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		<title>Erzfeindin des Feminismus?</title>
		<link>https://filmfilter.at/fantastischer-film/erzfeindin-des-feminismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Feb 2024 15:45:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Barbie“: Greta Gerwig und Noah Baumbach klopfen die Kultpuppe auf ihr gesellschaftssatirisches Potenzial ab. Eine Überdosis Pink ist im Kaufpreis inbegriffen. Wie hier überhaupt so einiges über drüber ist, also übertrieben, überkandidelt, überzogen und überspannt. Das muss so sein. Dieser Film heißt schließlich nicht zum Scherz Barbie, dieser Film handelt von Barbie. Also von der von Ruth Handler erfundenen, in den späten Fünfzigern in den USA auf den Markt gebrachten Plastikpuppe, die, erwachsen, modebewusst, erfolgreich und alleinstehend, eine Alternative zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Barbie“: Greta Gerwig und Noah Baumbach klopfen die Kultpuppe auf ihr gesellschaftssatirisches Potenzial ab</em><em>.<br />
</em></p>
<p>Eine Überdosis Pink ist im Kaufpreis inbegriffen. Wie hier überhaupt so einiges über drüber ist, also übertrieben, überkandidelt, überzogen und überspannt. Das muss so sein. Dieser Film heißt schließlich nicht zum Scherz <em>Barbie</em>, dieser Film handelt von Barbie. Also von der von Ruth Handler erfundenen, in den späten Fünfzigern in den USA auf den Markt gebrachten Plastikpuppe, die, erwachsen, modebewusst, erfolgreich und alleinstehend, eine Alternative zu den ewig gleichen Babypuppen darstellte, mit denen Mädchen für ihre zukünftige gesellschaftliche Aufgabe trainiert wurden. Allerdings sind die Proportionen einer Barbie nicht nur anatomisch, sondern vor allem politisch unkorrekt. Blond, blauäugig, vollbusig, mit ihrer Wespentaille, ihren Endlosbeinen, die unten in High-Heels-Füße münden und oben in keiner Vagina, mit den unendlich vielen Klamotten und einem unstillbaren Hunger auf Konsum, ist Barbie schuld an falschen Körperbildern, falschen Geschlechterbildern und falschen Weltbildern.</p>
<p>Und jede emanzipierte Frau, die auf sich hält, verbannt die Barbiepuppe aus dem Zimmer ihrer Tochter – oder versucht es zumindest. Dass es mittlerweile Barbies in unterschiedlichen Hautfarben gibt und auch eine Barbie im Rollstuhl sitzt, macht die Sache nicht besser. Und Barbies mit normalen Proportionen konnten sich gar nicht erst durchsetzen; neben ihren Hungerhaken-Schwestern wirkten sie mehr als nur vollschlank, die Produktion wurde eingestellt.</p>
<p><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=550%2C413&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load alignnone wp-image-10715" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4-300x225.jpg" alt="Gerwig, Robbie, Barbie" width="550" height="413" /><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="alignnone wp-image-10715" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=550%2C413&#038;ssl=1" alt="Gerwig, Robbie, Barbie" width="550" height="413" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=770%2C578&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=500%2C375&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=293%2C220&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?resize=390%2C293&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/07/barbie4.jpg?w=1200&amp;ssl=1 1200w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript></p>
<p>Der Mattel-Konzern, dessen eingetragenes Warenzeichen Barbie ist, ist sich der Problematik seiner regelmäßig im ideologischen Kreuzfeuer stehenden Goldesel-Figur im Übrigen wohl bewusst und versucht auf unterschiedliche Weisen gegenzusteuern. Beispielsweise indem er zum Frauentag 2018 eine Serie von „Inspiring Women“ nachgebildeten Puppen vorstellte, darunter Amelia Earhart und Frida Kahlo. Auch der nun vorliegende Film will in diesem Kontext der Image-Korrektur gesehen werden. Gelungen ist ein veritabler Coup, führt doch keine geringere als Indie-Star Greta Gerwig Regie und wurden die Rollen von Barbie und Ken, der selbstverständlich nicht fehlen darf, von den hoch angesehenen Margot Robbie und Ryan Gosling übernommen. Woraus zu schließen ist, dass es sich bei <em>Barbie</em>, Überdosis Pink hin oder her, weniger um einen eindimensionalen Popcorn-Film für kleine Mädchen handelt als vielmehr um einen ebenso ernst zu nehmenden wie längst überfälligen Debattenbeitrag, der sich mit der kritischen Befragung des inkriminierten Lieblingsspielzeugs hinsichtlich seines (selbst)ironischen Potenzials eher an Erwachsene richtet.</p>
