucht ihre Tante auf dem Land, um abzunehmen. Claudia (Pia Hierzegger) ist Ernährungsberaterin und Autorin diverser Kochbücher, die, wenn man von dem Zeug ausgeht, was sie auf den Tisch stellt, das Marktsegment zwischen Food-Design und Gesundheitsterror abdeckt. Die Räume des ehemaligen Bauernhauses, in dem der Kleinfamilienterror sich hier entfaltet, sind eine formvollendete Set-Design-Leistung, ein höllischer Hybrid aus Ikea und Manufactum. Neben Claudia geistern noch ihr Mann Stefan (Michael Pink) und der sozial offenbar mittelschwer gestörte Sohn Filipp (Alexander Sladek) durch die Szenerie. Alles wirkt drückend und zugeknöpft an diesem Ort, und <em>Family Dinner</em> entfaltet sein Setting und den zwangsneurotischen Grundton wie gesagt in aller Gemächlichkeit. Wobei sich Hengl zu sehr auf ein fast konstant im Hintergrund erklingendes düster-dräuendes Dauergedröhn verlässt, wo das Ensemble aus Mobiliar und Familienneurose eigentlich genügen würde, dass einem mulmig wird ums Herz. Und später dann auch in der Magengegend.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/qTFgkuGGp4A" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/qTFgkuGGp4A" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>„Österreich und Horror sind ein ›match made in heaven‹“, hat Peter Hengl <a href="https://thegap.at/peter-hengl-im-interview-zu-family-dinner/" target="_blank" rel="noopener">im Interview erzählt</a>, und <em>Family Dinner</em> reiht sich in den kleinen Schwung an Terrorfilmen aus dem Land, in dem der Postfaschismus noch mal andere Blüten getrieben hat als in Deutschland, wunderbar ein. Simi wird von Claudia zu einer Radikalkur verdonnert. Das Osterfest naht und die Eltern (beziehungsweise der Stiefvater) fasten, irgendetwas Großartiges, Bahnbrechendes soll am Ostersonntag passieren. Simis Handy verschwindet, Filipp versucht abzuhauen, und man ahnt – eben auch, weil es auf der Tonspur unablässig dröhnt –, dass es eher fürchterlich werden wird. So kommt es dann auch, und wirklich überraschend ist die Auflösung der Geschichte nicht. Aber schön trotzdem, wie der Film im letzten Akt, wenn es an die Körper geht und die aufgeladene Atmosphäre sich in Gewalt entlädt, in seinem ruhigen Rhythmus bleibt.</p>
<p>Schön auch, wie hier die Horrorfamilie mal nicht aus den seit Jahrzehnten vorliegenden Genremythologien kommt (depravierte Rednecks, pervers-dekadente Oberschicht und was der Horrorfilm sonst noch so anbietet), sondern ein zeitgemäßes Ekelbild findet, in einer Phase, in der das Kleinbürgertum sich aufgrund mangelnder anderer Distinktionsmöglichkeiten vor allem über das, was es isst, vom Pöbel und aber auch nach oben abgrenzt. Und vor allem darüber, was seine Kinder essen. Um dann am Ende doch wieder zu Bildern zurückzukehren, die aus einem ganz alten Mythos stammen.</p>
<p>Ein ausführliches Gespräch mit Regisseur Peter Hengl gibt es <a href="https://filmfilter.at/podcasts/">in unserem Podcast</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Family Dinner</strong><br />
<strong>Österreich 2022, Regie</strong> Peter Hengl<br />
<strong>Mit</strong> Nina Katlein, Pia Hierzegger, Michael Pink, Alexander Sladek<br />
<strong>Laufzeit</strong> 97 Minuten</p>
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