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		<title>Sterben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2024 10:15:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino. Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino.<br />
</em></p>
<p>Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war ja noch nie der Mann fürs Weichgespülte, Leichtverdauliche. Glasner hat vielmehr stattdessen Brocken in die Kinolandschaft gestellt, mit denen musste das Publikum erstmal klar kommen – oder ihnen eben aus dem Weg gehen; Popcorn konnte man zu Filmen wie <em>Der freie Wille</em> (2006, über die Seelenqual eines Vergewaltigers) und <em>Gnade</em> (2012, über die Gewissensbisse einer Unfallflüchtigen) jedenfalls nicht fressen. Kann man auch zu <em>Sterben</em> nicht und sollte man ohnehin eh überhaupt nicht.</p>
<p>Sprechen wir also von Familie Lunies: Vater, Mutter, Sohn und Tochter; Gerd, Lissy, Tom und Ellen; Parkinson und Demenz, Vaginalkrebs und Nierenversagen, Dirigent und Patchworkvater, Alkoholikerin und <em>loose cannon</em>; niedersächsische Provinz, Berlin und Hamburg. Eine eigentlich ziemlich normale Familie im Deutschland der Gegenwart. Dazu Freunde, Kolleginnen und Nachbarn; sowie die titelgebende Komposition. Dabei handelt es sich um ein umwerfendes Stück moderner Musik in mehreren Variationen, das im Film das (postume) Opus magnum von Toms bestem Freund Bernard darstellt, und in Wirklichkeit geschrieben wurde von Lorenz Dangel, der dafür einen Deutschen Filmpreis(*) erhielt. Diese ergreifende, zu Tränen rührende Musik setzt Zäsuren, zusätzlich zu den Kapitelüberschriften, die Perspektiven benennen und den Fluss der Erzählung immer mal wieder neu ansetzen lassen. Es gibt Ordnung in diesem unbotmäßigen Geschichten-Konglomerat, aber sie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, ist im Gegenteil jederzeit zur Kapitulation bereit. Denn das letzte Wort hat sowieso immer der Tod und davon abgesehen regiert das Chaos.</p>
<p>Ebendiese wirklichkeitsnahe Einschätzung dessen, was der Fall ist, macht <em>Sterben</em> so unterhaltsam; und zwar nicht nur im Sinne von kurzweilig, sondern auch im Sinne von: lustig, grotesk, absurd, makaber, komisch, witzig. Mitunter ist nicht zu entscheiden, ob Lachen oder Weinen oder beides gleichzeitig oder doch lieber nacheinander die angemessene Reaktion auf dieses oder jenes Ereignis wäre; es geht demnach zu wie im richtigen Leben; es ist wahr, und das ist halt hart.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Beispielsweise in jener bereits jetzt schon legendären Szene, in der Lissy und Tom nach der Beisetzung des Vaters – der im Pflegenotstand unspektakulär und erbärmlich verendet ist – zuhause an der Kaffeetafel sitzen und unmerklich in einen der grausamsten Austausche bitterer Wahrheiten hineinrutschen, der jemals auf einer Leinwand Platz fand. Die Luft bleibt einem weg, denn was Mutter und Sohn sich hier gegenseitig servieren, ist so nebenher-böse und unabsichtlich-gemein wie es authentisch ist: weil schließlich irgendwann einmal gesagt werden muss, was schon längst einmal hätte gesagt werden müssen (auch wenn man es letztlich doch besser für sich behalten hätte). Und es wird dieser Wechsel von Sätzen, die wie Pfeile ins Mark treffen, von Corinna Harfouch und Lars Eidinger in den Rollen von Lissy und Tom mit einer Disziplin und Empathie dargeboten, die dessen emotionale Sprengkraft noch unterstreicht. Wenn dann schließlich die Faust auf dem Kuchenteller niedergeht, bringt das keine Erlösung mit sich, es bleibt ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wie im richtigen Leben eben.</p>
