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		<title>Sterben</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/sterben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2024 10:15:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino. Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Sterben“: Wie im richtigen Leben geht es zu in dieser Familie; und obwohl Matthias Glasners Film nicht nur ergreifend, sondern trotz Titel auch unterhaltsam ist, erteilen wir Popcorn-Verbot! Jetzt auch in Österreich im Kino.<br />
</em></p>
<p>Das ist natürlich schon so etwas wie ein Schlag ins Gesicht der Mainstream-Unterhaltung, einen Film „Sterben“ zu nennen und dann darin mal eben drei Stunden lang die echt harten Fragen zu verhandeln, die das Leben einem im Laufe des Lebens so stellt. Aber Matthias Glasner war ja noch nie der Mann fürs Weichgespülte, Leichtverdauliche. Glasner hat vielmehr stattdessen Brocken in die Kinolandschaft gestellt, mit denen musste das Publikum erstmal klar kommen – oder ihnen eben aus dem Weg gehen; Popcorn konnte man zu Filmen wie <em>Der freie Wille</em> (2006, über die Seelenqual eines Vergewaltigers) und <em>Gnade</em> (2012, über die Gewissensbisse einer Unfallflüchtigen) jedenfalls nicht fressen. Kann man auch zu <em>Sterben</em> nicht und sollte man ohnehin eh überhaupt nicht.</p>
<p>Sprechen wir also von Familie Lunies: Vater, Mutter, Sohn und Tochter; Gerd, Lissy, Tom und Ellen; Parkinson und Demenz, Vaginalkrebs und Nierenversagen, Dirigent und Patchworkvater, Alkoholikerin und <em>loose cannon</em>; niedersächsische Provinz, Berlin und Hamburg. Eine eigentlich ziemlich normale Familie im Deutschland der Gegenwart. Dazu Freunde, Kolleginnen und Nachbarn; sowie die titelgebende Komposition. Dabei handelt es sich um ein umwerfendes Stück moderner Musik in mehreren Variationen, das im Film das (postume) Opus magnum von Toms bestem Freund Bernard darstellt, und in Wirklichkeit geschrieben wurde von Lorenz Dangel, der dafür einen Deutschen Filmpreis(*) erhielt. Diese ergreifende, zu Tränen rührende Musik setzt Zäsuren, zusätzlich zu den Kapitelüberschriften, die Perspektiven benennen und den Fluss der Erzählung immer mal wieder neu ansetzen lassen. Es gibt Ordnung in diesem unbotmäßigen Geschichten-Konglomerat, aber sie nimmt sich selbst nicht allzu ernst, ist im Gegenteil jederzeit zur Kapitulation bereit. Denn das letzte Wort hat sowieso immer der Tod und davon abgesehen regiert das Chaos.</p>
<p>Ebendiese wirklichkeitsnahe Einschätzung dessen, was der Fall ist, macht <em>Sterben</em> so unterhaltsam; und zwar nicht nur im Sinne von kurzweilig, sondern auch im Sinne von: lustig, grotesk, absurd, makaber, komisch, witzig. Mitunter ist nicht zu entscheiden, ob Lachen oder Weinen oder beides gleichzeitig oder doch lieber nacheinander die angemessene Reaktion auf dieses oder jenes Ereignis wäre; es geht demnach zu wie im richtigen Leben; es ist wahr, und das ist halt hart.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Tgvt0qoPbm4?si=mWDXs4XNgUYWfBOy" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Beispielsweise in jener bereits jetzt schon legendären Szene, in der Lissy und Tom nach der Beisetzung des Vaters – der im Pflegenotstand unspektakulär und erbärmlich verendet ist – zuhause an der Kaffeetafel sitzen und unmerklich in einen der grausamsten Austausche bitterer Wahrheiten hineinrutschen, der jemals auf einer Leinwand Platz fand. Die Luft bleibt einem weg, denn was Mutter und Sohn sich hier gegenseitig servieren, ist so nebenher-böse und unabsichtlich-gemein wie es authentisch ist: weil schließlich irgendwann einmal gesagt werden muss, was schon längst einmal hätte gesagt werden müssen (auch wenn man es letztlich doch besser für sich behalten hätte). Und es wird dieser Wechsel von Sätzen, die wie Pfeile ins Mark treffen, von Corinna Harfouch und Lars Eidinger in den Rollen von Lissy und Tom mit einer Disziplin und Empathie dargeboten, die dessen emotionale Sprengkraft noch unterstreicht. Wenn dann schließlich die Faust auf dem Kuchenteller niedergeht, bringt das keine Erlösung mit sich, es bleibt ein Zeichen der Hilflosigkeit. Wie im richtigen Leben eben.</p>
