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		<title>The Knocking (2022)</title>
		<link>https://filmfilter.at/starkes-stueck/the-knocking-2022/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Aug 2023 11:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Starkes Stück]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>The Knocking: Die drei Geschwister haben einander schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen. Doch jetzt, beim Notar und da die seit weit über einem Jahrzehnt bereits verschollene Mutter endlich für tot erklärt ist und das Erbe angetreten werden soll, begegnen sich Mikko, Maria und Matilda als Erwachsene wieder. Einander fremd, beklommen, Banalitäten austauschend, Wichtiges verschweigend. Dann fahren sie ins Haus im Wald auf der Insel, um etwaiges Brauchbares herauszuholen, bevor alles verkauft wird. – Und das Verdrängte kehrt wieder [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>The Knocking</em>: Die drei Geschwister haben einander schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen. Doch jetzt, beim Notar und da die seit weit über einem Jahrzehnt bereits verschollene Mutter endlich für tot erklärt ist und das Erbe angetreten werden soll, begegnen sich Mikko, Maria und Matilda als Erwachsene wieder. Einander fremd, beklommen, Banalitäten austauschend, Wichtiges verschweigend. Dann fahren sie ins Haus im Wald auf der Insel, um etwaiges Brauchbares herauszuholen, bevor alles verkauft wird. – Und das Verdrängte kehrt wieder und der Horror beginnt.</p>
<p>Die Hütte im Wald ist eine der verlässlichsten Genre-Tropen des Unheimlichen, Garant der Qual und Vernichtung von Menschen, die sie unbedacht betreten. Archetypisch gestaltet von Sam Raimi in <em>The Evil Dead</em> (1981). Man glaubt also in etwa zu wissen, was da kommen mag. Täuscht sich aber. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Finn:innen eine besondere Beziehung zu ihren endlosen, tiefen Wäldern haben, dass Joonas Pajunen und Max Seeck in ihrem Regiedebüt <em>The Knocking / Koputus </em>die Seite der Monster ergreifen? Aber was heißt schon Monster, wenn man sich vor Augen führt, seit wann es Wälder gibt? Sowie bedenkt, dass der Mensch und sein Vorfahr zu jener früheren Zeit noch an vielgestaltige Mächte glaubte, die der Natur entsprossen. In solch einem, in animistischer Tradition stehenden Wald kommt das Geräusch einer Kettensäge jedenfalls gar nicht gut an. Und jeder Schritt im selbstverständlich aus Holz gebauten Haus ruft ein Knarzen hervor, als ob das Haus lebendig wäre und auch ein Wörtchen mitzureden hätte.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/PtteP_7Oq9k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/PtteP_7Oq9k" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Höchst effektvoll flicht das Regie-Duo, das mit <em>Koputus</em> ein eigenes Drehbuch verfilmt, Vergangenheit und Gegenwart ineinander und krönt das Gewebe mit pointierten Momenten abgründigen Schreckens, den die eine in der anderen verursacht. Bald wimmelt es nur so vor unangenehmen Erinnerungen und unbequemen Wahrheiten, und schließlich finden sich – ungebeten, aber folgerichtig – Gäste ein, die ältere Rechte geltend machen können. Und während sich in Rückblenden eine von einem ignoranten Patriarchen verursachte Familientragödie allmählich entfaltet, droht das Heute mit Wiederholung. Dass das Trauma in <em>The Knocking</em> erfolgreich durchgearbeitet wird, darf allerdings bezweifelt werden.</p>
<h6>Erschienen bei <a href="https://www.pierrotlefou.de/filme/the_knocking" target="_blank" rel="noopener">Pierrot Le Fou</a></h6>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>The Knocking / Koputus</strong><br />
<strong>Finnland 2022, Regie</strong> Joonas Pajunen, Max Seeck<br />
<strong>Mit</strong> Inka Kallén, Pekka Strang, Saana Koivisto, Mikko Leppilampi<br />
<strong>Laufzeit</strong> 87 Minuten</p>
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		<title>Die Erde ist ein sündiges Lied (1973)</title>