<p>Dass dies gelingt und über weite Strecken entweder hochkomisch oder grenzgenial oder sogar beides zugleich ausfällt, ist dem Drehbuch zu danken, geschrieben von Gerwig gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem nicht minder vielgepriesenen Filmemacher Noah Baumbach. Die beiden packen den Stier bei den Hörnern, indem sie die Plastic People dem Realitätscheck unterziehen. Nach einer umwerfenden, nichts geringeres als den Beginn von Kubricks <em>2001</em> zitierenden Einleitung nämlich sowie einem geradezu enervierend gut gelaunten ersten Kapitel („Hi, Barbie!“) stellt sich plötzlich und schockierend die Frage nach dem Tod, die selbstverständlich in Barbieland rein gar nichts verloren hat. Rasch ist die Ursache erkannt: ein Riss zwischen gespielter und realer Welt, der geschlossen werden muss – zu welchem Behufe Barbie und Ken in Los Angeles aufschlagen und gegen die Wirklichkeit prallen. Dieser Aufprall ist für Barbie schmerzhafter als für Ken, denn beiden offenbart sich bei dieser Gelegenheit das Patriarchat. In der Folge kommt es in Barbieland zum längst überfälligen Kampf der Geschlechter. Alldieweil die Anzugträger von Mattel, allen voran der von Will Ferrell mit wie immer großer Freude an der anarchischen Sache gegebene CEO, sich um Schadensbegrenzung bemühen: Zurück in die Schachtel!, lautet hier der Schlachtruf. Doch der CEO hat die Puppenspielerin nicht auf dem Schirm, der das angerichtete Tohuwabohu mittlerweile einen Heidenspaß macht. Um von der ihrer selbst sich bewusst gewordenen Barbie zu schweigen, die nicht mehr länger Blondie-Bimbo sein will.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/pBk4NYhWNMM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/pBk4NYhWNMM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Gerwig und Baumbach scheuen weder vor Kapitalismuskritik noch vor Emanzipationsdiskursen zurück. Sie werfen eine Menge Bälle in die Luft. Nicht mit jedem wird in der Folge meisterlich jongliert, manche fallen zu Boden, einige fliegen weit übers Feld hinaus, andere stellen sich als würfelförmig oder pyramidal heraus. Aber derart abwechslungsreich und gewinnbringend haben die Frauen und Männer, die Mädels und Buben im Publikum sicher noch nie über dieses Spielzeug nachgedacht – darüber, wofür es steht, und wofür es stehen könnte.</p>
<h6>Bei Sky Q oder Sky X, nebst weiterer Filme mit Margot Robbie wie BABYLON oder THE WOLF OF WALL STREET</h6>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Barbie</strong><br />
<strong>USA 2023, Regie</strong> Greta Gerwig<br />
<strong>Mit</strong> Margot Robbie, Ryan Gosling, Dua Lipa, Will Ferrell<br />
<strong>Laufzeit</strong> 114 Minuten</p>
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		<title>Weißes Rauschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2022 16:00:26 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„She Said“: Neben Weinsteins Fall wurde auch DeLillos Weißes Rauschen fürs Kino adaptiert. Dazu läuft u.a. der neue Film der von uns verehrten Mia Hansen-Løve an.</em></p>
<p>Die Kinowoche beginnt mit dem Film zur Bewegung, die die von Männern dominierte Kinolandschaft erschüttert hat wie eigentlich keine politische Initiative zuvor. Das Metoo-Movement berührte einen Kern des Produktionszusammenhangs, in dem Filme leider nach wie vor entstehen, trotz aller graduellen Fortschritte: die Ausbeutung weiblicher Körper vor und hinter der Kamera. Überraschenderweise hat nun die deutsche Regisseurin Maria Schrader die Geschichte der Enthüllung der nahezu systematischen Vergewaltigungen durch den Filmproduzenten Harvey Weinstein, welche die Bewegung maßgebend auf Touren brachte, verfilmt. Ihr Film basiert auf dem Buch „She said. Breaking the Sexual Harassment Story That Helped Ignite a Movement“ der New-York-Times-Journalistinnen Jodi Kantor (Zoe Kazan) und Megan Twohey (Carey Mulligan). <strong><em>She Said </em></strong>reiht sich in eine ehrenwerte Tradition der Filme um heldenhafte Journalisten ein, von <em>Die Unbestechlichen </em>bis<em> Spotlight</em>. Aber <em>She Said </em>traut sich auch, Leerstellen zu lassen, wo der Film es sich einfacher hätte machen können. Harvey Weinstein taucht als Figur nur kurz auf und wird ausschließlich von hinten gefilmt, eine Vergewaltigung ist – fast schon selbstverständlich in diesem Fall – nicht auf der Leinwand zu sehen.</p>
