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		<title>Bi-Ba-Butzemann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Seitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jun 2023 17:00:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„The Boogeyman“: Die Stephen-King-Adaption von Rob Savage biegt nach langer Schwebespannung in eine lange Zielgerade fleischgewordenen Schreckens ein. Jetzt in AT und DE im Kino. Jedes Kind weiß: Unter dem Bett und in den Wandschränken lauert die Gefahr, dort verstecken sich die Monstren und die Unholde, die Gespenster und der Schwarze Mann. Letzteren kennt man auch als Nachtgiger oder Nachtkrabb, als Bi-Ba-Butzemann ist gleichfalls nicht mit ihm zu spaßen und den Boogeyman fürchten vor allem die englischsprachigen Kurzen. Diese vielgestaltigen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„The Boogeyman“: Die Stephen-King-Adaption von Rob Savage biegt nach langer Schwebespannung in eine lange Zielgerade fleischgewordenen Schreckens ein. Jetzt in AT und DE im Kino.</em></p>
<p>Jedes Kind weiß: Unter dem Bett und in den Wandschränken lauert die Gefahr, dort verstecken sich die Monstren und die Unholde, die Gespenster und der Schwarze Mann. Letzteren kennt man auch als Nachtgiger oder Nachtkrabb, als Bi-Ba-Butzemann ist gleichfalls nicht mit ihm zu spaßen und den Boogeyman fürchten vor allem die englischsprachigen Kurzen. Diese vielgestaltigen Schwarzen Männer also stecken im Schatten und in der Dunkelheit und lauern auf ihre kleinen und wehrlosen und unschuldigen Opfer. Die wiederum beim Zubettgehen, von Angst und Panik erfüllt, ihren Erziehungsberechtigten mit dem Verlangen nach angeschalteten Lampen und offenen Kinderzimmertüren auf den Wecker fallen sowie der Bitte, abschließend noch unters Bett und in den Wandschrank zu schauen. Denn jedes Kind weiß, dass die Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist. Hingegen weiß jede:r Erwachsene mit durchschnittlicher Horrorfilm-Erfahrung, dass sie vergebene Liebesmüh ist, wenn der Boogeyman tatsächlich im Wandschrank lauert.</p>
<p>Von dieser Prämisse ausgehend, ist der Beginn von Rob Savages <em>The Boogeyman</em> vielversprechend. Unheimliches Gewimmer und Geflüster, diffuses Gekratze und Gekrächze, während ein Kleinkind im Laufstall zunehmend irritiert in die Gegend kuckt; es ist Nacht und die Schatten hängen tief. Dann kommt es wie es kommen muss, nämlich nicht zur Rettung in letzter Sekunde – was als klare Ansage zu verstehen ist: Publikum, schnall dich an, wir meinen es ernst!</p>
<figure id="attachment_10497" aria-describedby="caption-attachment-10497" style="width: 550px" class="wp-caption alignnone"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load wp-image-10497" data-lazy-src="https://filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb-300x169.jpg" alt="Savage, Messina, The Boogeyman" width="550" height="309" /><figcaption id="caption-attachment-10497" class="wp-caption-text"><noscript><img data-recalc-dims="1" decoding="async" class="wp-image-10497" src="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=550%2C309&#038;ssl=1" alt="Savage, Messina, The Boogeyman" width="550" height="309" srcset="https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=770%2C433&amp;ssl=1 770w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=500%2C281&amp;ssl=1 500w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=293%2C165&amp;ssl=1 293w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?resize=390%2C219&amp;ssl=1 390w, https://i0.wp.com/filmfilter.at/wp-content/uploads/2023/06/boogeymanthumb.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></noscript> Chris Messina</figcaption></figure>
<p>Im Weiteren liegt der Schwerpunkt auf dem Atmosphärischen, das sich speist aus der psychischen Verfasstheit der Hauptfiguren: Vater Will (Chris Messina) und seine zwei Töchter Sadie (Sophie Thatcher) und Sawyer (Vivien Lyra Blair), die soeben Frau bzw. Mutter verloren haben; die Trauer ist tief und reicht vor allem bei Teenagertochter Sadie ins Depressive. Dass der Vater als Psychotherapeut arbeitet, zieht dem familiären Trauer-Arrangement einen doppelten Boden ein, insofern die Psychologie doch immer eine plausible Erklärung findet für’s fantastische Geschehen: Im Zweifelsfalle ist es Trauma-induziert. So bleibt lange in der Schwebe, ob der verzweifelte Mann, der bei Will eines Nachmittags in der Sprechstunde sitzt, „nur“ unter Wahnvorstellungen leidet oder tatsächlich heimgesucht wird von einer mordlustigen Macht.</p>
