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		<title>Jeanne du Barry</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Aug 2023 09:00:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Jeanne du Barry“ eröffnete das jüngste Filmfestival von Cannes. Die begnadeten, aber zuletzt skandalträchtigen Maïwenn und Johnny Depp erwecken ein signifikantes Frauenschicksal des 18. Jahrhunderts zum Leben. Sie inspirierte ein Musical von Cole Porter, eine Operette von Karl Millöcker, einen Manga von Riyoko Ikeda; sie wurde oftmals gemalt und ihr Leben zahlreich verfilmt – aber was nutzt der Lebenden der Nachruhm? Geboren wurde Marie Jeanne Bécu 1743 in ärmlichen Verhältnissen als uneheliche Tochter einer Näherin und (mutmaßlich) eines Mönchs. Nachdem [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Jeanne du Barry“ eröffnete das jüngste Filmfestival von Cannes. Die begnadeten, aber zuletzt skandalträchtigen Maïwenn und Johnny Depp erwecken ein signifikantes Frauenschicksal des 18. Jahrhunderts zum Leben. </em></p>
<p>Sie inspirierte ein Musical von Cole Porter, eine Operette von Karl Millöcker, einen Manga von Riyoko Ikeda; sie wurde oftmals gemalt und ihr Leben zahlreich verfilmt – aber was nutzt der Lebenden der Nachruhm?</p>
<p>Geboren wurde Marie Jeanne Bécu 1743 in ärmlichen Verhältnissen als uneheliche Tochter einer Näherin und (mutmaßlich) eines Mönchs. Nachdem sie jedoch als Kurtisane in der adligen Gesellschaft von Paris von sich Reden gemacht hatte, wurde sie König Ludwig XV. vorgestellt, wusste ihre Chance zu nutzen und stieg schließlich als Madame du Barry zu dessen letzter von vielen Mätressen in der Nachfolge der glanzvollen Madame de Pompadour (1721-1764) auf. Der König starb 1774 an den Pocken, die du Barry wurde am 8. Dezember 1793 im Nachgang der französischen Revolution durch die Guillotine hingerichtet.</p>
<p>Die Schauspielerin, Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Maïwenn hat dieses Frauenschicksal nun mit sich selbst in der Titelrolle verfilmt. Als Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes erregte <em>Jeanne du Barry</em> – an Originalschauplätzen gedreht und ein im besten Sinne opulenter Kostümschinken – einiges Aufsehen. Allerdings weniger aufgrund seiner künstlerischen Verdienste als vielmehr, weil sowohl Maïwenn als auch der in der Rolle des Königs besetzte Johnny Depp sich zuletzt mit mangelnder Impulskontrolle und resultierenden Skandalen in der Öffentlichkeit unmöglich gemacht hatten. Letzterer hat sich bekanntermaßen mit seiner Ex-Frau vor Gericht darüber gestritten, wer wem mehr angetan hat; erstere wurde vor ein paar Monaten in einem Pariser Restaurant einem Journalisten gegenüber handgreiflich. Und während Maïwenn damit ihren Ruf als Exzentrikerin einmal mehr bestätigte, ruinierte Depp seine Karriere (zum Rosenkrieg Depp v. Heard erscheint dieser Tage <a href="https://youtu.be/IfN9F93xr_g?si=TnaFnvT2lpkctU2W" target="_blank" rel="noopener">ein Dokumentarfilm auf Netflix</a>; Besprechung folgt).</p>
<figure id="attachment_10831" aria-describedby="caption-attachment-10831" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-10831" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry-300x169.jpg" alt="Maïwenn, Johnny Depp, Jeanne du Barry" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-10831" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-10831" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="Maïwenn, Johnny Depp, Jeanne du Barry" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/08/jeanne-du-barry.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Johnny Depp, Maïwenn</figcaption></figure>
<p>Von einem „bemühten Comeback“ war denn auch die hämische Rede, dabei macht der einstige Disney-Star als alternder, phlegmatischer, in die Breite gehender Lüstling seine Sache gar prächtig. Und Maïwenns lebhaftes Temperament steht ihrer ebenso unbekümmerten wie berechnenden Aufsteigerin recht gut zu Gesicht. Dass die Funken zwischen den beiden spärlich bis verhalten fliegen, mag seine Ursache nicht so sehr in mangelnder Chemie zwischen den beiden Schauspieler:innen haben, als eher den Zwängen geschuldet sein, denen die Figuren gesellschaftlich unterliegen. Die illegitime Abkunft der du Barry ebenso wie ihr vormaliger Beruf galten dem Hof als schlichtweg zu skandalös und der König konnte in der Zurschaustellung seiner Zuneigung immer nur gerade so weit gehen. Dass um den einen einzigen Satz, den Marie Antoinette, die Frau des Thronfolgers, jemals an die Mätresse richtete – „Il y a bien du monde aujourd’hui à Versailles“ (Es sind heute viele Leute in Versailles) –, ein derart großes Gewese gemacht wird, ist nicht lediglich eine das Heute belustigende historische Anekdote. Es kristallisieren sich an diesem Eiertanz der „First Ladies“ rund um die angemessene Etikette ebenso adeliger Standesdünkel wie Möglichkeiten und Grenzen des Aufstiegs.