		<link>https://filmfilter.at/starkes-stueck/die-erde-ist-ein-suendiges-lied-1973/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benjamin Moldenhauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jul 2023 06:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Starkes Stück]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass das Landleben jenseits von Bullerbü keine Idylle ist und auch niemals war, weiß man auch als Städter, nicht zuletzt aus dem Kino. Rauni Mollbergs erster Kinofilm Die Erde ist ein sündiges Lied insistiert allerdings mit einer seltenen Vehemenz auf der Rohheit und Härte des Landlebens. Mord, Totgeburt, Vergewaltigung – und das alles im von der Restwelt weitgehend abgeschnittenen Dorfkosmos, den Mollberg hier noch einmal enger auf den Kosmos einer Familie zusammenzieht. Der Zugriff auf das Gezeigte ist ein nahezu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass das Landleben jenseits von Bullerbü keine Idylle ist und auch niemals war, weiß man auch als Städter, nicht zuletzt aus dem Kino. Rauni Mollbergs erster Kinofilm <em>Die Erde ist ein sündiges Lied </em>insistiert allerdings mit einer seltenen Vehemenz auf der Rohheit und Härte des Landlebens. Mord, Totgeburt, Vergewaltigung – und das alles im von der Restwelt weitgehend abgeschnittenen Dorfkosmos, den Mollberg hier noch einmal enger auf den Kosmos einer Familie zusammenzieht.</p>
<p>Der Zugriff auf das Gezeigte ist ein nahezu dokumentarischer. Was auch bedeutet, dass in diesem vor allem mit Laienschauspieler:innen besetzten Film nur wenig zu finden ist, was an einen Plot erinnert. Im Zentrum steht dann doch eine Figur, die Bauerntochter Martta (Maritta Viitamäki), die anfängt mit Männern zu schlafen, was in <em>Die Erde ist ein sündiges Lied</em>, wie fast alles eigentlich, ein trister Vorgang ist. Vor allem aber sehen wir, wie sie leben, die Einwohnerinnen und Einwohner des für die Kamera zum räudigen Leben erweckten finnischen Dorfes, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, aber dem Lauf der Zeit weitgehend enthoben. Und das ist kein schönes Bild. Gleich im ersten Drittel von <em>Die Erde ist ein sündiges Lied </em>stirbt ein Kalb noch im Bauch der Kuh und muss dann mit einem Messer herausgeschnitten werden. Ein Vorgang, den die Kamera von Kari Sohlberg mit einer stoischen Unerbittlichkeit aufnimmt, ohne den Blick abzuwenden.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/Sm1A-1jDXos" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/Sm1A-1jDXos" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Alles ist roh in diesem Film, nahezu alles ist verbunden mit rudimentären, existenziellen Vorgängen: Geburt, Sex, Tod. Trotzdem verlieren sich die gar nicht so simplen, sondern wunderschön ausgeleuchteten Bilder nie in existenzieller Schwere. <em>Die Erde ist ein sündiges Lied </em>kommt zwar mit Wucht, aber auch mit einer sehr anrührenden Restschönheit daher, die daran erinnert, dass Menschen eigentlich zu einem besseren Leben fähig sind als zu diesem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Die Erde ist ein sündiges Lied / Maa on syntinen laulu</strong><br />
<strong>Finnland 1973, Regie</strong> Rauni Mollberg<br />
<strong>Mit</strong> Maritta Viitamäki, Pauli Jauhojärvi, Aimo Saukko, Milja Hiltunen<br />
<strong>Laufzeit</strong> 99 Minuten</p>
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		<title>Nichts für Feingeister</title>
		<link>https://filmfilter.at/themen/kritiken/nichts-fuer-feingeister/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2023 11:30:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kritiken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Sisu“ kehrt einen finnischen Volksmythos gegen die Nazis, indem er ein schnörkelloses „alternate history“-Schlachtfest inszeniert. In Österreich und Deutschland im Kino. Wenn es nicht so verharmlosend klänge, dann könnte man den Helden von Sisu ein „Stehaufmännchen“ nennen. Aber ein „Männchen“ ist dieser Kerl nunmal ganz gewiss nicht. Ein Kerl mit Nehmerqualitäten ist er allerdings durchaus. Und er kann nicht nur beträchtlich einstecken, er teilt auch ebenso gewaltig aus. Sisu eben. Dieser Begriff bezeichnet ein ethnologisches Merkmal respektive kulturelles Konstrukt, das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Sisu“ kehrt einen finnischen Volksmythos gegen die Nazis, indem er ein schnörkelloses „alternate history“-Schlachtfest inszeniert. In Österreich und Deutschland im Kino.</em></p>
