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		<title>Auf sich selbst blicken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 16:30:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Renate Reinsve brilliert als Zweiflerin in „Der schlimmste Mensch der Welt“ von Joachim Trier und Eskil Vogt. Die Sehnsucht der Figuren überträgt sich umstandslos auf das Publikum. Der Titel führt pfeilgrad in die Irre. Die Titelheldin Julie (Renate Reinsve, Silberne Palme in Cannes, wo die Goldene eigentlich angesagt gewesen wäre) des sehr wundervollen Films Der schlimmste Mensch der Welt / Verdens verste menneske ist eben das nicht, sondern so wie wir alle halt sind, wenn man ehrlich ist. Unstet, am [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Renate Reinsve brilliert als Zweiflerin in „Der schlimmste Mensch der Welt“ von Joachim Trier und Eskil Vogt. Die Sehnsucht der Figuren überträgt sich umstandslos auf das Publikum.<br />
</em></p>
<p>Der Titel führt pfeilgrad in die Irre. Die Titelheldin Julie (Renate Reinsve, Silberne Palme in Cannes, wo die Goldene eigentlich angesagt gewesen wäre) des sehr wundervollen Films <em>Der schlimmste Mensch der Welt</em> / <em>Verdens verste menneske</em> ist eben das nicht, sondern so wie wir alle halt sind, wenn man ehrlich ist. Unstet, am Zweifeln, falsche Entscheidungen treffend, richtige Entscheidungen treffend, und vor allem gar keine Entscheidungen treffend. Begehren, Trauer, die großen Fragen, Kinder ja, Kinder nein, lieb ich ihn, verpasse ich was, werde ich mein Leben ganz gelebt haben. Alles das erzählt das Skript von Regisseur Joachim Trier und Eskil Vogt (der an den meisten Filmen Triers mitgeschrieben und mit seinem Regiedebüt <em>The Innocents</em> einen der besten Horrorfilme der letzten Jahre gedreht hat) in 13 Kapiteln plus Prolog und Epilog.</p>
<p>Julie und ihr Freund Aksel (Anders Danielsen Lie) sind zu Besuch im Landhaus von Aksels Freunden, die alle im Kleinfamilienformat auftreten. Er, Comic-Zeichner, ist zehn Jahre älter als sie; sie, Studentin der (nacheinander) Medizin, Psychologie und Fotografie, weiß auch mit 30 noch nicht, wohin die Reise gehen soll. Schwierig halt, sich festzulegen. Unter dem Eindruck des Familientreibens der Freunde – schreiende Kinder, schreiende Eheleute – spitzt der zwischen Julie und Aleks ansonsten eher schwelende Konflikt sich zu, der entsteht, wenn zwei Menschen einander lieben, die, wie man so sagt, gerade in unterschiedlichen Lebensphasen stecken. Er will Kinder und Verbindlichkeit, sie nicht oder weiß es halt noch nicht. Man könnte so ein an sich erst mal nicht originelles Beziehungsgespräch nachts in der Ferienhauskammer in geradezu stählerner Banalität versacken lassen.</p>
<figure id="attachment_7774" aria-describedby="caption-attachment-7774" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-7774" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1-300x169.jpg" alt="reinsve, lie in: der schlimmste mensch der welt" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-7774" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-7774" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="reinsve, lie in: der schlimmste mensch der welt" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/schlimmstemenschderwelt04-1280x720-1.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie</figcaption></figure>