<p><em> <iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/i5pxUQecM3Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/i5pxUQecM3Y" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></em></p>
<p><em>She Said </em>schafft Klarheit und weiß, was falsch und was richtig ist: Das Problem ist hier nicht, die Wahrheit zu finden, das Problem ist, sie durchzusetzen. In Noah Baumbachs Don-DeLillo-Verfilmung <strong><em>Weißes Rauschen </em></strong>hingegen ergreift fundamentale Verwirrung die Figuren und wahrscheinlich auch Zuschauerin und Zuschauer. Der Universitätsprofessor Jack Gladney (Adam Driver), der, obwohl des Deutschen nicht mächtig, sehr erfolgreich zu Adolf Hitler forscht, wird von einer unbestimmten Todesangst geplagt, die ihn und seine (vierte) Ehefrau (Greta Gerwig) in die Drogensucht treibt. Was genau das alles soll, man kann es in vielerlei Hinsicht nur ahnen. Klar ist, dass Don DeLillo – oft als neben Thomas Pynchon wichtigster Postmodernist der US-Literatur angesehen – eine recht gründliche Zerlegung des amerikanischen Middle-Class-Menschen der Achtzigerjahre geschrieben hat. Und Noah Baumbach tut es ihm jetzt, fast vierzig Jahre später, mit seinem Netflix-Film <em>White Noise</em> nach.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/SgwKZAMx_gM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/SgwKZAMx_gM" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Mia Hansen-Løve ist spätestens seit <em>Alles was kommt </em>und<em> Eden </em>eine der genauesten filmischen Beobachterinnen von Lebensschicksalen zur Zeit. Mit <em>Bergman Island </em>hat sie zuletzt außerdem <a href="https://filmfilter.at/themen/essays/den-dreh-finden/">eine tiefgreifende Reflexion</a> des Verhältnisses von Film und Leben geschaffen. In ihrem neuen Film <strong><em>An einem schönen Morgen </em></strong>spielt Lea Seydoux eine junge Witwe, die als alleinerziehende Mutter in Paris zwischen Beruf und dem Leben mit Kindern klarkommen muss. Hansen-Løve ist damit zum autobiografisch gefärbten Biografie-Kino zurückgekehrt, das im französischen Bildungsbürgertum spielt, ohne Metaebene und reflexiven Bruch.</p>
<p>Zu <em>An einem schönen Morgen</em> ist das Sequel zum Low-Budget-Überraschungshit <em>Terrifier</em>, <strong><em>Terrifier 2</em></strong>, eine rigorose Antithese, eine fürchterliche Sauerei nämlich. Alles da, minutenlange Gore-Szenen, sorgloser Umgang mit Gewaltinszenierungen, Berichte von Ohnmachtsanfällen und Fluchtimpulsen im Publikum. Läuft in ausgewählten Kinos und scheint tatsächlich noch einmal, auch nach über einem halben Jahrhundert weitgehend entgrenzten Splatterkinos, einen unangenehmen Punkt zu berühren. Nicht psychisch-subtil, sondern ganz direkt und körperlich.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/g6WeueI_P00" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/g6WeueI_P00" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Zur Erholung von Terrifier noch ein filmisches Zeugnis von Freundlichkeit und Menschenliebe. Die Titelheldin von Semir Arslanyüreks und Kazım Öz&#8216; Film <strong><em>Elif Ana </em></strong>(Aliye Uzunatağan) unterstützt mit selbstverständlicher Güte die Kranken und die Menschen, die in Not sind. Sie droht zu erblinden, und auf der Fahrt ins Krankenhaus nach Ankara zieht ihr Leben an ihr (und an den Augen des Publikums) vorbei. <em>Elif Ana</em> ist ein berührendes, vollkommen unprätentiöses Drama.</p>
<p>Zum Schluss der Kinderfilm der Woche: Michael Krummenachers Verfilmung von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker <strong><em>Der Räuber Hotzenplotz</em> </strong>modernisiert die Geschichte, ohne dass es aufgesetzt wirken würde und reiht sich so in eine Reihe jüngerer Klassiker-Neuverfilmungen ein (<em>Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer</em>, <em>Der junge Häuptling Winnetou</em>). Nichts Umwerfendes, aber für einen Sonntagnachmittagskinobesuch reicht es auf jeden Fall.</p>
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