<p>Da wir es aber bei <em>The Boogeyman</em> mit der Verfilmung einer 1978 erschienenen, gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King zu tun haben, ist auch klar, dass der Psychokram nicht weit trägt, beziehungsweise nicht taugt zur letztlichen Aufklärung der Ereignisse. Denn King – alle, die seine Bücher lesen, wissen’s und können’s beklagen – glaubt an das leibhaftige Monster. Respektive nutzt den Fleisch gewordenen Schrecken als schriftstellerische Strategie, d.i. Endpunkt und Aufklärung seiner Geschichten. Seine Trillionen Abnehmer:innen scheinen’s ihm immer wieder zu vergeben, und ich gestehe, dass auch ich immer wieder aufs Neue eins seiner Bücher zur Hand nehme und mich langelange tüchtig grusle – bis dann eben das Monster leibhaftig und die Chose langweilig wird.</p>
<p><iframe class="zeen-lazy-load-base zeen-lazy-load" title="YouTube video player" src="about:blank" data-lazy-src="https://www.youtube.com/embed/cFqCmIU0-_M" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><noscript><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/cFqCmIU0-_M" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></noscript></p>
<p>So ist es auch in diesem Film. Mit dem Unterschied, dass es zwar nicht langweilig, aber doch allzu konventionell wird. Wo also zuvor beispielsweise das zünftig unheimliche Sounddesign für Gänsehaut und aufgestelltes Nackenhaar sorgte, heischt nunmehr der gute alte Jumpscare-Effekt und erntet Gähnen. Zugegeben, das ist betrüblich, unverzeihlich ist es nicht; zumal <em>The Boogeyman</em> das Versprechen seines Titels über weite Strecken einlöst. Gemessen am Gruselfaktor eines durchschnittlichen Horrorfilms ist das, wie die Aficionados des Genres wissen, eine Menge und das Beklagen des leiblichen Monsters daher Jammern auf hohem Niveau. Lassen Sie sich also, solcherart vorgewarnt, mit umso mehr Vergnügen auf die Schattenmalerei und Musikalität dieses Films ein. Erfreuen Sie sich an der Aufmerksamkeit, die den Schauspieler:innen zuteil wird, während sie den Raum zwischen Trauer und Psychose ausloten, den der Dämon sich zunutze macht. Und vergessen Sie nicht, unters Bett und in den Wandschrank zu schauen, bevor Sie sich schlafen legen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="font-size: 12px; line-height: 1.9; background-color: #eaeae5; padding: 30px; color: #1e1e1e;"><p><strong>The Boogeyman</strong><br />
<strong>USA 2023, Regie</strong> Rob Savage<br />
<strong>Mit</strong> Sophie Thatcher, Chris Messina, Vivien Lyra Blair<br />
<strong>Laufzeit</strong> 98 Minuten</p>
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		<title>Joan Didion (1934–2021)</title>
		<link>https://filmfilter.at/kolumnen/brooklyn-bulletin/joan-didion-1934-2021/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marietta Steinhart]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2022 20:00:09 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein befreundeter Hollywoodautor hat einmal gesagt: „Los Angeles is where the human experience goes to die.“ Es erinnerte mich an etwas, das Joan Didion in einem ihrer berühmten Essays, nämlich <a href="https://www.nybooks.com/articles/1973/03/22/hollywood-having-fun/" target="_blank" rel="noopener">Hollywood: having fun</a> geschrieben hat. „The place makes everyone a gambler“. Jeder wird zum Spieler.</p>
<p>Didion und ihr Ehemann John Gregory Dunne (1932–2003) hatten New York City verlassen, um im Westen als Drehbuchautoren ihr Glück zu versuchen. Die gebürtige Kalifornierin hat Hollywood besser verstanden als viele andere. Ihr Hollywood war kein mythisches Kalifornien, ein Land der Orangenhaine, des ewigen Sommers und der grenzenlosen Möglichkeiten. Sie wusste: Hier sterben Träume.</p>
<p>Didions Roman „Play It as It Lays“ (1970), eine bewegende Bestandsaufnahme über depressiven Nihilismus, zeigt Hollywood als rabiat und unfreundlich. Das Buch handelt von Maria, einer Schauspielerin in den Dreißigern, die von einer kleinen Stadt in Montana aus ihren Weg in die Welt der Filme gefunden hat, um schließlich völlig desillusioniert auf der kalifornischen Autobahn zu fahren, um ihre gescheiterte Ehe, eine Abtreibung und die psychische Erkrankung ihrer Tochter zu vergessen. Joan Didion sah Hollywood als eine geschlechtsungleiche Kultur: Frauen existieren so, wie Männer sie in der Erzählung erschaffen. In der 1972er Filmversion, inszeniert von Frank Perry, (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=UfRkecpJ9Ew" target="_blank" rel="noopener">man kann sie glücklicherweise auf YouTube sehen</a>) spielen Tuesday Weld und Anthony Perkins die Hauptrollen.</p>