<p>Harfouch und Eidinger, Lilith Stangenberg als Ellen, Ronald Zehrfeld als ihr (verheirateter) Liebhaber, Robert Gwisdek als der depressive Komponist und nicht zu vergessen Hans-Uwe Bauer „als mein Vater“ (wie es in den Credits heißt) – das ist ein hochkarätiges Ensemble, das sich darüber im Klaren ist, was hier auf dem Spiel steht. <em>Sterben</em> ist eine aus dem Innersten und Tiefsten kommende und in beeindruckender Aufrichtigkeit formulierte Mitteilung existenzieller Erfahrungen. Glasner macht kein Geheimnis daraus, dass dieser Film auch von ihm selbst und seiner Familie handelt. Es ist seine Tochter, die im Handyvideo zu Beginn frontal in die Kamera fordert: „Du musst machen, was Dein Herz dir sagt. Du musst auf Dein Herz hören. Du musst.“</p>
<p>Und alle hören auf sie.</p>
<h6>(*) Des weiteren erhielt <em>Sterben</em>, der in neun Kategorien nominiert war, Deutsche Filmpreise als Bester Spielfilm, Corinna Harfouch als Beste Hauptdarstellerin und Hans-Uwe Bauer als Bester Nebendarsteller. Bei der Berlinale konnte Glasner einen Silbernen Bären für das Beste Drehbuch entgegennehmen <em>(wobei, die Bemerkung sei erlaubt, der Große Preis der Jury bei ihm besser aufgehoben gewesen wäre als bei Hong Sangsoo, der mit demselben offenbar rein gar nichts anzufangen wusste).</em></h6>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Sterben</strong><br />
<strong>DE 2024, Regie</strong> Matthias Glasner<br />
<strong>Mit</strong> Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Anna Bederke, Hans-Uwe Bauer, Robert Gwisdek<br />
<strong>Laufzeit</strong> 180 Minuten</p>
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		<title>Der V-Effekt</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/der-v-effekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2022 17:00:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Julian Radlmaiers Vampirkomödie „Blutsauger“, mit Lilith Stangenberg in der Rolle eines gebildeten Fräuleins, überzeugt mit Witz, Marx und Theoriefestigkeit. „Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ So liest man es sich am Ostseestrand vor im Marx-Lesekreis, der Julian Radlmaiers sehr lustigen zweiten Langfilm Blutsauger eröffnet. Und dann natürlich gleich, es ist ein Marx-Lesekreis, das Festbeißen an einem Satz: Ob das denn nun eine [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Julian Radlmaiers Vampirkomödie „Blutsauger“, mit Lilith Stangenberg in der Rolle eines gebildeten Fräuleins, überzeugt mit Witz, Marx und Theoriefestigkeit.</em></p>
<p>„Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt.“ So liest man es sich am Ostseestrand vor im Marx-Lesekreis, der Julian Radlmaiers sehr lustigen zweiten Langfilm <em>Blutsauger </em>eröffnet. Und dann natürlich gleich, es ist ein Marx-Lesekreis, das Festbeißen an einem Satz: Ob das denn nun eine Metapher sei oder ob nach Marx die Kapitalisten wirklich Vampire &#8230;</p>
<p>Der Lesekreis tendiert zu: Metapher. <em>Blutsauger </em>wiederum nimmt Marx beim Wort. Als die Fabrikantentochter Octavia Flambow-Jansen (Lilith Stangenberg) ihr schönes Gebiss in den Hals ihres in sie eh schon verliebten „persönlichen Assistenten“ („Diener“ soll man ihn nicht nennen, Octavia befürwortet das Moderne) Jakob (Alexander Herbst) versenkt, erfolgt die Bestätigung.</p>