<p>Dass in <em>Der schlimmste Mensch der Welt</em> jedes Wort, jede Geste milimetergenau sitzt und so gleichermaßen analytisch wie auch auf einer identifikatorischen und empathischen Ebene funktioniert, liegt zum einen an den Schauspieler:innen, die bis in die Nebenrollen ideal zusammengecastet worden sind. Und am Skript von Trier und Vogt, das in der anteilnehmend-beobachtenden Perspektive der Kamera zur Entfaltung kommt: Man bekommt vorgeführt, als quasi detektivische Seelenarbeit, die die Figuren selbst leisten, wie zwei Menschen versuchen einander zu lieben und daran scheitern. <a href="https://filmfilter.at/themen/essays/den-dreh-finden/">Und diese Vorführung zerlegt diese Liebe analytisch und berührt doch so sehr</a>, dass man gar nicht anders kann, als sie intuitiv abzugleichen mit der eigenen Erfahrung, den eigenen Geschichten.</p>
<p>Auch für Verliebtheit, die vielleicht zur Liebe wird, findet <em>Der schlimmste Mensch der Welt</em> wundervolle Bilder. Julie ist diffus unzufrieden; ob mit sich, ihrem Leben oder in ihrer Beziehung verrät der Film nicht, und wie soll man das auch trennen, wo schließlich alles miteinander zusammenhängt. Auf einer Party lernt sie Eivind, eine Seele von Mensch, gespielt von Herbert Nordrum, kennen. Julie und Eivind kreiseln betrunken umeinander, und was in jedem vergleichsweise dummen Film auf eine für den Plot halt nötige Grenzüberschreitung hinausgelaufen wäre (Julie „betrügt“ Aksel), wird hier dazu verwendet, um zu zeigen, wie zwischen zwei Menschen in kurzer Zeit eine eigene Welt entsteht, mit eigenen Ritualen und eine Nähe und ein Begehren, die mit dem Wort „Affäre“ überhaupt nicht eingefangen werden. Das ist sehr klarsichtig und herzerweichend zugleich. Und wieder: Man gleicht das Geschehen mit den eigenen Erlebnissen ab. <em>Der schlimmste Mensch der Welt </em>ist einer der Filme, in denen sich die Sehnsucht der Figuren auf Zuschauerin und Zuschauer überträgt.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Vgfwks-E48U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Vgfwks-E48U" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Im letzten Viertel des Films, wenn der an Krebs erkrankte Aksel stirbt, durchdringen sich das Individuelle, Besondere und das Allgemeine noch einmal auf eine andere Weise. Bis dahin laufen allerlei Diskurse – Feminismus, Männlichkeit, Mutterschaft – unauffällig, aber prägnant mit. In der Figur von Aksel wird dann ein Konflikt zwischen Alt und Jung spürbar, der <em>Der schlimmste Mensch der Welt</em> zu einem stimmigen Generationenporträt werden lässt. Der letzte Monolog des Sterbenden beschwört und verabschiedet eine ganze Kulturtechnik, das Sammeln und Leben mit Comics, Vinyl und Büchern und damit eine Art, Zeichen zu organisieren und also auch eine Lebensweise. Die Szene, in der Julie und Aksel das Haus besuchen, in dem Aksel als Kind gelebt hat, gehört zu den traurigsten und schönsten Filmmomenten, die ich in den letzten sagen wir zwanzig Jahren gesehen habe. Das sind so Bilder und Sätze, die man da hört und sieht, die auch wahre, aber verbrauchte Zitate wieder mit Leben füllen; zum Beispiel das von Ernst Bloch, Heimat sei etwas, „das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war“.</p>
<p>Das Individuelle und das Allgemeine: Anhand von drei Menschen (und vielen nur angetippten, aber nicht minder präzis gezeichneten Nebenrollen) zeigt <em>Der schlimmste Mensch der Welt</em>, was es bedeutet herauszufinden, wer man ist; das, zumindest das wissen alle Figuren hier offenbar, man herausfinden muss, wer man sein möchte. Dann das nächste Problem, wie bekommt man das realisiert, mit der Vergangenheit im Nacken und der Zukunft vor sich, die viel zu offen und eng zugleich ist. Das erzählt dieser Films so, dass man ihm sofort glaubt. Diesen Bildern gelingt es, dafür zu sorgen, dass man mit ihnen auf sich selbst blickt und sich durch die Figuren hindurch sieht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Der schlimmste Mensch der Welt</strong><br />