<p>Harfouch und Eidinger, Lilith Stangenberg als Ellen, Ronald Zehrfeld als ihr (verheirateter) Liebhaber, Robert Gwisdek als der depressive Komponist und nicht zu vergessen Hans-Uwe Bauer „als mein Vater“ (wie es in den Credits heißt) – das ist ein hochkarätiges Ensemble, das sich darüber im Klaren ist, was hier auf dem Spiel steht. <em>Sterben</em> ist eine aus dem Innersten und Tiefsten kommende und in beeindruckender Aufrichtigkeit formulierte Mitteilung existenzieller Erfahrungen. Glasner macht kein Geheimnis daraus, dass dieser Film auch von ihm selbst und seiner Familie handelt. Es ist seine Tochter, die im Handyvideo zu Beginn frontal in die Kamera fordert: „Du musst machen, was Dein Herz dir sagt. Du musst auf Dein Herz hören. Du musst.“</p>
<p>Und alle hören auf sie.</p>
<h6>(*) Des weiteren erhielt <em>Sterben</em>, der in neun Kategorien nominiert war, Deutsche Filmpreise als Bester Spielfilm, Corinna Harfouch als Beste Hauptdarstellerin und Hans-Uwe Bauer als Bester Nebendarsteller. Bei der Berlinale konnte Glasner einen Silbernen Bären für das Beste Drehbuch entgegennehmen <em>(wobei, die Bemerkung sei erlaubt, der Große Preis der Jury bei ihm besser aufgehoben gewesen wäre als bei Hong Sangsoo, der mit demselben offenbar rein gar nichts anzufangen wusste).</em></h6>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Sterben</strong><br />
<strong>DE 2024, Regie</strong> Matthias Glasner<br />
<strong>Mit</strong> Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Anna Bederke, Hans-Uwe Bauer, Robert Gwisdek<br />
<strong>Laufzeit</strong> 180 Minuten</p>
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		<title>The Greatest of All Times!</title>
		<link>https://filmfilter.at/sofa-surfer/the-greatest-of-all-times/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Jan 2022 10:30:29 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Sofa Surfer spezial über Muhammad Ali, der diese Woche achtzig geworden wäre. Zu diesem Anlass hat arte.tv einen brandneuen, erhellenden Dok-Vierteiler herausgebracht.</em></p>
<p>Als Cassius Marcellus Clay Jr. im Sommer 1955 die zerschlagenen Reste von Emmett Tills Gesicht sah, war er gerade mal ein Jahr jünger als der Ermordete; der hatte vor einem Monat erst seinen 14. Geburtstag gefeiert. Jener Junge aus Chicago war während seiner Ferien bei Verwandten <em>way down south</em> in Mississippi, beging den Fehler, eine weiße Frau anzuschäkern (was tatsächlich passiert war, ließ sich nie gültig herausfinden) und wurde dafür gelyncht. Die beiden Mörder waren besonders darüber aufgebracht, dass Emmett Till Widerworte gab und sich nicht einschüchtern ließ. Nach den Gründen für die Tat gefragt, gab einer der beiden zu Protokoll: „What else could I do? He thought he was as good as any white man.“</p>
<p>Emmett Till war ein hübscher Junge gewesen, doch als man ihn fand, war er nicht mehr zu erkennen, was nicht nur daran lag, dass seine Leiche ein paar Tage im Wasser gelegen hatte. Emmetts Mutter aber beharrte auf einem offenen Sarg, alle Welt sollte sehen, was man ihrem Jungen angetan hatte. So kam es, dass Tausende das entstellte Gesicht sahen. Darunter eben auch Clay Junior, der es, wie so viele, nicht mehr aus seinem Kopf brachte.</p>
<p>Emmett Tills offener Sarg zählt wie Rosa Parks im Dezember 1955 folgende Weigerung, sich in den hinteren Teil des Busses zu verfügen, zu den katalytisch wirkenden Ereignissen der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Einer dieser „Jetzt reicht’s!“-Momente, die in den Lauf der Geschichte eingreifen. Und das tat in der Folge auch Cassius Clay, der sich ab 1964 Muhammad Ali nannte und zum Islam bekannte und der gleichermaßen nicht still hielt, nicht bescheiden war, sich nicht einschüchtern ließ. Ali, der sagte, was er dachte, und der darum kämpfte, als schwarzer Mann in Amerika stolz und frei sein zu können. Wer verstehen will, warum Muhammad Ali den Titel „der Größte“ führt, der muss in Emmett Tills Gesicht schauen.