<p>Radlmaier weiß, wenn man einen Film über kapitalistische Blutsauger, proletarische Lesekreise und in Fabrikantinnen verliebte Diener drehen will, der nicht lügt, geht das nicht mehr unmittelbar, sondern nur im Rückgriff auf die Tradition des revolutionären Kinos, die heute nicht einfach bruchlos weitergeführt werden kann. Das alles soll 1928 spielen, gleichwohl fährt Octavia mit einem eindeutig der Gegenwart zuordenbaren Motorrad an den Strand und auch sonst kommen die Zeitebenen schön ins Schillern. Ein Brecht’scher V-Effekt. Oder besser noch: das Zitat eines V-Effekts.</p>
<figure id="attachment_7758" aria-describedby="caption-attachment-7758" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=550%2C330&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-7758" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger-300x180.jpeg" alt="Stangenberg et al in: Blutsauger" width="550" height="330" /><figcaption id="caption-attachment-7758" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-7758" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=550%2C330&#038;ssl=1" alt="Stangenberg et al in: Blutsauger" width="550" height="330" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=300%2C180&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1024%2C615&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=770%2C463&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1536%2C923&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=500%2C300&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=293%2C176&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1400%2C841&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=390%2C234&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?resize=1320%2C793&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2022/06/blutsauger.jpeg?w=1791&amp;ssl=1 1791w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Daniel Hoesl, Lilith Stangenberg, Aleksandre Koberidze</figcaption></figure>
<p>Die Figuren in <em>Blutsauger </em>sagen ihre Sätze auf, als würden sie sie ablesen, weitgehend ausdruckslos, und Schauspielerinnen wie eben Stangenberg oder Corinna Harfouch dabei zuzuschauen, wie sie sozusagen spielen wie sie ihre Figuren spielen, das macht schon großen Spaß.</p>
<p>Die eigentliche Hauptfigur ist der aus der Sowjetunion geflohene Schauspieler Ljowuschka (Aleksandre Koberidze), der in Eisensteins <em>Oktober </em>Trotzki spielen sollte, dann aber, die Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen, aus dem Film herausgeschnitten wurde, weil Stalin das so wollte. Besonders gut gefallen Ljowuschka die Pausen beim Dreh, und er verlässt die Sowjetunion, um in Hollywood groß rauszukommen. Er verliebt sich in die Gräfin, das Motorrad wird geklaut, der Marx-Lesekreis zerstreitet sich, geht aber am Ende dann doch noch mit dem Kleinbürgertum des Ostseeörtchens auf Vampirjagd.</p>
<p>Aber der Plot ist egal, <em>Blutsauger </em>geht es scheint&#8217;s vor allem darum, in einer Abfolge von Einzelszenen gemeinsam mit dem Zuschauer darüber nachzudenken, wie man nach dem notwendigen Scheitern des revolutionären Kinos (gescheitert, weil die Revolution ausgeblieben ist) noch im und mit dem Film über ein revolutionäres Kino nachdenken kann. Was man also heute, gröber gesagt, noch anfangen kann mit Eisenstein, Godard, und Straub/Huillet, vielleicht auch Fassbinder und eventuell auch Schlingensief (<em>Mutters Maske </em>wird Radlmaier wahrscheinlich gesehen haben). Ohne dabei die unfreiwillige Komik, die in der Geschichte dieses revolutionären Kinos immer wieder aufblitzt, zu negieren.