<p>Wenn es nicht so verharmlosend klänge, dann könnte man den Helden von <em>Sisu</em> ein „Stehaufmännchen“ nennen. Aber ein „Männchen“ ist dieser Kerl nunmal ganz gewiss nicht. Ein Kerl mit Nehmerqualitäten ist er allerdings durchaus. Und er kann nicht nur beträchtlich einstecken, er teilt auch ebenso gewaltig aus. Sisu eben. Dieser Begriff bezeichnet ein ethnologisches Merkmal respektive kulturelles Konstrukt, das den finnischen Volkscharakter beschreiben soll. Also etwa in der Preisklasse von „bayrische Gemütlichkeit“, „preußische Disziplin“ und „rheinischer Frohsinn“. Nur sind dergleichen Generalisierungen bekanntermaßen ja mit Vorsicht zu genießen. Anders gesagt, wären tatsächlich alle finnischen Frauen und Männer so drauf wie der zähe Haudegen, der in <em>Sisu</em> den Nazis heimleuchtet, müsste sich der Rest der Welt warm anziehen. „Sisu“ bedeutet: Zähigkeit, Kampfgeist, Durchhaltevermögen (vor allem) in scheinbar aussichtslosen Situationen. Unschwer zu erkennen, dass zum Gelingen dieses Konzeptes eine gewisse Sturheit gehört, sowie Hybris, ist doch der finnische, von Sisu beseelte Mensch offenbar nicht dazu bereit, sich seinem Schicksal zu ergeben. Oder, wie es eine der Figuren im Film ausdrückt, als sie das zur Nazi-Nemesis mutierte Stehaufmännchen zu charakterisieren versucht: „He is not immortal, he just refuses to die.“ Ha! Nehmt dies, Ihr Schergen Hitlers!</p>
<figure id="attachment_10420" aria-describedby="caption-attachment-10420" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=550%2C367&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-10420" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu-300x200.jpg" alt="Tommila, Helander, Sisu" width="550" height="367" /><figcaption id="caption-attachment-10420" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-10420" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=550%2C367&#038;ssl=1" alt="Tommila, Helander, Sisu" width="550" height="367" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=770%2C514&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=500%2C334&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=370%2C247&amp;ssl=1 370w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=293%2C196&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=240%2C160&amp;ssl=1 240w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?resize=390%2C260&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/05/sisu.jpg?w=800&amp;ssl=1 800w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Jorma Tommila</figcaption></figure>
<p>Es begab sich also gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hoch oben in der Einöde Lapplands das Folgende: Ex-Soldat Aatami Korpi (Jorma Tommila), eine lebende Legende, hat auf der Goldsuche Glück gehabt und zwei mit Nuggets prall gefüllte Satteltaschen im Gepäck, als er auf eine schon etwas abgehalfterte Einheit der deutschen Wehrmacht trifft, die sich unter Führung von SS-Obersturmbannführer Bruno Helldorf (Aksel Hennie) auf dem Rückzug befindet. Das Gold sehen und das Gold rauben sind eins, denn die Nazis kennen weder die lebende Legende noch haben sie von Sisu eine Ahnung und zum dritten wiegen sie sich aufgrund ihrer beträchtlichen Überzahl in Sicherheit. Der Alte aber, Aatami, der da gerade um seine Rente gebracht wurde und der Sisu erfunden haben könnte, belehrt die Krauts sodann eines Besseren. Er erteilt ihnen eine Lektion, die sie nicht vergessen werden. Er zeigt ihnen, wo der Hammer hängt. Er gibt nicht klein bei und schon gar nicht gibt er auf. Also fließt eine Menge Blut und es werden eine Menge hässlicher Wunden geschlagen; Fäuste fliegen, Kugeln pfeifen, Zeug explodiert. Brutal geht es zu, unbarmherzig und exzessiv. Sisu eben.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/jNvORoTTaJ0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/jNvORoTTaJ0" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Und mehr passiert eigentlich nicht. Jalmari Helanders nach eigenem Drehbuch inszenierter <em>Sisu</em> ist eine gradlinige, schnörkellose Angelegenheit. Kein Wort zuviel, keine Sperenzchen, voll auf die Zwölf. Und noch einmal und wieder und neuerlich und weil’s so schön war … Das muss man natürlich mögen. Wer Splatter, Gore und Hardcore-Action nichts abgewinnen kann, sitzt hier absehbar im falschen Film. Alle anderen seien herzlich eingeladen, denn dergleichen klare Ansagen – Nur ein toter Nazi ist ein guter Nazi! – gehören wertgeschätzt. Zumal Helander kein billiges B-Picture gedreht hat, sondern seine grauslige Mär in bemerkenswerte Bilder fasst; das Schlachtfest ist wunderbar anzusehen: Die Herbstsonne legt Glanzlichter auf die vernarbten, schmutzigen Körper der vom ewigen Kampf ermüdeten Krieger. In Braun- und Ockertönen schimmert das mit kargem Grün durchfleckte Land. Die Nacht bringt Finsternis in metallischem Blau, doch noch lang keine ewige Ruhe. Dazu ein Score, der einem Western alle Ehre machen würde und damit die Mythen-zeugende Kraft des ehrwürdigen Genres aufruft: Also streitet die Legende des unverwüstlichen Widerstandsgeistes mit der Inkarnation des Bösen schlechthin um das seit jeher die Gier der Menschen beflügelnde Edelmetall und lässt sich <em>Sisu</em> als eine fundamentale Auseinandersetzung grundsätzlicher Kräfte lesen. Oder auch nicht. Es bleibt dann immer noch ein teuflisch gemeiner Genrefilm, der stur den Pfad den Gewalt entlang brettert, bis nur noch Einer steht. Sisu eben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Sisu</strong><br />