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/4qiCluRrgT8?si=91vzoyo67zVazIkw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/4qiCluRrgT8?si=91vzoyo67zVazIkw" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Die neuere Geschichtsforschung interpretiert die Rolle der Mätresse des Königs als „eine Art Hofamt“; wer es geschickt anstellte, konnte es zu Macht und Einfluss und ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Dass dies der du Barry nicht gelang, lag an ihrem Hintergrund, der, was eben noch als tolerabel galt, nach unten hin durchschlug. Die permanente Gefahr ihres Absturzes, die Angst davor, in Ungnade zu fallen und ersetzt zu werden, zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch das mit pointiertem Witz gestaltete Geschehen. Insbesondere der groteske Zirkus des französischen Hofzeremoniells wird hier zum Ziel von Maïwenns Spott, und in Depp findet sie einen verschmitzten Mitverschwörer. Der Spaß, den die beiden dann miteinander an der Demontage von Herrschaftsritualen haben, täuscht jedoch an keiner Stelle darüber hinweg, dass unter dem Begriff der „Mätresse“ die Männer mit dem Körper der Frau Politik betreiben und sich die du Barry in dieser Hinsicht von dem ihr zum Geschenk gebrachten schwarzen Sklavenjungen Zamor – der sie später an die Wächter der Revolution verraten wird – kaum unterscheidet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Jeanne du Barry</strong><br />
<strong>FR/UK/BE 2023, Regie</strong> Maïwenn<br />
<strong>Mit</strong> Maïwenn, Johnny Depp, Benjamin Lavernhe<br />
<strong>Laufzeit</strong> 113 Minuten</p>
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		<title>Rückschau</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Dec 2021 18:30:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Migrantige Schwestern, distanzierter Vater, zerrissene Königin: Neue Kinofilme von Yamina Benguigui, Andrea Segre und Charlotte Sieling blicken in die Vergangenheit. „Zwischen den Jahren“ – auch so ein Unfug! Die Tage zählen ja ganz normal weiter und wer gedacht hat, zwischen Weihnachten und Neujahr so allerhand übers Jahr Liegengebliebene endlich aus dem Weg räumen zu können, sieht sich einmal mehr mit der Tatsache konfrontiert, dass es eben doch nur acht Tage sind, die Heiligabend von Silvester trennen, also viel zu wenige. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Migrantige Schwestern, distanzierter Vater, zerrissene Königin: Neue Kinofilme von Yamina Benguigui, Andrea Segre und Charlotte Sieling blicken in die Vergangenheit.</em></p>
<p>„Zwischen den Jahren“ – auch so ein Unfug! Die Tage zählen ja ganz normal weiter und wer gedacht hat, zwischen Weihnachten und Neujahr so allerhand übers Jahr Liegengebliebene endlich aus dem Weg räumen zu können, sieht sich einmal mehr mit der Tatsache konfrontiert, dass es eben doch nur acht Tage sind, die Heiligabend von Silvester trennen, also viel zu wenige. Gehen wir daher lieber ins Kino. Wo allerdings neustartmäßig gesehen nicht viel los ist, weil Spider-Mans Netze noch überall kleben; vergangene Woche hat zudem die Matrix Weihnachten mit Ostern verwechselt und ist unnötigerweise wiederauferstanden und im Bond waren vermutlich auch noch nicht alle drin.</p>
<p>Jenen drei Filmen, die sich mutig an den Start wagen, ist der Blick in die Vergangenheit gemeinsam. Was wiederum in die Zeit vor dem Jahreswechsel sehr gut passen will, wird diese doch traditionellerweise zur Rückschau (und zum Fassen wenig haltbarer guter Vorsätze) genutzt.</p>
<p>Neu im Kino: Da schauen nun also in einem Familiendrama drei Schwestern auf ihre schwierige Kindheit zurück; ein Filmemacher schaut in einem (auto)biografischen Doku-Essay auf das distanzierte Verhältnis zu seinem Vater zurück; und ein Historienfilm mit ordentlich Kostüm schaut ins Jahr 1402 zurück, in dem die Kalmarer Union einer schrecklichen Belastungsprobe unterzogen wurde. Wenn das kein Angebot ist.</p>