<strong>Norwegen/Frankreich/Schweden/Dänemark 2021, Regie</strong> Joachim Trier<br />
<strong>Mit </strong>Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum<br />
<strong>Laufzeit</strong> 121 Minuten</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Schwarze Perle</title>
		<link>https://filmfilter.at/fantastischer-film/schwarze-perle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Apr 2022 14:20:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fantastischer Film]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem fabelhaften Horrorfilm „The Innocents“ / „De uskyldige“ bestätigt der Norweger Eskil Vogt eine Faustregel des Genres: Kindern ist nicht zu trauen. Ida und Anna sind neu in der Hochhaussiedlung. Der Vater hat den Job gewechselt und die Familie musste umziehen. Es ist Sommer und die meisten Kinder, die in den etwas anonym wirkenden Blöcken wohnen, sind noch im Urlaub. Trägheit liegt über der weitgehend leeren Anlage, die an einen Wald angrenzt und an eine Landstraße. Doch das Gefühl [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>In seinem fabelhaften Horrorfilm „The Innocents“ / „De uskyldige“ bestätigt der Norweger Eskil Vogt eine Faustregel des Genres: Kindern ist nicht zu trauen.</em></p>
<p>Ida und Anna sind neu in der Hochhaussiedlung. Der Vater hat den Job gewechselt und die Familie musste umziehen. Es ist Sommer und die meisten Kinder, die in den etwas anonym wirkenden Blöcken wohnen, sind noch im Urlaub. Trägheit liegt über der weitgehend leeren Anlage, die an einen Wald angrenzt und an eine Landstraße. Doch das Gefühl sommerferialer Beschaulichkeit will nicht aufkommen, vielmehr liegt eine gewittrige Spannung in der Luft, dräut gewaltsame Entladung diffusen Ungemachs.</p>
<p>Der Titel dieses schlichten und schrecklichen Horrorfilms aus dem Hohen Norden, <em>The Innocents (De uskyldige)</em> von Eskil Vogt, ruft zwar Erinnerungen wach an <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-0P4yNjMUvA" target="_blank" rel="noopener">Jack Claytons gleichnamige Klassikerverfilmung</a> nach der Kurzgeschichte „The Turn of the Screw“ von Henry James mit Deborah Kerr aus dem Jahr 1961, hat mit dieser aber nicht mehr gemein als Kinder, die kurz unschuldig wirken, bevor sie geradezu schauerlich unheimlich werden. In beiden Fällen gilt: Unschuldig ist am Ende keine:r mehr.</p>
<p>Ida ist neun und von der ganzen Umzugssituation genervt; vor allem, weil sie sich nun wieder verstärkt um ihre Schwester Anna kümmern muss, dabei ist die doch eigentlich älter. Manchmal macht Ida sich einen sadistischen Spaß daraus, Anna zu quälen, indem sie sie zwickt oder Glasscherben in ihre Schuhe steckt. Wohl wissend, dass Anna sie nicht anklagen wird, denn Anna spricht nicht, sie ist Autistin. Als solche gerät sie leicht aus der Fasson, wenn man ihre Kreise stört oder etwas ungewohnt ist. So wie eben jetzt die neue Umgebung. Also soll Ida mit Anna auf den Spielplatz gehen und sie dort nicht alleine lassen. Was sie dann aber natürlich doch tut.</p>
<figure id="attachment_7202" aria-describedby="caption-attachment-7202" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=550%2C310&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-7202" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe-300x169.jpg" alt="" width="550" height="310" /><figcaption id="caption-attachment-7202" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-7202" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=550%2C310&#038;ssl=1" alt="" width="550" height="310" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=390%2C220&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?resize=1320%2C743&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/04/de-uskyldige-knabe.jpg?w=1400&amp;ssl=1 1400w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Rakel Lenora Fløttum, Sam Ashraf</figcaption></figure>