<p>1971 adaptierten Didion und ihr Mann mit <em>The Panic in Needle Park</em> den gleichnamigen Roman von James Mills, eine Liebesgeschichte in der New Yorker Drogenszene. Didion nannte es „Romeo und Julia auf Heroin“. Der Film im <em>cinéma vérité</em>-Stil ist ein eindringliches Meisterwerk über Sucht und den damit einhergehenden Verlust der Selbstachtung. Darüber wusste Didion schon in ihrem berühmten Essay <a href="https://www.vogue.com/article/joan-didion-self-respect-essay-1961" target="_blank" rel="noopener">On Self-Respect</a> viel zu sagen.</p>
<p>Für ihre Performance in <em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=q-2Y5iTWUSI" target="_blank" rel="noopener">The Panic in Needle Park</a></em> wurde Kitty Winn bei den Filmfestspielen von Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Es war auch Al Pacinos erste Hauptrolle und er ist brillant darin. Sein Kaugummi-Schmatzen, sein ausdrucksstarkes Gesicht, sein manchmal stummer und manchmal zärtlicher Charme, seine Wut, seine List – all das drückt sich in einer ebenso berührenden wie wahnsinnigen Darbietung aus. Francis Ford Coppola engagierte ihn daraufhin für <em>The Godfather</em>. Der Rest ist Filmgeschichte.</p>
<p>Das dritte gemeinsame Drehbuch von Didion und Dunne war ein Remake von <em>A Star is Born </em>(1976, Frank Pierson), ein Kino-Welthit mit Barbra Streisand als unbekannter Sängerin und Kris Kristofferson als verblassendem Rockstar, lange vor Lady Gaga und Bradley Cooper.</p>
<p>Mit ihrer eleganten Prosa hat Didion ganze Zeitgeister durchdrungen. In bahnbrechenden Essays richtete sie ihren kritischen Blick auf die Hippies von Kalifornien, auf die Filmindustrie oder auf die todesmutige Musik der Doors. Bestbekannt war sie als führende Vertreterin des New Journalism, die die Mythen der Traumfabrik freilegte, aber es gab eben auch eine andere Joan Didion, die Hollywood als Geldmaschine sah, die Dinner-Partys schmiss und auf solche ging, und die Aufträge annahm, um eine Krankenversicherung zu bekommen.</p>
<p>Es gab, so heißt es, nur einen Grund, warum Didion und Dunne sich verpflichteten, die Biografie der amerikanischen Moderatorin Jessica Savitch zu verfilmen, die 1983 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war: Sie brauchten die Krankenversicherung der Writers Guild. Das Projekt erblickte schließlich 1996 als <em>Up Close &amp; Personal</em> mit Robert Redford und Michelle Pfeiffer (und Celine Dions <em>Because You Loved Me</em> im Abspann) das Licht der Welt. Dunne, der acht Jahre lang mit seiner Frau am Drehbuch gearbeitet hatte, schrieb später ein berüchtigtes Buch mit dem Titel „Monster: Living Off the Big Screen“, in dem er seine schrecklichen Erfahrungen beschrieb. Nach 27 Entwürfen ging es nicht mehr um Jessica Savitch. Disney hatte alle Spuren von Savitchs Drogenkonsum, Scheidungen, Abtreibungen und Selbstmordversuchen entfernen lassen. Was übrig blieb, war eine alte Pygmalion-Geschichte des männlichen Mentors, der von seinem Starschüler (und seiner Frau) überschattet und damit vor die Türschwelle der Tragödie gebracht wird. Einen guten Effekt hatte der Film aber dann doch. Er inspirierte Will Ferrell, dessen eigenen Film über den Chauvinismus in der News-Branche zu drehen – <em>Anchorman: The Legend of Ron Burgundy</em>.</p>
<p>Fast fünfundzwanzig Jahre lang versuchte das Paar, Geld aus den Studios zu holen. Zusammen adaptierten sie auch einen Roman von Dunne, einen 1981 erschienenen Crime Noir, inspiriert vom Mord an Black Dahlia. Ein Jahr später spielten Robert Duvall und Robert De Niro ungleiche Brüder in <em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=iqk_iCcq6PM" target="_blank" rel="noopener">True Confessions</a></em>, Duvall einen zynischen Detektiv, De Niro einen römisch-katholischen Monsignore.</p>
<p>Ihre Namen sahen Didion und Dunne nur sechsmal im Kino. Einmal wurden sie auch gebeten, ein Drehbuch neu zu schreiben, das wahrscheinlich eine Wucht geworden wäre: eine Kombination aus <em>Die Hard</em> und <em>Key Largo</em>. Doch wie viele ihrer Projekte wurde auch dieses nie realisiert. Vielleicht wären die beiden als Drehbuchautoren erfolgreicher gewesen, hätte man ihnen die nötige Freiheit gegeben. Am Ende gingen sie zurück nach New York City. Auch wenn sie mit hohem Einsatz gespielt haben: Verloren haben sie nicht.</p>
<p>PS: 2017 drehte der Schauspieler Griffin Dunne für Netflix einen sehenswerten Dokumentarfilm über seine Tante:</p>
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