<figure id="attachment_5815" aria-describedby="caption-attachment-5815" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=500%2C314&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5815" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1-300x188.jpg" alt="" width="500" height="314" /><figcaption id="caption-attachment-5815" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5815" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=500%2C314&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="314" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=300%2C188&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=1024%2C643&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=770%2C484&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=1536%2C965&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=2048%2C1286&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=500%2C314&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=293%2C184&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=1400%2C879&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=390%2C245&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?resize=1320%2C829&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Schwestern-Eine-Familiengeschichte-Frontpage-scaled-1.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Schwestern, 2020, Yamina Benguigui</figcaption></figure>
<p>Neu im Kino, Teil 1: In einer Mischung aus Roadmovie, Charakterstudie und Melodram verhandelt die aus einer algerischen Einwandererfamilie stammende Yamina Benguigui mit <strong><em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=C7mIFISlXlY" target="_blank" rel="noopener">Schwestern</a> (Soeurs) </em></strong>autobiografische Motive ebenso wie die sozial relevanten Themen Immigration und weibliche Selbstermächtigung. Als Bühnenautorin Zorah beschließt, in einem Theaterstück die Geschichte ihrer Familie aufzuarbeiten – die Mutter verlässt den gewalttätigen Vater, um mit den Töchtern nach Frankreich zu gehen; der Vater bleibt mit dem einzigen Sohn und Bruder zurück – reagieren ihre Schwestern Norah und Djamila und erst recht Mutter Leila zurückhaltend bis verärgert. Als dann auch noch der Vater einen Schlaganfall erleidet, reisen alle nach Algerien, wo sie die Vergangenheit mit Nachdruck einholt. Auch wenn es in <em>Schwestern</em> strukturell aufgrund mächtig vieler Rückblenden ein wenig hapert, so überzeugt der Film doch zum einen mit seinem unbedingten Enthusiasmus und zum anderen mit den schauspielerischen Leistungen von Rachida Brakni, Maïwenn und Isabelle Adjani in den Rollen der drei Schwestern.</p>
<figure id="attachment_5813" aria-describedby="caption-attachment-5813" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5813" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6-300x169.jpg" alt="" width="500" height="281" /><figcaption id="caption-attachment-5813" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5813" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=500%2C281&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="281" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/molekuele-der-erinnerung-venedig-wie-es-niemand-kennt_sl-2b9e94a9-d808-4f27-8bc3-4fd2645b90e6.jpg?w=1278&amp;ssl=1 1278w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Moleküle der Erinnerung, 2020, Andrea Segre</figcaption></figure>
<p>Neu im Kino, Teil 2: Auch Andrea Segre hat mit seiner Familie ein Hühnchen zu rupfen, respektive mit dem Zeit seines Lebens auf Distanz gebliebenen Vater. Nunmehr selbst Vater geworden, unternimmt Segre, der Sohn und Filmemacher, das, was Filmemacher in einem solchen Fall eben zu unternehmen pflegen: Er dreht einen autobiografisch motivierten Film, <strong><em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=tA-pvxRgVIE" target="_blank" rel="noopener">Moleküle der Erinnerung</a> (Molecole)</em></strong>, um das Versäumte zu kompensieren, irgendwie. Zu diesem Behufe macht er sich auf in des Vaters Heimatstadt, nach Venedig, mit der er selbst nie so recht vertraut geworden ist, und will am Ort des väterlichen Aufwachsens dessen Wesen ergründen.</p>
<p>Doch die Dreharbeiten finden im Februar und März 2020 statt, und wir alle wissen nur zu genau, was zu jener Zeit die Weltherrschaft an sich riss – also auch die über Venedig, den berühmt-berüchtigten Touristen-Hotspot. Plötzlich ist also die Lagunenstadt beinahe menschenleer und keine Gondel, kein Boot, und schon gar kein Kreuzfahrtschiff stellt sich der Begegnung mit dem <em>genius loci</em> in den Weg. Und mit einem Male wird das Leben an diesem Ort des Dazwischen – nicht eindeutig dem Land, aber auch nicht ganz dem Wasser zuzuschlagen – vorstellbar als eine ganz besondere und faszinierende Daseinsweise. Lediglich Segres allerlei Selbstreflexion raunendes Voice-over gilt es auszublenden, dann hat man einen Superfilm.</p>