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=600%2C275&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6317" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1-300x138.jpg" alt="" width="600" height="275" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6317" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=600%2C275&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="275" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=300%2C138&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=1024%2C469&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=770%2C353&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=500%2C229&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=293%2C134&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=1400%2C642&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=390%2C179&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?resize=1320%2C605&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns1.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></noscript></p>
<p>Ich erinnere mich, dass mein Vater mitten in der Nacht aufstand, um Muhammad Ali kämpfen zu sehen; ich erinnere mich, dass er sowohl von Cassius Clay als auch von Muhammad Ali sprach, und mir (verwirrt) die Sache mit dem Namenswechsel erklärte, ohne auf den historischen und den religiösen Hintergrund einzugehen. Ich bin mir sicher, dass es meinen Vater leise amüsiert hat, wie Muhammad „I am the Greatest!“ Ali derart unverfroren die eigene Großartigkeit propagierte, denn mein Vater kam aus Franken und war ein bescheidener Mensch. Sich dergestalt ins Rampenlicht zu stellen, wäre ihm nie eingefallen, freilich konnte er auch nicht boxen.</p>
<p>Doch bin ich aufgewachsen mit dem größten Respekt für diesen schwarzen Mann in den fernen USA und umso mehr überraschte es mich, als ich einige Jahre später feststellen musste, dass Muhammad Ali keineswegs schon immer und für alle und in Ewigkeit „der Größte“ war. Sondern dass diese Größe vielmehr aus einem Kontext erwachsen war, der sich zusammensetzte aus: Bürgerrechtsbewegung, Nation of Islam und Malcolm X, Kriegsdienstverweigerung, Lizenzentzug und Strafanzeige, Selbstwertgefühl, Sturheit und, vor allem: Furchtlosigkeit.</p>
<p>Leider tendiert unsere multimedial-digitale Gegenwart mit ihren popkulturellen Strategien im Kontext einer umfassenden Unterhaltungsindustrie zu einer affirmativen Aneignung und Gleichmacherei, die den Ikonen des medialen Zeitalters Dimension und Tiefe raubt. Insofern ist es also jederzeit geboten, denselben ihre historische Wahrheit zurückzugeben und nach dem Auftrag zu forschen, den sie uns hinterlassen haben. Anders gesagt: Wer, wie ich seinerzeit, den Eindruck haben sollte, hinsichtlich Muhammad Alis Leben und Wirken die eine oder andere Wissenslücke schließen zu können, dem- bzw. derjenigen sei die brandneue, außerordentlich verdienstreiche, umfassend gründliche und erhellende Dokumentation mit dem Titel <strong><em>Muhammad Ali</em></strong> ans Herz gelegt, deren siebeneinhalb Stunden in vier Teilen wie im Flug vergehen und die derzeit (und noch bis zum 11. März 2022) in der <a href="https://www.arte.tv/de/videos/RC-020442/muhammad-ali/" target="_blank" rel="noopener">ARTE-Mediathek</a> verfügbar ist.