<p>So trifft Ida auf Ben, den etwa gleichaltrigen Jungen, der ihr im Wald etwas zeigt: er kann Gegenstände mit der Kraft seiner Gedanken bewegen. Und so trifft Anna auf Aisha, die etwas jünger ist als Ida und die sich zu dem „großen“ Mädchen in die Sandkiste setzt und mit ihr redet. Sie versteht, was Anna sagt, meint sie später zu Ida, dabei war von Anna außer den üblichen gutturalen Lauten nichts zu hören.</p>
<p>Telekinese? Telepathie? Übersinnlich begabte Kinder? Außenseiter jedenfalls, deren überschaubarer Kosmos von Furcht und Schrecken bestimmt wird. Aisha hat eine Pigmentstörung und großflächige hellere Flecken in ihrem ansonsten dunklen Gesicht; Ben ist noch dunkelhäutiger als Aisha, er ist meist allein unterwegs, weil die anderen (weißen) Jungs nicht mit ihm spielen wollen; Anna ist nicht ganz von dieser Welt und Ida ist „die Neue“. Gemeinsam ist ihnen die Erfahrung von Ausgrenzung. Also tun sie sich zusammen – denn gemeinsam ist man stark. Oder etwa nicht? Stärkt der Zusammenschluss womöglich nur das Böse, das im Wald sitzt und die Kinder benutzt, und das seinen schwarzen Schatten anfangs schon warf? Oder hat die grausame Macht, die hier wirkt und auf die sie sich einlassen, ihren Ursprung in den Kindern selbst?</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/T8HR-zTRrCM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/T8HR-zTRrCM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die Fragen, die Eskil Vogt in <em>The Innocents </em>aufwirft, kommen schnell und sind zahlreich. Doch der norwegische Filmemacher und Drehbuchautor hat es in seinem Zweitling – voriges Jahr beim Filmfestival in Cannes in der Sektion Un Certain Regard uraufgeführt – nicht eilig, sie zu beantworten. Anstatt an Auf- oder Erklärung des rätselhaften Geschehens arbeitet er lieber daran, das Gefühl der Beunruhigung, das sich bereits zu Beginn einstellte, stetig wachsen zu lassen. Unterstützt wird er dabei zum einen von einem gefinkelten, mit allen Schattierungen latenter Gefahr spielenden Sound Design, für das Gisle Tveito und Gustaf Berger mit einem europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden sind. Und zum anderen von vier herausragenden Kinderschauspieler:innen, denen einiges abverlangt wird.</p>
<p>Freilich lässt sich davon ausgehen, dass das gräuliche Geschehen und die kindliche Reaktion darauf jeweils voneinander getrennt gefilmt worden sind, und doch sind die emotionalen Register, die gefordert werden, durchweg schwer lastende wie Angst, Verunsicherung, Trauer, Entsetzen und Verzweiflung. Rakel Lenora Fløttum (Ida), Alva Brynsmo Ramstad (Anna), Sam Ashraf (Ben) und Mina Yasmin Bremseth Asheim (Aisha) aber tauchen tief in dunkle Gefilde und heben diese schwarze Perle des europäischen Horrorkinos empor. Kindern war in diesem Genre schließlich noch nie zu trauen, das ist eine alte Faustregel, welcher der talentierte Nachwuchs hier in aller Form alle Ehre erweist. Und so scheint wenigstens dieser kleine Teil Zukunft gesichert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>De uskyldige / The Innocents</strong><br />
<strong>Norwegen 2021, Regie, Drehbuch</strong> Eskil Vogt<br />
<strong>Mit</strong> Rakel Lenora Fløttum, Alva Brynsmo Ramstad, Sam Ashraf und Mina Yasmin Bremseth Asheim<br />
<strong>Laufzeit</strong> 118 Minuten</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/fantastischer-film/schwarze-perle/">Schwarze Perle</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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