<strong>FI/UK 2022 Regie</strong> Jalmari Helander<br />
<strong>Mit</strong> Jorma Tommila, Aksel Hennie, Jack Doolan, Mimosa Willamo, Onni Tommila<br />
<strong>Laufzeit</strong> 91 Minuten</p>
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		<title>Into Eternity (2010)</title>
		<link>https://filmfilter.at/starkes-stueck/into-eternity-2010/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Roman Scheiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2022 16:30:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die EU-Kommission will Investitionen in Atomkraftwerke als klimafreundlich einstufen. Das ist natürlich per se betrachtet schon ein Riesen-Unsinn, weil es von grob verschleierten CO2-Emissionsannahmen ausgeht. Es zeugt aber auch davon, dass – abgesehen von augenfälligen Risiken der Betriebssicherheit – ein ungelöstes Problem der Atomenergiegewinnung seit Jahrzehnten unter den Teppich bzw. in mehrere hundert Meter tiefe Höhlen gekehrt wird, nämlich das der Endlagerung des Strahlenmülls. Dies wiederum wird von Atomsemiotikern und anderen Expertinnen ebenfalls seit Jahrzehnten diskutiert, woran man sich im [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die EU-Kommission will Investitionen in Atomkraftwerke als klimafreundlich einstufen. Das ist natürlich per se betrachtet schon ein Riesen-Unsinn, weil es von grob verschleierten CO2-Emissionsannahmen ausgeht. Es zeugt aber auch davon, dass – abgesehen von augenfälligen Risiken der Betriebssicherheit – ein ungelöstes Problem der Atomenergiegewinnung seit Jahrzehnten unter den Teppich bzw. in mehrere hundert Meter tiefe Höhlen gekehrt wird, nämlich das der Endlagerung des Strahlenmülls. Dies wiederum wird von Atomsemiotikern und anderen Expertinnen ebenfalls seit Jahrzehnten diskutiert, woran man sich im Zuge der fröhlichen Kernkraft-Renaissance <a href="https://orf.at/stories/3176158/" target="_blank" rel="noopener">nun halt auch wieder erinnert</a>. Erinnern könnte man sich freilich auch an <em>Into Eternity</em>.</p>
<p>Denn im Grunde reicht die Ansicht dieses mit 75 Minuten Länge höchst schlanken, hübsch strukturierten und klugen Dokumentarfilms, um sich die Sache einmal so richtig ins Bewusstsein zu heben. Schon 2010 stellte ihn der dänische Konzeptkünstler und Filmemacher Michael Madsen als „Film für die Zukunft“ vor. In <em>Into Eternity</em> wird gerade damit begonnen, das Tunnelsystem Onkalo (finnisch für „kleine Höhle“) im Westen Finnlands in den Fels zu sprengen, um dort ab dem Jahr 2100 für läppische 100.000 Jahre atomaren Restmüll zu beherbergen.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/qoyKe-HxmFk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/qoyKe-HxmFk" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>Madsen findet lakonisch gruselige Bilder für seinen Höhlenfilm und stellt den Verantwortlichen die richtigen Fragen. Wäre das Thema nicht so ernst, man käme glatt ins Schmunzeln: Wenn die Befragten in <em>Into Eternity</em> überlegen, dass Menschen der Zukunft die Höhle womöglich als „Pyramiden unserer Zeit“ und somit als Schatz aufgraben werden wollen. Wenn die Expert:innen auf die Gefahr allzu verlockender Warnhinweise für zukünftige Generationen verweisen. Oder wenn sie daher vorschlagen, dass man den Ort – einmal zubetoniert – besser dem quasi kontrollierten Vergessen anheimfallen lassen sollte. Spätestens dann sollten wir uns als vernunftbegabte Menschen wieder daran erinnern, dass wir Atomkraft als ernsthafte Alternative zur fossilen Energiegewinnung schon lange vergessen haben könnten.</p>
<p>(auf Disc bzw. gegen moderates Entgelt bei Streamern wie Prime Video, Apple TV u.a. verfügbar.)</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>Into Eternity: A Film for the Future</strong><br />
<strong>Dänemark 2010, Regie &amp; Drehbuch</strong> Michael Madsen<br />
<strong>Mit</strong> Timo Äikäs, Timo Seppälä, Juhani Vira, Esko Roukola, Wendla Paile, Mikael Jensen, Berit Lundqvist, Peter Wikberg, Carl Reinhold Bråkenhjelm, Sami Savonrinne<br />
<strong>Laufzeit</strong> 75 Minuten</p>
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