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=600%2C396&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-6318" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2-300x198.jpg" alt="" width="600" height="396" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-6318" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=600%2C396&#038;ssl=1" alt="" width="600" height="396" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=300%2C198&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=1024%2C676&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=770%2C508&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=1536%2C1014&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=500%2C330&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=293%2C193&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=1400%2C924&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=390%2C257&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?resize=1320%2C871&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/01/muhammad-ali-burns2.jpg?w=1900&amp;ssl=1 1900w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></noscript></p>
<p>Die Verantwortlichen, Ken Burns, Sarah Burns und David McMahon, haben keine Mühe (und wohl auch keine Kosten) gescheut, kein Archiv unbesucht, kein Fotoalbum unbesehen, keine Zeitzeugin und keinen Zeitzeugen unbefragt gelassen und aus ihrem Mount Everest an zusammengetragenem Material eine großartig unterhaltsame Montage geschaffen, die wie ihr Gegenstand quecksilbert, in allen Farben schillert, in jede Richtung ausgreift, nicht festzunageln ist, blitzschnelles Tempo vorlegt, immer noch irgendwo etwas Neues entdeckt, endlos fasziniert und nonchalant austeilt. Am Ende ist man natürlich k.o., aber das gehört sich so.</p>
<p>Natürlich wird, und auch das ist nur angemessen, viel geredet. Allerdings schmerzt es da nun doch, dass keine OmU-Fassung im ARTE-Angebot ist, sondern nur eine mit eingesprochener (wahlweise deutscher oder französischer) Übersetzung. Das ist im Fall der deutschen Erzählstimme lässlich, die ruhig und gemessen durch den Dschungel der historischen Fakten führt und Charly Hübner gehört, dem schließlich jede:r gerne zuhört. Wenn aber die eingesprochene Übersetzung Alis Auslassungen betrifft, seine Diss-Reime, seine wüsten Fantastereien, seine großmäulige Eigenwerbung, die blumigen Beschimpfungen der Gegner, die Scherze mit den Journalisten, kurz: seine ganz eigene Art der kommunikativen Poesie, dann möchte man doch bittere Tränen weinen.</p>
<p>Vor allem, wenn es ernst wird, und das wird es öfters, Muhammad Ali sich auf dem Boden der Tatsachen über die harten Fakten äußert und etwas spürbar wird von jenem Kampfgeist, der im Ring ein Ventil hatte, der als Energie zur Befreiung aber noch ganz Anderes antrieb. Dann fällt auf, dass oft ein kleinkurzes Schweigen eintrat, wenn Ali sich politisch/kritisch äußerte; gleichsam so, als lausche er seinen eigenen Worten nach, sie in ihrer Wahrheit bestätigend; zugleich trat eine Schrecksekunde ein, in der die soeben formulierte Herausforderung sich erst richtig entfaltete. Kleine Bomben vermeintlicher Unverschämtheit, die lediglich jedes Mal aufs Neue bewiesen: <em>the times they are a-changing</em>.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" style="transition-duration: 0; transition-property: no; margin: 0 auto; position: relative; display: block; background-color: #000000;" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.arte.tv/player/v6/index.php?json_url=https%3A%2F%2Fapi.arte.tv%2Fapi%2Fplayer%2Fv2%2Fconfig%2Fde%2F100957-001-A&amp;lang=de&amp;autoplay=false&amp;mute=1&amp;previewData=%7B%22title%22%3A%22Muhammad%20Ali%22%2C%22subtitle%22%3A%22Erste%20Runde%3A%20Der%20Gr%C3%B6%C3%9Fte%20(1942-1964)%22%2C%22image%22%3A%22https%3A%2F%2Fapi-cdn.arte.tv%2Fapi%2Fmami%2Fv1%2Fprogram%2Fde%2F100957-001-A%2F940x530%3Fts%3D1639060522%22%7D" width="640" height="360" frameborder="0" scrolling="no" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe style="transition-duration: 