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/G9ai61KOy40" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/G9ai61KOy40" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Der erste Eindruck, den man schon bei Radlmaiers Langfilmdebüt <em>Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes </em>bekommen konnte, nämlich dass sich hier einer über diese Tradition lustig macht, täuscht. Eine deutschsprachige Komödie, die nicht auf Haha und Schenkelklopfen setzt, sondern den Witz ernst meint und den Ernst schnell komisch werden lässt – das ist mehr, als man sich eigentlich erhoffen kann. „Im Komischen blitzt etwas auf, da gelingt vielleicht eine Kombinatorik, wo etwas drin stecken könnte“, hat <a href="https://www.tip-berlin.de/kino-stream/filme/julian-radlmaier-blutsauger-interview/" target="_blank" rel="noopener">Julian Radlmaier im Interview</a> mit Bert Rebhandl erzählt. Und: „Ich würde heute schon sagen, im Marxismus steckt ein Erkenntnisweg drin.“ Auch in <em>Blutsauger </em>ist alles, was auf die Tradition des revolutionär gestimmten Kinos verweist, auch das Brecht’sche, gebrochen. Oft ironisch oder selbstironisch, aber, bei aller Komik, nicht ohne Melancholie angesichts dessen, was sich nicht realisieren ließ, und allem was schiefgegangen ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Blutsauger</strong><br />
<strong>Deutschland 2021, Regie</strong> Julian Radlmaier<br />
<strong>Mit </strong>Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alexander Herbst, Corinna Harfouch<br />
<strong>Laufzeit</strong> 125 Minuten</p>
<p>&nbsp;</p>
</div><p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/themen/kritiken/der-v-effekt/">Der V-Effekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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		<title>Wahlberg oder die Berge</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Feb 2022 18:30:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Lustiger Quatsch mit Tom Holland und Mark Wahlberg, Unterschiedliches aus den Bergen, Bekanntes aus der ostdeutschen Provinz und der seltene Fall einer gelungenen Demenz-Komödie. Der Trailer enthält bereits die wahrscheinlich spektakulärste Szene: Tom Holland turnt auf Gepäckstücken rum, die aus einem Flugzeugladeraum in ein paar hundert Metern Höhe rausdonnern, dann knallt ihm noch ein Auto an die Rübe, und es geht ab in die Tiefe. Die Szene aus Uncharted interessiert sich nicht nur Null für irgendwelche physikalischen Gesetze, sie ist [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Lustiger Quatsch mit Tom Holland und Mark Wahlberg, Unterschiedliches aus den Bergen, Bekanntes aus der ostdeutschen Provinz und der seltene Fall einer gelungenen Demenz-Komödie.</em></p>
<p>Der Trailer enthält bereits die wahrscheinlich spektakulärste Szene: Tom Holland turnt auf Gepäckstücken rum, die aus einem Flugzeugladeraum in ein paar hundert Metern Höhe rausdonnern, dann knallt ihm noch ein Auto an die Rübe, und es geht ab in die Tiefe. Die Szene aus <strong><em>Uncharted </em></strong>interessiert sich nicht nur Null für irgendwelche physikalischen Gesetze, sie ist auch unübersehbar an Gaming-Ästhetik angelehnt. Und was völlig übertrieben ist, macht im besten Falle Spaß, wirkt dabei aber meist künstlich. Die von Holland und Wahlberg dargestellten Protagonisten im Film von <em>Venom</em>-Regisseur Ruben Fleischer hangeln sich diszipliniert an einem eher hauchdünnen Schatzsuchen-Plot von Spektakelsequenz zu Spektakelsequenz, oder auch von Level zu Level. Was nun alles auch nicht verwundert, schließlich ist dieser lustige Quatsch eine Computerspielverfilmung. „Wenn man mit der Legende Mark Wahlberg arbeitet, ist es wichtig, dass man im Fitnessstudio alles gibt“, hat Hauptdarsteller Tom Holland im Vorfeld erklärt. „Ich habe versucht, so viel Masse wie möglich aufzubauen und so viel Kraft wie möglich zu bewahren.“ Womit das filmästhetische Prinzip von <em>Uncharted </em>bereits recht komplett zusammengefasst wäre.</p>