<figure id="attachment_5811" aria-describedby="caption-attachment-5811" style="width: 500px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=500%2C227&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-5811" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1-300x136.jpg" alt="" width="500" height="227" /><figcaption id="caption-attachment-5811" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-5811" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=500%2C227&#038;ssl=1" alt="" width="500" height="227" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=300%2C136&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=1024%2C466&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=770%2C350&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=1536%2C698&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=2048%2C931&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=500%2C227&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=293%2C133&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=1400%2C637&amp;ssl=1 1400w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=390%2C177&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?resize=1320%2C600&amp;ssl=1 1320w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2021/12/Die-Koenigin-des-Nordens-Szene-4-scaled-1.jpg?w=2400&amp;ssl=1 2400w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></noscript> Die Königin des Nordens, 2021, Charlotte Sieling</figcaption></figure>
<p>Womit zwanglos auf neu im Kino, Teil 3, also Trine Dyrholm übergeleitet wäre, die der Titelfigur in Charlotte Sielings <strong><em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=JfjI-D335U4" target="_blank" rel="noopener">Die Königin des Nordens</a> (Margrete den første)</em></strong> Gesicht und Gestalt gibt. Wer war Margrete I. von Dänemark? Nach dem Tod ihres Gemahls Håkon VI., seines Zeichens König von Norwegen und Schweden, schickte sie sich an, als Regentin und in Stellvertretung ihres damals fünfjährigen Sohnes Olav, die skandinavischen Länder in der sogenannten Kalmarer Union zu vereinigen. Als aber Olav 1387 im Alter von 17 Jahren verstarb, adoptierte Margrete kurzerhand ihren Großneffen Erich von Pommern und setzte diesen auf den Thron &#8211; wo der sodann tat, was sie ihm auftrug. Soweit, so historisch verbürgt. Sieling allerdings erzählt in ihrem Film, so das vorangestellte Insert, „eine Fiktion, von wahren Ereignissen inspiriert“ – und es ist eine wahrhaft finstere und gnadenlose Fiktion.</p>
<p>Taucht doch just in einer schwierigen Phase der Reichskonsolidierung ein junger Mann auf, der von sich behauptet, der seinerzeit nicht verstorbene sondern vielmehr entführte Olav zu sein, mithin also der eigentliche und rechtmäßige König. Fortan geht es zur Sache, vor allem auf der Ebene des Gefühls: Margrete, die den Mann zunächst nicht, aber vielleicht dann eben doch als ihren Sohn erkennt, ist in höchstem Grade verunsichert; Erich sieht seinen Status bedroht und sich ein weiteres Mal entwurzelt; Olav kann nicht glauben, dass man ihm nicht glaubt; die Hofschranzen und Lehensfürsten wittern im Skandal die Morgenluft des Machtzuwachses. Binnen kurzem hat sich der Rat der drei Reiche in eine Schlangengrube voller Giftnattern verwandelt und Margrete steckt im Zwiespalt zwischen mütterlichem Instinkt, der den Sohn retten will (nur welchen?), und dem drohenden Scheitern ihres ehrgeizigen Lebensplans, der immerhin ein Friedenswerk zum Ziel hat. Sie steht also vor der ewig aktuellen Frage, was schwerer wiegt, das Wohl der Allgemeinheit oder das der Einzelnen.</p>
<p>Und Trine Dyrholm in der Rolle der Regentin bringt den Schmerz, der der Antwort auf diese Frage hier innewohnt, in einer Bravour-Performance zum Ausdruck. In ihren Augen spiegelt sich das Erschrecken über den Preis der Macht, in ihrem Körper das immer tunlichst unauffällige Ringen um Haltung. Geringstmöglicher Aufwand erzielt größtmögliche Wirkung; ein Schauder läuft einem über den Rücken.</p>
<p>In diesem Sinne: Kommen Sie gut ins neue Jahr!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://filmfilter.at/kinovorschau/rueckschau/">Rückschau</a> erschien zuerst auf <a href="https://filmfilter.at">filmfilter</a>.</p>
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