0; transition-property: no; margin: 0 auto; position: relative; display: block; background-color: #000000;" src="https://www.arte.tv/player/v6/index.php?json_url=https%3A%2F%2Fapi.arte.tv%2Fapi%2Fplayer%2Fv2%2Fconfig%2Fde%2F100957-001-A&amp;lang=de&amp;autoplay=false&amp;mute=1&amp;previewData=%7B%22title%22%3A%22Muhammad%20Ali%22%2C%22subtitle%22%3A%22Erste%20Runde%3A%20Der%20Gr%C3%B6%C3%9Fte%20(1942-1964)%22%2C%22image%22%3A%22https%3A%2F%2Fapi-cdn.arte.tv%2Fapi%2Fmami%2Fv1%2Fprogram%2Fde%2F100957-001-A%2F940x530%3Fts%3D1639060522%22%7D" width="640" height="360" frameborder="0" scrolling="no" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>„My enemy is the white people, not Viet Cong or Chinese or Japanese. <em>You</em> my opposer when I want freedom. <em>You</em> my opposer when I want justice. <em>You</em> my opposer when I want equality. You won&#8217;t even stand up for me in America for my religious beliefs – and you want me to go somewhere and fight, but you won&#8217;t even stand up for me here at home?“ (Muhammad Ali zur Begründung seiner Wehrdienstverweigerung.)</p>
<p>Man erfährt im Verlauf der siebeneinhalb Stunden von <em>Muhammad Ali </em>viel Unerwartetes, Überraschendes, Unerhörtes. Beispielsweise, dass er lange und ausgiebig ausgebuht worden war, wenn er in den Ring stieg, dass er beschimpft wurde und Morddrohungen erhielt. Muhammad Ali war ein Stachel im Fleisch des weißen Amerika, nicht weil er als politischer Aktivist auf Demonstrationen Transparente schwang, sondern weil sein Name als Boxweltmeister im Schwergewicht auf der ganzen Welt ein Begriff war und, ja, schweres Gewicht hatte.</p>
<p>Zur ikonischen Figur des 20. Jahrhunderts wurde Muhammad Ali – dem die ganze Welt zu Füßen lag, als er 1996 von Parkinson gezeichnet das Olympische Feuer der Sommerspiele in Atlanta, Georgia, entzündete &#8211; nicht (nur) wegen seines unverwechselbaren, so kraftvollen wie eleganten Box-Stils – „float like a butterfly, sting like a bee!“. Er ist vielmehr der Größte und der Champion of the World, weil er die wichtigsten Kämpfe in seinem Leben nicht nur für sich und nicht mit den Fäusten gefochten hat, sondern als Redner und letztlich für uns alle.</p>
<p>Take this, sucker!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Muhammad Ali</strong></p>
<p>geboren am 17. Januar 1942 in Louisville, Kentucky</p>
<p>gestorben am 3. Juni 2016 in Scottsdale, Arizona</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In Erinnerung an Muhammad Ali hat auch die ARD in ihren Archiven gegraben und bietet in ihrer Mediathek Aufzeichnungen einiger von Alis wichtigsten Boxkämpfen zur gefälligen Besichtigung an, darunter den sogenannte <a href="https://www.daserste.de/sport/sportschau/videosextern/kampf-des-jahrhunderts-frazier-gegen-ali-100.html" target="_blank" rel="noopener">„Kampf des Jahrhunderts“</a> Cassius Clay gegen Joe Frazier am 8. März 1971 im New Yorker Madison Square Garden. Außerdem im Angebot: der Dokumentarfilm-Kracher <strong><em>When We Were Kings</em></strong> (Leon Gast, 1996), der sich ausführlich dem legendären <a href="https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/when-we-were-kings-einst-waren-wir-koenige-100.html" target="_blank" rel="noopener">„Rumble in the Jungle“</a> (1974 in Zaire, Ali gegen Foreman) sowie dem daran angeschlossenen Musikfestival widmet.</p>
<p>Und hier noch die <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/betoerende-beziehungsdebakel/">Streaming-Tipps</a> von voriger Woche.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/sofa-surfer/the-greatest-of-all-times/">The Greatest of All Times!</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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