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<p>Holland und Wahlberg in allen Ehren, aber der 14-jährige Julius Weckauf spielt sie an die Wand. In dem sehr, sehr guten Hape-Kerkeling-Biopic <em>Der Junge muss an die frische Luft </em>war das schon beeindruckend, danach hat Weckauf leider in eher weniger gelungenen Produktionen mitgespielt. <strong><em>Der Pfad </em></strong>könnte da um einiges sehenswerter ausgefallen sein. Der Film von Tobias Wiemann <em>(Amelie</em> <em>rennt</em>) erzählt von einer Flucht über die Alpen im Jahre 1940. Rolf (Julius Weckauf) und sein Vater Ludwig Kirsch (Volker Bruch) versuchen, aus Frankreich heraus und über die Pyrenäen in die USA zu gelangen. Der Ton ist heiter, auch wenn Bedrückendes passiert, und in diesem Sinne ist <em>Der Pfad </em>zum einen ein kindgerechter Film, der eine Geschichte aus dem Nationalsozialismus erzählt, zum anderen schlicht ein Abenteuerfilm, der halt 1940 spielt.</p>
<p>Wir bleiben in den Bergen. Der Extremkletterer Marc-André Leclerc kraxelt ohne technische Hilfs- und Sicherungsmittel in ein paar hundert Metern herum. Der Regisseur Peter Mortimer (<em>Durch die Wand</em>) hat ihn dabei mit der Kamera begleitet und Begleiter und Kolleginnen interviewt. <strong><em>Der Alpinist </em></strong>ermöglicht einen Blick auf die Gebiete der Natur, die noch immer weitgehend Wildnis sind: karge Steilwände, an denen Menschen eigentlich nichts verloren haben. Der öffentlichkeitsscheue Leclerc ist viele von ihnen trotzdem rauf- und auch wieder runtergeklettert. Mortimers Dokumentarfilm bietet Einblick in eine besondere, risikoreiche Form der Weltflucht und präsentiert dabei wunderschöne Naturbilder.</p>
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<p>Zurück auf den Boden: Gudrun (Corinna Harfouch) feiert ihren 60. Geburtstag, irgendwo in der ostdeutschen Provinz, in dem Waisenhaus, in dem sie selbst, ohne Eltern, aufgewachsen ist. Als sie erfährt, dass das Heim verkauft werden soll, geht sie auf die Barrikaden. Marie Schuberts Regiedebüt <strong><em>Das Mädchen mit den goldenen Händen </em></strong>will diese Geschichte über den Ausverkauf einer ganzen Region und über die Schwierigkeit, die eigene Geschichte loszulassen, als generalisierbare Erzählung über die Nachwendezeit verstehen. Damit erzählt der Film nichts prinzipiell Neues, hat aber ein gutes Gespür für die bleierne Atmosphäre der Jahre nach der Wiedervereinigung.</p>
<p>Ebenfalls um ihre Vergangenheit kämpft June (Noni Hazlehurst) in dem Film <strong><em>Noch einmal, June</em></strong>. Vor Jahren schon ist June nach einem Schlaganfall dement geworden. Nach fünf Jahren mit der Krankheit erlebt sie aber mit einem Mal wieder eine wache Phase. Was die Familie latent in Erklärungsnot bringt, schließlich hat sich Junes Sohn inzwischen scheiden lassen, und die Tochter hat ihr Haus verkauft. <em>Noch einmal, June </em>kann sich ganz auf seine schwerst sympathische Hauptfigur verlassen, wenn es an das ja nicht ganz unheikle Unterfangen geht, von einer schweren Demenzerkrankung in Form einer Komödie zu erzählen (dass man ein derartiges Unterfangen auch rigoros an die Wand fahren kann, hat zum Beispiel Til Schweiger mit seinem in fast jeder Hinsicht grausligen <em>Honig im Kopf</em> gezeigt). Die Klarheit im Kopf von June wird nur eine vorübergehende sein. In dieser kurzen Zeit feiert dieser kleine, aber feine australische Film das Leben.</p>
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